BGH · III ZR 347/52
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
20 Eine irreführende Belehrung über die Kla-gefristen des § 143 DBG ist auf den Fristenlauf ohne Einfluß, sie kann nur zu Schadensersatzansprüchen führen0 : sprochen, das Berufungsgericht aber die Klage als unbegründet abgewiesen und führt die Revision, mit der der Kläger die Wiederherstellung des landgerichtlichen Urteils anstrebt, dazu, daß die Klage als unzulässig abgewiesen wird, so hat der Kläger die Kosten des gesamten Rechtsstreits zu tragen* Verkündet am 21„ September 1953 Pieser, Justizangestellter als Urkundsbeamter der'Geschäftsstelle, Im Namen des Volkes In dem Rechtsstreit Klägers, Berufungsbeklagten und Revisionsklägers, Prozeßbevollmächtigter % Rechtsanwalt gegen das Land Schleswig-Holstein, vertreten durch den Innenminister in E0H, Rechtsanwalt hat der III:, Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vorn 21 , September 1953, unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Prof„Dr. Geiger und der Bundesrichter Pro Pagendarm, Rietschel, Dr. Weber und Dr„ Wolany für Recht erkannt? November* Gehalt als Pouzeimeister aus seiner bisherigen Besoldungsgruppe., ohne daß er jedenfalls schriftlich in eine Planstelle eingevvieseiu wurde« Am 20, Dezember i 949 erklärte er vor seinem Kommandos Ich bin damit einverstanden, daß Ich I „ bei der Schutzpolizei WHKKB unter dem Vorbehalt jederzeitigen Widerrufs beschäftigt werde und Hach Erreichung der durch § 16 des Einanzsieherungsge-etses (PinSG) vom 2i, Dezember " 948 (GVB1 SchlH 1 949 S 39’ estimmten Altersgrenze von 60 Jahren wurde er durch Erlaß des Landesministers des Innern vom 10, März 1950 unter Berufung auf d-ie Vorschrift des § 76 Abs 2 DBG als Be-amter auf Widerruf mit Ablauf des 31, März in den Ruhe-tand versetzta Mit Verfügung vom 24«- März 1950 setzte der landesminister des Innern die Versorgungsbezüge des Klägers aus der Besoldungsgruppe A 8 a fest« An 15* April " & ""mm Zustellung an innerhalb von 6 Monaten Beschwerde einle-vpjj gen und gegen die BeschwerdeentScheidung innerhalb von 6 Monaten "bei dem Landgericht in J>ÜHHI Klage erheben könne, Die Urkunde vom 15o April 1 950 über die Zustellung der Festsetzungsverfügung weist als Absender den Lande s-minster des Innern aus. Die auf Erlangung der höheren Li erstbezüge aus der Gruppe A 7 a gemäß § 90 Abs 1 DBG gerichtete Beschwerde des Klägers wies der Landesministerjg des' Innern durch Bescheid vom 67 Oktober 1950 .zurück* der dem Kläger am 10. Eine Neubegründung des Beamtenverhältnisses liege 'mangels Aushändigung einer Ernennungsurkunde nicht vor» Der Übertritt in.das mit-geringeren Dienstbezügen verbundene Amt .'.sei nicht auf Antrag des Klägers erfolgt und habe nicht lediglich in dessen Interesse gelegen, sondern auch im Interesse des Landes, in dem damals grosser Mangel an erfahrenen -Poliz'eibe.amten geherrscht habe» Demnach stehe dem Kläger nach .§ 90 DBG Ruhegehalt nach Besoldungsgruppe A 7, a zv ? ■Im Berufungsverfahren hat das beklagte Land geltend gemacht, der Klageweg sei wegen Versäumung der Prist des § 143 Abs 2 DBG verschlossen» Eine Versetzung liege nicht vor» Der Kläger sei nach Unterbrechung seines früheren Rechtsverhältnisses lediglich Widerrufsbeamter des Landes geworden, wenn er nicht sogar nur einen Beschäfti- Der Kläger hat geltend gemacht, das "beklagte Land habe ihn in seiner bisherigen Steilung als Beamter auf Lebenszeit übernommen» Mit seiner Herabstufung im Gehalt li habe er sich nur ohne Präjudiz für-den Fall seiner PensielJ nierung einverstanden erklärt, solange er in Schleswig- Jj Holstein beschäftigt werde, wo er nicht habe bleiben wolu|l| len. ' ■ 1 Das Berufungsgericht hat die Klage unter Aufhebung (f .des landgerichtlichen Urteils als unbegründet abgewiesen«|® Dagegen richtet sich die Revision des Klägers mit dem An-g trag, unter Zurückweisung der Berufung des beklagten Landes das landgerichtliche Urteil wieder herzustellen» In der Revisionsverhandlung hat'der Kläger seinen Klagean- * trag auch auf Verletzung, 'der■ Fürsorgepflicht nach § 36 DB durch falsche Rechtsmittelbelehrung gestützt» Das beklag-JL te Land bittet, die Revision zurückzuweisen» 30) Bereits entschiedeno Die Voraussetzung für eine Eeststel-lungskiage hat das Berufungsgericht mit Recht als gegeben angesehene Der. Hinweis des beklagten-Landes darauf., daß der Kläger die Klagefrist des § 143 Abs 2 DBG- versäumt und' dadurch sein Klagerecht verloren habe, hat das Berufungsgericht mit folgenden Ausführungen surückgewi esens Die am nn; Aprii 1950 erfolgte Zustellung des Bescheids vom 'Anschlußfrist .des | 143 Abs 2 DBG -nicht in Lauf gesetzt worden,, Jedenfalls müsse -es dem beklagten Land nach den.'Grundsätzen des Einwandes■unzulässiger. Eine von der Zustellung des Bescheids vom 6c Oktober 1950 (10„ Oktober 1950) an gerechnete'Ausschluß-fr ist van sechs Monaten sei durch, die .''Zustellung der Klageanträge, vom 7o und.19- März 1951 g ewahrt word en Prist am 30o April 1951 vollzogene Ladung des beklagt Landes zu dem Verhandlungstermin ankomme <> Denn ein etwaige; sung auf die Klage im Verhandlungstermin geheilt wordeißp®™®* Selbst die Jahresfrist des § 143 Abs'1 Satz 2 DBG seit der Zustellung des Pestsetzungsbescheids vom 24c März 1950 (15c April 1950) sei demnach gewahrte Zutreffend geht das Berufungsgericht davon aus? daß,|H die die Klageanträge enthaltenden Schriftsätze am I6t um 28c März 1951 so rechtzeitig zugestellt worden sind, da|S§ eine vom 1Ö» Oktober 1950 (Zustellung des Bescheids vömjg 60 Oktober 1950) laufende Sechsmonatsfrist und eine vom 15c April 1950 (Zustellung des Bescheids vom 24o März 1950) an zu rechnende Jahresfrist nach § 143 Abs 1 Satz DBG gewahrt worden ist; obgleich die Ladung zu dem Verhandlungstermin mit der Zustellung nicht verbunden war (vgl BGHZ 4, 328 /335J)° Es fragt sich aber, ob nicht schon vom 15c April 1950 ab eine Ausschlußfrist von nur sechs Monaten lief, die bei Zustellung der Klageanträge sicher, abgelaufen war, Da es sich bei der Einhaltung der Ausschlußfristen des § 143 DBG um eine von Amts-wegen zu beachtende Prozeßvoraussetzung handelt-, ist der Hinweis des; Berufungsgerichts darauf, daß der Geltendmachung des Prisj ablaufs der Einwand unzulässiger Rechtsausübung entgegenstehe, verfehlte Die Fristen sind einer Parteivereinba-rung nicht zugäng, und es besteht kein Raum dafür, sich auf ihren Ablauf zu "berufen"« Der dem sachlich-rechtli- \ chen Gebiet angehörende Grundsatz von Treu und Glauben im Verkehr ist hier nicht anwendbar (RGZ 146, 35 /5&7; Pisch- bach5 -Deutsches Beamtengesetz . Entscheidend ist demnach, oh die Sechsmonatsfrist des § H3 Abs 2 Satz 2 DBG mit der Zustellung des Bescheids vom 24o- Marz 1950. Berufungsgericht angenommen hat* Eine Rechtsmittelhelehrung ist -in §§ 126s 163 DBG nicht vorgeschr-ieben0 § 35.der Brlt0 Mi'litärre-gierungsVerordnungHr 1 65 (§ 32 der •Süddeutschen Verwal-tungsgerichtsgesetze) j, wonach die ..Rechtsmittelfrist erst mit Zugang einer Rechtsmittelbelehrung zu laufen beginnt, gilt nur für' das Yerwaltungsgerichtsverfahren? Das Reichsgericht hat in RGZ .102} 4 entschie-deny daß die Zustellung eines Bescheids ohne richtige Rechtsmittelbelehrung den Fristenlauf nicht eröffne0 Dabei handelte es sich um eine Verfügung; für .die eine Rechts mittelhelehrung' ausdrücklich ungeordnet war-. Förmlichkeit des mit' der Zustellung; verknüpften Verfahrens den Fristenlauf nicht beginnen iäßjj Bezieht sich auf einen Fall, in dem die HeohtsmittelbelgfflT rung vorgeschrieben war» Das gleiche gilt für das UrtejjfP des Hessischen Verwaltungsgerichtshofs vom 12» Desember7* 1 948- (Berv/Rspr 1950 Hr 56) ?' denn im Hessischen Verwaltung gerichtsgesetz ist für den Einspruchsbesclieid cine Reohtft mittelbelehrung:.in Auch für das'besondere Verhältnis zwischen Dienst-' herrrhund-'Beamten ist eine allgemeine Verpflichtung des Dienstherrn;' bei Mitteilung von Verfügungen, gegen die ein Hechtsbehelf gegeben ist, den Beamten über dessen /v.-l allerdings" den Dienstherr*]/ .verpflichten, solche Belehrung zu• erteilen, so wenn sie vom Beamten erbeten wird (RGZ 14.6, 35 /JÖJ; vgl BGHZ 7, 69 /Jj/')° Solche besonderen Umstände liegen hier aber nicht vor« Es ist einem Beamten, der 'einen Anspruch'gegen seinen Dienstherrn verfolgen will, zuzu demuten, sich über die dafür gegebenen Vorschriften zu unterrichten« Das kann von.ihm.bei der Verfolgung eines Vermögensrechteichen. § U\"> Abs 1 .Satz 2 letzter Hälbsatz' DBG läuft überdies vom-Zugang des Antrags bei der obersten Dienstbehörde an, ganz unabhängig davon, ob 'daraufhin eine Entscheidung ergangen 1st und folglich :-/ .!; ganz unabhängig vom Fehlen einer Hechtsbelehrung über Form und Frist der Geltendmachung des Anspruchs -vor Gericht' (vgl RGZT 1 66, ,299. ist, daß der Beamte anpehmen konnte, er brauche ~ ei gegen.der Vorschrift in § 143 Abs,2,Satz 1 und 2 DBG picht., schon,Innerhalb von sechs Monaten s.eit der Zustels lung des;rRuhegehaltsfestsetz.ungsbes.cheide;S:;Klage zu erh] hen.o Entgegen' der] .Ansicht des Berufungsgerichts hat.nach alledem der lauf der sechsmonatigen] Klagefrist am 15» April 1950 mit der Zustellung des -Fe-s%setz^ng.she«che.ides begonnen, ihr Ablaue ist durch die,irreführende Belehrung- nicht beeinträchtigt! . Schadensersatzansprüche aus § 839 BGB oder § 36 DBG hat der Kläger in den Tatsacheninstanzen.nicht geltend gef machte Erst in der Revisionsverhandlung hat er seine For-| derung auch auf Verletzung der Fürsorgepflicht gestützt, Damit will er seiner Klageforderung eine andere Anspruchs-]; grundlage unterschieben„ Das ist in der Revisionsinstanz Sechsmonatsfrist des § 143 Abs 2 Satz 2 'am 15» Mai 1950 zu laufen begönnen'hatte und ihr Lauf durch die irreführende Rechtsmittelbelehrung nicht berührt "wurde-, hatte der Kläger bei der Klageerhebüng im März 1951 sein Klagerecht bereits wieder verloren» Deshalb ist es gerechtfertigtj daß das Berufungsgericht das der Klage stattgebende Urteil'des Landgerichts abgeändert hat. Es war aber nicht gerechtfertigt, die Klage als unbegründet 'abzuweisen» Pur eine solche sachlich-rechtliche Entscheidung über die verfahrensrechtlich unzulässige Klage war kein Raum, denn die Versäumung der Klagefrist ließ die sachlich-rechtlichen Beziehungen der Anspruchsbeteiligten unberührt (RGZ 146, 35 /38/)<, Deshalb ist auf die Revision des Klägers hin das Berufungsurteil aufzuheben und au die Berufung des beklagten Landes die Klage als unzulässig abzuweisen» Die Kosten des gesamten Rechtsstreits sind dem Kläger aufzuerlegen, weil infolge Verschliessung des Klageweges der gestellte Klageantrag in vollem Umfang abgewiesen wird, mag es auch für den Kläger möglicherweise wirtschaftlich einen Erfolg darstellerijjdaß die Klage nicht als sachlich-rechtlich unbegründet, sondern nur als ver fahrensrechtlich unzulässig abgewiesen ..wird .(§§.