BGH · III ZR 234/56
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Am 15c Dezember 1955, als der Verkehr der B 213 noch in beiden Richtungen über die LäI*Oo37 umgeleitet wurde, befuhr der aus Motorwagen und Anhänger bestehende Lastzug der Klägerin, auf der B 213 von Löningen kommend und dem Umleitungsschild in Lastrup folgend, die Lolo0o37 in Richtung Hemmelte und kam hierbei zu Schadeno Die Klägerin verlangt vom beklagten Land Ersatz dieses Schadens und hat hierzu vorgetragens Bei km 3*88*der UmleitungsStraße Ldo0»37 sei ihrem 2,30 m breiten Lastzüge ein ebenso breiter Lastkraftwagen entgegengelcommen» Der Lastzug der Klägerin habe wegen der schmalen Fahrbahn zu dem Ausweichen das Bankett benutzen müssen» Dieses habe nachgegeben» Infolgedessen sei der Lastkraftwagen der Klägerin in den Straßengraben gerutscht * Dadurch sei ihr ein Schaden von 354? 15 DM entstanden,, Das beklagte Land hafte sowohl aus Aratspflichtverletzung wegen Ermessens-mißbrauche seiner Beamten als auch wegen Verletzung der Verkehrssicherungspflicht* die dem beklagten Lande für die Ld.0.37 obliege» Die L»I»0»37 sei für den Umleitungs-verkehr in beiden Bichtungen völlig ungeeignet gewesen* da zwei sich begegnende Lastkraftwagen nicht aneinander hätten vorbeikommen können, ohne daß beim Ausweichmanöver Sommerweg oder Bankett mit in Anspruch hätten genommen werden müssen» Es sei ohne weiteres möglich gewesen, den Umleitungsverkehr zu trennen und ihn in einer Dichtung über die Ld»0«38 zu lenken, wie es dann auch alsbald nach dem Unfall geschehen sei» Zustand wie fast alle gleichrangigen Landstraßen des Verwaltungsbezirks Olden-bürg und für die Aufnahme des UmleitungsVerkehrs geeignet gewesen, zu demal außer dem befestigten Straßsnteil auch der Sommerweg zur Verfügung gestanden habe» Dieser sei zwar wegen der Witterungsverhältnisse aufgeweicht, aber doch - wenn auch stellenweise mit einiger Vorsicht- befahrbar gewesen» Die spatere Umleitung des Verkehrs von Löningen nach Cloppenburg über die L»IoO»38 habe nicht früher erfolgen können, weil zunächst eine im Zuge dieser Straße 1*) Bas Berufungsurteil unterliegt der Nachprüfung im Revisionsverfahren nur insoweit, als der Klageanspruch aus ^mtspflichtverletzung hergeleitet wird* Soweit eine behauptete Verletzung der Verkehrssicherungspflicht * die beide Vorinstanzen verneint haben* in ^rage steht, ist dem Revisionsgericht eine Nachprüfung verschlossen* Benn die Revisionssumme ist nicht erreicht und die Revision vom Berufungsgericht nicht zügelassen worden* ferner haben weder der frühere Freistaat Oldenburg noch das Land Niedersachsen von der Ermächtigung des § 70* jetzt § 73 Abs« 3 GVG* Gebrauch gemacht, "Ansprüche gegen den Staat wegen Verfügungen der Verwaltungsbehörde ohne Rücksicht auf den Wert des Streitgegenstandes den Landgerichten ausschließlich zuzuweisen" (vgl, Urteil des Senats vom 18« März 1957 III ZR 215/55 So 3 - insoweit in BGHZ 24* 45 nicht abgedruckt)«, und deshalb diese Anordnung Gegenstand eines Amtshaftungsanspruchs sein könne«; Jedoch sei die lo1*0c37»auf die der Verkehr von der B 213 zur Unfallzeit in beiden Richtungen umgeleitet worden ist, auch für den sich begegnenden Verkehr (selbst mit Lastkraftwagen) geeignet gewesen«. Hierzu stellt das Berufungsgericht fest* daß bei einer 3?30 m breiten, befestigten Fahrbahn und einer Breite des Lastkraftwagens der Klägerin von 2,30 m dem entgegenkommenden Lastkraftwagen unter Berücksichtigung dessen, daß der Abstand der Räder kleiner sei als der der äußeren Aufbauten, noch ein über einen Meter breiter Streifen der befestigten Fahrbahn zur "Verfügung gestanden hätte, wenn der Lastzug der Klägerin auf der äußersten rechten Kante- der befestigten Fahrbahn gehalten hätte« Vienn in diesem Falle dann der entgegenkommende Lastwagen.- heit mit den daraus für den umgeleiteten Verkehr erwachsenden Gefahren sich Jedem sachlichen Beobachter ohne weiteres aufdrängen konnte (RG in HRR 1936 Nr0 1498) * Davon kann hier schon nach dem unstreitigen Sachverhalt nicht die Rede sein« ohne daß es insoweit auf die von der Revision mit einer Verfahrensrüge angegriffene weitere Feststellung des Berufungsgerichts über die Festigkeit und üngefährlichkeit des Sommerweges (im Falle einer stärkeren Ausnutzung durch den entgegenkommenden Lastkraftwagen) ankommt« Unbestritten handelt es sich bei der ausgewählten Umgehungsstraße um eine Landstraße L Ordnung, die für den normalen Kraftfahrzeugverkehr aller Art, also auch für den Verkehr„ mit^schweren Lastkraftwagen, nach beiden Richtungen stets - also sowohl vor als auch während der Bauarbeiten an der B 213 - zugelassen und diesem Verkehr zu dienen bestimmt war* Daß diese Umgehungsstraße selbst, insbesondere der .befestigte Straßenteil, von vornherein nicht in einem guten und verkehrssicheren Zustand gewesen sei, behauptet die Klägerin selbst nichtc Das beklagte Land hat weiter unbestritten vorgetragen, daß die Anlage dieser Landstraße, insbesondere was die Breite der befestigten Fahrbahn und die Art des Sommerweges anlangt, fast allen gleichrangigen Landstraßen im Bereich des Verwaltungsbezirks Oldenburg entspricht und eine Umgehungsstraße in der Breite und der Art der gesperrten B 213 nicht zur Verfügung stando Es kommt hinzu, daß auch Umleitungen grundsätzlich auf kürzestmöglichen Umgehungsstraßen durchgeführt werden sollen (vgl® die bei Marschall aaO § 14 Anm<> 1 angeführten Erlasse des früheren Generalinspekteurs für das Straßenwesen)< Mit der Umleitungsanordnung wurde der ohnehin auf dieser Straße ablaufende und zulässige Kraftfahrzeugverkehr aller Art in beiden Hichtungen ledig-lieh in seinem Umfang erweitertj an der Benutzungsart, insbesondere bei Gegenverkehr mit Lastkraftwagen, änderte sich dadurch aber nichtsö Bei einer solchen Sachlage stellt die Anordnung der Umleitung des gesamten Verkehrs von der B 213 auf die Ld*Oo37 keine schuldhafte Amtspflicht Verletzung dar* Es braucht deshalb nicht geprüft zu werden* ob das beklagte l»and besser oder zweckmäßigerweL se insbesondere für Lastkraftwagen über einem gewissen Gesamtgewicht eine andere Umleitung hätte anordnen können* denn diese Entscheidung ist eine Präge des Ermessens der Verwaltungsbehörde* die das Zivilgericht nicht nachzuprüfen hat* -kann nicht entnommen werden, daß die die Umleitung anordnende Stelle dem_Verkehrst©ilDJ§£F^-d&s Bankett als befahrbar oder gar als mit schweren Fahrzeugen befahrbar gekennzeichnet habe* Schließlich ergibt sich dies auch nicht aus der Beschilderung der Ümleitungsstraße, wenn in der Fahrtrichtung des Lastzuges der Klägerin abwechselnd Schilder "Vertiefung neben der Fahrbahn", "Weicher Seitenstreifen11 und vor der Unfallstelle wieder ein Schild mit der Aufschrift "Vertiefung neben der Fahrbahn" aufgestellt waren0 Abgesehen davon, daß diese Beschilderung offenbar nur im Rahmen der hier nicht nachprüfbaren bürgerlich-rechtlichen Veidcehrs-sicherungspflicht erfolgt isi, kann daraus nicht entnommen werden, daß das Bankett als befahrbar für schwere Lastkraftwagen gekennzeichnet worden ist* Denn insoweit handelt es sich um zusätzliche Warnschilder, die nach ihrem Sinn und Zweck nicht zu Tage liegende oder nach allgemeinen Verkehrsregeln nicht zu vermutende Gefahren anzeigen* nicht aber den Schluß rechtfertigen* daß andere Gefahren als die angezeigten nicht bestehen*