BGH · III ZR 299/54
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Gesetz* StVO § If Rechtssatz* Zur Frage, welche Pflichten an der Einmündung einer verkehrstechnisch völlig untergeordneten Straße (feldwegartige, kaum befestigte Dorfstraße) in eine nicht als vorfahrtsberechtigt beschilderte Straße (Provinzialstraße für Durchgangsverkehr) die aus der verkehrstechnisch untergeordneten Straße Vorrechts kommenden grundsätzlich vorfahrtsberechtigten Kraftfahrer und die grundsätzlich zur Gewährung der Vorfahrt verpflichteten Kraftfahrer der nicht beschilderten gut ausgebauten Straße hinsichtlich der Ausübung und der Gewährung der Vorfahrt haben, Gesetz*:; StVO § 48 Rechtssatzg Sur Frage, wie sich die Inanspruchnahme des Vorrechts aus § 48 Abs 5 StVO auf die Fahrweise der Polizei und der Feuerwehr ‘auswirkt, Der Klager zu 1 stieß mit seinem Kleinkraftrad am 31 o August 1952 gegen 16 Uhr auf der nicht als bevorrechtigt beschilderten Provinzialstraße im Dorfe Wünnenberg ioWo mit einem Feuerwehrwagen zusammen« der aus der rechts in der Fahrtrichtung des Klägers gesehen einmünd enden Straße« die keinen Namen hat*. der Kläger zu 2), Beide waren auf einer Spazierfahrt in die ihnen ortsfremde Gegend um Wünnenberg, Halter und: Eigentümer des Feuerwehrwagens war das beklagte Amto Der Y/agen wurde von dem zunächst mitverklagten Schuhmacher Julius aus HflHBHP- gelenkt der Mitglied der freiwilligen Feuerwehr der Gemeinde Harth war«. Der Klager'zu lv erlitt durch den Unfall einen komplizierten Bruch des rechten Unterschenkels sowie Fleisch-wunden am rechten Arm und Bein, Seit dem Unfalltage ist er an das Bett gebunden und lag noch bis Ende Februar 1953 im Krankenhaus, Unter den Parteien herrscht Streit darüber* inwieweit ein nach dem Unfall aufgetretener Gehimschlag und eine Lähmung der linken Körperseite durch den Unfall bedingt sind* Der Kläger zu 1 ist aus seiner Stellung als Werkmeister im Hinblick auf seine Erkrankung entlassen worden? der Fahrer des Feu-erwehrwagens sei plötzlich und unvorhersehbar, zudem ohne Y/arnsignal zu geben und ohne sich davon überzeugt zu haben, ob auf der Provinzialstraße Verkehr herrsche* mit seinem Wagen mit überhöhter Geschwindigkeit von mindestens 40 km/h aus der Straße an der Aa in die Provinzialstraße eingebogen, her Kläger zu 1 habe den Wagen erst in einer Entfernung von 2 bis 3 m gesehen, hie Strasse an der Aa sei eine nur schwach ausgebaute? Das Landgericht hat durch Teil-Urteil den Klageanspruch zu 1 gegenüber beiden Beklagten dem Grunde nach für gerechtfertigt erklärt& Auf die Berufung der Beklagten ist der Klaganspruch gu 1 gegen den Beklagten zu 2 abgewiesen worden, weil nach Auffassung des Berufungsgerichts der beklagte Kraftwagenfahrer in Ausübung hoheitlicher Gewalt gehandelt habe, so daß an seiner Stelle ausschließlich das beklagte Amt hafte» Das Berufungsgericht hat den Klageanspruch des Klägers zu 1 gegen das beklagte Amt aber nur zu 3/4 dem Grunde nach für gerechtfertigt gehalten, weil es annimmt, daß den Kläger zu 1 wegen überhöhter Geschwindigkeit ein Mit-verschuiden an dem Unfall treffe» Den Klageanspruch des Klägers zu 2 gegenüber dem beklagten Amt hat es dagegen , wie das Landgericht, in vollem Umfange dem Grunde nach für gerechtfertigt angesehen» Mit der Revision begehrt das beklagte Land Abv/ei,-sung des Klageanspruchs zu 1 beider Beklagter» Der Kläger zu 1 begehrt mit seiner Revision, daß sein Klageanspruch zu 1 dem Grunde nach in vollem Umfange gegenüber dem beklagten Amt für gerechtfertigt erklärt wird» Die Parteien haben wechselseitig gebeten, die Revision der Gegenseite zurückzuweisen» Der Kläger zu 1 hat den be- chen Aufgaben ist jetzt in § 11 Abs 2 des genannten Gesetzes ausdrücklich enthalten, wo es heißt s "Bei Ausführung aller der Feuerwehr obliegenden Aufgaben einschließlich des Übungsdienstes, sind die Angehörigen der Freiwilligen Feuerwehr im Aufträge der Gemeinde, des Amtes oder des Kreises tätig*" Deshalb geht das Berufungsgericht zutreffend davon aus, daß das Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr, das den Feuerwehrwagen gelenkt hat, in Ausübung.eines ihm anvertrauten öffentlichen Amtes im Sinne des Art 34 GrundG tätig geworden ist, so daß nicht dieses Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr, sondern die öffentliche Hand haftet* Soweit die Gemeinden ihre Aufgaben Ämtern übertragen haben i.§ 10 Abs 1), ist die Freiwillige Feuerwehr Bestandteil der Einrichtungen des Amtes-(§ 11 Abs 1 Satz 2)j leistungsschwache Gemeinden können aber nach § 2 Abs 2 auch durch die Aufsichtsbehörde zu einem Feuerlöschverband zusammengeschlossen werden* Nun war nach dem unstreitigen Vorbringen des beklagten Amtes (Schriftsatz vom 4» September 1954 S 2) die Freiwillige Feuerwehr der Gemeinde Harth de facto mit den sämtlichen übrigen amt saugehörigen Gemeinden zu einem "Amtsfeuerwehrverband” zusammengesehlossen§ jedoch fehlte es noch an einer VerbandsSatzung, Das beklagte Amt zieht daraus die Folgerung, ein Amtsfeuerwehrverband habe daher damals noch nicht bestanden,: so daß das Amt mit der Freiwilligen Feuerwehr der Gemeinde Harth nichts zu tun gehabt habe« Das Berufungsgericht (Urteil S 8 bis 9) zieht daraus und aus dem Umstande, däß die Feuerwehrübung, bei der der Unfall sich ereignet hat, auf einen Beschluß der Amtsfeuerwehrführer des Kreises zurückgegangen sei, und dem weiteren Umstande, daß Halter und Eigentümer des beim Unfall beteiligten Feuerwehrwagens nicht die Gemeinde Harth, sondern das beklagte Amt gewesen ist, die Folgerung, daß der Fahrer jenes Wagens, wvenn er auch Mitglied der Freiwilligen Feuerwehr der Gemeinde Harth gewesen sei, auch im Aufträge des beklagten Amtes tätig geworden sei und dieses für ihn nach Art 34* GrundG zu haften habe. Offenbar war damals beabsichtigt, die Gemeinde Harth mit allen anderen Gemeinden des beklagten Amtes zu einem ’’Feuerlöschverband” im Sinne des § 2 Abs 2 zusammen^ zuschließen, der plan war rechtlich noch nicht durcbge-fuhrt, weil dieser Verband erst mit Schaffung einer Satzung zustande kam » Die praktische Durchführung des planes war jedoch schon weiter vorgeschritten als die rechtliche Ausgestaltung:, Das Amt hatte bereits Feuerwehrfahr-zeuge, wie ZcBc den am Unfall beteiligten Kraftwagen beschafft und den freiwilligen Ortswehren zur Benützung .innerhalb des Amtes überlassen* Die Ortswehren wurden . Die-Revisionsrüge des beklagten Amtes, das Berufungsgericht habe bei dem Entlastungsbeweis" nach § 831 BGB zu strenge Maßstäbe angelegt, liegt neben der Sache, Zwar prUft das Berufungsgericht (Urteil S 11/12) in der Tat, ob das beklagte Amt den ihm nach § 831 BGB im Rahmen des § 7 KfzG obliegenden Beweis erbracht hat und. wonach anderweite Ersatzansprüche aus Amtshaftung ausschließen, könnten die Kläger Ansprüche aus § 839 BGB in Verbindung mit Art 34 Grundd nur insofern geltend machen, als ihnen nicht nach § 7 KfzG Ersatzansprüche gegen das beklagte Amt als Halter des Feuerwehrwagens zustünden, Hur auf diesem liege koMt 4as Berufungsgericht überhaupt zu einer Prüfung des Entlastungsbeweises nach § 831 BGB, der für Ansprüche aus § 839 BGB keine Anwendung findet. Bas Berufungsgericht geht davon aus, daß den Fahrer des Feuerwehrwagens wegen nicht genügender Rücksichtnahme auf den Verkehr der Provinzialstraße und den Kläger zu 1) ein Verschulden träfe e Während der Kläger zu 1 mit seiner Hevision geltend macht, die Ausführungen des Berufungsgerichts über sein Verschulden enthielten Rechtsverletzungen, rügt das beklagte Amt nurV das Berufungsgericht sei beider Abwägung nach § 254 BGB nicht richtig verfahren. Die Abwägung nach § 254 BGB ist aber nur dann mit der Revision angreifbar, wenn die Möglichkeit besteht, daß der Abwägung rechtsirrtümliche Erwägungen zugrunde liegen, insbesondere daß nicht alle Umstände vollständig und richtig berücksichtigt worden sind (vgl Urteile vom 15, Dezember 1950 - III ZR 67/ 50—5 insoweit in NJ\Y 1951 >195 nicht abgedfuckt | vom ITc Mai 1951.- a) Zutreffend geht das Berufungsgericht nach der Regelung in der Straßenverkehrsordnung damaliger Passung davon aus, daß auch die Straße an der Aa als die von rechts kommende Straße die Vorfahrt vor der vom Kläger befahrenen, an der Einmündung nicht beschilderten Provinzialstraße hatte. Der Umstand, daß es sich nach Benutzungsart und Befestigung bei der Straße an der Aa nur um einen Nebenweg handelte, steht dieser grundsätzlichen Vorfahrtsberechtigung nicht entgegen (vgl Urteil vom 10c Dezember 1952 - VI ZR 17/52 in VRS 5*82).., Der das gesamte Straßenverkehrsrecht weitgehend beherrschende Grund sat z der gegenseitigen Rücksichtnahme erfordert aber für die Benutzer der Straße an der Aa wegen der offensichtlichen Bedeutungslosigkeit dieser nur schwach befestigten* kaum bebauten, im Felde aus-laufenden Straße im Verhältnis zu der dem Durchgangsverkehr dienenden Provinzialstraße, daß sie trotz ihrer grundsätzlich bestehenden Vorfahrtsrechte mit besonderer Vorsicht fahren (vgl Müller/ StrVerkR 18*Auf1 §13 StVO Anm 13 S 830 j RG in VAE 1938,199 und 200), Biese Verpflichtung des Vorfahrtsberechtigten zu besonderer Vorsicht bei Einfahrt in die wichtige, aber nicht als vorfahrtsberechtigt gekennzeichnete Straße (hier die Provinzialstraße) hat auch gewisse Rückwirkungen auf die von links an die Einmündung herankommenden Benutzer der Provinzialstraße, Zwar dürfen diese . sich nicht darauf verlassen, daß der aus dem liebenweg herankommende Verkehrsteilnehmer auf Grund seiner Ver-kehrssorgfaltspflicht nicht Vorfahren wird% denn sie bleiben grundsätzlich an die positiven Vorschrift-en des Gesetzes über die Vorfahrt gebunden (RG in VAE 1938* 199)o Andererseits zwingt das Vorhandensein solcher unbedeutender Nebenwege den Durchgangsverkehr auf der Provinzialstraße noch nicht schlechthin, so langsam zu fahren, daß er bei Einmündungen derartiger Nebenstraßen auch dann vor dieser Einmündung zu dem Halten kommt, wenn ein anderer Verkehrsteilnehmer, der zunächst nicht erkennbar war, beim Hervorfahren aus einem solchen Nebenweg Fehler macht :> Uollte man eine solche langsame Fahrweise Von dem Benutzer der wichtigeren, dem Durchgangsverkehr dienenden Straße (hier also der Provinzialstraße) verlangen, so würde auf diesen dem Durchgangsverkehr dienenden Straßen jeder zügige Verkehr unmöglich gemacht (vgl RG in VAE 1938,200)o Die Geschwindigkeit auf der Durchgangsstraße wird im Hinblick auf die Einmündung eines solchen "'Vorfahrt sb e-rechtigten" Nebenweges zwar dann immer herabzusetzen sein, wenn das Herannahen eines Verkehrsteilnehmers auf jenem Nebenweg erkennbar ist* * * § Ob sie auch herabzusetzen ist, wenn das Herannahen eines Verkehrsteilnehmers auf dem Nebenweg nicht erkennbar ist, wird nicht allgemein beantwortet werden können* Diese Entscheidung wird davon abhängen, wie weit der Nebenweg einzusehen ist, und ob, wenn auf dem einsehbaren Teil ein Fahrzeug nicht zu sehen ist, ein noch nicht erkennbares Fahrzeug Gelegenheit hat,: vom Augenblick der Einsehmöglichkeit zur nicht-bevorrechtigten wichtigeren Straße (hier also zur Provinzialstraße) seiner Verpflichtung, auf den Verkehr der wichtigeren Straße (hier also der Provinzialstraße) P.iick-sicht zu nehmen, noch wird nachkommen können* Die Ent-Scheidung wird daher weitgehend Tatfrage sein* stellt« ob Fahrer von Feuerwehrwagen von der Beachtung der VorSchriften der Straßenverkehrsordnung befreit sind 9 wenn es sich nur um tjbungsfahrt en; hand eit, da § 1 StVO auch, für die Feuerwehr bei Inanspruchnahme der Rechte aus § 48 Abs 1 StVO.seihe Bedeutung behalte* Dem kann nicht gefolgt werden*, Bereits der 4-, Strafsenat des BGH hat in seinem Urteil vom 25° Oktober 1951 - 4 StR 559/51 -(NJW 1952,191) ausgeführt, daß die Freistellung des § 48 Abs 1 StVO sich auch auf die Verkehrsregel des § 1 StVO beziehe? daß die anderen Verkehrsteilnehmer die besonderen Zeichen bemerkt haben (vgl wegen der Veränderung der allgemeinen Pflichten durch § 48 Abs 1 StVO für die Fahrer von Feuerwehrfahrzeugen das bereits angeführte Urteil des ;4e Strafsenats in NJW 1951?191 und BGSt 65?158)a 2> Unter Berücksichtigung dieser Rechtslage sind die Ausführungen des Berufungsgerichts über das Verschulden des Fahrers des Feuerwehrwagens und des Motorradfahrers? a) Das Berufungsgericht (Urteil S 11) verlangt von dem Fahrer des Feuerwehrwagens wegen der für ihn vorhandenen Erkennbarkeit der völligen Bedeutungslosigkeit der Straße an der Aa gegenüber der Provinzialstraße? nicht sofort angehaiten habe, um'das Kraftrad voiiib er zulas sen, obwohl ihm dies bei seiner angeblich langsamen Fahrweise ein leichtes gewesen sein müsse., zu demal er noch die Böschung von der Straße an der Aa zur Provinzialstraße heraufgefahren sei* Biese Ausführungen lassen einen Rechtsirrtum im Hinblick: auf die zu Ziffer II 1 a entwickelten Rechtsgrundsätze nicht erkennen = Rügen sind von den Revisionen auch nicht erhoben wordena Auch lassen die in der Revisionsbegründung des beklagten Amtes vom 20 = Dezember 1954 S 3 bis 4 angeführten Urteile nicht erkennen, inwiefern hier eine Verletzung der in Ziffer II 1 a enthaltenen Rechtsgrundsätze vorliegen sollte, der Motorradfahrer habe wegen des grundsätzlichen Vorfahrtsrechtes aller von rechts auf die nicht als vorfahrtsberechtigt gekennzeichnete ProvinzialstraBe einmündenden Straßendem Feuerwehrwagen die Vorfahrt gewähren müssen? er habe auf die Einmündung der Straße an der Äa gefaßt sein müssen und zwar selbst dann« wenn ihm in weiterer Entfernung Anhaltspunkte für ihre Erkennbarkeit gefehlt haben sollten, was sicherlich nicht der Fall gewesen .sei, als er auf 10 m an die Einmündung herangekommen gewesen sei« Wer sich auf einem Abschnitt der Provinzialstraße bewege, wo die Straße ein Borf durchlaufe und wo sie rechts und links mit Bauernhäusern eingefaßt sei, müsse Jederzeit, wenn die Häuserzeile unterbrochen sei oder ende, darauf eingestellt sein, daß eine Straße einmünde; denn die frü- es bedeute eine Überspannung der an einen Kraftfahrer nach §§ 1 und 9 StVO zu stellenden Anforderungen, wenn das Berufungsgericht verlange, daß ein Kraftfahrer, der auf einer Durchgangs- /provinzial-)straße ein Dorf durchfahre, jederzeit darauf eingestellt sein müsse, daß eine Straße einmünde, wenn die Häu-; serzeile unterbrochen sei oder ende und deshalb nur mit 20 km/h fahren dürfe 0 daß außer der Unterbrechung der Häuserzeile weitere Umstände auf die Einmündung der Straße an der Aa hingewiesen haben; derartige Umstände hat das Berufungsgericht zwar nicht festgestellt. te, daß die Benutzer dieser Straße sich nur mit äußerster Vorsicht an die Provinzialstraße herantasten durften,, Deshalb könnten insoweit möglicherweise die oben zu Ziffer II 1 b entwickelten Rechtsgrundsätze verletzt sein» Konnte nämlich der Kläger bereits auf größere Entfernung erkennen, daß die von rechts kommende Strasse an der Aa von völlig nebensächlicher Bedeutung war, und konnte er zu dieser Zeit das Herannahen des Feuerwehrwagens nicht erkennen, so bestand für ihn kein Anlaß, wegen der Einmündung dieser Straße die nach der Beschaffenheit der durch das Dorf führenden Provinzialstraße im übrigen zulässige Geschwindigkeit herabzusetzen, um dadurch den noch nicht erkennbaren Verpflichtungen gegenüber dem Verkehrsteilnehmer auf der als ganz nebensächlich erkannten Straße an der Aa zu genügen. Jedoch bedarf es auch insoweit keiner weiteren Tatsachenfeststellungen mehr/ Vielmehr ermöglichen die vom Berufungsgericht festgesteilten Tatsachen dem erkennenden Revisionsgericht die selbständige rechtliche Würdigung dieser vom Berufungsgericht nicht gewürdigt en Umstände, Die Feststellungen über die Beschaffenheit der Straße an der Aa und besonders über ihre Einmündung auf die Provinzialstraße (erhebliche und kurze Steigung, also nicht für normalen Verkehr ausgeglichene , allmählich zur Provinzialstraße ansteigende Fahrbahn; Übergang von einem Sandweg zu einer asphaltierten Straße) zeigen, daß der Motorradfahrer die Straße an der Aä, wenn er das Vörhandensein einer Einmündung überhaupt bemerken konnte, als einen völlig unerheblichen Nebenweg beurteilen durfte,. Diese Feststellungen; und die weitere Feststellung des Berufungsgerichts, daß der Motorradfahrer erst 5 m vor der Unfallstelle das Herannahen des Feuerwehrwagens erstmalig erkennen konnte, rechtfertigen .es3 daß der Motor- seine sowieso nicht hohe Geschwindigkeit von 25/28 km/h trotz Erkennbarkeit der Einmündung nicht herabsetzte5 entgegen der Y/ürdigung des Berufungsgerichts ist der Motorradfahrer an der Unf allst eile daher nicht zu schnell gefahren» Ein Mitverschulden an dem Unfall trifft ihn wegen zu schnellen Fahrens deshalb nicht.. Die in diesem Zusammenhang getroffenen Feststellungen des Berufungsgerichts gestatten aber dem erkennenden Revisionsgericht auch die Prüfung, oh den Motorradfahrer ein Mitverschulden am Unfall wegen Unachtsamkeit trifft« Aus der Begründung des Berufungsgerichts, warum der Motorradfahrer die Feuerwehr nicht erst 2 bis 3m? sondern bereits 5 m vor der Unfallsteile bemerkt h a b e ,, ergibt sich nämlich, daß das Berufungsgericht in Wahrheit nicht feststeilt, der Motorradfahrer habe den Feuerwehrwagen auf 5 m bemerkt ,, sondern es hat nur festgestellt, er habe den Feuerwehrwagen bemerken können« Denn es werden vom Berufungsgericht nur Umstände aufgezählt, die es dem Mbtorradfahrer erlaubten, den Feuerwehrwagen zu bemerken, aber kein einziger Umstand, der darauf hindeutete, daß er ihn auch wirklich bemerkt hätteo Konnte aber der Motorradfahrer nach diesen Feststellungen den Feuerwehrwagen bemerken,, so trifft ihn bei der hier gegebenen besonderen Sachlage ein Verschulden,. Die Ausführungen des Berufungsgerichts über das Verschulden dis Motorradfahrers sind daher zwar nicht frei von Rechtsirrtum* doch zeigt sich* daß auch den Motorradfahrer ein Mitverschulden an dem Unfall wegen nicht genügender Aufmerksamkeit trifft« Es stellt mit jenen Ausführungen vielmehr nur fest, daß auch der Motorradfahrer den Schaden verursacht hato Ohne weiteres ergibt sich dagegen aus den übrigen Feststellungen des Berufungsgerichts, vor allem aus seinen Ausführungen zu dem Verschulden des Fahrers des feuerwehrwagens* daß auch dieser den Unfall nach der Ansicht des Berufungsgerichts verursacht hat und zwar in stärkerem Maße .als der Motorradfahrer, weil - jedenfalls nach der Ansicht des Berufungsgerichts - bei nur etwas geringerer Geschwindigkeit des Motorradfahrers der Unfall vermieden worden wäre, während das Verhalten des Feuerwehrmannes den Unfall in mehrfacher Weise mitverursacht hat, nämlich durch zu schnelles Fähren, Uichtbeobachtung des Verkehrs auf der Provinzialstraße, Bichtanhalten trotz dazu bestehender Mogl1chkeit und durch die Größe seines Lastwagens, Die Ausführungen über die Verursachung des Schadens durch den Motorradfahrer begründen daher entgegen der Ansicht des'beklagten Amtes nicht die Versagung aller Ansprüche des Motorradfahrers im Wege der Abwägung nach § 254 BGB= Auch die andere Beurteilung des Verhaltens des Motorradfahrers durch das erkennende Gericht das sei unzulässig* Richtig ist allerdings, daß für Kleinkrafträder nach dem für die Unfallzeit noch geltenden § 27 Kf zG im Gegensatz zu dem Jetzt gültigen § 27 StVG eine Gefährdungshaftung nicht bestand * Hier aber handelt es sich um eine wegen beider-seitigen Verschuldens nach § 254 BGB vorzunehmende Ausgleichung o Bei ihr ist Jeder für die Verursachung bedeutsame Umstand, als© auch die Betriebsgefahr, zu berücksichtigen und zwar gleichgültig, ob für Kleinkrafträder nur Verschuldens- oder auch Gefährdungshaftung besteht (so Urteil vom 28, Oktober 1953 - VI ZK 321/52 - S 14, insoweit in VKS Band 6,11 =■BAH 1953,240'nicht abgedruckt Urteil vom 3v Februar 1954 - VI ZK 153/52 - S 11, insoweit ln BGHZ 12*213 nicht abgedruckt; Gelhaar in BAH 1954 265 £2717), Die insoweit erhobene Küge des Motorradfahrers ist daher unbegründet» 3 * Die übrigen Ausführungen der Revision des Motorradfahrers beziehen sich ausschließlich auf die Abwägung des Grades der Verursachung und Verschulden, Sie laufen nicht darauf hinaus, daß die vom Berufuhgsgericht vorgenommene Abwägung von rechtsirrtümlichen Erwägungen bestimmt war; vor allem wird nicht darauf abgestellt, das Berufungsgericht habe nicht alle Umstände oder einzelne Umstände nicht in der richtigen Richtung berücksichtigt. hat das Berufungsgericht in vollem Umfange dem Grunde nach für gerechtfertigt erklärt, lc Die Ansicht des beklagten Amtes? Als solche Ansprüche kommen hier nur Ansprüche gegen den Motorradfahrer in Präge, der durch sein Verschulden die Körperverletzung des Beifahrers herbeigeführt hat. Ob der Beifahrer Ersatzansprüche gegen den Motorradfahrer hat, oder ob derartige Ansprüche aus fahrlässiger Körperverletzung im vorliegenden Palle rechtswirksam unter den Beteiligten ausgeschlossen werden könnten und worden sind, und ob derartige Vereinbarungen auch im Hinblick auf die Regelung des § 839 Abs 1 Satz 2 BGB wirksam sind, kann dahingestellt bleiben* Benn selbst wenn solche Ansprüche des Beifahrers gegen den Motorradfahrer beständen, so wären sie hier nicht durchsetzbar,, weil der Motorradfahrer nach dem zu dem Gegenstand der Verhandlung gemachten Armenrechtszeugnis kein Vermögen besitzt und seit dem Unfall unstreitig völlig erwerbsunfähig isto Ber Beifahrer ist daher nicht gehindert, seine Ansprüche aus Amtshaftung gegen das beklagte Amt geltend zu machen, Bie Revision des beklagten Amtes, die sich gegen seine Haftung wegen des vom Beifahrer geltend gemachten Klageantrages zu 1) richtet, 1st daher ebenfalls als . Pas Berufungsgericht hat die Ansprüche beider Kläger nur insoweit dem Grunde nach für gerechtfertigt erklärt* als diese Ansprüche nicht auf öffentlichrechtliehe Versicherungsträger Ubergegangen sind3 Ein Übergang von Schmerzensgeldansprüchen auf öffentlichrechtliche Versicherungsträger kommt aber überhaupt nicht in Betrach insoweit - und damit für den größten Teil der geltend gemachten Ansprüche - hätte es daher der vom Berufungsgericht gemachten Einschränkung nicht bedurft = Pas gleiche gilt auch für die.Ansprüche auf Sachschaden; auch insoweit ist die vom Berufungsgericht gemachte Einschränkung überflüssig.