BGH · III ZR 378/51
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Dr.Kreft, Dr.Beyer und Dr»Hußia für Recht erkannts Auf die Rechtsmittel des Beklagten werden das Urteil des 2»Zivilsenats des Oboriandesgorichts in Koblenz vom 30. Die Klägerin trägt die Kosten des Rechtsstreits Von Rechts wegen Tatbestands Die Klägerin eine Textilwarengrcsshandlung, hatte in den Jahren 1944/45 eine grössere Menge an Textilwaren in Bad Ems eingelagert„ Kurz vor dem Einmarsch der ameri kanischen Truppen übersandte der Regierungspräsident von Koblenz dem Landrat des beklagten Kreises in dessen Gebiet sich das Warenlager befand, felgendes Schreibens Der Regierungspräsident Landeswirtschaftsamt für den Wirtschaftsbezirk Koblenz An -den Herrn Landrat des Unterlahnkreises Di ez/Lahn Betr, i Verwertung Lagerbestand in Spinnstoff In dem Gemeindesaal in Bad Ems befindet sich ne^h waren von Diez, dem Sitz der Kreisverwaltung, am 22w März nach Bad Ems, um die Verwertung des Lagers mit einem Vertreter der Klägerin za besprechen« Im Lager war aber lediglich der Wächter anwesend> der jede Ver- Der Kreisoberinspektor HflBB ging daraufhin zu dem Bürgermeisteramt und stellte dort im Namen des Landrats von Limburg, der zugleich in Personalunion den beklagten Kreis verwaltet, folgende Beschlagnahmeverfügung aus0, enthaltend Textilwaren aller Art, beschlagnahmt Die Zuweisung der Waren an EinzelhandelsGeschäfte der Kreise Limburg und TJnterlalin wird Ihnen später noch bekannt gegeben werden, Beschlagnahmung ist erfolgt, nachdem der Regierungspräsident (Landeswirtschaftsamt) Koblenz diese Läger infolge der militärischen La.se zur Verwertung für die Kreise Liinburg-Unterlahn mit Verfügung vom 19. war als Leiter des Wirtschaftsamts befugt, derar ti»e Beschlagnahmeverfügungen im Auftrag des Landrates zu unterzeichnen« Er händigte dann in Begleitung eines Polizeibearaten die Beschlagnahmeverfügung dem Wächter gegen Empfangsbescheinigung aus und ging mit die sein anschliessend das Lager durch. daß mehrere Kommissionen zu dem Abtransport an Firmen im linksrheinischen Gebiet bereitgestellt waren,Da das linke Rheinufer bereits vom Feinde besetze war, wurden diese War Firmen in Bad Ems und Nassau zugewiesen Die Bezahlung erfolgte unmittelbar von diesen Firmen an die Klägerinp Wegen der restlichen Textilwaren wurde mit dem Wächter vereinbart, daß diese am 24.. An diesem Tage liess der Kreisober inspektor nach Verhandlungen mit dem Angestellten einen weiteren Teil des Warenlagers im Werte von 318 500 RJ.I auf ein Lalinschiff zu dem Abtransport nach Diez und Limburg verladen. Die Klägerin nimmt den beklagten Landkreis auf Ersatz dieses ihr durch den Verlust der Textilv/aren entstandenen Schadens, umgestellt auf 7 351v58 DM, in Anspruch k Sie behauptets Bei den Verhandlungen zwischen ihrem Angestellten und Kreisoberinspektor habe dieser zugesagt, die auf dem Lahnschiff zur Verla dun ekommenen Waren zu dem Preise von 118 500 RM zu über nehmen und der Klägerin hierüber einen Scheck sugehen zu lassen, so daß insoweit bereits privatrechtliche Verpflichtungen des Beklagten bestanden* Der beklagte Landkreis hafte auch aus dem Gesichtspunkt der Amtspflichtverletzung und der Aufopferung* Die Verfügung des Landrats vom 22, März 1945 stelle nicht nur eine Sicherstellung, sondern bereits eine Inanspruchnahme zur Verfügung Enteignung dar. Lager verbliebenen Bestände nicht geplündert worden seien Die Klägerin hat beantragt, den beklagten Kreis zu verurteilen an sie 7 351,58 DM zuzüglich 4 $ Zinsen nett dem 1* Juli 1945 zu zahlen,. da der Landrat auf Grund des Erlasses des Reiehs-wirtscnaftsministers eine AuCtra^eanGelegenheit wahrgenommen habe und die Beschlagnahme nicht jm Interesse des Kreiskommunalverbandes erfolgt sei; es sei auch nur ein geringer Bruchteil der beschlagnahmten Waren für Geschäfte im Bezirk des Beklagten bestimmt gewesen« Das Berufungsgericht geht davon aus., daß CUr den von der Klägerin geltend gemachten Anspruch der Rechtsweg zulässig sei, gleichgültig, ob das Klagebegehren seine Grundlage in § 75 EinlALR oder in § 26 RLG finde- Mit dem Landgericht verneint es das Vorliegen privatrechtlädier Beziehungen zwischen den Psvteien, weil das Vorbringen der Klägerin insoweit nicht schlüssig und auch die für Verpflichtungserklärungen des beklagten Landkreises erforderliche Form nicht erfüllt sei'.. gen besonderen Zeitumstände ein Anhalt gegeben Im Gegensatz zu dem erstinstanzlichen Richter hält das Oberlandesgericht die Klageforderung jedoch nicht aus dem Gesichtspunkt der Aufopferung, sondern als Vei’jütungs anspruch aus § 26 RLG für begründet. ht gegeben sei, die aber für den vorliegenden Pall in den Vorschriften des Reichsleistungsgesetzes getroffen sen Das Berufungsgericht führt sodann im-einzelnen aus, daß die Vorausetzungen des § 26 RIG gegeben seien und der beklag te Landki die Die Revision des Beklagten mußte Erfolg haben, da der] Rechtsweg für die von der Klägerin vor den rrdentlicben Gerichten erhobene Klage unzulässig ist, 101 entschieden, daß das Lastenausgleichsgesetz in dev Revisionsinstanz auch dann zu berücksichtigen ist, wenn das Berufungsurteil zeitlich vor diesem Gesetz ergangen jen, welche Einwirkung das Lasten st Es ist also zu fra ausgleichsgesetz auf Ansprüche wegen rechtmässiger und (schuldhaft oder schuldlos) rechtswidriger Eingriffe in Vermögensrechte des Einzelnen aus der Kriegszeit hat Die Prüfung hat sich insbesondere darauf zu erstrecken, ob diese Ansprüche jetzt durch das Lastenausgleichsgesetz geregelt sind und dadurch der Rechtsweg vor den ordentlichen Gerichten ausgeschlossen ista Hierzu ist vom erkennenden Senat in BGHZ 8, 256 mit eingehender Begründung die Auffassung vertreten, daß neben den Forderungen aus dem Lastenausgleichsgesetz Ersatzansprüche gegen die öffentliche Hand aus Enteignung oder enteignungsgleichen Tatbeständen nicht geltend 13 LAG handelt, Von dies Grundsatz hat der Senat lediglich die Ansprüche aus unerlaubter Handlung ausgenommen, weil diese schon nach bürgerlich-rechtlichen Gesichtspunkten zu dem Schadensersatz verpflichten, und lie sich daraus ergebenden Ersafczan- Da das Berufungsgericht ohne Rechtsirr hum .sowohl eine privatrechtliche Verpflichtung des Beklagten auf Zahlung einer Vergütung oder Entschädigung als auch eine schuldhafte Amtspflichtverletzung der Beamten des Beklagten verneint hat - die Revision hat hiergegen auch keine Einwendungen erhoben-, scheiden diese Gründe für eine Haftung des Beklagten aus. Der mit der Klage geltend gemachte Anspruch könnte .demnach nur noch ein aus Enteignung oder enteignungsgleichem Tatbestand hergeleiteter Entschädigungsanspruch sein - mag er auf § 26 RLG oder § 75 EinlALR oder Art 153 WeimVerf gestützt sein* Unter diesen Umständen kommt es entsprechend den vom erkennenden genau aufgestellten ReMitngrundSätzen im vorliegenden Falle darauf an, ob die von dem Beklagten verfügte Beschlagnahme oder Wegnahme des Warenlagers der Klägerin ein Kriegssachschaden im Sinne des § 13 Abs 3 LAG ist, d,b, fassung daß die Beschlagnahme oder Wegnahme vcn Saoli^Ti auf Grund des Reichslei stungsgesetzes in der Kriegs und ersten Nachkriegszeit nur ausnahmsweise den Tatbestand eines Kriegssachschadens im Sinne de Demnach liegt ein Kriegssachschaden im Sinne des § 13 Abs 3 LAG nur vor, wenn ein unmittelbarer Zusammenhang zwischen der Maßnahme des Landrats und einzelnen bestimmten Kriegsereignissen besteht (vgl BGHZ 8, 189 1 3* Hach dem vom Berufungsbericht festgestellten Sachverhalt erfolgte die Beschlagnahme der Textilwaren der Klägerin durch den Beklagten zu dem Zwecke der Verteilung an die Zivilbevölkerung auf Anregung des Regierungspräsidenten (Landeswirtschaftsamt) in Koblenz, damit d-'S Lager nicht im Zusammenhang mit dem in Kürze bevorstehenden und erwarteten Einmarsch der amerikanischen Truppen ^ernientet würde oder in die Hand des Feindes falle Die BeschlagnahmeVerfügung des Beklagten vom 22 März 1945 enthält sogar den ausdrücklichen Hinweis, daß die Beechla-nähme erfolge, nachdem der Regierungapräsiient in Koblenz dieses Lager ”infolge der militärischen Lsige" zur Verwert-freigegeben habe. Sung infolge der Feindbesetzung drohenden Notstand ent-ge^enzuwirken, mitgespielt haben, so waren doch Grund und Anlass dieser Massnahmen das militärische Einzelereignis des kurz bevorstehenden Einmarsches des Feindes in das Gebiet des beklagten Landkreises uiä die dadurch bedingte Gefahr für das Textillagor der Klägerin. Bei dieser Sachlage müssen Beschlagnahme und Wegnahme des Lagers, wenn darin bereits eine Beorderung zur Verfügung entsprechend den Ausführungen des Berufungsgerichts liegt, als im unmittelbaren Zusammenhang mit bestimmten kriegerischen Ereignissen stehend angesehen werden, so daß der Schaden der Klägerin ein Kriegssachschaden im Sinne des § 13 Abs 3 LAG ist. vom, 221 März 194-5 entsprechend ihrem Wortlaut und entgegen der Auffassung dfes Berufungsgerichts nicht als Inanspruchnahme zur Verfügung, sonlern nur als eine Sicherstellung des Textillagers im Sinne des § 25 ELG anzusehen wäre, so daß der Verlust der Textilwaren für die Klägerin noch nicht durch die in Bad Ems erfolgten Maßnahmen des Beklagten, sondern erst durch die Plünderung der auf dem Schiff verladenen Waren eingetreten wäre, ist das Ergebnis das gleiche- Da diese Plünderung der Waren, für deren Verlust die Klägerin mit der vorliegenden Klage Entschädigung begehrt, nach den Feststellungen des Berufungsgerichts i’ra unmittelbaren Zusammenhang mit der gl aiohzei-