BGH · III ZR 369/52 vom 20.09.1954
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Dezember 1948 dem Kläger gegenüber die Veröffentlichung des Artikels abp weil er sich nach der Darstellung der in jenem Artikel angegriffenen Stellen davon überzeugt habe, daß die’. ob und unter welchen Bedingungen vom Land es ernährungsamt an die- Zuckerfabrik t'MMNMi ein Darlehen gegeben worden sei, und wie es sich mit der Rückzahlung dieses Darlehens verhalte. Der Minister antwortete persönlich unter dem Briefkopf seines Ministeriums und Angabe eines Aktenzeichens dahin: Die Zuckerfabrik WflHMMi habe auf Weisung der Militärregierung aus einem Pond für ReichsStützung landwirtschaftlicher Erzeugnisse zur Wiederingangbringung des für die Ernährungswirtschaft Hessens unentbehrlicher: Betriebes einen Kredit von 1,6 Millionen Re:’ ohsmark erhaltene Dieser Kredit sei in den fahren '916/4? Herr ember 1948 erschien dann noch in den " soonen Nachricht an" eine Berichtigung zu dem Artike cos Klägers durch das Land es ernähr ang samt, die den gl ei eben Wortlaut hatte wie'das Schreiben des Ministers Lbgi (BMj| vom 23* Dezember 1948' an den Redakteur der if noch die Bemerkung angefügt, daß der die Angelegenheit betreffende Schriftwechsel niemals von Regierungsrat bearbeitet oder in Verwahrung genommen worden sei. ”W Kurier” und in seiner Zuschrift an die Redaktion der ” ÜW Freien Presse” gegebene Darstellung als auch die vom Landesernährüngsamt gegebene Berichtigung in den ’’Hessischen Ha ehr ich ten" in wesentlichen Punkten bewußte Unrichtigkeiten enthielten- Er vertritt die Rechtsansicht daß es sich bei diesen Erklärungen um hoheitsrechtliche Akte gehandelt habe, und daß den erklärenden Stellen des Landes Hessen ihm gegenüber die Amtspflicht obgelegen hatte- wahrheitsgemäße Angaben za machen'. Im einzelnen hat der Kläger behauptet, eine Weisung der'Militärregierung auf Hingabe des Kredits an die Zahle erfahr ik WflHHIR habe nie Vorgelegen, Das Darlehen sei auch nicht zu dem Wiederaufbau; sondern zur Finanzierung des Rübenankaufs und zur Abdeckung eines Bankkredits verwendet worden; Der Kredit sei in den Jahren 194-6/47 nicht in Höhe von 1 s4 Millionen Reichsmark "abgedeckt" worden; vielmehr seien nur -im Juni 1946 600=000 RM zurückgezahlt; soweit das beklagte land behaupte, durch Erlaß: vom 28=, November 1947 seien weitere 800=000 EM der Darlehensschuld "niedergeschlagen" worden; liege keine Zurückzahlung, also keine Abdeckung' vor; die Nied'erschlagungsverfügung sei auch nur fingiert; sie ,3ei im übrigen nichtig, weil entgegen den gesetzlichen Bes.timmungen das Kabinett nicht mitgewirkt habe, und weil Minister IcSHl sich bei der Niederschlagungsverfügung in Interessenkolision insofern befunden habe, als er gleichzeitig Vorstandsmitglied und Großaktionär der Zuckerfabrik IHHHÜ gewesen sei», Auch die letzten 200=000 RM seien entgegen der Behauptung des beklagten Landes nicht zurückgezahlt worden» 2i das beklagte Land zu verurteilen,' die Behauptung zu widerrufen, die Angaben des Klägers in seinem Artikel mit der Überschrift "Subventions-Politik in Hessen" und "Ein neuer Fall DUMB" seien unwahr, und zwar durch Erklärungen gegen-."-' Es bleibt bei seiner vorprozessualen Behauptung, die Hingabe des Kredits sei auf Weisung der Militärregierung, erfolgt, die sowohl vorder Zuckerfabrik V MI als auch von Br« DWüNt unter Androhung von Zwangsmitteln verlangt habe, für den Wiederaufbau der Fabrik zu sorgen, und die in Verfolg dieses Verlangens selbst veranlaßt habe, daß die entsprechenden, zunächst beschlagnahmten Mittel aus dem Reichsstützungs-■'foil'd freigegeben worden seien. Das Landgericht hat das beklagte Land verurteilt, wegen des durch Nichtveröffentlichung des Artikels in der "GW Freien Presse" entstandenen Schadens 100 DM .nebst Zinsen zu zahlen; im übrigen hat es die Klage ab- unter Abänderung des angefochtenen Urteils in, vollem Umfange nach den in erster Instanz gestellten Anträgen zu erkennen und hilfsweise, falls der Antrag auf Verurteilung zu dem Widerruf keinen Erfolg haben sollte, festzustellen, daß das beklagte"Land verpflichtet ist, dem Kläger Geldersatz für alle entstandenen und noch entstehenden Schäden zu leisten, welchevveruivsacht sihd .durch eine unrichtige Presseberichtigung des Beklagten in den "Hessischen Nachrichten" in EflMMI zu dem;Artikels "Suoventionspolitik in Hessen" des Klägers, in der Neuen Zeitung" zu dem Artikel des Klä gerss "Neuer Pall und durch Erklärungen des Landesernährungsamts Hessen und des früheren Ministers loHü gegenüber der "Giessener Freien Presse ..unddem "WflBHHNI Kurier" zu eben diesem Artikel des Klägers» ' bbU Auji; ''WU Das Berufungsgericht ,(S 12 des Urteils) vertritt die Ansicht, daß der Schadensersatzanspruch des Klägers in allen geltendgemachten Fällen nur -aus' § 839 BGB in Verbindung mit-Art 136 Adbs 1 Hessische Verfassung hergeleitetr werden könne; eine dem Kläger gegenüber obliegende Amtspflicht auf wahrheitsgemäße Auskünfte bejaht es, weist aber hinsichtlich des Zahlungsanspruches die Klage ab, weil teils die objektive und subjektive Unrichtigkeit der vom Kläger beanstandeten Erklärungen nicht erwiesen sei, teils' sogar der volle Wahrheitsbeweis für diese Erklärungen erbracht sei (Urteil S 23), Auf die Rügen der Revision braucht jedoch nicht näher eingegangen zu werden, da die im Revisionsrechtszug allein zu prüfenden Ansprüche aus § 839 BGB schon deshalb aüsschei-üen, weil eine den Dienststellen des beklagten Landes dem Kläger gegenüber obliegende Amtspflicht zur wahrheitsgemäßen Auskunft nicht besteht» Zwar sind die angegriffenen Erklärungen des Ministers LoMüM wie die des Landesernährungsamtes als Verwalt ung sh and 1 ungen anzusehen» Sie betrafen unstreitig nicht die bürgerlich-rechtlichen Belange des Landes; sie sind auch von beiden Stellen in dienstlicher Eigenschaft abgegeben worden» Das ergibt sich für die Auskunft an die "C flHHNMHE Freie Presse" bereits aus dem Briefkopf und der Anführung eines Aktenzeichens in dem Schreiben des Ministers» Es gilt aber auch für das vom Minister dem 'h'MNMi Kurier" gegebene Interview; der Minister hat es bei einem dienstlichen Besuch in WlMMNtt als Minister abgegeben; aus diesem Umstand urddem Inhalt des Interviews ergibt sich, daß der Minister nicht als Privatmann oder io - sondern in dienstlicher Eigenschaft die Erklärung abgegeben hat»' Auch bei der in den "Hessischen Fachrichten" erschienenen "Berichtigung" des -Land esernähr.uhgsamt es handelt es sich'* wie sich' ohne weiteres aus dem Inhalt ergibt, um eine sol che dienstliche Äußerung» Minister wie -Landesernährungsamt haben daher bei. Abgabe der vom Kläger angegriffenen Erklärungen, in Ausübung der ihnen anvertrauten öffentlichen Gewalt gehandelte, Insoweit ist daher das Tatbestands merkmal der Amtspflicht im Sinne der Staatshaftungsgesetz erfüllt, Weitere Voraussetzung für die Begründung von Ansprüchen aus § 839 BGB ist jedoch, daß die bei dieser Aus Übung der Öffentlichen Gewalt nach der Behauptung, des Klä gers verletzte Amtspflicht den angegriffenen Beamten -hier also dem Minister und den Beamten des landesernäh-rungsamtes - gerade dem Kläger gegenüber obgelegen hat,, Diese Voraussetzung ist hier aber entgegen den Ausführungen der Vorinstanz nicht erfüllt« ; Ein Verbot der .Veröffentlichung des Artikels des Klägers'ist weder unmittelbar noch mittelbar ausgesprochen worden» Deshalb sind die in der von den Vorinstanzen angeführten Reichsgerichtsentscheidung RGZ 108, 366 (ebenso z.B. auch in RGZ 9.1, '304 und 381 '/3S3/ä7; 1 25, 86; 1 39, 154) entwickelte n Gedanken nicht einschlägig, dem Beamten obliege ;jec.er, Dritten gegenüber die Amtspflicht, die ihm anvertrauten Machtmittel nicht nur bei Absicht der Zwangsgewalt, sondern gerade auch ohne Zwangsabsicht nur sorgfältig zu gebrauchen. Enthält der Beamte sich hoheitlichen Zwanges und be schränkt er sich nur auf die Erteilung einer Auskunft, so muß die Auskunft - gleichgültig, ob sie aus einer Rechts Pflicht zur Auskunftserteilung oder freiwillig abgegeben wird - sachgerecht, also auch wahrheitsgemäß sein (vgl z„B, RC-Z 146, 35 /407; 170, 129 /T347)« Biese Amtspflicht besteht aus dem Gedanken der hoheitsrechtlichen Fürsorge gegenüber jedem Britten, in dessen Interesse die Auskunft erteilt wird« Bie Erklärungen über den der Zuckerfabrik UfUMHMMi gewährten Kredit wurden aber nicht im Hinblick auf Interessen des Klägers oder der beteiligten Zeitungen gegeben« Burch die Erklärungen wurde das Verhältnis keiner dieser Steller, zur Zuckerfabrik bWIlMMBi oder zu anderen Personen beeinflußt» Sinn und Zweck der Erklärungen war vielmehr, wie' das Landgericht (Urteil S 18/19) unter Billigung des Berufungsgerichts ausführt, die Verteidigung der angegriffenen Staatsstellen gegen die in den Artikeln des Klägers erhobenen Angriffe« Eine hoheitliche PürSorgepflicht zur wahrheitsgemäßen A.uskunftserteilung, die bezweckte, einen auf die Richtigkeit der Auskunft vertrauenden Britten vor Schaden zu. Selbst wenn diese Frage - allgemein oder mindestens für die fragliche.Zeit - zu bejahen wäre, so würde sich daraus nicht eine der Presse und damit dem Kläger als Journalisten gegenüber bestehende Amtspflicht zur sachgemäßen Auskunft■ ergebenljlsf'näm-v' lieh eine Amtspflicht' den Beamten nicht im Interesse -einzelner Personen auferlegt, sondern ist der Zweck der Amtspflicht nur die Aufrechterhaltung der öffentlichen Ordnung oder das Interesse des Staates an einer ordentlichen Amtsführung der Beamten, so handelt es sich nicht um eine den Beamten einem Dritten gegenüber obliegende Amtspflicht, wie das Reichsgericht bereits in ständiger Rechtsprechung (vgl. Dritte - selbst wahrheitsgemäß - unnötig angegriffen wird; der näheren Abgrenzung, wann ein unnötiger Angriff eine Verletz" dieser auch - ' dem Kläger gegenüber obliegenden Amtspflicht darstellt, bedarf es hier nicht, weil weder ein unmittelbarer noch ein mittelbarer Angriff auf den Kläger in den Erklärungen des Ministers und des Landesernährungsamtes liegt. Diese Erklärungen beschränken sich auf eine eigene Sachdarstellung über die vom Kläger in seinem Artikel erörterte Gewährung eines Kredits an die Zuckerfabrik UMMHH Sie erwähnen die Person des Klägers überhaupt nicht; insbesondere wird der Kläger darin nicht etwa als unglaubwürdig bezeichnet, und zwar auch nicht etwa mittelbar. Stellung über den der Zuckerfabrik WNiMMMi gewährten Kredit und überlassen sie es jedem, sich ein Urteil über den Kläger als Verfasser des dementierten Artikels selbst zu bilden, so liegt ein Eingriff in die Rechtssphäre des Klägers durch eine negative Beurteilung seiner Person nicht vor.. Das gilt umso mehr, als viele Umstände denkbar sind, aus denen heraus der Kläger durch die Verbreitung der nach jenen Erklärungen "falschen" Darstellung des Palles der Zuckerfabrik WiMHXM in seiner journalistischen Ehre und Zuverlässigkeit nicht getroffen zu werden brauchte. Dem kann in dieser Allgemeinheit nicht beigetreten werdenDie Erklärungen den Ministers und des Landesernährungsamtes dienten der Abwehr der vom Kläger in seinem Artikel erhobenen Angriff e.Sie hinderten - gleichgültig,, ob sie den Sachver-halt wahrheitsgemäß oder wahrheitswiürig darstellten -die Redakteure der genannten Zeitungen nicht, die Artikel des Klägers zu veröffentlichen. Wollte man aber allein schon deshalb aus der etwaigen Unrichtigkeit der Erklärungen jener Dienststellen einen Eingriff in die Honorar-Erwartungen und damit in die Rechte des Klägers erblicken, so wurde auf diesem Umwege eine dem Kläger gegenüber obliegende Amtspflicht zur wahrheitsgemäßen Auskunft geschaffen werden, obgleich die mtspflicht zur wahrheitsgemäßen Auskunft jenen Dienststeien. Etwas anderes kann nur gelten, soweit jene Amtsstellen durch Abgabe falscher Erklärungen in einer gegen die guten Sitten verstoßenden Reise dem Kläger vorsätzlich Schaden zugefügt haben: denn ein Beamter, der in einer den Tatbestand des § 826’ 4BG-B der--füllenden Weise durch Ausübung'’seiner Amtsgewalt einem Dritten Schaden zuxügt, verletzt eine ihm diesem Dritten gegenüber obliegende Amtspflicht (RGZ 140, 423 /4307) * Davon kann hier aber sogar nach dem eigenen Vortrag des Klägers nicht die Rede sein. Der Minister und das landeser-nährungsamt wollten durch ihre Erklärungen offensichtlich nur von ihrem Recht der Verteidigung gegen die Angriffe’ des Klägers Gebrauch machen, selbst wenn sie dabei, inhaltlich. Schadensfolge, also auch den Verlust des Honorars durch den Kläger - mindestens in der Form des bedingten Vorsatzes - umfaßt hätte, ergeben sich aus dem Inhalt de Erklärungen und auch sonst keinerlei Anhaltspunkte, Ansprüche aus Amtshaftung sind daher schon deshalb zu verneinen, weil eine dem Minister öder dem Landeserhäh rungsamt-dem Kläger gegenüber obliegende Amtspflicht zur wahrheitsgemäßen Auskunft nicht bestand und die Verletzung einer anderen diesen Stellen dem Kläger gegenüber ob liegenden Amtspflicht nicht erkennbar ist. 604j; 1 953 '/ ;i081 meint pod er nicht, ..kann" dahingestellt bl ei her Die fraglichen- Handlungen sind vor' Erlaß "des Grundgesetzes begangen worden; Art 34 GrundG mißt sich aber hinsichtlich der etwa bestehenden Möglichkeit, Verwaltungsakte aufzuheben, keinesfalls rückwirkende Kraft bei (BGHZ 4, 77 3i/i 302 /310/117; S 10/l 1 des insoweit in BGHZ 12, 52 nicht abgedrückten Urteils vom 22o Dezember 1953 - V ZR 6/51 - und S 1 5 des zur Veröffentlichung vorgesehenen Ur~■ teils vom 1 ÖD Juli 1954 - VI ZR 120/53). Bin Fall der Art, daß durch die vorangegangenen Handlungen des Landes eine privatrechtliche Verpf1i chtung zu dem Widerruf ent stand eh wäre, tie z.B. in BGHZ 5, Dl 02 ein privatrechtlicher' Anspruch auf Lieferung, vertretbarer Sachen, liegt hier nicht vor» Die für die Amtshaftungsahsprücbe .entwickelten .Grundsätze greif erD auch für die: Unt erlassüngs ähSprüche ; aus f § 1004 BGB Platz (RGZ 1 70, 40 /42/)» Ob sich aus Art 136 Abs 1 Hessische Verfassung die Zulässigkeit des Eingriffs in solche Verwaltungsakte ergibt,' eine Frage, die vom Be-rufungsgericht verneint worden ist, unterliegt nicht der Nachprüfung durch das Revisionsgericht, weil es ■ sich'bei den Bestimmungen der Hessischen Verfassung um irrevisihi.es nur im Bez.irk des Berufungsgerichts geltendes Landesrecht':' handelte Naoh alledem ist die Revision des Klägers mit der Kostenfolge aus § 97 ZPO als unbegründet zurücKzuweisen, Dr- Geiger Pr, Pag end'arm Rietschel