BGH · III ZR 274/53
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
I, vertreten durch die Behörde für Wirtschaft und Verkehr, Beklagte, Berufungsbeklagte und Hevisionsbeklagte, Prozeßbevollmächtigter: Rechtsanwalt Br, hat der III, Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 26 „ Mai 1955 unter Mitwirkung der Bundesrichter BroPagendarm,, RietschelBr,Kreft Br.Wolany und Br,Beyer für Recht erkannt? Auch andere Schuten seien schon mehrfach unter die Balkenvorsprunge geraten« Die Beklagte sei für den verkehrssicheren Zustand der Kaistrecke verantwortlich0, Diese Bflicht habe sie nicht erfüllt« Sie hätte entweder die Balkenenden beseitigen oder durch Warnschilder auf die Gefahr hinweisen müssen,. Die Beklagte hat um Klageabweisung gebeten und vorgetragens Das von dem Kläger behauptete Unterhaken, und Pestklemmen der Schute unter dem Balkenvorsprung sei eine bloße Vermutung und keinesfalls von dem inso-weit beweispflichtigen Kläger bewiesen« Ihr sei nicht bekannt, daß sich hier schon mehrfach Schuten verhakt hatten; Beanstandungen seien nicht eingegangen« Darüber hinaus sei sie ihrer Pflicht, für den verkehrssicheren Zustand des Mönckebergkais zu sorgen* in vollem Umfange nachgekommenc.Es sei nicht möglich» die Balkenenden zu entfernen; auch eine andere Konstruktion der Anlage sei nicht möglich« Die Art» in der die Steigleiter geschützt werde, sei überall im Hafen .üb-lieh und in Schiffahrtskreisen bekannt« Warnschilder seien daher nicht erforderliche Es müßte sonst an jeder Steigleiter im Hafen ein Yfarnschild angebracht werden «Der Unfall sei ausschließlich auf die vom Kläger verschuldete mangelhafte Bewachung zurückzuführen« Die Bewachung durch den Zeugen 'SHHft sei unzureichend gewesen« als dieser das letzte Mal kontrolliert habe - etwa um 2*1/2 Uhr -, sei Niedrigwasser gewesen; gerade um Bas Landgericht hat die Klage abgewiesen* weil den Kläger wegen grober Verletzung seiner Überwachungspflicht das alleinige Verschulden andern Unfall treffe» Hiergegen hat der Kläger Berufung eingelegt und unter Erhöhung seiner Klageansprüche zuletzt beantragt,, unter Abänderung des landgerichtlichen Urteils die Beklagte zur Zahlung von 6»100 BM nebst Zinsen zu verurteilen, Ber Kläger hat ergänzend vorgetragen, die Beklagte selbst habe - wie aus der Akte des Hanseatischen Oberlandesgerichts in Sachen-Harms / Hapag (1 U 129/36) hervorgehe - schon 1935 auf dem Standpunkt gestanden, daß eine Bauart mit vor springenden Balkenköpfen nicht mehr üblich sei und das Unterhaken durch besondere Schutz-maßnahmen vermieden werden müsse» Bie Beklagte hat dem- . Das Berufungsgericht stellt - im Gegensatz zu dem Landgericht, das diese Frage offengelassen hat - fest, daß die schräg zur Kaimauer mit dem Heclc an deii lie holz liegende Schute des Klagers hei fallendem Wasser mit der Bordkante unter den Balkenvorsprung geraten sei, sich bei steigendem Wasser dort festgesetzt habe und deshalb gekentert seiö Jedoch habe die Beklagte die ihr obliegende Verpflichtung, für den verkehrssicheren Zustand der Mönckebergkaianlage zu sorgen, nicht verletzt, Allerdings habe die Beklagte unstreitig geduldet, daß auch Schuten an dem als Seeschiffskai gebauten und für diesen Zweck bestimmten Mönckebergkai festgemacht hätten,, so daß die Beklagte damit auch für Schuten an dieser Kaistrecke den Verkehr eröffnet und insoweit eine Verkehrssicherungspflicht übernommen habe«, Die Kaianlage sei aber nach dem Ergebnis der Beweisaufnahme vom hafenbautechnischen Standpunkt nicht zu beanstanden, insbesondere entspreche die Anlage der fraglichen HeibhÖl-zer an der Steigleiter den Erfordernissen der Technik /und ein geringeres Vorspringen der Querholme, auf denen die Beibhölzer ruhen, sei aus konstruktiven Gründen nicht durchführbar» Zwar komme - wie die Beklagte selbst eingeräumt habe - die vor "'etwa 50 Jahren gebaute Anlage des Mönckebergkai auf Grund neuer technischer Erfahrungen bei Neubauten nicht mehr in Frage» Die Beklagte-als Trägerin der Verkehrssicherungspflicht sei auch gehalten, alle im Laufe der Zeit aus technischen Erfahrungsregeln gewonnenen, zu demutbaren Schützvorkehrungen zü treffen, um etwaige aus der Anlage siGh ergebenden nachteiligen Folgen für den Benutzerkreis, insbesondere also für Schuten, zu vermeiden». lieh der Herstellung und Unterhaltung eines verkehrssicheren Zustandes der, Kaianlage das technisch Mögliche und Zumutbare getan» Ferner habe die Beklagte ihre Verkehrs sicherungspflicht nicht dadurch verletzt, daß sie unter den gegebenen Umständen die Benutzung der Kaianlage durch Schuten überhaupt z^ugelassen oder jedenfalls nicht verboten und schließlich nicht durch Anbringung von Warnschildern auf die Gefahr des Unterhakens von Schuten hingewiesen habe. Hierzu hat das Berufungsge+ rieht tatsächlich festgestellt, daß der Beklagten bis zu dem Untergang der Schute des Klägers im Mai 1949 keine Fälle bekannt geworden seien, in denen die hervorstehenden Holmenenden die Ursache für Schadensfälle gewesen seien und aus denen Ersatzansprüche an die Beklagte gestellt worden seien» Es habe deshalb für die Beklagte auch keine Veranlassung bestanden* vor einer solchen möglichen Gefahr zu warnen» illill Der Vorderrichter führt weiter auss Überdies habe die Beweisaufnahme eindeutig ergeben, daß die Balkenköpfe bei ordnungsmäßigem Hinlegen der Schuten am Kai (parallel zu diesem} oder bei ordnungsmäßiger, im übrigen nach der- Hafenordnung vorgeschriebenen Bewachung der Schuten eine Gefahr nicht, .bildeten» Es sei im Hafen allgemein bekannt, daß der Mönckebergkai keine besonderen Einrichtungen für Schutenliegeplätze habe» Wenn der Kläger seine Sefiute - wie hier - über Nacht und während mehrerer üDidenwechsel über einen Gleitpfahl schräg unmittelbar an die.Kaimauer gelegt habe, so habe er sich 'darüber klar sein müssen;, daß er damit die Schute in eine' ungünstige und möglicherweise gefährliche Lage gebracht habe» Dieser Lage habe er zu demindest in dem Umfang, wie e.s ihm § 21 Il-der Hamb, Hafenordnung auf er-lege, durch gehörige Wachsamkeit Rechnung tragen müssen» Daran habe es der Kläger, wie bereits das Landgericht Die Revision rügt in erster Linie Verletzung des § 313 ZPO, da vom Berufungsgericht- nicht angegeben sei«, welche feile der herangezogenen Akten des Hanseatischen Oberlandesgerichts in Sachen Harms / Hapag (1 U 129/36) vorgetragen und zu dem Gegenstand der mündlichen Verhandlung gemacht worden seien» Demgegenüber ergibt sich aber aus Tatbestand und Gründen des Berufungsurteils mit hinrei-ehender Klarheit, daß Gegenstand der mündlichen Verhandlung die Teile der beigezogenen. Akten waren, die ein in jener Sache angeblich von einem Beamten der Beklagten gegebene amtliche Auskunft betrafen, nac)i der die Bauart mit vorspringenden Balkenköpfen.nicht mehr üblich sei und das Unterhaken durch besondere Schutzmaßnahmen vermieden werden müsse» Läßt sich aber - wie hier -eindeutig feststellen,, welche Teile der Beiakten der Urteilsfindung zugrunde gelegt worden sind, und ergibt die Bezugnahme keine Ungewißheit über das ParteiVorbringen, so kann eine Verletzung des § 313 ZPO, die zur Aufhebung des Urteils führen müßte, nicht angenommen werden (vgl LM Nr 1 zu § 25 RLGj Urteil des BGH vom 18» Pebruar 1954 - IV ZR 126/53 - im Nachschlagewerk des BGH zu § 313, Abs 2 ZPO)o 286 ZPO erhöheben Verfahrensrügen gegen die im Zusammenhang mit dem Umfang und Maß der Verkehrssicherungspflichten der Beklagten vom Berufungsgericht getroffenen tatsächlichen Feststellung ankommt, erweist sich sachlichrechtlich das angefochtene Urteil schon aus folgenden Brwägungen als zutreffend: fenfahrzeuge, die Seeschiffshäfen benützen,, vorgeschrieben* Wenn aber nach der bedenkenfreien und von der Revision nicht angegriffenen tatsächlichen Feststellung des Berufungsrichters eine solche ordnungsmäßige Bewachung der Schuten die an sich von den Balkenvorsprüngen ausgehende Gefahr beseitigt, so hat die Beklagte schon durch ihre allgemeine Anordnung einer ausreichenden Beaufsichtigung der Schuten ihrer Verkehrssicherungspflicht hinsichtlich der Benutzung des Seeschiffskais durch Schuten in diesem Punkt im Rahmen des für den Verkehrsteilnehmer und den Verkehrspfiichtigen Zumutbaren genügt. Da die Hafenordnung für jeden Benutzer des Hafens, somit auch für den Kläger, verbindlich ist und ihm zu demindest bekannt sein mußte,, der Kläger aber nach der gemäß § 549 ZPO nicht nachprüfbaren Ansicht des Berufungsgerichts dieser Bewachungspflicht nicht in ordnungsmäßiger und ausreichender Weise nachgekommen ist, ist das Sinken der Schute des Klägers auf eine Verletzung der Verkehrssicherungspflicht der Beklagten wegen der Bauart der Balkenvorsprünge überhaupt nicht zurück zuführen ,> Somit entfällt auch jeglicher Schadensersatzanspruch des Klägers,, Hiernach war die Revision des Klägers mit der Kostenfolge, aus § 97 ZPO., zurückzuweisen» Ein zwingender Anlaß zu der von der Beklagten angeregten Abänderung oder Ergänzung der Urteilsformel des Berufungsurteils in dem Sinn* daß der in der Berufungsinstanz erhöhte Klageanspruch ebenfalls abgewiesen ist, besteht nicht.