BGH · III ZR 234/54
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
ihm nunmehr die volle Pension zu bewilligen, stellte die Beklagte dem Kläger anheim, bei dem Sonderbeauftragten für die Entnazifizierung den Antrag ,zu stellen, die im Wege der periodischen Überprüfung erlangte Kategorisierung als Entscheidung im Wiederaufnahmeverfahren anzuerkennen» Der Kläger stellte diesen Antrag und erhielt daraufhin durch Bescheid des Sonderbeauftragten für die Entnazifizierung vom 14» August 1950 gemäß §§ 1 und 2 Abs 2|4er Verordnung, betr» die Rechtsstellung nach periodischer Überprüfung im Entnazifizierungsverfahren vom 20» März 1950 (GVBLHBhWf 1950, 37) - HechtsstellungsVÖ - die Rechtsstellung eines im Wiederaufnahmeverfahren in Kategorie IV Eingestüften. Der Kläger vertritt die Auffassung, daß ihm das volle Ruhegehalt mindestens ab 1» “Februar 1950 zustehe, und verlangt Zahlung des Differenzbetrages für die Zeit vom 1» Februar bis 31» Juli 1950 in Höhe von 407»52 DM nebst Zinsen» Die Beklagte hat um Abweisung der Klage gebeten und zur Begründung ihres Antrags besonders auf die Bestimmungen des § 9 der L VO' der Landesregierung Nordrhein-Westfalen zur Sicherung der Währung und öffentlichen Finanzen vom 19» März 1949 (GVB1 NRhV/f 1949, 25) - l.SparVO hingewiesen, wonach die Vorschriften dieser Verordnung für Verbesserungen der Kategorisierung im Wege der periodischen Überprüfung nicht gelten» 1, Bas Berufungsgericht ist zutreffend davon ausgegangen, daß der Kläger, dem für den hier interessierenden Zeitraum die Versorgungsbezüge mit Rücksicht auf den Einreihungsbescheid vom 28o Juli 1947, mithin aus anderen als beamtenrechtlichen Gründen nicht in voller Höhe bezahlt worden' sind, dem von Art 131 Gründe* und § 63 des ßundesgesetzes zur Regelung der Rechtsverhältnisse,der unter Art 131 GrundG fallenden Personen vom 11» Mai 1951/19» August ,1953 - G 131 - umfaßten Peirsonenkreis zuzurechnen ist» Er kann deshalb Versorgungsansprüche für die vor dem 1. werden können (§ 63 Abs 3 G 131)» Gegen die Rechtsgültigkeit des § 77 G 131 bestehen, soweit seine Anwendung zu einem Ausschluß der hier in Rede stehenden Ansprüche des Klägers führt, keine Bedenken, wie der Senat für ähnlich gelagerte Fälle in ständiger Rechtsprechung entschieden hat (BGHZ 14, 138 und Urteil vom 23- September 1954 in ZBR 1954, 381 und bei LM unter Fr 4 zu § 71fr 131) o Danach'hat der Klager, nachdem er von der Militärregierung auf seinen Antrag auf Einleitung des Wiederaufnahmeverfahrens auf den Weg der periodischen Überprüfung verwiesen worden war, einen diesem Hinweis entsprechenden Antrag gestellt und auf diesen Antrag hin ist die Entscheidung vom 19» Januar 1950 ergangen. Dehn es können darunter nur solche Maßnahmen verstanden werden, die eine abschließende Entscheidung beämtenrechtlicher Art darstellen und von den zuständigen Behörden erlassen worden sind- Es fallen daher - wie der Senat in ständiger Rechtsprechung entschieden hat - Entnazifizierungsentscheidungen nicht darunter, die nach der ihnen beizu demessenden Bedeutung überhaupt keine Ansprüche begründen, sondern allenfalls Hemmungen beseitigen konnten, die den Ansprüchen des Beamten aus seiner früheren Rechtsstellung entgegen-standen (u«.a. Urteile vom 4». April 1947 (aaO S 19) gestützt werden» Diese Bestimmungen haben als bloße Verwaltungsanordnungen - wie in den Entscheidungen des Senats vom 12, Juli 1951 - III ZR 159/50 - S 9 (insoweit bei LM Hr 3 zu § 35 DGB nicht abgedruckt) und Vom 26c September 1955 - III ZR 251/53 - S 7 sowie in dem Beschluß des Großen Senats für Zivilsachen in BGHZ 13, 265 (306) dargelegt ist - lediglich zahlungstechnische Bedeutung im Rahmen der Präge, ob Besatzungsrecht der Geltendmachung von Gehalts- und Ruhegehaltsansprüchen entgegensteht» Sie stellen aber keine materiellen Rechtsnormen dar und sind für den Bestand oder Hichtbe-st-and von Rechtsansprüchen ohne Bedeutung; sie können daher auch keine Rechtsgrundlage für die vom Kläger erhobenen Ansprüche bilden» Das Berufungsgericht will eine Bestätigung seiner gegenteiligen" Rechtsauffassung in der Entscheidung des Senats vom 25- Juni 1953 - III ZR. 333/51 - (ZBR 1953, 181) sehen und es kann auch nicht in Abrede gestellt werden, daß die Passung dieses Urteils mißverständlich.ist, Tatsächlich enthält jedoch dieses Urteil eine Bestätigung der Rechtsauffassung des Berufungsgerichts nicht» Die. Besonderheit des dieser Entscheidung zugrunde liegenden Sachverhalts- lag darin, daß einem bereits vor dem Zusammenbruch im Ruhestand befindlichen früheren Beamten durch eine Entnazifizierungsentscheidung gleichzeitig mit der Einstufung in Kategorie IV die Ver- sorgungsansprüche in vollem Umfang aberkannt waren» Biese völlige Aberkennung der Ruhegehaltsansprüche hat der Senat für unzulässig erachtet und ausgesprochen, daß demzufolge die Rechtslage ebenso zu beurteilen sei, wie wenn in der Bntnazifizierungsentscheidung lediglich die Einstufung des damaligen Klägers in Kategorie IV ohne jede Einschränkung ausgesprochen worden wäre» Wäre das geschehen, so würde dem damaligen Kläger das Ruhegehalt für den interessierenden Zeitraum - wie von dem beklagten Dienstherrn des Beamten nicht in Abrede gestellt war ^ tatsächlich gezahlt worden sein, nachdem einer solchen Zahlung lt„ finanztechnischer Anweisung Er 88 und der dazu ergangenen Anordnung vom 4.März 1947 besatzungsrechtliche Vorschriften nicht mehr entgegenstanden, Bas und nicht mehr sollte in der Entscheidung des Senats vom 25.- Juni 1953 gesagt und insbesondere sollte nicht ausgesprochen werden, daß die angeführte besatzungsrechtlichen Bestimmungen eine eigene und selbständige Rechtsgrundlage für die geltend gemachten Versorgungsansprüche bildeten«, 4° Ferner kann die Anordnung über die politische Überprüfung der Versorgungsberechtigten vom 28, Juni 1948 (GVB1 NRhWf 1948, 127) ebenfalls nicht als Rechtsgrundlage für die hier geltend gemachten Ruhegehaltsansprüche -des Klägers herangezogen werden, Biese Verordnung enthält nicht eine positive Bestätigung oder Gewährung von Ruhegehaltsansprüchen, sondern sie- sieht lediglich ein' besonderes politisches Überprüfungsverfahren vor und setzt gerade voraus, daß Versorgungsansprüche dem gründe nach überhaupt bestehen (Urteile des-Senats vom 2, Juni 1955 - HI ZR 27/54 - S 5/6, vom 23. Daran hat auch, wie in den genannten Entscheidungen gleich falls ausgeführt ist, f 7 der 1, SparVO nichts geändert, der bestimmt, daß bei der Bemessung der Versorgungsbezüge nach der Verordnung vom 26, August 1948 die Vorschriften der 1, SparVO anzuwenden seien«, Auf Grund dieser Bestimmung werden die sich aus der L SparVO ergebenden Ansprüche ebenfalls nicht ohne weiteres gewährt, sondern sie sind von einer entsprechenden Kategorisierung abhängig Denn Ansprüche aus dieser Verordnung können nach der ständigen Rechtsprechung des Senats auch nach einer entsprechenden günstigen Einstufung nur für die Zeit nach Rechtskräftigwerden der Entnazifizierungs- (Kategorisierungs-) Entscheidung, aber nicht für einen früher liegenden Zeitraum gewährt werden (u,a, Urteile vom 22„ Januar 1953 - III ZR 269/51 -/IM Nr 7 zu 1.SparVO NRhWf/ vom 28» April 1955 - III ZR 184/53 - S 7 und vom 2„ Juni 1955 - III ZR 27/54 - S 8)« Das gilt auch für die Kategorisierungen, die im Wege des Wiederaufnahmeverfahrens erfolgt sind, ,wie im einzelnen in dem Urteil des Senats vom heutigen läge in der Sache III ZR 182/54 dax^gelegt worden ist« Vor der im Rahmen der RechtsstellungsVO getroffenen Entscheidung vom ; 14« August 1950 aber lag eine Kategorisierung des Klägers, die Ansprüche nach der 1« SparVO auslöst, noch nicht vor0 Denn nach § 9 der h SparVO hat die im Januar 1950 lediglich im Wege der periodischen Überprüfung erfolgte Einstufung des Klägers nach Kategorie V außer Betracht zu bleiben» Bedenken gegen die Rechtsgültigkeit dieser Vor- In der in § 9 der h SparVÖ getroffenen Regelung kann auch ein Verstoß gegen den Gleichheitsgrundsatz nicht gefunden werden, da es hier nicht um die ungleiche gesetzliche Behandlung gleicher Tatbestände geht, es sieh vielmehr um ungleiche Tatbestände handelt.Denn bei einer im Wege der periodischen Überprüfung erfolgten Einstufung in die Kategorie V geht es da rum , daß die zunächst zutreffend ungünstiger Eingestuften auf Grund ihres Verhaltens im demokratischen Staat nunmehr und für die Zu- kunft besser kategorisiert und "heute von allen Beschränkungen .freigesteilt werden" konnten (vgl Rundschreiben Nr 34 des Sonderbeauffragten für die Entnazifizierung vom 16o Februar 1949 in MinBl NRhWf 1949, 250)* Hingegen• sollte eine Verbesserung der Kategorisierung im Wiederaufnahmeverfahren!, insbesondere auch im Rahmen der Rechtsstellungsverordnung dazu dienen, Fehlentscheidungen bei der ursprünglichen Kategorisierung zu berichtigen, Der Unterschied zwischen diesen Entscheidungen zeigt sich eindeutig gerade im Falle des Klägers, der im ¥/ege der periodischen Überprüfung im. Nordrhein-Westfalen vom 24* August 1949 (GVB1 1949, 253) gültig ist oder nicht, in vorliegendem Pall, nicht entscheidend ankommt* Nach dieser Vorschrift leben Hechtsansprüche, die durch eine Entnazifizierungsentscheidung untergegangen sind, durch eine Abänderung der Entscheidung im Wege der erneuten (periodischen) Überprüfung nicht wieder auf» Es ist jedoch hier nicht von Bedeutung, ob durch irgendwelche Bestimmungen dbm Kläger Ansprüche genommen worden sind, vielmehr ist, wie eingangs unter L bereits hervorgehoben, angesichts der Bestimmung des § 77 G 131 allein entscheidend, ob durch nach dem 8- Mai 1945 erlassene besondere Bestimmungen oder durch eine zu seinen Gunsten getroffene Einzelmaßnahme dem Kläger die geltend gemachten Ansprüche ausdrücklich gewährt worden sind» Das aber ist nicht der Fall*