BGH · III ZR 325/54
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
hat der III, Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 12* April 1956 unter Mitwirkung des Senat spi'äsid ent en Prof .Br, Geiger sowie der Bundesrichter Br0 Weber-, Br, Kreft, Br, Wolany. Das Landgericht hat unter Bezugnahme auf seine frühere in JE 1954,222 veröffentlichte Entscheidung die Klage als unzulässig abgewiesen, da zur Entscheidung über den geltend gemachten Anspruch gemäß § 51 Abs 1 und 2 des Sozialgerichtsgesetzes vom 5. Beklagten eingelegten Sprungrevision erstrebt der Kläger die Aufhebung des angefochtenen Urteils und die Zu-rückverweisung der Sache an das Land- oder Kammerge-rieht, Hilfsweise bitVet.er um Verweisung des Rechtsstreits an das Sozialgericht Berlin* Die beklagte Ver - Das Sozialgerichtsgesetz, das nach dem Gesetz zur Übernahme des SGG vom 20* November 1953 (GVBIBln 1953, 1419) auch in Berlin Anwendung findet, sieht in § 51 Abs 1 vor, daß die Gerichte der Sozialgerichtsbarkeit über öffentlichrechtliche Streitigkeiten in Angelegenheiten u.a. der Sozialversicherung zu entscheiden haben«, Dazu ist in § 51 Abs 2 Satz 1 SGG bestimmt, daß •'Angelegenheiten der Sozialversicherung” auch die Angelegenheiten sind, ”die auf Grund der Beziehungen zwischen Ärzten, Zahnärzten und Krankenkassen (Kassenarztrecht) im Hechtsv/eg zu entscheiden sind”- Das Landgericht ist der Auffassung, daß es für die Frage der Zulässigkeit des Rechtswegs im vorliegenden Fall nicht darauf ankomme, ob der geltend gemachte Anspruch öffentlich-rechtlicher oder privatrechilicher Natur sei- Jedenfalls habe der Gesetzgeber in der Bestimmung des § 51 Abs 2 Satz 1 SGG die Zuweisung sämtlicher Streitigkeiten aus dem Kassenarztrecht an die Sozialgerichtsbarkeit zu dem Ausdruck gebracht. Diese Bestimmung stellt lediglich klar, daß zu den Angelegenheiten der Sozialversicherung auch das Kassenarztrecht gehört, dehnt aber keineswegs die Zuständigkeit der Sozialgerichte gegenüber Abs 1 dahin aus, daß im Rahmen des Kassenarztrechts die Sozialgerichte nicht nur über öffentlichrechtliche Streitigkeiten, sondern ohne Einschränkung auch Uber privatrechtliche Streitigkeiten zu befinden hätten. Andererseits kann die Zuständigkeit der Sozialgerichte nicht, wie es die Beklagte will, mit der Begründung in Abrede gestellt werden, daß in § 51 Abs 2 Satz 1 SGG lediglich von den Beziehungen zwischen Ärzten und Krankenkassen, aber nicht von den. Beziehungen zwischen den Ärzten und ihrer kassenärztlichen Vereinigung die Rede sei (so auch das 1VG Köln in einem bei I»even im Zentralblatt für Sozialversicherung •- ZfS - 1954,148 zitierten Bescheid vom 3, März 1954), Bereits daraus, daß in der genannten Gesetzesvorschrift gesägt ist, daß "auch” die Ange-legenheiten,*’die auf Grund der Beziehungen zwischen Ärzten und Krankenkassen im Rechtsweg zu entscheiden sind, zu den Angelegenheiten der Sozialversicherung gehören,, verbietet sich eine enge Auslegung dahin9 daß nur diese Angelegenheiten zu dem Kassenarztrecht und damit zu den Angelegenheiten der Sozialversicherung im Sinne dieser Vorschrift gehören. Anm 3 zu § 51 und Reters-Sautter-Wolff, Kommentar zur Sozialgerichtsbarkeit, Anm 10 f zu § 51*)® Die Auffassung, daß die Beziehungen zwischen den Kassenärzten und den kassenärztlichen Vereinigungen dem "Kassen-arztrecht" zuzurechnen sind, findet ihre Bestätigung darin, daß das Gesetz über Kassenarztrecht vom 17» Au gust 1955 (BGBl 1,513) - GKAR - auch diese Beziehungen regelto Die in § 51 Abs 2 Satz 1 SGG gewählte Formulierung ist offensichtlich darauf zurückzuführen, daß der bei der Verabschiedung des Sozialger:*cht gesetzes vorliegende Entwurf zu dem späteren Gesetz Uber Kassenarztrecht dieselbe Formulierung, nämlich "Entwurf eines Gesetzes über die Regelung der Beziehungen zwischen*Ärzten, Zahnärzten und Krankenkassen (Kassenarztrecht)”, enthielt, obgleich in diesem Entwurf ebenfalls bereits eine Regelung der Beziehungen der Kassenärzte zu den kassenärztlichen Vereinigungen vorgesehen war (Bundestags-Drucksache Nr 5904 der 1 «.Wahlperiode* vgl auch Drucksache Nr 87 der 2«Wahlperiode)« werden; im ersteren Pall sind die Sozialgerichte, im anderen Pall die ordentlichen Gei'ichte zur Entscheidung berufen* Die Präge muß nach der Auffassung des Senats dahin beantwortet werden, daß es bei den Ho • noraransprüchen eines Kassenarztes gegenüber der kassenärztlichen Vereinigung um öffentlichrechtliche Ansprüche‘geht * Die Kosten der Revision waren bereits jetzt dem Kläger aufzuerlegen, während die Entscheidung über die Kosten des ersten Rechtszuges dem Sozialgericht Berlin zu überlassen war (BGHZ 11,43 </57/597 und 12,52 /F9/717).