BGH · III ZR 230/64 vom 17.05.1965
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Das Schreiben warf weiter unter anderem die Frage, ob das bis zu dem 31« Dezember 1961 gezahlte Arbeitsentgelt versteuert worden sei, sowie die Frage eines Übergangsgeldes auf.Nach weiteren Erörterungen richtete der Beklagte an die Klägerin das von ihm eigenhändig unterschriebene Schreiben vom 1. Die Klägerin sieht das Schreiben des Beklagten vom 1» März 1962 als ein selbständiges Schuldversprechen an» Im Urkundenprozeß klagend beansprucht sie einen weiteren Teilbetrag von 20»Q0Q,— DM und hat beantragt? von 60„000,— DM geeinigt habe; es habe aber als selbstverständlich vorausgesetzt, daß die Klägerin überhaupt Anspruch auf eine Abfindung habe» Das sei jedoch nicht der Kall gewesene Denn eine Gesellschaft sei mangels der Einigung über den Zweck der Gesellschaft nicht zustande gekommen, auch habe die Klägerin ein Kapital nicht - auch nicht im Wege der Verrechnung -eingezahlto Auf die Unwirksamkeit des Gesellschaftsvertrages sei er erst im laufe des Monats März 1962 durch seinen Anwalt aufmerksam gemacht worden» Ein monatliches Übergangsgeld sowie die 7*000,— DM habe er der Klägerin als seiner früheren Ehefrau, obwohl er sie nach der Scheidung großzügig versorgt und ausgestattet habe, aus rein menschlichen Gründen gezahlt» Falls sein Schreiben vom 1» März 1962 als ein selbständige; Schuld versprechen angesehen werden sollte, sei die KlägeriD hierum ohne Rechts grün d bereichert., 1o) Das Berufungsgericht hat mit dem Landgericht in dem Schreiben des Beklagten vom 1e März 1962 ein selbständiges Sehuldversprechen, 60» 000,— DM zu zahlen, gesehene Denn dieses von der Klägerin angenommene Versprechen sei mit einem konkreten, ihm zugrunde liegenden Rechtsverhältnis nicht mehr verknüpft worden» Der Beklagte habe die Zahlung zwar "zur Abfindung aller Ansprüche gegen ihn und seine Firmen” versprochene Gerade diese ungenaue Bezeichnung der in Betracht kommenden Grundlagen lasse das Versprechen aber dahin verstehen, daß es auf die Anspruchsgrundlagen im einzelnen nicht mehr ankornme, vielmehr ohne Rücksicht auf sie eine neue, auf sich selbst gestellte Verbindlichkeit habe begründet werden sollen» Dafür, daß das Schreiben lediglich Beweismittel habe sein sollen, habe der Beklagte weder Tatsachen angeführt, noch im Urkundenprozeß zulässigen Beweis angeboten« Lediglich der allgemeine Hinweis auf den Zweck des Schuldversprechens stehe der selbständigen Natur der Verbindlichkeit nicht entgegen<, Zu Unrecht berufe der Beklagte sich darauf, daß die Klägerin durch das Schuldversprechen ungerechtfertigt bereichert sei» Selbst wenn - wie der Beklagte behaupte - das Schuldversprechen im Hinblick auf den Gesellschaftsvertrag gegeben sein sollte, sei nicht hinreichend dargetan, daß der Vertrag deswegen unwirksam sei, weil die Vertragsurkunde den Zweck der Gesellschaft nicht ausdrücklich genannt habe» Auch ohne dies seien die Parteien sich über den Gesell-schnftszweck offenbar einig gewesen; der Beklagte sei fast ein Jahr lang von der Gültigkeit des Vertrages ausgegangen, was dafür spreche, daß Einigkeit Ferner ergebe der Vortrag des Beklagten nicht, daß das Schuldversprechen ausschließlich oder im 'wesentlichen mit Rücksicht auf das Ausscheiden: der Klägerin aus der Gesellschaft abgegeben worden sei, worauf allerdings das Schreiben des Anwalts der Klägerin vom 18» Januar 1962 abgestellt habe. Denn wenn der Beklagte das Schuldversprechen " zur Abdeckung aller Ansprüche gegen mich und meine Firmen" gegeben habe, so sei daraus - mangels entgegenstehender Umstände - zu schließen, daß dem Schuldversprechen eine Einigung zugrunde liege, die nicht nur die Auseinandersetzung hinsichtlich der Gesellschaft, sondern sämtliche zwischen den Parteien bestehenden finanziellen Fragen im Vergleichswege abschließend habe regeln sollen. 2«) Demgegenüber ist die Revision der Meinung, das Berufungsgericht habe notwendig zu einem unrichtigen Ergebnis gelangen müssen, indem es aus dem Schreiben des Beklagten vom Io März 1962 nur dessen Absatz 1, aber nicht die übrigen Absätze berücksichtigt habe, obwohl dieses Schreiben ersichtlich 'eine einheitliche Urkunde und ein einheitliches Rechtsgeschäft sei. des Schreibens vom 1» März 1962 selbständig und unabhängig davon habe gelten sollen, ob eine Einigung zu den übrigen Punkten (Versteuerung, ubergangsgold) zustande kommen werde, habe das Berufungsgericht nicht festgestellt» Es fehle daher an einer wirksamen Verpflichtung der Beklagten überhaupt, so daß die Klage abgewiesen werden müsse» Die Revision bleibt erfolglos, weil die Auslegung die das Berufungsgericht dem Schreiben des Beklagten vom 1» März 1962 gegeben hat, einen Rechtsfehler nicht erkennen läßt» 1») Die Ansicht der Revision, das Berufungsgericht habe sich lediglich mit dem ersten Absatz dieser Urkunde befaßt, ohne deren übrigen Inhalt in Betracht zu ziehen - wie schon das abgekürzte Zitat im Tatbestand des Berufungsurteils zeige ist unrichtig» Den vollen Wortlaut in den Tatbestand aufzunehmen, war das Berufungsgericht nicht gehalten, zu demal schon der Tatbestand des in Bezug genommenen landgerichtlichen Urteile das ganze Schreiben enthielt; es durfte sich vielmehr auf die Wiedergabe des für wesentlich gehaltenen ersten und letzten Absatzes beschränken (§ 313 Abs» 1 Nr» 3 ZPO), ohne daß daraus auf eine unvollständige oder fehlsame Würdigung geschlossen werden könnte» In der Tat ergeben die Hntscheidungsgründe des Berufungsurteils zweifelsfrei, daß das Berufungsgericht das Schi’eiben im Ganzen gesehen und gewertet hato Januar 1962 gewesen» Denn es ist unter den Parteien unstreitig, daß die Parteien zwischen diesen beiden Schreiben Verhandlunge führten» Als deren Ergebnis und vorläufiger Abschluß kann die Erklärung des Beklagten umsomehr gewertet werden, als sein Schreiben nicht auf das Schreiben des Anwalts der Klägerin vorn 18» Januar 1962 Bezug nimmt, überhaupt nicht in die form einer Antwort gekleidet ist und nicht - wie es bei einem Antwortschreiben üblich wäre - an den Anwalt der Klägerin, sondern an diese selbst gerichtet war» Das Berufungsgericht hat den unstreitigen Parteivortrag dahin gewürdigt, daß die vorangegangenen Verhandlungen zu einer Einigung über die Bereinigung der Angelegenheit geführt haben müßten» Der Revision kanntzugegeben werden, daß diese Einigung möglicherweise noch nicht alle Punkte umfaßte; denn zur Frage der Versteuerung des Arbeitsentgelts der Klägerin für die Vergangenheit enthält das Schreiben vom 1» März 1962 erst einen Vorschlag» Daß aber wenigstens eine Einigung über den Hauptpunkt - eine Kapitalzahlung von 60«000,— DM -erzielt war, kann die Revision nicht in Zweifel ziehen, ohne sich in Widerspruch zu dem früheren Tat-sachenvortrag des Beklagten zu setzen. März 1962 sei nicht-anderes als ein Vertragsangebot oder ein Gegenangebot des Beklagten gewesen, widerspricht dem früheren Vortrag (Schriftsatz vom 14• Mai i963, dort Bl» 2), das Schreiben habe als Beweismittel dafür dienen sollen, daß die Parteien sich auf einen Abfindungsbetrag von 60.000,— DM geeinigt hätten, sowie dem Vorbringen der Beruiungsbegründung (dort Bio 3)? § 780 Anmo 19), können ein selbständiges Schuld-versprechen begründen und enthalten, auch wenn damit weitere Mitteilungen verbunden sind» Es ist daher rechtlich zulässig, in einer Urkunde ein selbständiges Schuldvorsprechen und Vorschläge für eine weitere Regelung zu verbinden; ein solches Verfahren kann ratsam sein, wenn es um verschiedene Punkte geht, über die man sich zu dem Teil bereits geeinigt hat, um diese - als erledigt und feststehend - aus der weiteren Erörterung auszuschließen» Eine solche Einstellung war hier offensichtlich» Unter den Parteien bestand Einigkeit über die Zahlung eines Kapitals, das von der Klägerin versteuert werden sollte - denn davon ging schon das Schreiben vom 18» Januar 1962 aus -, und über die Zahlung eines Übergangsgeldes» Demgegenüber bildete die Präge, wie die Steuern für das Arbeitsentgelt der Monate April bis Dezember 1961 entrichtet werden sollten, einen weniger bedeutungsvollen Hebenpunkt, den man künftiger Einigung Vorbehalten konnte, ohne dadurch die Verbindlichkeit der Regelung der Hauptpunkte in Frage zu stellen (§ 154 Abs« 1 BGB)» Zwar hat - worauf die Revision zutreffend hinweist - das Berufungsgericht nicht ausdrücklich festgestellt, ob die Erklärung nach Absatz 1 des Schreibens vom Io März 1962 unabhängig von der noch ausstehenden Einigung über die steuerliche Regelung gelten sollte« Jedoch ist dies als Überzeugung des Berufungsgerichts dom Zusammenhang der Entscheidungsgründe zweifelsfrei zu entnehmen» unter diesen Umständen 4») Es ist/aus Rechtsgründen nicht zu beanstanden , wenn das Berufungsgericht zu dem Ergebnis gelangt ist-, daß die Erklärung in Absatz 1 des Schreibens vom Io März 1962 eine selbständige,, von ihrem Schuldgrund unabhängige Verbindlichkeit im Sinne des § 780 BGB begründen sollte« Allerdings ist - worauf der Beklagte sich berufen hat - in aller Regel ein selbständiger Verpflichtungsv/ille nicht anzunehmen, wenn die Verpflichtungserklärung einen bestimmten materiellen Schuldgrund bezeichnet (RGZ 67, 262, 263)» Bas trifft jedoch hier - wie das Berufurigsurteil zutreffend ausführt - nicht zu« Denn die allgemeine Wendung u zur Abfindung aller Ansprüche gegen mich und meine Firmen", die ersichtlich die persönlichen und die geschäftlichen Beziehungen der Parteien umfaßt, kann bei sinngemäßer Auslegung (§§ 133p 157 BGB) mit dem Berufungsgericht dahin verstanden werden, daß es an der genauen Bezugnahme auf einen bestimmten Schuldgrund fehlt, auf einen solchen auch nicht mehr a«kommen solle, daß vielmehr alles, was an persönlichen und geschäftlichen Prägen zwischen den Parteien noch offen warf durch die Begründung einer neuen Verbindlichkeit geregelt werden sollte» Selbst wenn - was hier dahinstehen kann - ein Gesellschaftsvertrag zwischen den Parteien rechtswirksam nicht geschlossen sein sollte, würde dies eine selbständige Verpflichtung des Beklagten nicht berühren, weil - wie das Berufungsurteil zutreffend ausführt - es nach dem Inhalt der Urkunde vom t * März 1962 den Parteien nicht um eine Ablösung geschäftlicher Verbindlichkeiten, sondern um die Bereinigung ihrer gesamten Beziehungen ging.