BGH · III ZR 307/95 vom 26.03.1997
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Die Revision der Klägerin gegen das Urteil des 10. 1. Das Berufungsgericht hat mit Recht angenommen, daß der Beklagte zu 2 als Fahrer des an dem Verkehrsunfall vom 4. Juli 1989 in Kraft getretenen Gesetz zur Neustrukturierung des Post- und Fernmeldewesens und der Deutschen Bundespost (Poststrukturgesetz - PostStruktG) vom 8. 164, 273) und des Bundesgerichtshofs (BGHZ 16, 111) ständige Rechtsprechung, daß es sich bei der Brief- und auch der Paketbeförderung durch die Post einschließlich der dabei durchgeführten Kraftwagenfahrten um hoheitliche Tätigkeit handelt und daß bei einer solchen Zielsetzung auch die Teilnahme am allgemeinen Verkehr "Ausübung eines öffentlichen Amtes" darstellt (vgl. Der Bundesgerichtshof hat in diesem Zusammenhang betont, daß es für die Beurteilung der Frage, ob die Tätigkeit eines Unternehmens hoheitlicher Natur ist, nicht entscheidend auf die - bei der Brief- und Paketbeförderung in dem der Bundespost obliegenden Umfang zweifelsfrei der Daseinsvorsorge zuzuordnende -Zielsetzung des Unternehmens, sondern auf seine organisatorische Gestaltung ankommt (Senat BGHZ 16, 111, 112); wobei der allgemeine Erfahrungssatz zu beachten ist, daß sich eine Behörde zur Erfüllung typischer Aufgaben aus dem Bereich der ihr übertragenen hoheitlichen Befugnisse in der Regel öffentlich-rechtlicher Mittel bedient, so daß für eine privatrechtliche Gestaltung im Einzelfall besondere Umstände vorliegen müssen (vgl. b) An der überkommenen rechtlichen Einordnung der Dienstfahrt eines Bediensteten der Deutschen Bundespost (Postdienst) zu dem Zwecke der Brief- und Paketbeförderung hat sich durch die "Postreform I" zu demindest bis zu dem 1. Denn jedenfalls den bis zu diesem Zeitpunkt geltenden Vorschriften kann eine - eindeutige -Regelung im Sinne einer insgesamt privatrechtlichen Organisation der Brief- und Paketbeförderung durch das an sich weiterhin "öffentliche Unternehmen" Deutsche Bundespost Postdienst (vgl. S 1 Abs. 2 des Gesetzes über die Unternehmensverfassung der Deutschen Bundespost [Postverfassungsge- 1006) dahin, daß die durch die Inanspruchnahme der Einrichtungen des Postwesens entstehenden Rechtsbeziehungen - außer der Durchführung förmlicher Zustellungen und von Protestaufträgen - "privatrechtlicher Natur" sind. Abgesehen davon, daß diese Bestimmung ausdrücklich nur das Rechtsverhältnis zu dem Postkunden betrifft, nach der Rechtsprechung des Bundesgerichtshofs aber bei Schädigungen außenstehender Dritter Anspruchsgrundlage und Haftungsumfang nicht allein oder entscheidend davon abhängen können, ob die Einrichtung im Verhältnis zu dem Benutzer hoheitlich oder zivilrechtlich betrieben wird (vgl. Letztere Bestimmung (§ 65 Abs. 1 PostVerfG) besagt ihrerseits, daß die vor der Neustrukturierung vom Bundesminister für das Post- und Fernmeldewesen erlassenen RechtsVerordnungen, soweit sie nicht vorher aufgehoben worden sind, erst zwei Jahre nach dem Inkrafttreten des Poststrukturgesetzes, also zu dem 1. Juli 1991 keine die Postbeförderung betreffenden neuen RechtsVerordnungen erlassen worden, mithin nicht einmal die diesbezüglichen Kundenbeziehungen eindeutig und vollständig vom öffentlichen Recht losgelöst worden sind, kann jedenfalls bis dahin von einer umfassenden Umorganisation in dem Sinne, daß die Brief- und Paketbeförderung durch die Post einschließlich der dabei durchgeführten Kraftwagenfahrten keine hoheitliche Tätigkeit mehr darstellte, keine Rede sein.