BGH · III ZR 313/51
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Rechtssatz: § 71 Aba 3 aF überlässt der Landesgesetzgebung nur,Ansprüche gegen den Staat wegen Verfügungen von Verwaltungsbehörden den Landgerichten ohne Rücksicht auf den Streitwert ausschliesslich zuzuweisen« Diese Bestimmung kann nicht über ihren Wortlaut hinaus auf Ansprüche gegen andere öffentlich rechtliche Körperschaften erstreckt werden (vgl jetzt Erweiterung der Ermächtigung in § 71 Abs 3 GVG nF durch Vereinheitlichungsgesetz vom 12«9o1950, BGBl 1950, 455), Die Beklagte hat geltend gemacht, die Beschlagnahme sei auf Grund eines Befehles der Militärregierung und zu deren Gunsten erfolgt, und zwar auf Grund des MRG Nr 52; sie sei daher v/eder rechtswidrig noch schuldhaft gewesen. Io Io Das Berufungsgericht erachtet für erwiesen, dass die amerikanische Militärbehörde nicht nur verfügt habe, dem befreiten Konzentrationslagerhäftling zur Heimfahrt ein Fahrrad zu verschaffen, sondern dass sie auch vier Männer namhaft gemacht habe, deren Fahrräder beschlagnahmt werden sollten. gel von der Militärregierung die politisch Belasteten namentlich genannt worden seien, hei denen Bedarfsge-genstände für KZ-Häftlinge zu holen seien in Verbindung mit der Tatsache, dass der Oberbürgermeister im Entwurf seiner Verfügung vom 7* Juni 1945 die vier früheren Nationalsozialisten, deren Räder beschlagnahmt werden sollten, selbst benannt habe, anstatt die Auswahl dem Polizeichef zu überlassen, dem die Liste der politisch Belasteten zur Verfügung gestanden hätte. Es sei nicht gerechtfertigt, aus Gerbers Aussage über die regelmässige Handhabung solcher Beschlagnahmen auf den bestimmten Fall des Klägers zu schliessen* In der Kleinstadt 0^/^ seien die führenden Nationalsozialisten allgemein, also auch dem Oberbürgermeister bekannt gewesen, und es sei auffallend, dass dessen Verfügung keinerlei Hinweis auf eine namentliche Anordnung der Militär- bekunden können* Bei einer nach der Sachlage gebotenen Frage des Gerichts gemäss § 139 ZPO würde der Kläger sich auf das Zeugnis des Oberbürgermeisters dafür berufen haben, dass dieser eine Bezugnahme auf die besondere Anordnung der Militärregierung nicht unterlassen hätte, wenn sie ergangen gewesen wäre und dass er selbst eine Liste der führenden Mitglieder der NSDAP besessen habe* satz'ungsmacht nach Art 3 Abs 2 AHKG Nr 13» So vorzugehen, ist nur geboten, wo Zweifel am Bestehen einer Anordnung, an*ihrem Inhalt, ihrer Hechtsgültigkeit oder ihrem Zweck aufgetreten sind (vgl Bundesverfassungsgericht 1 Bv I» 11/51 vom 18o März 1953)- Auch der Umstand, dass die weitere Behauptung der Beklagten, die Militärregierung habe vier bestimmte alte Nationalsozialisten benannt, denen Räder weggenommen werden sollten, vom Kläger bestritten ist, nötigt nicht dazu, nach Art 3 Abs 2 dieses Gesetzes zu verfahren, denn es kommt darauf, ob eine solche besondere Anordnung ergangen war, nicht entscheidend an* Deshalb kann auch dahingestellt bleiben, ob die Rüge der Revision begründet ist, das Berufungsgericht habe seine diesbezüglichen Feststellungen unter Verstoss gegen §§ 139, 286 ZPO getroffen. .für ClflHB) ein Rad zu beschaffen und dieses vom Kläger zu nehmen, so handelte der Oberbürgermeister bei der Wegnahme des Rades in der Tat, wie das Berufungsgericht ausgeftthrt hat, nur als verlängerter Arm der Militärre-gierung und hinsichtlich dieser Wegnahme des Rades sicher nicht schuldhaft* Aber auch wenn nur eine allgemeine Weisung vorlag, Gegenstände, deren Beschaffung die Militärregierung befohlen hatte, von alten Nationalsozialisten zu nehmen, liegt keine schuldhafte Amtspflichtverletzung des Oberbürgermeisters darin, dass er das be-fehlsgemäss für zu beschaffende Rad beim Kläger wegnahm* Die Dinge liegen dann anders als in den Fällen, in denen die Militärregierung lediglich befahl, bestimmte Gegenstände für bestimmte Zwecke zu beschaffen, die Art der Durchführung des Befehls aber den deutschen Behörden völlig überliess* In solchen Fällen hatten die deutschen Behörden Entschliessungsfreiheit, woher sie die Gegen-stände nahmen« Hier aber war der Kreis der Personen, in deren Eigentum eingegriffen werden sollte, vorgeschrie-hen und eng auf die alten Nationalsozialisten der Stadt begrenzt, zu denen der Kläger unstreitig als Träger des goldenen Ehrenzeichens gehörte« Die Wegnahme des Rades beim Kläger war also auch dann durch den Befehl der Mili-tärregierung gedeckt, wenn dieser nicht namentlich benannt war« Der Befehl ersetzte die sonst erforderliche Entschlies sung des Oberbürgermeisters Uber die Beorderung eines Rades für ClfHK und entband ihn von der Verpflichtung, die Voraussetzungen einer Inanspruchnahme nach dem Reichsleistungsgesetz zu prüfen und dessen Vorschriften über die Form der Inanspruchnahme zu wahren« Dass der Oberbürgermeister willkürlich gehandelt hätte, als er unter den alten Nationalsozialisten gerade auch den Kläger mit in Anspruch nahm, ist nicht ersichtlich« Es ist nichts dafür 3o Die Revision zieht nicht in Zweifel, dass der Oberbürgermeister dem Befehl der Militärregierung, Cl^Hfc ein Rad zu verschaffen, nachkommen musste« Sie meint aber, die deutschen Behörden, seien bei Ausführung von Befehlen der Militärregierung verpflichtet, die Interessen der deutschen Staatsbürger jedenfalls insoweit zu wahren, als beide Aufgaben miteinander vereinbar seien« Zur Wahrung der Interessen des Klägers war nicht erfor-derlich, eine besondere Beorderungsverfügung zu erlassen und dem Kläger zuzustellen^ wenn schon ein Befehl der Militärregierung die Wegnahme des Rades deckte« Das In-. Solche Unterlagen sind durch Vermerke in den Akten der beklagten Stadt geschaf-fen worden« Die Nichterteilung einer Leistungsbescheinigung an den Kläger selbst hat dessen Rechtsstellung nicht verschlechtert«, Einem solchen Empfangsbekenntnis kommt nur Beweiswert zu, es ist nicht Voraussetzung für die Entstehung eines Entschädigungsanspruchs« Da hier der Gegenstand der Leistung unstreitig ist und aktenmässig feststeht, ist das Fehlen einer Leistungsbescheinigung in den Händen des Klägers ohne Bedeutung« Ob in der Unterlassung der Ausstellung einer solchen Bescheinigung eine Amtspflichtverletzung zu erblicken ist, kann somit dahingestellt bleiben, da die Unterlassung dem Kläger keinen Schaden zugefügt hat«, 4« Eine Amtspflichtverletzung liegt auch nicht darin, dass von drei Rädern, die nach den Akten der beklagten Stadt bei alten Nationalsozialisten weggenommen worden waren, gerade das Rad des Klägers an Cl^HK gegeben Dass die Polizei ihr Ermessen, unter den drei Rädern zu wählen, missbraucht hätte und dass dabei amtsfremde Erwägungen bestimmend gewesen wären, gerade das Rad des Klägers wegzugeben, ist nicht dargetan® Die Klage aus Amtshaftung ist also mit Recht mangels Verschulden der beteiligten Beamten der beklagten Stadt abgewiesen worden® ständiglceit der Landgerichte auf Grund Bundesrechts (§ 71 Abs 2 Nr 2 GVG) nur daraus herleiten, dass die Körperschaften nach Art 131 WeimVerf, Art 34 GrundG an die Stelle ihrer Beamten traten* Das geschieht aber nur, wenn die Beamten ihre Amtspflicht schuldhaft verletzt haben* Für einen aus schuldlos rechtswidriger Amtshandlung hergeleiteten Entschädigungsanspruch kann die ausschliessliche Zuständigkeit der Landgerichte dann begründet sein, wenn ein Land von der Ermächtigung des § 71 Abs 3 GVG Gebrauch gemacht hat, Ansprüche wegen Verfügungen der Verwaltungsbehörden den Landgerichten ausschliesslich zuzuweisen (vgl RGZ 1395 278 Z582/837). Nach der alten Passung des § 71 Abs 3 (ursprünglich § 70 Abs 3) GVG war das nur zulässig für Ansprüche gegen den Staat. Bayern hat von dieser Ermächtigung in § 26 Nr 4 BayerAG GVG (GVB1 Bayern 1879» 273) Gebrauch gemacht* Diese Vorschrift gilt auch in den vormals Coburgischen, 1920 mit Bayern vereinigten Landesteilen (Gesetz über die Vereinigung des Freistaates Coburg mit dem Freistaat Bayern vom 16. Erst mit der Neufassung des § 71 Abs 3 GVG durch Art 1 I Nr 32 des Gesetzes zur Wiederherstellung der Rechtseinheit auf dem Gebiet der Gerichtsverfassung usw* vom 12« September 1950 (BGBl 1950, 455) ist es der Landesgesetzgebung Überlassen worden, auch Ansprüche gegen andere Körperschaften des öffentlichen Rechts als den Staat den Landgerichten ohne Rücksicht auf den Wert des Streitgegenstandes ausschliesslich zuzuweisen» Bayern hat von dieser neuen Ermächtigung bisher keinen Gebrauch gemacht» Der die Revisionssumme nicht erreichende Klaganspruch kann somit auch nicht unter dem Gesichtspunkt der Entschädigung für einen schuldlos rechtswidrigen Eingriff in das