BGH · III ZR 259/54
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
a) Soweit das positive lun der Beamten des Wohnungsamt es der Beklagten in Betracht kommt - Beschlagnahme von Wohnung und Hausrat, Umquartierung des Klägers,, Einweisung anderer Personen in die Wohnung ist nicht ersicht-, lieh, wieso ihnen ein Schuldvorwurf gemacht werden könnte. Die tatsächliche Feststellung des Berufungsgerichts* es sei den Beamten der beklagten Stadt durch die Militärregierung "unmöglich gemacht” worden, "späterhin sich der beschlagnahmten Wohnung und der darin befindlichen mit b e schlagnahmt en Gegenstänae ,,« anzunehmen", wird von der Anschlußrevision nicht angegriffen0 Wenn die Beamten der beklagten Stadt aber keinen Zutritt zu der Wohnung hatten, so konnten sie auch nicht. Aufsichtsbefugnisse ausüben oder ein Inventarverzeichnis errichten5 wenn die Militärregierung sich die Verfügung übers den Hausrat vorbehielt, so kann man es den Beamten nicht als Verschulden anrechnen, wenn sie nicht auf den Gedanken gekommen sind, mit den Wohnungsinhabern einen "Nutzungsvertrag" abzuschließen oder die von ihnen zu zahlende "Vergütung" festzusetzen; denn sie konnten davon ausgehen daß auch diese Fragen zu regeln sich die Militärregierung Vorbehalten habe » Wenn die Anschlußrevision meint « daß mindestens eine Inven^ärerrichtung "inlden nächsten wenigen Tagen nach der Beschlagnahme und. 2o Die Revision der Beklagten bekämpft die Annahme des Berufungsgerichts, daß die Beklagte dem Kläger eine an-gernessene Ent schädigung für den Verlust und die Be schär diguhg von Hausratsgegenständen schulde, mit folgenden Erwägungens es habe sich um einen Akt der Militärregierung gehandelt, für den die Beklagte nicht einzustehen habe; die Erfassung und Zuweisung der Wohnung nebst ihrer Einrichtung an die polnischen Mieter sei überhaupt rechtmäßig gewesen; für den durch unerlaubte.Handlungen (Entwendungen, mutwillige Beschädigung) der eingewiesenen Personen entstandenen Schaden könne es eine Entschädigung unter dem Gesichtspunkt des Aufopferungsanspruchs nicht geben, weil der Eigentümer nicht gehalten gewesen' sei, diese Schädigungen zu dulden; auch wenn Entschädigungsansprüche gegeben sein' sollten, konnte aber nicht die Gemeinde als passiv legitimiert angesehen werden, sondern nur der. a) Wenn die Revision unter Berufung auf die Aussage des Zeugen Sc(HB® ausführt, daß es überhaupt die Militärregierung .gewesen sei, welche die Wohnung des Klägers beschlagnahmt und die polnische Familie in sie eingewiesen habe, und daß insoweit die Bediensteten der beklagten Stadt nur als Ausführungsorgane der Besatzungsmacht tätig geworden seien, so entfernt sie sich von den tatsächlichen Feststellungen des Berufungsgerichts und dem eigenen Vortrag der Beklagten in den Tatsacheninstanzen» In der kevisionsinsfcanz muß davon ausgegangen werden, daß die Beklagte zwar "auf Befehl der Militärregierung", aber doch erst selbst und als deutsche Verwaltungssteile die Verfügung an den Kläger erlassen hat, daß er die Wohnung unter Zurücklassung des Hausrats zu räumen habe, nicht dagegen nur eine bereits nach außen bestimmte, an den Kläger:gerichtete Anordnung der Militärregierung übermittelt hätte? das ergibt sich aus den Feststellungen des angefochtenen Urteils» Y/enn dem aber so war, dann liegt der vorliegende Ball rechtlich nicht anders als der eine Hausbeschlagnahme in München betreffende Ball in der Sache III ZR 85/54? in dieser Sache hat der Senat in seinem zur Veröffentlichung bestimmten Urteil vom 21* November 1955 bereits mit näherer Begründung entschieden, daß eine nach deutschem Recht begründete Entschädigungspflicht nicht deshalb entfällt, weil die Behörde ihre Maßnahme auf Befehl der Militärregierung durchgeführt hat, wenn die betreffende Inanspruchnahme nicht für Zwecke der Besatzungsmacht oder zugunsten einer In die Organisationen der Besätzungsmacht eingegliedert en Stelle ausgesprochen worden ist * Daran ist auch hier f estzuhaltam Daß die Besatzungsmacht sich um:die Unterbringung der aus den Konzentrationslagern entlassenen Personen - zu denen auch die in die Wohnung des Klagers eingewiesenen Mieter gehört haben sollen - besonders gekümmert hat, Ist nicht von entscheidender Bedeutung; denn die von der Besatzungsmaeht geforderten Maßnahmen wurden dadurch noch nicht zu Maßnahmen, die in ihrem materiellen (Jehalt - B er eit st ellung von Wohnung und Hausrat - der Besatzungsmaeht als solche! b) Es braucht nicht geklärt zu werden, ob der Eingriff der beklagten Stadt in die Eigentumsphäre des Klägers ob aektiv rechtmäßig war oder nicht c War er nicht rechtsmäßig, so kann der Kläger eine angemessene Entschädigung wegen der eingetretenen Verluste und außerordentlichen Beschädigungen unter dem Gesichtspunkt eines ent-eignungsgleichen Eingriffs verlangen, wie das schon das Berufungsgericht im Ergebnis mit Recht angenommen hat 0 War der Eingriff aber rechtmäßig, wie die Revision meint, weil kraft der Anordnungen der Besatzungsmacht die besonderen Eingriffsvoraussetzungen des deutschen Rechts gar nicht vorzuliegen brauchten, so ergibt sich die Entschädigungspflicht schon unmittelbar aus § 26 Abs 3 RBG$ denn die besatzungsrechtlichen Anordnungen haben eine Entschä-digung nieht ausgeschlossen und hinsichtlich des deutschen Rechts nur die Voraussetzungen abgewandelt, nicht aber auch die Folgen von Inanspruchnahmen der hier vorliegenden Art entgegen dem bestehenden positiven.deutschen Recht (Art 153 VfeimVerf, § 26 RLG-) anders gestaltet«, Auch insoweit ist der vorliegende Fall nicht anders zu beurteilen wie der in dem Urteil vom 21 * November 1955 - III ZR 85/54 -behandelte. und die Besitz- und Cebrauchsüb erlas sung an andere dulden, weil ihm dies durch einen hoheitlichen Akt auferlegt würde, Eine Möglichkeit zur Einwirkung auf die Besitzer und zur Verhinderung von Schäden hatte er noch weniger, als es die beklagte Stadt von sich behauptetBei einer Inanspruchnahme nach dem Reichsleistungsgesetz ordnet § 26 Abs 3 und 4 RLG- die Entschädigungspflicht der Bedarfsstelle ausdrücklich an, wenn, wie im vorliegenden Falle, von dem in erster Linie ersatzpflichtigen Benutzer ein Ersatz nicht zu erlangen ist. Auch bei einer auf Art 153 WeimVerf gestützten Entschädügungspflicht kann nichts anderes gelten; denn zu entschädigen ist auch nach diesen Vorschriften der Bürger noVcht nur wegen der von der Behörde gewollten Nachteile, die sich notwendigerweise mit ihrem Eingriff einsteilen mußten, sondern auch für die nicht gewollten,: aber durch den Eingriff verursachten Einbußen am Eigentum* Dazu gehören aber auch die Entwendungen und die außerordentlichen Beschädigung^von Sachen durch die unter Ausschluß des Eigentümers mit der Nutzung der Sachen vorder Behörde betrauten Personen, d) Auch der letzte Angriff der Revision ist unbegründet* Eine an der Wirklichkeit nicht vorbeigehende Befrachtung muß anerkennen, daß es sich bei den Maßnahmen der hier vorliegenden Art dem Ziele nach um die Unterbringung der Verschleppten und nunmehr nach der Entlassung aus den IConzentrationslagern und den provisorischen Unterkünften 'sonst obdachlos werdenden Personen gehandelt hat, und daß die "Wohnraumentnazifizierung" nur insoweit eine Rolle gespielt hat, als zur Erreichung des genannten Zieles auf die Wohnungen der von der Besatzungsmacht als belastet angesehenen Personen zurückzugreifen war* Es braueh niebt geklärt zu werden, in welchem Rangverhältnis die Deshalb ist durch die Unterbringung der in das Stadtgebiet der Beklagten mit Zustimmung der Militärregierung gekommenen Personen die-Beklagte - mindestens auch - begünstigt worden, woraus sich ihre Passivlegitimation für den hier in Präge stehenden Entschädigungsanspruch auch, für den Pall ergibt, daß nicht unmittelbar § 26 BLG anzuwenden sein sollte, sondern der Anspruch unter dem Gesichtspunkt der Entschädigung für einen ent eignungsgleichen Eingriff für gerechtfertigt ^u; halten wäre.. Zur Höhe des Anspruchs führt das Berufungsgericht auss das Gericht habe die angemessene Entschädigung "nach billigem Ermessen zu finden”; zu einer detaillierten Peststellung des Schadens bestehe Ucao deshalb kein Anlaß,, weil der Kläger, keinen vollen Schadensersatz, sondern nur eine angemessene Entschädigung verlangen könne; der von ihm angegebene unterste Rahmen von 2.000 DM werde vom erkennenden Gericht als "ausreichender und genügender Schadensersatz in dieser Sache” erachtet« Der Anschlußrevision ist zuzugeben, daß diese Ausführungen nicht frei von Rechtsirrtum sind* Das Berufungsgericht ist sachlichrechtlich von unrichtigen Vorstellungen beeinflußte Zwar unterscheidet sich die Hangemessene Ent Schädigung” nach Herkunft und Charakter vom ”Schadensersatz” und reicht möglicherweise im Einzelfall nicht so weit, wie ein Schadensersatzanspruch reichen würde, letzterer umfaßt bei der Entziehung einer Sache sämtliche Vermögensnachteile, u * a, den entgangenen Gewinn, Bei der angemessenen Entschädigung für einen -entsprechenden hoheitlichen Eingriff kann aber der Betroffene .den-'wirtschaftlichen Schaden, dir sich als Folge des Eingriffs eingestellt hat, in der Regel nicht ersetzt verlangen (vgl BGHZ 15?23), sondern muß sich mit der Entschädigung für den ,fSubstanzverlust,f begnügen. Soweit es aber um die Entschädigung für diesen Substanzverlust geht, muß diese nach Sinn und Zweck der öffentlichrechtlichen Entschädigungspflicht - ähnlich wie beim Schadensersatz - so bemessen werden, daß der Geschädigte in den Stand gesetzt wird, sich mit dem Entschädigüngsbetrag wieder "eine gleiche Bäche zu beschaffen” (vgl BGHZ 11,156 ff* 160)0 Dasselbe muß bei; einer bloßen Substanzminderung durch außergewöhnliche Beschädigungen einer Sache, für die Ersatz zu leisten ist, gelten. Entschädigung nach eigenem billigem Ermessen festgesetzt hat - nicht etwa den ’Schaden nach freiem Ermessen ermittelt hat hat damit das materielle Recht verletzt und deshalb muß das angefochte-ne Urteil nicht nur insoweit aufgehoben werden, als es den Kläger durch Abweisung des 2,000 BM übersteigenden Mehrbetrages beschwert, sondern auch insoweit, als es der Beklagten nachteilig ist.; denn ohne eine vorherige Prüfung der Verluste und Beschädigungen ist es nicht möglich zu sagen,, daß 2oCöO BM auf Jeden Pall als Entschädigung gerechtfertigt seien0 Bie Beklagte hat ausdrücklich auch die Höhe des Anspruchs bestritten^ Deshalb muß-auch-v^a^em*-linteii,esse:- eine Nachv..