BGH · III ZR 246/54 vom 02.02.1956
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Durch Witterungseinflüsse sind die Wirtschaftsgebäude alsdann bis auf die Umfassungsmauern verfallene Die Klager haben dazu weiter vorgetragent Die Entnahme der Baumaterialien aus den Wirtschaftsgebäuden sei erfolgt unter Duldung, ausdrücklicher Zustimmung und auf Anordnung der damaligen - nacheinander von den Amerikanern eingesetzten - Bürgermeister der beklagten Gemeinde sowie des sog, "Ortsausschusses” oder "Politischen Ausschusses”? Zudem habe die Gemeinde für etwaige Maßnahmen der Mitglieder des "Ortsausschusses” nicht einzustehen» SchlHB habe nach sei-nearODienstantritt als Bürgermeister sogar mehrfach bekannt machen lassen, daß das Betreten der Hofstelle der Kläger und die Entnahme von Baumaterial verboten seien» Penn auch wenn man davon ausgeht, daß derartige Ansprüche zunächst ßegen die Beklagte zur Entstehung gelangt sind, so sind jedenfalls diese Ansprüche doch in Ersatzansprüche nach dem Lastenausgleichsgesetz (LAG) ubergegangen und können als solche nicht mehr im ordentlichen Rechtsweg und auch nicht gegenüber der beklagten Gemeinde geltend gemacht werden«, Wie der Senat in BGHZ 8,256 ff eingehend dar gelegt und seitdem in ständiger Rechtsprechung entschieden hat, können neben den nach dem Lastanausgleichsgesetz gewährten Ansprüchen anderweite Ansprüche aus Enteignung oder enteignungsähnlichen Tatbeständen und damit auch ausfdem Gesichtspunkt der Aufopferung insoweit nicht mehr geltend gemacht werden, als sie sich gegen die öffentliche Hand richten« der Bürgermeister die Materialentnahmen über das Ende des Monats Juli 1945 hinaus nicht mehr geduldet haben« Schließlich hat das Berufungsgericht auch festgestellt, daß der "Ortsausschuß" in der ersten Zeit nach der Besetzung des Dorfes durch die Amerikaner hoheitliche Gewalt in ausgeübt habe und als der eigentliche Träger der öffentlichen Gewalt auch bis zu dem Herbst 1945 von den Vorgesetzten Behörden anerkannt worden sei» Y/enn das Berufungsgericht auf Grund dieses Sachverhalts die von dem damaligen Bürgermeister (oder den Bürgermeistern) und vom "Ortsausschuß" über Materialentnahmen aus dem Anwesen der Kläger getroffenen Maßnahmen als "behördliche Maßnahmen" im Sinne des § 13 Abs 3 LAG angesehen hat, so ist dies aus Rechtsgründen nicht zu beanstanden« Die Revision hat insoweit auch keine Bedenken geltend gemacht 0 Das von dem Grundstück der Kläger gewonnene Baumaterial sollte dazu dienen, die Gebäude in die bei den dem Einrücken der amerikanischen Truppen vorausgegangenen Kämpfen beschädigt worden waren, wieder herzurichten, Die hier in Rede stehenden behördlichen Maßnahmen standen mithin in unmittelbarem zeitlichen und sachlichen Zusammenhang mit einem konkreten kriegerischen Ereignis, nämlich der kur2 zuvor durch Kriegshandlungen erfolgten Zerstörung und Beschädigung von Gebäuden« Der unmittelbare Zusammenhang zwischen den behördlichen Maßnahmen und konkreten kriegerischen Ereignissen kann auch nicht, wie die Revision meint, deswegen verneint werden, weil nur diejenigen Gebäude, zu deren Wiederinstandsetzung das gewonnene Baumaterial dienen sollte, durch Kriegsereignisse beschädigt oder zerstört waren, hingegen die Gebäude, aus denen das Bauma- Insoweit hat bereits das Berufungsgericht zutreffend hervorgehoben, daß der Zusammenhang zwischen den behördlichen Maßnahmen und den kriegerischen Ereignissen schon allein dadurch hergestellt ist, daß die Maßnahmen der Wiederherstellung kurz zuvor durch Kriegshandlungen zerstörter Gebäude dienten- Dem Umstand, ob die zu diesem Zweck in Anspruch genommenen Materialien selbst aus kriegsbeschädigten Gebäuden stammten oder sonstwie (aus unbeschädigten Gebäuden, aus Materiallagern u,a,) gewonnen wurden, kommt in diesem Zusammenhang eine entscheidende Bedeutung nicht zu* Insbesondere kommt es bei der Präge, ob es sich um in Zusammenhang mit den kriegerischen Ereignissen getroffene behördliche Maßnahmen gehandelt hat, nicht darauf an, ob diese Maßnahmen einen gültigen oder ungültigen Verwaltungsakt darstellen, oder ob gar die Beschädigung, Zerstörung oder Wegnahme der Sachen ohne Verfahren erfolgt isto Insoweit wird in § 13 Abs 3 LAG entscheidend allein auf die tatsächliche Beschädigung, Zerstörung oder Wegnahme abgestellt (vgl die Entscheidung des erkennenden-Senats in MLR 1954, 674 * IM Nr 7 zu § 13 LAG mit weiteren Nachweisen) . Im Rahmen der Entscheidung über den von den Klägern erhobenen Amtshaftungsanspruch hat d'as Berufungsgericht die Präge, ob die beklagte Gemeinde für etwaige Amtspflichtverletzungen nicht nur auf seiten der Bürgermeister, sondern auch auf seiten von Mitgliedern des "Ortsausschusses” einzustehen hat, bejaht. Im Rahmen des § 839 BGB muß sich das Verschulden gerade auf die Pflichtverletzung beziehen und eine schuldhafte Amtspflichtverletzung ist nur dann gegeben, wenn sich der betreffende Beamte schuldhaft über das, was ihm durch Gesetzesoder Dienstvorschriften geboten ist, hinwegsetzt• Eine schuldhafte AmtspflichtVerletzung könnte den in dieser Sache tätig gewordenen Beamten einschließlich der Mitglieder des "Ortsausschusses” mithin nur dann zur last gelegt werden, wenn man ihnen den Vorwurf machen könnte, sie hätten erkennen müssen, daß sie sich mit der Duldung, Gestattung oder Anordnung der Wegnahme von Baumaterial aus dem Wirtschaftsgebäude der Kläger über das, was rechtlich zulässig war, hinwegsetzten., Deshalb war, selbst wenn man annehmen wollte, daß die hier interessierenden Maßnahmen - objektiv - rechtswidrig gewesen seien, diese Rechtswidrigkeit doch keineswegs auch nur einigermaßen eindeutig erkennbar, ist doch sogar das Landgericht bei der Prüfung des Sachverhalts unter rechtlichen Gesichtspunkten zu dem Ergebnis gekommen, daß die in Rede stehenden Maßnah-ge wessen men rechtmäßig, seien und aus Rechtsgründen dagegen Bedenken nicht erhoben werden könnten. spreehung des Reichsgerichts und des erkennenden Senats anerkannten Grundsatz in aller Regel den handelnden Beamten nicht der Vorwurf einer schuldhaften Amtspflichtverletzung gemacht werden, wenn sie sich in einer Weise verhalten haben, die von dem Kollegialgericht als objektiv berechtigt angesehen worden ist« "Dieser Grundsatz greift hier durch* Mit Recht hat das Berufungsgericht auch bereits verneint, daß den Beamten der beklagten Gemeinde aus dem Unterlassen von AufZeichnungen über die Materlaientnahmen ein Vorwurf zu machen sei* Die Auffassung, daß es auf derartige Aufzeichnungen über die Entnahmen im einzelnen nicht ankomme, entsprach der damaligen Rechtslage* Denn in dem Runderlaß des früheren Reichsministers des Innern vom 18* Februar 1944 (UinBliV 221^-Bergungserlaß - war ausdrücklich bestimmt, daß die zur Beseitigung von Kriegsschäden in Anspruch genommenen Baumaterialien als durch Kriegsereignis in Verlust geraten zu gelten hätten und dementsprechend nach der Kriegssachsphä-denverordnung zu vergüten seien* Für eine Entschädigung nach der Kriegssachschädenverordnung aber kam es - ebenso wie für die heutige Regelung nach dem Lastenausgleichsgesetz -nur auf den entstandenen Gesamtschaden, der hier auch ohne besondere Aufzeichnungen feststellbar blieb, an* Die Beamten der beklagten Gemeinde konnten deshalb, ohne daß ihnen insoweit ein Schuldvorwurf gemacht werden könnte, davon ausgehen, daß die Kläger auch ohne Vorhandensein schriftlicher Unterlagen über dieeinzelnen Entnahmen für ihren Ge samt schaden eine Entschädigung bekommen und durch das Unterlassen von Aufzeichnungen über die Entnahmen in ihrer Rechtsposition nicht beeinträchtigt werden würden. Die [Revision der Kläger erweist sich nach alledem als unbegründet und mußte dementsprechend zurückgewiesen werden» Die Kosten des erfolglos gebliebenen Rechtsmittels waren gemäß § 97 ZPO den Klägern aufzuerlegen»