BGH · III ZR 239/53 vom 30.07.1953
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
hat der III0 Zivilsenat'des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 16, Mai 1955 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Prof, Dr0 Geiger sowie der Bundesrichter Br. Pagendarm, Rietschel, Br. Weber und-Br. Wolany für Recht erkannt: Die Klägerin behauptet, dass ihre Möbel amtspflichtwidrig weggenommen worden seiend Sie hat beantragt, die Beklagte deshalb zur Leistung eines Schadensersatzes von 500,— DM zu verurteilen. 1. Das Berufungsgericht sieht auf Grund der Aussage des Zeugen CflHHR der damals als Polizeibeamter die Möbel abzuholen hatte, als erwiesen an, dass die Kücheneinrichtung der Klägerin weggeholt worden ist, obwohl dies von der zuständigen Stelle nicht angeordnet worden war; der Zeu- Dem mündlichen Vorbringen der Revision, dass sich vorher erkundigt habe, wo der Bruder der Klägerin wohne, kann angesichts der Feststellungen des Berufungsgerichts keine Bedeutung beigelegt werden« Ihrer Meinung, dass der Berufungsrichter zu Unrecht ein Verschulden des Polizeibediensteten angenommen‘habe, kann nicht zugestimmt werden. Die Revision geht von einer irrtümlichen tatsächlichen Voraussetzung .aus, wenn sie ausführt, der Beamte habe nicht gewusst, «dass in den Räumen auch Möbel der Klägerin sich befanden«, und deshalb sei er auch nicht verpflichtet gewesen, «sich vorher zu vergewissern, ob die Sachen in den Räumen dem Plätzinger oder einem anderen gehörten«; denn es ist nicht so, als ob die Kücheneinrichtung der Klägerin sich/; «in den Räumen des PflHHHM" befunden hätte, sondern auszugehen ist nach den tatsächlichen Feststellungen des Beru-fungsgerichts davon, dass der Beamte gar nicht geprüft hat, welche Räume dem PBHIKund welche einer anderen Person gehörten. Nur deshalb ist es zu dem Zugriff auf die Einrichtung in der allein von der Klägerin bewohnten Küche gekommen-Wenn aber ein Beamter den.Auftrag hat, nur aus den Räumen einer bestimmten Person in einem Hause etwas wegzuholen, so muss er sich vorher vergewissern, welche Räume dieser Person zustehen, und kann nicht, wenn in dem fraglichen H&üse mehrere Parteien wohnen, ohne eine solche vorherige Erkundung zur Ausführung seines Auftrages s chreiten. Auch im Hinblick auf die Hohe des der Klägerin zuge-sprochenen Betrages von 500,— DM lässt sich das angefochte-ne Urteil nicht als rechtsirrtUmlich bezeichnen. a) An einer tragfähigen, den Erfordernissen des .§ 287 ZPO genügenden Begründung fehlt es nicht, wenn das Berufungsgericht -dem Erstgericht beigetreten ist und hierbei ausgeführt hat, dass bei den Gegenwartspreisen 500 ,■— DM als Wert für einen Küchenschrank, eine Küchenanrichte,- vier Stühle und einen Ofen nicht zu hoch seien, auch wenn man berücksichtige, dass es sich bei den Sachen der Klägerin um Gegenstände gehandelt habe, die bereits etwa 25 Jahre lang im Gebrauchgewesen seien. Die Revision vermag selbst nicht anzugeben, dass das Berufungsgericht zu Gunsten der Klägerin tatsächlich einen zu hohen Wert bei seiner Schätzung angenommen hätte, sondern muss sich darauf beschränken, zu behaupten, dass man beim Althändler für 500,— DM eine vollständige Küehenein^-richtung haben könnte. c) Auch daraus, dass die Klägerin angeblich 100,— DM , als Hausratshilfe bekommen habe, ist nichts gegen die volle Berechtigung des hier strittigen Anspruches zu folgern, nachdem das Berufungsgericht festgestellt hat, dass der genannte Betrag als Ausgleich für verlorengegangene Wäsche, die mit dem vorliegenden Rechtsstreit nichts zu tun hat, zu gelten habe.