BGH · III ZR 231/53 vom 05.05.1955
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Rechtssätzs Die Zuweisung einer Wohnung gemäß Art VIII WohnG und die Aufforderung der Wohnungsbehöräe an den Grundstückseigentümer gemäß § 3 Abs 1 Satz 1 Ein-,wirkungsV0, mit dem früheren Mieter einen.Mietvertrag abzuschließen, begründen für den Begün-, stigtin keine Bebbtaposition, die einer Enteignung 'fähig; -ist d . standen ist» In den Gründen dieses Urteils ist ausgeführt«, dem Wohnungsamt habe zu demindest nach Erlass des Urteils des Verwaltungsgerichtshofs die Amtspflicht obgelegen, erneut tätig zu werden und zwar in der Richtung, daß ein Mietvertrag zugunsten der Klägerin, die sich auch weiterhin um die Wohnung bemüht habe, festgesetzt wurde* 1* Das Berufungsgericht hat sich in der rechtlichen Würdigung der vom Wohnungsamt getroffenen Maßnahmen (Zuweisung der Wohnung zu dem Selbstausbau an die Klägerin durch Verfügung vom 12, Juli 1946 und spätere Zuweisung vom 16«September 1946 an MM) der Auffassung des Bayerischen Verwaltungs-geriehtshofs an geschlossen und dazu ausgeführts Entgegen der Auffassung der Wohnungsbehörden und des Verwaltungsgerichts Ansbach handele es sich bei der Verfügung des.Wohnungsamts vom 12« Juli 1946 nicht um die Zuweisung einer freien Wohnung nach Art VIII des Wohnungsgesetzes* Eine Erfassung und Zuweisung nach dem Wohnungsgesetz könne nur für Wohnungen (Wohnraum im Sinn des Art XII des Wobnungsgesetzesl in Betracht kommen, aber nicht für kriegszerstörte Wohnungen, die durch Baumaßnahmen erst wieder zu Wohnungen im Sinn des Wohnungsgesetzes hergerichtet werden müßten« Für derartige zerstörte V/ohnungen seien die Bestimmungen der Verordnung über die Einwirkung von Kriegssachschäden an Gebäuden auf Miet- und Pachtverhältnisse vom 28« September 1943 (RGBl I 546) - EinwirkungsVQ - maßgebend gewesen« Der Bescheid des Wohnungsamts vom 12« Juli 1946 stelle sich - auch wenn er sich auf andere Bestimmungen stütze - seinem^Wesen nach als Genehmigung eines Mietvertrags oder.als Auftrag an den Hausbesitzer darj die herzusteilende Wohnung an die Klägerin zu vermieten, und entspreche in dieser Richtung dem § 3 EinwirkungsVQ « In der Mitteilung des Grundstücksamts an die Woh-nungsbehor.de, daß eine Vermietung der Wohnung an die Klägerin entsprechend einem Beschluß des GrundStücksausSchusses abgelehnt werde, liege eine Beschwerde gemäß § 3 Abs 2 EinwirkungsVQ in Verbindung mit Art VII Ziff 3 des WohnungsgesetzesoDarin, daß die Wohnungsbehörde dieser Beschwerde stattgegeban habe, liege jedoch ein Ermessensmissbrauch« Der Klägerin hätte angesichts der Bestimmung, des § 1 Abs 3 EinwirkungsVö, derzüfolge sie als frühere Mieterin bevorzugt zu berücksichtigen gewesen sei, .der Bewerber KMi nicht vorgezogen werden dürfen, zu demal die Bestimmungen des Art VIII des Wohnungsgesetzes über die Reihenfolge der einzuweisenden Personen hier nicht in Betracht gekommen seien« Die politische Belastung der Klägerin hätte ausser Betracht bleiben müssen« Die Weisung der Militärregierung von Bayern vom 3° Mai 1946, nach der kein ’’Nazi” unter günstigeren Bedingungen als die anderen Personen der Gemeinde hätte Wohnen.dürfen und Parteimitglieder sogar zu dem Verlassen ihrer Wohnungen hätten angewiesen werden können, sei nicht einschlägig geweseno Bennes sei weder hiernoch in einer sonstigen Weisung der Militärregierung ein Anhaltspunkt da-für zu finden, daß es Verwaltungsbehörden untersagt sei, früheren "Nazis” Ruinen zu dem Selbstausbau zuzuweiseno Ein Verschulden der Verantwortlichen Beamten der Beklagten müsse bejaht werden^ Denn ein pflichtgetreuer Durchschnittsbeamter hatte erkennen müssen, daß es an einer gesetzlichen Grundlage für einen Widerruf der Verfügung vom 12» Juli 1946 gefehlt habe«, Selbst wenn man mit dem Berufungsgericht von der - objektiven - Nichtanwendbarkeit des Wohnungsgesetzes ausgehen wollte, so kann doch den Be-; amten des Wohnungsamtes kein Schuldvorwurf gemacht werden, wenn sie glaubten, bei der gegebenen Sachlage Maßnahmen nach J dem Wohnungsgesetz treffen zu können0 Im Herbst 1946 war die Frage, ob das Wohnungsgesetz eine allumfassende und auch . ist, so durften doch die Beamten des Wohnungsamts, ohne schuldhaft zu handeln, davon ausgehen, auch hei Zuweisung einer'erst noch auszubauenden Wohnung an diese Weisung gebunden zu sein» In dieser Weisung, die die "WohnungsPolitik hinsichtlich Parteimitglieder” betrifft, wird mit besonderem Nachdruck betont, daß kein ”Näzi” unter günstigeren Bedingungen wohnen dürfe, als andere Personen in der Gemeinde» Es wird alsdann unter Ziff 4 nochmals ausdrücklich angeordnet, daß Mitglieder der NSDAP ».* jeden Wohnraum verlassen müssen, welcher als günstiger als der von Nichtparteimitgliedern oder verfolgten Personen angesehen werden kann» vermag einen Schuldvorwurf nicht zu rechtfertigeno Bas Landgericht ist der Auffassung, daß es?nachdem das genannte Urteil ergangen war, Aufgabe des Hauptwohnungsamts gewesen sei, beschleunigt dafür zu sorgen, daß die Klägerin ihre alte Wohnung wieder erhielt* es hätte notfalls einen Mietvertrag mit der Klägerin festsetzen und die anderen Wohnungsinhaber umquartieren müssen<, ■•• • • •••: • ■ v •• ' * Es bedarf in diesem Zusammenhang keiner abschließenden Stellungnahme zu der Frage, ob das Urteil des Verwaltungsgerichtshofs, wie die Beklagte meittt, wegen Nichtbeachtung der Anordnung der Militärregierung vom Mai 1946 gemäß Art 3, 4 ABKUes Nr 13 nichtig ist» Denn ganz unabhängig von dieser Frage kann die Klägerin mit ihrer Klage nicht durchdringen„ Nimmt man an, daß das Urteil des Verwaltungsgerichtshofs nicht nichtig ist, darin muss auch in dem vorliegenden Rechtsstreit davon ausgegangen werden, daß die unter dem 16c September 1946 erfolgte Zuweisung der noch auszubauenden Wohnung an Knorr der Klägerin gegenüber rechtswidrig war (BCxHZ 9, 329 ff und 10, 220 ff)* Auch wenn man grundsätz- lieh die öffentliche Behöräe für verpflichtet hält, dem durGh einen wegen Rechtswidrigkeit aufgehobenen Verwalt, tungsakt Betroffenen die Rechtsstellung wieder zu verschaffen, die er durch den ihn belastenden Verwaltungsakt verloren hatte, so ist hier angesichts der besonderen Umstände des Palles gegen die Beamten des Wohnungsamts doch nicht der Vorwurf einer schuldhaften Amtspflicht- • Verletzung gerechtfertigt, wenn sie nach Erlaß des Urteils " des Verwaltungsierichtshofs nichts in der Richtung veranlaßt haben, der Klägerin die Wohnung zu verschaffen« Hierbei ist zü berücksichtigen, daß die Verwaltungsgerichte hei ihrer Entscheidung über die Rechtmässigkeit der Verfügung vom l6o September 1946 von den bei Erlass dieser Verfügung gegebenen Verhältnissen auszugehen hatten, daß aber bis zur Aufhebung dieser Verfügung durch verwaltungsgerichtliche Entscheidung mehr als drei Jahre vergangen waren und die Beamten des Wohnungsamts sich nunmehr einer durch die tatsächliche Entwicklung völlig veränderten Situation gegenüber sahen« Der Bewerber KflB, dem die damals noch gär nicht wieder bewohnbare Wohnung zu dem Selbstausbau zugewiesen war, hatten die Wohnung upter Aufwendung eigener Mittel" hergerichtet, sie alsdann bezogen und später auf Grund eines wohnungsamtlich genehmigten Tauschvertrags dem Arzt Dr« überlassen« Die Rechtsposition, die die Klägerin durch die Zuweisung der Wohnung an tätsäch- lich verloren hatte, bestand lediglich darin, daß eine Aufforderung der Wohnungsbehörde an die beklagte Stadt als Grundstückseigenturnerin ergangen war, mit der Klägerin einen Mietvertrag über deren frühere Wöhnung ahzuschließen0 Ein subjektives Hecht, insbesondere einen Anspruch auf Abschluß eines entsprechenden Mietvertrags aber hatte die Klägerin aus jener Verfügung noch nicht erworben« Ihre durch diese Verfügung geschaffene^echtsposition erschöpfte sich vielmehr darin, daß die Behörde die Verfügung nicht mehr willkürlich widerrufen durfte, und daß sie, falls die Grund-stückseigentümerin den Abschluß eines Mietvertrags verweigerte und gegen das Verlangen zu dem Abschluß eines Mietvertrages Beschwerde erhob, auch bei der Entscheidung über die Beschwerde nicht willkürlich verfahren, sondern der Beschwerde nur aus besonderen Gründen, die auch unter Berücksichtigung der der Klägerin nach der BinwirkungsVO zukommenden Vorzugsstellung im Rahmen pflichtgemäßen Ermessens als gerechtfertigt erscheinen mußten, stattgeben, durfte * Demgegenüber konnte den Beamten des Wohnungsamts die Bechtsposition des Mieters (und seines Nachfolgers Dr, G^B), der die Wohnung aus ge baut und darüber einen Mietvertrag mit der Beklagten abgeschlossen hatte, als schutzwürdiger erscheinen» Es kann deshalb gegen die beteiligten Beamten - ganz gleichgültig, wie in dieser Beziehung die Rechtslage objektiv zu beurteilen ist - kein Schuldvorwurf erhoben werden, wenn sie davon ausgegangeh sind, daß die Aufhebung der Zuweisungsverfügung vom 16« Sep- . 2o Es könnte fraglich sein, ob sich aus der Aufhebung der in Rede stehenden Maßnahmen des Wohnungsamts durch ver-waltungsgerichtliches Urteil für die Wohnungsbehörde nicht eine Pflicht, zur "Boigenbeseitigung" wenn auch nicht in der Art? hätte sie “allenfalls früher ein Rechtsmittel dagegen einlegen können und wäre alsdann möglicherweise das Verwaltungsstreitverfahren früher beendet wgewesen« Baß die Klägerin aber dadurch, daß das Urteil des Verwaltungsgerichts nicht einige Zeit früher ergangen ist? 4p Ferner kann auch daraus allein, daß das Wohnungsamt der Beschwerde der Grundstückseigentümerin gegen die Zuweisung der Wohnung an die Klägerin zu dem Seihstaushau stattgegeben und gleichzeitig über die "Wohnung" durch Zuweisung an Knorr anderweit und in einer später vom Verwaltungsgerichtshof mißbilligten Weise verfügt hat, nichts zugunsten der Klägerin hergeleitet werdeno Der Rechtssatz, daß ein Beamter schon allein deswegen schuldhaft handelt, weil er nicht mit der - objektiven - Möglichkeit rechnet, daß seine Maßnahme auf Rechtsmittel des Betroffenen hin wieder'aufgehoben werden könnte«, besteht nicht * Ein Verschulden und damit eine zu dem Schadensersatz verpflichtende Amtspflichtverletzung kann vielmehr nur dann in Betracht kommen, wenn der Beamte seine Maßnahme unter schuldhaft unrichtiger Beurteilung der Rechtslage getroffen hat» Davon aber kann hier nicht gesprochen werden, zu demal das Dandessiedlungsamt und das Landesverwaltungsgericht die in Rede stehenden Maßnahmen als objektiv berechtigt angesehen habeno daß in der späteren Wiederentziehung dieser Rechtsposition durch die Wohnungsbehörden ein enteignurigsgleicher Tatbestand erblickt werden könnteo Dabei ist es unerheblich, ob man in dieser Verfügung eine nach den Grundsätzen des Wohnungsgesetzes zu beurteilende (Erfassung und) Zuweisung einer - noch auszubauenden - Wohnung oder mit dem Berufungsgericht und dem Bayerischen Verwaltungsgerichtshof eine Auf- kungsVÖ sehen will« Beide Maßnahmen stellen sich dar als das behördliche Gebot zu dem Abschluß eines Rechtsverhältnisses (Mietvertrags) mit dem zugewiesenen oder früheren Mieter« Es handelt sich mithin in beiden Bällen um einen begünstigenden Verwälttingsaktj der jedoch für den Begünstigten noch kein Hecht, das Gegenstand einer Enteignung oder eines enteignungsgleichen Eingriffs sein könnte, begründet« Es brauchten diesem Zusammenhang zu "der Präge nicht Stellung genommen zu werden, ob Vermögenswerte Rechte des öffentlichen Hechts überhaupt den Enteignuhgsschütz genießen (so BGHZ 6, 270 [278]) oder ob das grundsätzlich zu verneinen ist (BVerfGE 1, 264, [277/78] und 2, 380 [399/ 402])o Denn die Klägerin erhielt durch die Wohnungsamts liehe Verfügung vom 12* Juli 1946, die ihr weder einen Anspruch auf Abschluß eines HechtsVerhältnisses (Mietvertrags) noch ein sonstiges subjektives Hecht verlieh, überhaupt keine Reehtspositicn, die auch bei weitester Auslegung unter den Begriff des "Eigentums" gebracht werden könnte« Deshalb kann ihr auch eine EnteignungsentSchädigung für die Entziehung dieser Rechtsposition nicht gewährt werden«