BGH · III ZR 14/64
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Mit der Klage erstrebt die Klägerin in erster Linie die Berichtigung des Grundbuchs dahin, daß die Erben ihres Vaters als Eigentümer der Landotelle im Grundbuch eingetragen werden, da nach Ihrer Ansicht diese Landstello infolge eines auf den Nachlaß bezogenen Hechtsgeschäfts kraft Gesetzes Bestandteil des Nachlasses geworden sei„ Sie habe nämlich im wesentlichen das Geld zur Bezahlung des Kaufpreises aus dem Verkauf von Vieh und von Erzeugnissen, die zu dem Nachlaß gehört hätten, erzielte Selbst habe die Mutter weder Vieh noch Barvermögen besessene Sie habe auch kein Vermögen in die Ehe eingelrocht oder von ihren Eltern ererbtes Geld zu dem Ankauf der Landstelle verwendet« Außer der Landstelle sei von dem Nachlaß des Vaters nichts mehr vorhanden» Die vier Beklagten seien ohne wissen und Zustimmung der übrigen Erben als Eigentümer im Grundbuch eingetragen worden« Die Lutter habe den übrigen Erben niemals gesagt, daß sie den Hof nur für die vier jüngsten Söhne erworben habe» Die übrigen Geschwister seien stets vertröstet worden, daß nach dem Tode der Mutter die Auseinandersetzung erfolgen werde, v/obei sic ihren Anteil erhalten würden» Sie selbst habe erst 1959 nach dem Tode der Mutter durch Grundbuch-auszug erfahren, daß der Beklagte Johann de als Eigentümer eingetragen sei und vorher mit ihm die Beklagten Karl, Joachim und Adolf de als Miteigen- im Werte von 155 IM« Die beklagten Karl, Joachim und Adolf de hätten aber v^eit mehr an barem Geld als den ihnen zustehenden 3/44-Anteil aus dem Nachlaß erhalten* Nach den von ihnen mit dem Beklagten Johann de abge- Denn auch die vier Beklagten hätten noch Beträge erhalten, obwohl sie schon als Eigentümer des Hofes eingetragen und deshalb auf alle Fälle abgefunden gewesen seien. Band 185 Blatt 3199 und K^|||^ Band 44 Blatt 1680 dahin berichtigt werden, daß an Stelle einer Eintragung als Eigentümer Miteigentum Ginge-• tragen wird, und zwar so, daß der Beklagte zu 1.Miteigentümer zu 17/28 ist und die im einzelnen bezeichneten Personen in ungeteilter Erbengemeinschaft Miteigentümer zu zusammen 11/28 sind, in zweiter Linie den Beklagten zu 1* zu verurteilen, an die Klägerin 3 »255 DM nebst Einsen zu zahlen» Die Beklagten haben um Klageabweisung gebetene Sie haben zunächst die Unzuständigkeitsrüge erhoben, da, wie sie meinen, die Sache vor das Landwirtschaftsgericht gehöreo Sur Sache haben sie vorgetragen: hiebt der Vater, sondern die Mutter sei rächterin der Landstolle gewesen,, Soweit die Mutter einen Teil des Kaufpreises aus den Erträgen und dem Inventar des von ihr damals gepachteten Hofes bestritten habe, habe es sich demnach nicht um Kachlaßmittel gehandelt. Lie Klägerin und ihre Geschwister hätten auf dem Hof nur stundenweise gegen Entgelt gearbeitet» Lie Erben des Vaters hätten sich Uber den Nachlaß faktisch auseinander-gesetzt» Bereits vor dem Tode des Vaters seien alle Kinder außer den vier Beklagten beträchtlich ausgesteuert worden» So habe die Klägerin etwa 1»500 - 1.700 HM erhalten» Hach dem Ableben des Vaters habe die Mutter an ihre Kinder 2»GC0 EM und nach der Währungsreform nochmals te 2o0C0 IM gezahlt; nur sie - die Beklagten - hätten nichts erhalten» Lediglich dem Beklagten Johann de V^^^ sei eine Schuld in Höhe von 2 „000 DB! es Io In Übereinstimmung mit dem Landgericht geht das Berufungsgericht davon aus, daß es sich bei der streitigen Lendstolle zwar um einen Hof im Sinne der Höfeverordnung von 24o April 1947 (Anlage B der Verordnung Br* 84 - Erbhöfe - Amtsblatt der britischen Militärregierung lir« 18 So 505) handele, da der Einheitswert über 10*000 13M, nämlich 24«500 DM, betrage und der Beklagte Johann de als Alleineigentümer im Grundbuch eingetragen sei, die Beantwortung der hier in erster Linie streitigen Frage nach den tatsächlichen Eigentumsverhältnissen am Hofe sich jedoch nicht aus den Vorschriften über das Anerbenrecht ergebe, so daß das ordentliche Gericht zuständig sei (§ 1 lir* 5 LwVG). Alleiniger Pächter der Landstelle war der Vater der Parteien,, Sr war der Eigentümer des auf der gepachteten Landstelle befindlichen Inventars, so daß dieses in seinen Nachlaß fiel, an dem die Butter der Parteien zu 1/4 und die Parteien und ihre Geschwister zu Je 5/44 als Mit-erben beteiligt waren« Hach dem im Jahre 1934 erfolgten lede des Vaters nahm die Mutter als gesetzliche Vertreterin der damals noch minder jährigen Beklagten und mit Zustimmung der volljährigen Kinder, darunter der Klägerin, den Nachlaß in Besitz, um die Pachtung v,'eit er zuführen» Der Anteil der Kinder am Nachlaß wurde von ihr niemals in Abrede gestellt, nur bat sie ihre volljährigen Kinder, die Auseinandersetzung des Nachlasses nicht sofort zu verlangen, da sie die gepachtete Landstelle oder einen feil derselben kaufen wollte» Im Jahre 1956 kaufte dann die Mutter im Einverständnis der volljährigen Kinder als gesetzliche Vertreterin der damals noch minderjährigen vier Beklagten einen feil der bis dahin gepachteten Landstelle für diese, wobei die Anzahlung in Höhe von 11»000 RM - ob ganz oder nur teilweise, läßt das Berufungsgericht offen - aus Mitteln bestritten wurde, die aus dem Erlöse von verkauftem Inventar stammten® 2») Las Berufungsgericht prüft diesen Sachverhalt im Einblick auf den von der Klägerin geltend gemachten Anspruch auf Berichtigung des Grundbuchs unter dem Gesichtspunkt , ob die gekaufte Landsteile, als deren alleiniger Eigentümer grundbuchmäßig nunmehr der Beklagte Johann d© V^| ausgev/ieson ist, oder zu demindest ein den aus dem Inventar-erlöc für die Kaufpreisanzahlung entnommenen Mitteln entsprechender Miteigentumsanteil an der Landsteile im Wege der 11 Surrogat ion" in den Nachlaß des Vaters der Parteien gefallen ist, so daß als Eigentümer der Land stelle oder^ zu demindesten als Miteigentümer an ihr die Erbengemeinschaft nach dem verstorbenen Vater der Parteien anzusprechen und die Eintragung des Beklagten Johann de als alleiniger Eigentümer im Grundbuch unrichtig wäre» Es kommt hierbei zu dem Ergebnis, daß eine uSurrogation" nicht eingetreten sei, und zwar weder nach § 2019 Aüs»1 BGB, wonach als aus der Erbschaft erlangt auch gilt, was der schaft als Eigentümer im Grundbuch einzutragen, ebenso wie der erste Hilfsansprueh, anstelle des Beklagten Johann de Vries diesen zu 17/26 und die Erbengemeinst ha ft zu 11/20 als Miteigentümer im Grundbuch einzutragen, nicht durcho Bä die Mutter der Parteien im Einverständnis der voll jährigen Kinder nach dem lode des Vaters die gepachtete Landstelle weiter bowirtcchaftote, gehörte hierzu auch notwendig die Ausübung des Besitzes an den Nachlaßgegentständen und insbesondere an dem Inventar der LandsteilCo Ed ist daher davon auszugehen, daß die Mutter im Einverständnis der Miterben das zu dem Nachlaß gehörige Inventar verwalteteo Mit der Beendigung des Pachtverhältnisses ergab sich für sie im Rahmen einer ordnungsmäßigen Verwaltung die Notwendigkeit der Veräußerung des nunmehr nicht mehr verwendbaren Inventars« Oie veräußerte daher einen feil des Inventars, von dessen Erlös die Anzahlung oder ein feil der Anzahlung beim Kauf der Landsteile bestritten wurde« Der Rest des Inventars verblieb dem Nachlaß und diente offensichtlich weiterhin der Bewirtschaftung der gekauften Landstelle« Las ganze vorhanden gewesene Inventar war hierfür nicht erforderlich, da die gepachtete Landstelle etwas über 19 ha groß gewesen war, hiervon aber nur etwas über 14 ha gekauft wurden» Erfolgte mithin der teilweise Verkauf des Inventars im Kähmen einer ordnungsmäßigen Nachlaßverv/altung, so ergab sich hieraus, daß der Erlös für das Inventar an dessen Stelle trat und somit in den Nachlaß fiel» Dafür, daß etwa von der Mutter etwas anderes gewollt war, liegen keine Anhaltspunkte vor» Ebenso ergeben sich keine Anhaltspunkte dafür, daß etwa der Verkauf des Inventars nicht im Einverständnis der übrigen Miterben erfolgt ist, ganz abgesehen davon, daß sie verpflichtet gewesen wären? Danach kann aber nur davon ausgegangen werden, daß mit der Zuwendung des Inventarerlöses an die Beklagten im Einverständnis der volljährigen Miterben eine Auseinandersetzung der Erbengemeinschaft bezweckt war, wobei es dahingestellt bleiben kann, ob und inwieweit die Erbengemeinschaft an noch vorhandenem Nachlaß fortgesetzt werden sollte, oder ob man nicht bereits eine vollständige Erbauseinandersetzung herbeiführen wollte mit der Maßgabe, daß die minderjährigen Kinder abgefunden sein sollten, wahrend die volljährigen Geschwister aus den Erträgnissen der landsteile noch gewisse Zuwendungen erhalten sollten, so daß im Ergebnis allen Geschwistern etwa der gleiche Erbteil zukam0 Bür dies letztere spricht sehr viel die vom Berufungsgericht getroffene Feststellung, daß die Klägerin auch noch nach dem lvode des Vaters von der Mutter 1 000 ELI und 2 OG0 1)11 erhalten hat, wobei sie und die übrigen Geschwister, die auch gev/issc Geldbeträge erhielten, sieh bei der Rntgegennanme dieser Beträge darüber im klaren und damit einverstanden waren, daß es sich nach dem Willen der Mutter um Abfindungen aus dem Nachlaß des Vaters handeln sollte» war zwar die gewollte Erbauseinandersetzung nicht schlechthin nichtig, denn sie konnte bei Eintritt der Volljährigkeit der Beklagten - der jüngste von ihnen wurde bereits im Jahre 1945 volljährig - von diesen entsprechend " 177 BGB genehmigt werden« Baß eine ausdrückliche Genehmigung erfolgt sei, ist selbst von den Beklagten nicht vor-getrugen« lie Genehmigung hätte nun zwar auch stillschweigend durch schlüssige Handlung erfolgt sein können, was jedoch erforderte, daß das schlüssige Handeln der Beklagten ihren Geschwistern als Genehmigung erkennbar wurde und die Beklagten sich zu demindest der Möglichkeit der schwebenden Unwirksamkeit des Erbauseinandersetzungsvertrages bewußt waren und für diesen Fall den Erfolg des i7 irks a rawer den s des Vertrages durch die Genehmigung in ihren ‘willen auf genommen hatten (RG2 118, 335, 337). Ließe sich eine wirksame Genehmigung bejahen, dann wäre auch der gewollte Br bauseinandersetzungsvertrag, und zwar gemäß § 184 BGB mit dem Zeitpunkt seines Abschlusses, voll wirksam geworden mit der Folge, daß auf Grund dieser Brb-auseinandersetzung der aus der Inventarveräußerung erzielte Erlös den Beklagten zufloß« Sie wurden rechtmäßige Eigentümer dieses Geldbetrages, und es stand nichts entgegen, daß die Mutter der Parteien als gesetzliche Vertreterin der damals noch minderjährigen Beklagten diesen Den Kaufvertrag vom % April 1936 zwischen den Beklagten und der Stadt als solchen konnte die Hutter der Parteien als gesetzliche Vertreterin der Beklagten flir diese ohne weiteres wirksam ab schließen, da hierbei weder ein Verhandeln der Mutter der Parteien mit sich selbst (§ 181 BGB) in Hede stand, noch dieser Kaufvertrag der Vormundschaftsgerlchtlichen Genehmigung bedurfte, da nach der Vorschrift des § 1643 Abs» 1 BGB infolge Dichtanfiihrung des § 1821 Abs«, 1 Ziff« 5 BGB die Eltern zu einem Vertrage für das Kind, der auf den entgeltlichen Erwerb eines Grundstockes gerichtet ist, nicht der vormundschaftcgerichtlichen Genehmigung bedürfen» Durch die Auflassung der Hofstelle an die Beklagten und ihre Eintragung im Grundbuch zu je 1/4 als Miteigentümer erwarben sie alsdann auch rechtmäßig diese Eigentümerstellung und auch der Veräußerung der Bigentumsanteile der zur Zeit der Veräußerung bereits volljährigen Beklagten Karl, Joachim und Adolf de an den Beklagten Johann de stand ein rechtliches Hindernis nicht entgegen» Der Eintrag des Zohann de als Eigentümer der Hof stelle entsprach alsdann der materiellen Rechtslage» Es kann jedoch offen bleiben, ob eine wirksame Genehmigung des Erbauseinandersetoungsvertrages durch die Beklagten erfolgt ist«, Denn, auch wenn man dieses verneint, stellt sich die Rechtslage im Hinblick auf die von der Klägerin geltend gemachten Orundbucbberichtigurgs*-ansprüche im Ergebnis nicht anders dar» Hehlt es an der erforderlichen Genehmigung, dann ist zwar der zwischen der Mutter und den Kindern gewollte Erbteilungsvertrag nicht wirksam geworden» Jedoch auch in diesem Falle führte die Zuwendung des Inventarerlöses an di© Beklagten sum Hier haben aber die Beklagten durch besonderen Vertrag, nämlich durch den Kaufvertrag vom 5* April 1936, den ihnen aus dem Kachlaß zugeflossenen Geldbetrag gegen die Hofsteile oder wohl zutreffender gegen einen dem ihnen aus dem Bachlaß zugeflossenen Geldbetrag entsprechenden Anteil an der Hof stelle eingetauscht,, her Bereicherungsanspruch der Erbengemeinschaft geht daher nur auf Ersatz des von den Beklagten ohne Rechtsgrund erlangten Geldbetrages 0 Daraus folgt, daß auch in diesem Falle das Grundbuch immer die richtigen Eigentümer der Hofstelle ausgewiesen hat und auch zur Zeit den Beklagten Johann de als richtigen Eigentümer ausweist„ Mit Hecht hat daher das Berufungsgericht den von der Klägerin geltend gemachten Grundbuchberichtigungsanspruch, soweit er von ihr mit dem ersten Hauptantrag und dem ersten Hilfsan-trag verfolgt wird, für unbegründet erachtete Auch ein der Erbengemeinschaft möglicherweise zustehender Bereicherungsanspruch kann diesem Klagebegehren der Klägerin, selbst wenn man ihren ersten Hauptantrag und ersten Hilfsantrag dahin auslegen wollte, daß in ihnen auch das Begehren auf Rückauflassung oder Zustimmung zur Grundbuchumschreibung enthalten sei, nicht zu dem Erfolge verhelfen*