BGH · III ZR 306/54
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
GrundG Art 34 BGB § 839 Rechtssatz?, Kurier fahr ten eines Bundesministeriums, die der Beförderung von Dienstpost zu anderen obersten Bundesbehörden dienen, haben hoheitlichen Charakter, Für Schäden aus einem bei einer solchen Fahrt durch den Fahrer schuldhaft verursachten Verkehrsunfall tritt somit die Staatshaftung ein. - Prozeßbevollmächtigter: Rechtsanwalt hat der III0 Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 28« November 1955 unter Mitwirkung der Bundesrichter Dr»Pagendarm, Rietschel, Dr «WeberJ Dr« Kreft und Dr*Wolany für Recht erkannt* • weil er zu schnell über die Kreuzung gefahren sei« Im übrigen scheide eine Haftung nach Art 34 GrundG auch deshalb aus, weil der Kraftfahrer OfHP bei der Fahrt nicht in iusübung öffentlicher Gewalt gehandelt habe« Das Oberlandesgericht hat durch Teilurteil die Berufung der Beklagten zurückgewiesen und auf die auf die Abweisung der KJage hinsichtlich 245 DM Red.säaufwendungen und * des Schmerzensgeldes beschränktet Berufung des Klägers den Schmerzensgeldanspruch dem Grunde nach für gerechtfertigt erklärt» Die Entscheidung über den Anspruch des Klägersä in Höhe von 245 DM für Reiseaufwendungen wurde zurückge-stellto • Gegen dieses Urteil hat die Beklagte Revision eingelegt und die Revision nachträglich auf den Schme^zensgeld-anspruch beschränkt* Sie beantragt, unter teilweiser Aufhebung des Vorderurteils die Berufung des Klägers hinsichtlich des•Schmerzensgeldanspruchs zurückzuweisen* Der Kläger beantragt die Zurückweisung der Revision* 1» Das Berufungsgericht ist der Auffassung, daß die beklagte Bundesrepublik dem Kläger nicht nur nach § 7 KPG haftet, sondern die K3.age auch nach § 839 BGB in Verbindung mit Art 34 GrundG begründet ist, woraus sich auch die Begründetheit des Schmerzensgeldanspruches ergebe« Der Kraftfahrer habe sich auf einer Dienstfahrt befunden und diese Dienstfahrt habe in Ausübung eines öffentlichen Amtes stattgefunden« Es sei davon auszugehen, daß sich die Tätigkeit eines Ministeriums, soweit sie im Schriftverkehr mit anderen höchsten Bundesbehörden ihren Niederschlag finde, in hoheitsrechtlichem Rahmen bewege« Die Tätigkeit eines Kraftwagenkuriers verwirkliche zwar nicht unmittelbar hoheitliche Aufgaben, doch müßten auch solche Kraftwagenfahrten als Ausübung öffentlicher Gewalt angesehen werden, die zwar nicht selbst unmittelbar diie Erfüllung hoheitlicher Aufgaben darstellen« wohl aber dem Zwecke ihrer Erfüllung dienen, sei es zu ihrer Vorbereitung, sei es zu ihrem Abschluß« Hierfür seien nicht zuletzt auch rechtspolitische Gesichtspunkte maßgebend, nämlich das Postulat der vollen Verantwortung des Staates für widerrechtliche schuldhafte Amtspflichtsverletzungen und die Bewahrung der Beamten vor dem unmittelbaren Zugriff des Verletzten« Wenn der Staat es für notwendig erachte, Kraftfahrzeuge in immer größerem Umfange der Hoheitsverwaltung dienstbar zu machen, so erscheine es auch geboten, in gleichem Umfang die unbeschränkte Haftung des Staates auf widerrechtlich schuldhafte Schadenszufügungen bei Dienstfahrten mit Kraftwagen auszudehv nen« Der Kraftfahrer CilBP habe auch nicht nur rein mechanische und untergeordnete Dienste wshrgenommen« Die Führung des Kraftwagens durch ihn sei vielmehr ein wesentlicher und nicht einfacher' Bestandteil der Erfüllung hoheitliche* Aufgaben gewesen; schäftes dient, "die in einer solchen Beziehung zu der unmittelbaren Verwirklichung des staatshoheitlichen Zieles steht, daß sie mit dieser als ein einheitlicher lebensvorgang angesehen wird*1» Dabei ist es wesentlich, "ob ein genügend enger innerer und äußerer Zusammenhang zwischen der schädigenden Diensthandlung und der tatsächlichen hoheitlichen Betätigung besteht1* und nicht "die schädigende Handlung nur in einer äußeren zeitlichen und gelegenheitsmäßigen Beziehung zu der Ausübung der staatshoheitlichen Betätigung steht"« Ob das eine oder andere zutrifft, kann nur auf Grund der Lage des einzelnen Falles entschieden werden« * c) In dem zur Entscheidung stehenden Fall sind entgegen der Auffassung der Hevision die Voraussetzungen für die Annahme gegeben, daß zwischen der Fahrt des Kraft-fahr er s und der hoheitlichen Handlung, hier dem Schriftverkehr des Ministeriums, ein so enger innerer und äußerer Zusammenhang besteht, daß diese Fahrt als hoheitliche Diensthandlung anzusehen ist« Die - wie die Beklagte unbestritten vorgetragen hat - regelmäßig und in der Hegel noch mit einer Begleitperson versehenen Kurierfahrten des Ministeriums sind von diesem zu dem Zweck organisiert, Briefe und Akten, also Dienstpost, zu ande-ren Behörden, insbesondere den obersten Bundesbehörden, sicher und beschleunigt zu befördern« Durch diese Organisation ist nach der Auffassung des Senats ein so enger Zusammenhang mit der hoheitlichen Betätigung des Ministeriums gegeben, daß auch diese Kurierfahrten als hoheitliche Handlungen aufgefaßt werden müssen« Ist das aber zu bejahen, dann kann es auch nicht darauf ankernden, ob bei einer solchen Kurierfahrt einmal ausnahmsweise keine Post hoheitlichen Inhalts befördert wird» Die von der Hevision aufgeworfene Frage, ob und inwieweit Fahrten, die a) Die Revision rügt jedoch, daß das Berufungsgericht ein Mitverschulden des Klägers mit unzureichender Begründung und auf Grund unzureichender Aufklärung verneint habe. Sie führt ausg Das Berufungsgericht habe gesagt, eine nur gering überhöhte Fahrgeschwindigkeit des Klägers könne gegenüber der weit überwiegenden Söhadensverursachung durch die Beklagte nicht ins Gewicht fallen« Dabei habe das Berufungsgericht verkannt, daß für diesen Gedankengang erst Kaum sei, wenn festgestellt werde, daß der Unfall auch bei Einhaltung der damals noch bestehenden Geschwindig-keitshöchstgrenze von 40 st/km erfolgt wäre« Das geht fehl« Das Berufungsgericht hat nicht übersehen, daß bei Einhaltung der gesetzlichen Geschwindigkeitsgrenze durch den Kläger der Unfall möglicherweise nicht eingetreten wäre« Das ergibt sich daraus, daß es bei seiner Abwägung von einer überwiegenden (nicht alleinigen!) wenn auch geringen Überschreitung der Geschwindigkeitshöchstgrenze unterstellt hat« Die von dem Berufungsgericht vorgenommene Abwägung von Verursachung und Schuld der Parteien läßt auch nicht erkennen, daß es diesem Umstand nicht hinreichend Bechnung getragen hat* Damit erledigt sich auch die in diesem Zusammenhang erhobene weitere Rüge der Verletzung des § 139 ZPO, die dahin geht, das Berufungsgericht habe zu der Frage, ob die etwaige Überschreitung der Geschwindigkeitsgrenze den Unfall mit verursacht hat, nicht den Antritt eines Sachverständigenbeweises angeregto Unbegründet ist auch die Rüge der Revision, das Berufungsgericht habe bei seiner Abwägung nicht berücksichtigt, daß der Kläger unbekümmert weitergefahren sei, obwohl er die Verletzung seines Vorfahrtsrechts durch den Fahrer der Beklagten habe erkennen müssen« Aus den eingehenden Ausführungen des Berufungsgerichts zu der Frage des Mitverschul- dens (S 10 des Urteils) ist das Gegenteil ersichtliche Das Berufungsgericht hat dort ausgeführt, dem Kläger könne es nicht zur Bast gelegt werden, daß er sein Kraftrad in der Kreuzung nicht mehr verhalten und daß er nicht die gerade Fahrtrichtung beibehalten habe» da er möglicherweise durch das falsche Verhalten des Fahrers der Beklagten verwirrt worden sei $ das sei zu demindest als Möglichkeit zu seinen Gunsten zu berücksichtigen* Das Berufungsgericht hat also entgegen der Auffassung der Eevision sich mit der Frage, ob der Kläger ■. Diese Büge ist unbegründet* Einmal handelt es sich bei den von der Eevision gegen die Stadt Godesberg erhobenen ^orwürfen nicht um den Vorwurf einer Verletzung der Verkehrssicherungspflicht, sondern um den V0rwurf» daß nicht die erforderlichen» nach § 3 StVO der Polizei obliegenden Sicherungsmaßnahmen zur Kegelung des Verkehrs getroffen worden sindo Insoweit käme also, wenn diese Vorwürfe überhaupt begründet wären» nur eine Amtspflichtverletzung des verantwortlichen Polizeiträgers in Frage, die daraus sich etwa ergebenden Ansprüche des Klägers könnten dann aber nicht als anderweitige Ersatzansprüche im Sinne des § 839 Abs 1 Satz 2 BGB herangezogen werden* trotz offensichtlicher Gefahrenlage oder völlig unzureichende und offensichtlich falsche Maßnahmen Vorgelegen haben, ist nicht ersichtlicho Die Revision ist deshalb mit der Kostenfolge des § 97 ZPO als unbegründet zurückzuweisen«