BGH · III ZR 357/52
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2c Eine Zweckentfremdung gemäß Art Via des Woh-nungsgesetzes kann jedenfalls dann nicht mehr angenommen werden« wenn die Umwandlung von ursprünglichem Wohnraum zu gewerblichem Raum bereits in einer Zeit erfolgte? erfolglos gebliebene Die Klägerin ist der Ansicht, daß die Inanspruchnahme der Rä-ume für fremde Wohnzwecke eine Enteignung darstelle, aus der ihr für die Zeit vor dem Inkrafttreten des Grundgesetzes nach Art 153 WeimVerf ein Anspruch auf Entschädigung erwachsen seit Ihr Schaden bestehe in der Differenz zwischen den aus der Vermietung gezogenen Einkünften und dem Betrage., den sie aus der gewerblichen Nutzung der ihr entzogenen Räume hätte erzielen können0 Allein seit der WährungsUmstellung sei ihr auf diese Weise ein Verdienstausfall von etwa 6000 DM entstandene Hiervon macht sie einen Teilbetrag von 2»100 DM geltend, Hilfsweise hat die Klägerin sich darauf berufen., jenigen- geltend machen könne, dem die angebliche Enteignung zugute gekommen sei, Das sei aber nicht die Beklagte,, sondern entweder der begünstigte Dritte oder das Land Nord rheih-Westfalen> weil sie nur in Ausführung einer ihr ubeij .tragen'en Auftragsangelegenheit des Landes gehandelt habe» Im übrigen liege in der Erfassung der Räume,• welche gemäß® Art VII des Wohnungsgesetzes (KEG Nr.18) vom 80 Marz 1946 erfolgt sei, weder eine Enteignung, noch könne sie einen AufOpferungsanspruch nach § 75 EinlALR begründen» Die Kon-zessionierung der erfaßten Räume hat die Beklagte bestrit-f ten und behauptet, daß die Räume zur Zeit der Erfassung tatsächlich bewohnt, d.h« nicht gewerblich genutzt gewesen'9 seien.. Für den Regelfall, daß nämlich ein Wohnraum recht - und orclnurigsmässig auf Grund des Wohnungsgesetzes erfaßt und ein zahlungsfähiger und zahlungswilliger Wohnungssuchender zugewiesen wird, kommt der Grosse Senat zu dem Ergebnis, daß die Maßnahmen der ’Wohnungsbehörden nicht Einzeleingriffe der Verwaltung' in die Rechtssphäre des einzelnen Wohnungsinhabers, vielmehr nur die Verwirklichung der bereits im Wohnungsgesetz enthaltenen Einschränkung der Herrschaftsbefugnis der unter das Wohnungsgesetz gleichmässig fallenden Wohnungsinhaber, also der im Wohnungsgesetz schon vorgesehenen Inhaltsbegrenzung des Wohnungseigentums darstellend Im Gegensatz zur Ansicht der Revision ist der Ausgangspunkt der Erwägungen des Vorderrichters, daß auf.das Wohnungsgesetz rechtlich gestützte und ordnüngsmässige Maßnahmen der Wohnungsbehörden grundsätzlich keine zur Entschädigung verpflichtende Enteignung bedeuten,', im Ergebnis als zu-treffendo ■ 'V"• . 296) Hiernach kommt es für den geltend gemachten Anspruch zunächst darauf an, ob die Maßnahmen des Wohnungsamtes der beklagten gegen die Klägerin sich als auf das Wohnungsge-set z gestützte rechtmässige oder rechtswidrige Verwaltungs-okte darsts1 lenc diesem Rechtsstreit"ürsprühg'--,i ich a :.e 'lech tsmäss: gkeit "nicht angreif er..n v;c-j.ltec Bü c F rage der Rechtmässigkeit eines V'erwnlturgsaktes 5 der die Gr-'-eeiage o- ices geltend gemachter: Anspruchs bildet; ist der Disposition der Parteien entzogen, da es sich um die Entscheidung einer Rechtsfrage handelte Im übrigen hat aber auch die Klägerin in der Berufungsinstanz eingehende Ausführungen über die angebliche Rechtswidrigkeit der Maß- c) Wenn somit Hotelzimmer nach dem Wohnungsgesetz grundsätzlich auch nicht erfaßbar waren und sind, so besteht doch Einigkeit darüber, daß selbst gewerblich genutzter Raum dann, wenn er "zweckentfremdeter Wohnraum" i Sinne des Art Via WohnG ist, seinem ursprünglichen Wohnzw wieder zugeführt und somit erfaßt-werden kann. Zweckbestimmung na-ch zu dem Wohnen bestimmt war, so daß zu "zweckentfremdetem Wehn-raum"’diejenigen Räume gehören, die Wohnzwecken dienten, nunmehr aber für Nichtwohnzwecke benutzt werden; ferner, daß hei Ermittlung des ursprünglichen Zweckes der Räume ’ nach dem Wortlaut des Gesetzes grundsätzlich bis auf die Zeit der Erstellung der Räume zurückgegangen werden kann, mindestens aber so lange, als auf Grund des vor dem V'oh--nungsgesetz bestehenden Rechtszustandes die Zweckentfremdung von Wohnraum. Eine grundsätzliche Entscheidung darüber zu treffen, welcher Zeitpunkt der Umwandlung von ursprünglichem Wohnraum zu einem Raum für Nichtwohnzwecke oder welche sonstigen sachlichen Gesichtspunkte für die Bejahung einer "Zweckentfremdung" im Sinne des Wohnungsgesetzes generell als maßgeblich anzusehen sind, gibt der vorliegende Sachverhalt keinen Anlaß, Hier sind nämlich nach den bindenden tatsächlichen Feststellungen des Vorderrichters die erfaßten Räume bereits seit 1905 als Hotelzimmer "konzessioniert" und seitdem gewerblich, auch zur Zeit der Inanspruchnahme, genutzt worden. daß die Eltern der Klägerin nach dem Erwerb des Grundstücks im Jahre 1905 einen Hotelbetrieb mit Gastzimmern in dem Gebäude einrichteten und in der Folgezeit ständig als Gewerbebetrieb führten» Bei dieser Sachlage, also, bei einer Umwardlung von ursprün 1 ichem Y/obrraur zu gewerblichem Baum in einer Zeit;, in der einer inneren Zv/e ekentf remdung" eine Bedeutung überhaupt ninth' zugemessen wurde,. wie in den wesentlich späteren Zei "ten cos WohiiUngs mangel s, ferner bei einer Benutzung der Zi mer zu gewerblichen Zwecken als Hotelzimmer über einen Zei raum .er mehr als 40 Jahren und nach einer verhäJxnismässi kurzer. Von einer Zweckentfremdung kann mindestens dann nicht gesprochen werden, wenn die Umwand lung des Baumes - wie hier im Jahre 1905 -- bereits zu einer Zeit erfolgte, in der ein Interesse der Allgemein' heit an der Erhaltung von Räumen zu Wohnzwecken aus öffent liehen Gründen überhaupt nicht bestand und der tatsächlich Zustand der Benutzung zu Nichtwohnzwecken ununterbrochen über 40 Jahre angedauert hat (vgl auch OVG NRhWf in Ve-rwRs 2, 444; Bettermann-Haarmann, öffentliches Wohnungsrecht•19 5 > Teil F II S 148b und Bett ermann in DVerw Yi 949 Z'1d",o Y/ auch das landeswohnungsgesetz des Landes Nordrhein-,Westfalen vorn 25. Januar 1950 (GVB1 S 25) erst nach den hier in 1 Rede st e 11end en Erfassungsmaßnahmen der Bek1agten ergangen und somit für den zur Entscheidung stehenden Fall nicht an wendbar ist, so kann doch die Bestimmung des § 17 Abs 1 aa als ein weiterer Anhalt für die hier vertretene Auffassung gewertet-v.erde:: io sen Gesetz kann also von »Zweckentfrem düng" im allgemeiner bann nicht mehr gesprochen werden, wenn diese er]aeblorwoiso geschehen und eine geraum Zeit seitdem verseriopen ist, Im Gegensatz zur Ansicht des Vorderrichters können demnach die bei der Klägerin erfaßten Räume.nicht als zweckentfremdeter Wohnraum angesehen werden, so daß sie der Erfassung nicht unterlagen'. Damit ist aber zugleich klärgestellt, daß die Maßnahmen des Wohnungsamtes gegenüber 'der Klägerin, 1 soweit sie die beiden als Hotelzimmer benutzten. Räume betrafen, der gesetzlichen Grundlage entbehr’ten und somit nach dem oben Ausgeführten grundsätzlich'" einen Anspruch auf Entschädigung aus enteignungs-gleichem Ei rgriff entsprechend Art 193 WeimVerhh Ar:- ;4 GrundC- -rech i fertigen Unter diesen Umständen bedarf es rieht mehr dar Prüfung, c'b ri.e Die Bestimmung des § 11 der Durchführungsverordnung des Oberpräsidenten der Nordrhein-Provinz vom 23» Mai 194-6 zu dem Wohnungsgesetz, die durch Verordnung des Wiederaufbauministers vom 17» Januar 1947 auf das ganze Gebiet des neu gebildeten Landes 17crdrl>ein-Westfa1en einschließlich des früheren Landes Lippe ausgedehnt ist (abgedruckt in Bettermaxm-Haarmann, Schnellkartei des Wohnungsrechts B ij 80 und 81), die eine Entschädigungspflicht aus Maßnahmen j der Wohnungsbehörden auf Grund dieser Verordnung und somit auch auf Grund des Wohnungsgesetzes ausschloß, kommt schon deshalb nicht zur Anwendung, weil - wie oben dargell die Erfassungsverfügungen der Beklagten nicht auf der gesetzlichen Grundlage des Wohnungsgesetzes und damit auch nicht der genannten Durchführungsverordnung vom 23* Mai 1946 erfolgten* entschieden, daß die Versorgung der wohnberechtigten Wohnungssuchenden mit Wohhräum grundsätzlich eine Aufgabe der Gemeinde ist, so daß der von der beklagten Stadtgemeinde vorgenommene Eingriff in die Rechte der Klägerin ihr selbst auch zugute gekommen ist, sie somit als die durch die Enteignung Begünstigte auch die Entschädigung zu zahlen hat* Hinsichtlich des geltend gemachten Schadens hat die Klägerin vorgetragen, daß ihr Schaden in.der Differenz bestehe1 zwischen den aus der Vermietung infolge der Zwangseinweisung der Mieter gezogenen Einkünften und dem Betrage , den sie aus der gewerblichen Nutzung der ihr entzogenen Raume hätte erzielen können» Diesen Schaden hat sie unter Zugrundelegung eines Verdienstaüsfalls von monatlich 264 DM für die Zeit seit der Währungsumstellung bis zur Erhebung der Klage auf rund 6 <,000 DM beziffert« Die Beklagte meint nun in der Revisionserwiderung, das Berufungsgericht habe bereits für nicht erwiesen erachtet, daß der Klägerin überhaupt ein Vermögensschaden 'erwachsen sei, so daß sie insoweit beweisfällig geblieben und schon aus diesem G-runde der Klageanspruch nicht gerechtfertigt seio • •/; -.rrrr-.l Diese Auffassung der Beklagten ist unrichtig» Der Vorderrichter hat vielmehr lediglich im losen Zusammenhang mit der kurzen Erörterung eines möglichen Aufopferungsanspruchs gemäß § 75 EinlADR bemerkt, daß der Gewinn der Klägerin aus der gewerblichen Nutzung der- beschlagnahmten .Hotelzimmer möglicherweise, nicht höher sei als, die nach der Preisanordnung Nr "11 5/48 vom. 8<?; Oktober :1 948, (MitBl Verwaltung für Wirtschaft, Preisvorschriften Nr 18 S 173) zu zahlenden Mieten, zu demal zu berücksichtigen sei, daß diese Mieten gleichmässig das ganze Jahr fliessen und der Klägerin bei einer solchen Vermietung keine Betriebsun-kös'teh erwachsene Schon Im Hinblick daraufdaß über die Höhe des Schadens bisher keine Erörterungen im einzelnen 9 angestellt und insbesondere von den Vorderrichtern das Pragerecht nicht ausgeübt , den Parteien keine Auflagen gemacht und auch keine Beweise erhoben sind , daß ^ bisherige Verfahren im wesentlichen nur den Grund des Anspruchs betraf, kann diese Nebenbemerkung in den Gründen :;f des Berufungsurteils keine tatsächliche Feststellung im Sinne des § 561 ZPO hinsichtlich der Entstehung und der Höhe eines Schadens darstellenc Im übrigen hat die Klägerin, in den Akten 0 H 29/48 (31 2 R) des Landgerichts in Detmold, die Gegenstand der mündlichen Verhandlung waren, vorgetragen, daß das WohnuiiS amt7 der Beklagten für beide erfaßte Räume nur' eine Monatsj miete von insgesamt 33 RM-für angemessen gehalten habe unc auch auf Anordnung der zuständigen Preisbehörde nur 75 $>. gezahlten oder nach der Preisanordnung Nr 115/48 etwa zu zahlenden Mietbeträge, noch über den von der Klägerin bei einer gewerblichen Nutzung der beschlagnahmten Hotelzimmer^ übtet Berücksichtigung aller Umstände des Palles ‘normaler-weise zu erzielenden Betrage Bei diesem Sachverhalt ist das Revisionsgericht nicht.