BGH · III ZR 361/52
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2o Die Einstufung eines Beamten in Kategorie IV mit her Maßgabe "nicht im öffentlichen Dienst" bewirkte kein Erlöschen des Beamtenverhältnis- Die Kosten des Berufungsverfahrens werden der Beklagten auferlegt mit Ausnahme eines Betrages von 4-0 DMp den der Kläger zu den Gerichtskosten beizutragen hat, - Die Kosten der Revision werden der Beklagten auferlegt mit Ausnahme eines Betrages von 100 DM, den der Kläger zu den Gerichtskosten beizutragen hat. Der Kläger, der im Jahre 1916 in den Dienst der Stadt AflHi getreten ist and 1926 in das Beamtenverhältnis auf Lebenszeit berufen war, wurde 1943 zu dem Stadtsekretär der Hansestadt LHHHHI ernannt und aus diesem Amt auf Anordnung der britischen Militärregierung vom 25« Oktober 1945 aus politischen Gründen entlassen« Seine dagegen erhobenen Einsprüche wurden entsprechend dem Vorschlag des Deutschen Ausschusses vom 29« April 1947 von der Militärregierung unter dem 9« Mai 1947 zurückgewiesen, Auch ein Antrag auf Wiederaufnahme des Verfahrens wurde abgelehnt, Am 15-/19« März 1948 wurde der Kläger mit der Beschränkung; prüfung wurde der Kläger alsdann unter dem 21, Oktober 1949 in die Kategorie V eingestuft. Die von dem Kläger beantragte Wiedereinstellung wurde von der Beklagten abgelehnt, Der Kläger ist der Auffassung, daß durch seine Einstufung in die Kategorie V, jedenfalls aber auf Grund des § 3 Abs 1 Satz 2 des Hamburg:sehen Gesetzes zu dem Abschluß der Entnazifizierung vom 10, Mai 9950 (VQB1 Hamb 1950, 98) festzustellen,' daß die Beklagte verpflichtet ist, dem Kläger mit.Wirkung ab 11» Mai 1951 ein der Höhe nach noch za bestimmendes übergangsgehait gemäß § Kläger.durch eine "echte EntnazifizierungsentScheidung, die bei der Erfüllung der allgemeinen gesetzlichen Voraussetzungen Rechtsansprüche gewährt";, mit Wirkung'vom 1» Mai 1952 in.die Kategorie V. Das Berufungsgericht habe auch die Bedeutung des § 3 des Abschlußgesetzes verkannt und unberücksichtigt gelassen,, daß der Gesetzgeber'durch Abs 2 aaQ zu dem Ausdruck gebracht habe , daß die Befreiung von entnazifisierungsrechtli-chen Berufsbeschrankungen nicht das Wiederaufleben von Rechten gegenüber dem früheren Arbeitgeber oder dem öffentlichen Dienstherrn zur Folge haben sollte» 1 A Das Berufungsgericht ist zutreffend davon ausgegangen, daß aas Beamtenverhältnis des Klägers , nie es am b, Mai 194b bestand, durch die späteren Säüberungsmaßnahmen nicht beendet, sondern als solches bestehen geblieben ist und daß demzufolge der Kläger auch zu dem von Art 131 GrundG umfaßten Personenkreis gehört. Oktober 1 945 erfolgte-Entfernung des Klägers aus dem aktiven Dienst dadurch, daß sein dagegen eingelegtes Rechtsmittel zurückgewiesen wurde, zu einer endgültigen Entfernung geworden und sein Beamtenverhlltnis damit endgültig zu dem Erlöse her gebracht worden ist, ist unrichtig, Gegenüber der Auffassung der Beklagten bedarf es jedoch zunächst einiger grundsätzlicher Darlegungen über die Bedeutung und Tragweite der politischen Säübecungskaßnahiaen für die bestehenden Beamtenverhä1tnisse: Die'KRD Ir- 24, die .erste allgemeine Grundlage für die politische Säuberung, hatte die Ausschaltung des nationalsozialistischen Einflusses in öffentlichen und halböffentlichen Ämtern sowie bedeutsamen 'Privatunternehmungen zu dem Ziel, um damit einen demokratischen Neuaufbau in der öffentlichen Verwaltung und in der Wirtschaft zu ermöglichen» Zur Erreichung dieses Zieles konnte sich die KRD Hr 24 damit be- gnügen, die von ihr erfaßten Personen aas ihren Ämtern lediglich im Sinne einer reinen tatsächlichen Entfernung zu "entlassen", am auf diese Weise die sofortige Ausschaltung des sachlichen Einflußes'politisch belasteter Personen für den Augenblick sicherzustellöhi Dementsprechend erfolgte die "Entlassung" des in der KRD Nr 24 ausschließlich nach äusseren Anhaltspunkten bestimmten Personenkreises auch nur in einem summarischen Verfahren und die getroffenen Maßnahmen hatten lediglich vorläufigen Charakter, Sie bewirkten mithin bei Beamten nicht die Beendigung des BeamtenVerhältnisses , sondern lediglich dessen Suspendierung (BG-HZ 2, 117 für die britische, BG-HZ 10, 30 für die amerikanische und BGBf 10, 125 für die französische Besatzungszone). Durch eine in einem derartigen Verfahren getroffene Entscheidung konnte bei Beamten auch erst das Beamtenverhältnis als solches mit rechtsgestaltender Wirkung verändert werden. Aus den vorstehenden Darlegungen folgt, daß die Zurückweisung der vom Kläger gegen seine "Entlassung" eingelegten Rechtsmittel im Gegensatz zur Auffassung der Beklagten nicht die Beendigung des Beamtenverhältnisses als solches zur Folge hatte» War die "Entlassung" nach Maßgabe der KRD Nr 24 nur als-vorläufige Maßnahme anzusehen, die ., lediglich eine Suspendierung des Beamtenverhältnisses zur Eolge hatte, so änderte sich daran auch durch die Zurückweisung der dagegen gerichteten Rechtsmittel nichts. Die. Zurückweisung der Einsprüche hatte nur die Folge, daß es bei der "Entlassung" und der dadurch bewirkten Suspendierung des Beamtenverhältnisses verbliebe Das Beamt env erhält-mis selbst hätte mit rechtsgestaltender Wirkung erst durch eine spätere Kategorisierungsentscheiüung zu dem Erlöschen gebracht werden kennen, was aber hier nicht geschehen ist» Zwar ist der Kläger durch Entscheidung vom. 15/19» März 1948 in die Kategorie IV mit der Beschränkung "nicht im öffentlichen Dienst" eingestuft worden» Aber auch dadurch, ist das Beamtenverhältnis als solches nicht entscheidend berührt worden» Diese Beschränkung besagte vielmehr nur, daß der Kläger aus dem öffentlichen Dienst entfernt bleibe ’ und - noch - nicht wieder im öffentlichen Dienst beschäl- . nach Kategorie IV ohne Beschränkungen '■■eingestuften Beamten - nicht wieder in den aktiven Beamtendienst, eingestellt werden und es blieb bei der Suspendierung des Beamtenverhältnisses . laufer) "von bestimmten näher Gezeichneten Berufen" auszu-schließen, so konnte damit doch bei Beamten eine die Beendigung des Beamtenverhältnisses bewirkende Maßregel nicht verbunden werden. Dies ergibt sich eindeutig aus der KRD Fr 33 selbst, nach der in Art XI Ziff 4 als Sühnemaßnahmen für "Mitläufer” bei Beamten lediglich die Versetzung in den Ruhestand oder in ein Amt mit geringerem Rang oder in eine andere Stelle vorgesehen ist. Dementsprechend sehen auch die außerhalb der britischen.Zone erlassenen Befreiungsgesetze und -Verordnungen für Mitläufer lediglich derartige Maßnahmen, (aber'''in keinem Pall die Entlassung aus dem Beamtenver-hälthis vor (vgl Art 18 des in den Ländern der amerikanischen Zone-erlassenen Befreiungsgesetzes vom 5. Eine Beendigung des Beamtenverhältnisses trat vielmehr nur bei den in die Kategorien I und II Eingestuften ein (Art VIII Ziff 2 c und d sowie Art IX Ziff 2 und 3 der ERD Fr 38) und konnte bei Minderbelasteten (Kategorie III) durch (Überführung des Betroffenen aus dem Beamten- in ein AngestelltenverhäXlnis gemäß Art X Ziff 5 b der KRD Fr 38"herbeigeführt 'werden, eine .'••Maßregel, die ' in der Verordnung Fr 110 nicht einmal erwähnt ist A dem vo ten Personerilcreis■ 'gehört und has' Bun Zo Danach nangt die Dntscneiaung , < ) i ilr den hier' interessierenden-Zei ■Gesetzes zu Art 131 G-rundG-, dessen Voraasse gen unstreitig gegeben sind, ein Anspruch auf Übe i1 zbsbehtj davon ah, oh wahrend dieses Zeitraums ..diesen Anspruch , aus sc hi 3 r .vt< 'En - i. denfalls aber hatte die imi Wege der periodischen Überprüfung erfolgte Überführung eines Betroffenen, in die Katego-‘ rieV die Wirkung^ daß dieser für die Zukunft keinen Sanktionen mehr unterworfen war« Eine gegenteilige Auffassung 'würde mit den Bestimmungen der Verordnung Kr 110 der Militärregierung nicht vereinbar sein, in der für die Angehörigen der Kategorie V - zu denen ausdrücklich auch jeder rechnet, "der aus einer höheren Kategorie in Kategorie V-hinabgestuft ist” - keine Maßregeln'irgendwelcher Art mehr vor-gesehen sind (so auch die u«a« Entscheidung;des II, Zivilsenats in MDJR-52, 221 und BVerfGE 2, 105 '/Tlg/). Oktober 1949 erfolgen -Einstufung des Klägers nach Kategorie V dessen' BescHaftigungs'beschränkung zu demindest für die Zukunft weggefallen, wobei dahingestellt bleiben kann, ob damit auch ein vYiedereinste11ungsanspruch gegeben war« Jedenfalls stand einer Wiedereinstellung von diesem Zeitpunkt an entnazifizierungsrechtlich nichts mehr im Wege« Infolgedessen war auch bei Inkrafttreten des Bundesgesetzes zu Art 131 GrundG me ''Einschränkung" im Sinne des § 8 dieses Gesetzes, die einer Wiederverwendung des Klägers entsprechend seiner früheren Rechtsstellung und der Zahlung des entsprechenden Über-;, gangsgehalts entgegengestanden hätte, nicht mehr vorhanden,, Es kommt deshalb nicht mehr entscheidend auf die Frage an, ob - abgesehen von der Überführung des 'Klägers in die Kategorie T - eine , etwaige "Einschränkung" auch gemäß § '3 Abs 1 des hamburgischen Abschlußgesetzes fortgefallen ist. Insoweit unterliegt die Entscheidung des Berufungsgerichts, das diese Frage bejaht hat, auch gar nicht der Nachprüfung durch das Revisionsgericht (§§ 549, 562 ZPO). Das Revisionsgericht wurde zwar an, die Entscheidung des Berufungsgerichts nicht gebunden sein, wenn die hier in Rede stehende landesrechtliche Vorschrift - sei es ganz allgemein, oder doch mindestens unter Zugrundelegung der Auslegung, die das Berufungsgericht ihr gegeben hat - in Widerspruch zu höherrangigem Recht stehen würdet Das ist aber nicht der Fall. Denn es ist nicht ersichtlich, daß § 3 des Abschlußgesetzes selbst bei der Auslegung, die das Berufungsgericht dieser Vorschrift gibt, mit bundes-oder besatzungsrechtlichen Normen nicht vereinbar wäre, Da das Berufungsgericht im übrigen die Voraussetzungen einer Feststellungsklage zutreffend als gegeben angesehen hat, mußte der Revision - von der nach den folgenden Ausführungen aus prozessualen Gründen notwendigen Einschränkung abgesehen - der Erfolg versagt bleiben.