BGH · III ZR 229/51
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
und deren Aufgaben Von einem Bande der jetzigen.Bundesrepublik nicht übernom-- men-worden-sind, kann'-jedenfalls für die Zeit ; vor dem Inkrafttreten des Gesetzes vom 11o Kai 1951 einen Anspruch auf Zahlung von-Ruhe- . halt als Reichsgerichtsrat, das auf einen Hundertsatz von 99 fo festgesetzt worden war und monatlich 1438,80 ELI (ohne Abzüge) betrug, wurde ihm bis einschließlich August 1944 durch die Oberjustizkasse nnd ab 1- Septem- Lärz 1946 noch sein Ruhegehalt in dieser Höhe erhalten» Ab 1, April 1946 wurde ihm ein gekürztes Ruhegehalt von 350 RI.I monatlich gewährte Die Landesdirektion der Justiz des ursprünglich beklagten Landes Lurttemberg-IIohenzollern, dessen Rechtsnachfolger das jetzt beklagte Land ist, erließ unter dem 14o November 1946 eine Kassenanweisung, in der der Jahresbetrag des Ruliegehalts des Klagers auf 17<>265,60 R2»I errechnet und demgemäß der lionatsbetrag bei Beginn der Aus-% Der Kläger ist* der Ansicht, daß ihm neben seinen Dienstbezügen als Oberlandesgerichtspräsident noch ein gekürzter Betrag seines Ruhegehalts als ReichsgM’ichts-rat in Höhe von .l66,67 DU zugestanden habe und neben seinen Rubegphaltsbezigen als Oberlandesgerichtspräsident noch, ein weiterer Ruhegehaltsbetrag von 488,33 DM monatlich» Bei der Errechnung der Höhe dieser Beträge sei nämlich zu berücksichtigen, daß er infolge seiner Wiederverwendung im öffentlichen Dienst nunmehr insgesamt ein Ruhegehalt in Höhe seiner vollen Dienstbezüge als Reichsge-richtsrat zu beanspruchen habe« Der Kläger hat gegen den Bescheid des Pinanzministers vom 11* Hai 1950 am 3° August 1950 Beschwerdexeingelegto Diese Beschwerde ist durch Entscheidung vom 9** 'September 1950, zugestellt am 13» Septem- daß eine allgemeine «Rechtsnachfolge der nach dem Zusammenbruch entstandenen Länder in die Schulden und Verpflichtungen des Deutschen Reiches nicht anzuerkennen seio Die Länder seien daher auch nicht ohne weiteres Dienstherren der in ihrem Bereich befindlichen Reichsbeamten geworden. 2. Das Berufungsgericht hat weiter dargelegt, daß es sich bei dem Ruhegehaltsanspruch des Klägers nicht um eine "gebietsverknüpfte Schuld" handele, da die Aufgaben des Reichsgerichts nicht von einem Gericht des Landes Württem-berg-Hohenzollern übernommen worden seienP Auch diese Ausführungen des Berufungsgerichts, die von der Revision ebenfalls nicht bekämpft werden, lassen einen Rechtsirrtum nicht erkennen., 3* Das Berufungsgericht hält auch die Tatsache, daß der Kläger seine Versorgungsbezüge als Reichsgerichtsrat seit dem 1* September 1944 von der Oberjustizkasse StflflHHl ausgezahlt erhalten hat, nicht für- ausreichend, um die Klage zu begründen In Übereinstimmung mit dem Landgericht nimmt es an, daß die Oberjustizkasse lediglich eine Zahlstelle des Reiches gewesen sei, in deren Verpflichtungen weder das Land Württemberg-Baden noch das Land Wirttemberg-IIohenzollern eingetreten seien.. Allenfalls könne aber nur eine Verpflichtung des Landes Württemberg-Baden in Frage kommen, keinesfalls jedoch eine solche des Landes Württemberg-Hohenzoilern, das nicht schlechthin Rechtsnachfolger des früheren Landes Württemberg sei und für dessen Verpflichtungen nicht ohne weiteres in Anspruch genommen werden könneDas Berufungsgericht führt sodann weiter aus, daß das Land Vürttemberg-Hohenzollern die Verpflichtung zur Auszahlung, der., hier streitigen Versorgungsbezüge auch nicht ausdrücklich oder durch schlüssige Handlung übernommen habe, insbesondere nicht durch die Herausgabe der Kassenanweisung vom 14«. des iCliigers gegen das Land Württemberg-Hohenzollern auf Zahlung seines Ruhegehalts als Reichsgerichtsrat nicht begründet seien., Gemäß § 77 des Gesetzes ständen dem Kläger daher Ansprüche auf Zahlung seines Ruhegehalts als Reichsgerichtsrat gegen das Land Württemberg-Hohenzollern nicht zu, der Kläger habe vielmehr von ihm nur sein Gehalt oder Ruhegehalt als Oberlandesgerichtspräsident zu beanspruchen gehabt.. a) Wie das Berufungsgericht zutreffend ausgeführt hat, war zur Zeit des Zusammenbruchs eine zur Auszahlung der Ruhegehaltsbezüge des Klägers als Reichsgerichtsrat verpflichtete Kasse, die sich im Gebiet der jetzigen Bundesrepublik befand, vorhanden» Dadurch, daß die Auszahlung der Ruhegehaltsbezüge des Klägers mit Rücksicht auf seine Übersiedlung von L4MHP nach im Jahre 1944 von der Ober justizkasse D^HHB auf die Oberjustizkaose übertragen worden war, war eine ordnungsmäßige Überweisung des Klägers an eine jetzt im Bundesgebiet gelegene Kasse erfolgt, die diese zur Zahlung des Ruhegehalts an den Klager verpflichtet hatte«, Diese Kasse ist, wie die Revision entgegen der Ansicht des Berufungsgerichts mit Recht geltend macht, auch nicht inzwischen ersatzlos weg-gefallen« Die Oberjustizka&se hatte allerdings infolge der seinerzeit von den Besatzungsmüchten' durch geführten staatlichen Jeuordnung des'Südwesträumes ihre örtliche Zuständigkeit für das Gebiet, in dem der Klüger seinen iTohnsitz hat, verloren» Jedoch waren ihre Verpflichtungen gegenüber den Ruhegehaltsempfängern auf die nach dem Landesrecht des ursprünglich beklagten Landes Württemberg-Hohenzollern zuständige Kasse übergegangen» Diese Kasse, nämlich die Landeshauptkasse in hat dement- b) Daraus, daß zur Zeit des Zusammenbruchs eine zur Auszahlung der Ruhegehaltsbezüge des Klägers als Reichsge-richtsrat verpflichtete Kasse im Bundesgebiet vorhanden war, die nicht ersatzlos weggefallen, sondern .an deren Stelle die Landeshauptkasse in KeflHHHI getreten .ist, folgt jedoch noch nicht, daß der Kläger für die hier in Präge stehende Zeit Ruhegehaltsansprüche als Reichsgerichts--rat gegen das Land Kürttemberg-Hohenzollern geltend machen kann. Zahlungen an alle diejenigen Versorgungsempfänger fortgesetzt, die sction vor dem Zusammenbruch nach ordnungs-mässiger Überweisung von der betreffenden Kasse Ruhegehaltszahlungen erhielten und im örtlichen Zuständigkeitsbereich der Xasse ihren Wohnsitz hatten« Gerade diese Tatsache, daß in dem größten Teil des Bundesgebiets •praktisch nach dem Kassenprinzip verfahren wurde, hat dazu gefihrt, bei der Regelung der Rechtsverhältnisse der unter Art 131 GrundG fallenden Personen (vgl § 1 Abs 1 Kr 2), trotz der gegen das Kassenprinzip bestehenden Bedenken, für die Versorgungsempfänger dieses Prinzip, das bereits in der Regierungsvorlage des Gesetzes vorgesehen war, beizubehalten, um Nachteile für viele in der britischen und amerikanischen Besatz'ungszone wohnhafte Versorgungsempfänger zu vermeiden« In der französischen Zone ist jedoch im Gegensatz zu den beiden anderen Besatzungs-sonen des Bundesgebiets das Xassenprinzip nicht uneingeschränkt zur Anwendung gekommen, vielmehr war hier auf Grund beamtenrechtlicher Vorschriften der Länder eine ungleiche Behandlung der einheimischen und der ’’landfremden’1 Versorgungsempfänger des Öffentlichen Dienstes eingetreten (von Arnim, Gesetz zur Regelung der Rechtsverhältnisse der verdrängten Beamten und Berufssoldaten (1951) § 1 Anm 33)« Es bedarf keiner Prüfung, ob ein früherer Reichsbeamter in den Ländern, die allgemein das Kassenprinzip anwandten, einen Anspruch auf Ruhegehalt aus seinem früheren Beamten-verhältnis gegen das Land, zu dem die Kasse gehört, an die er überwiesen war, geltend machen könnte» Keinesfalls waren die Länder der französischen Besatzungszone, die von Anfang an dem Kassenprinzip nicht gefolgt sind, an einer Schlechterstellung'der landfremden Yersorgungsempfänger Lander, in denen sie ihren Wohnsitz hatten, überhaupt keine .Rechtsansprüche auf Zahlung ihres Ruhegehalts» 3s bestand daher für die nach dem Zusammenbruch entstandenen Länder keine rechtliche Verpflichtung, Versorgungsbezüge an solche ehemaligen Bediensteten des Reiches zu zahlen, die nicht bei einer von dem Lande übernommenen Dienststelle im Bundesgebiet in einem Dienstverhältnis gestanden hatten« Vielmehr stand es in ihrem Ermessen, ob und in welcher Höhe sie an diese landfremden Pensionäre Ver-sorgungsbez-üge zahlen wollten9 und sie konnten daher eigene landesrechtliche Bestimmungen erlassen, um die Zahlung dieser Vsrsorgungsbe2üge zu regeln-, Diese Rechtslage ist bei der Beratung des Gesetzes zur Regelung der Rechtsverhältnisse der unter Art 131 GrundG fallenden Personen von dem Beamtenrechtsausschuß des Bundestages auf Grund eines Hinweises des Regierungsvertreters richtig erkannt worden« Ausweislich des Kurzprotokolles der 43 Sitzung des Ausschusses für Beamtenrecht am 26,, September 1950 hat der Ausschuß in dieser Sitzung eingehend die Schwierigkeiten und Härten des ICassenprinzips erörtert, wobei zutreffend besonders auf die Gefahr hingewiesen worden ist, daß die Länder nach Erlaß des Gesetzes gemäß Art 131 GrundG die Versorgung der kassenmäs’sig zu ihrem Gebiet gehörenden landfremden Versorgüngsempfänger einstellen könnten« Der Ausschuß hat daher in Erkenntnis dieser Rechtslage die Vertreter der Bundesregierung ausdrücklich gebeten, zu erwägen, auf welche weise sichergestellt werden könne, daß eine unterschiedliche Behandlung von landfremden Pensionären im Bundesgebiet vermieden werde, Vie diese Erörterungen im Beamtenrechtsausschuß ergeben, ist die Befugnis der Länder, die Versorgungsbezüge der landfremden Versorgungsberechtigten selbständig zu regeln, sie insbesondere nicht in voller Höhe zur Auszahlung zu bringen, mit Recht weder von den Regierungsvertretern, noch von den Mitgliedern des Ausschusses in Zweifel gezogen worden« Bas Land Värttemberg-Hobenzollern hat durch die Gesetze vom 22, Januar 194-8 (RegBl 35) und 31* Oktober 1949 (RegBl 463) eine solche Regelung getroffen und bestimmt, daß lediglich gekürzte Bezüge widerruflich gezahlt werden sollten«, Ba der nach diesen Gesetzen, auf deren Verletzung gemäß § 549 ZPO die Revision nicht gestützt werden kann, zulässige Widerruf bereits im Jahre 1947 erfolgt ist, kann somit der Kläger für die hier in Präge stehenden Monate Versorgungsbezüge als Reichsgerichtsrat von dem Land vVürttemberg-Hohenzollern nicht beanspruchen.» Burch die in den erwähnten Gesetzen getroffene Regelung ist auch eine Verletzung des Gleichheitsgrundsattes des Art 3 G-rurdG nicht erfolgt« Ber Kläger war zu der Zeit, als er in den Ruhestand trat, nicht Beamter im Ge~ ■ bi et des Landes v/ürttemberg-Hohenzollern, sondern Beamter bei einer Bienststeile des Reiches, die sich im Gebiet der jetzigen sowjetischen Zone befand« Er kann daher schon-aus diesem Grunde nicht verlangen, denjenigen Versorgungsemp-fängem gleichgestellt zu werden, die einer Bienststelle angehört haben, die sich im Gebiet des Landes Württemberg-Hohenzollern befunden hat oder deren Aufgaben von ihm übernommen worden sind,' Wenngleich diese Bestimmung dazu geschaffen ist, die Gleiclibehand-lung der landfremden und einheimischen Versorgungsemp-fInger durch den Dienstherrn zu sichern (vonArnim aaO Anm zu § 82),* so gewährt sie doch den Versorgungsempfün-gern keinesfalls einen selbständigen Anspruch auf Zahlung von Versorgungsbeträgen fir die Zeit vor dem Inkrafttreten des erwähnten Gesetzes. d) 3s kann daher unerörtert bleiben, ob den Ansprüchen des Klägers gegen das beklagte Land auch das erst nach Erlaß des Berufungsurteils ergangene zweite Gesetz zur Überleitung von Lasten und Deckungsmitteln auf den Bund auf Versor-gungsbezüge als Reichsgerichtsrat nach diesem Gesetz erheben kann, da die .Ansprüche aus diesem Gesetz nicht gegen das beklagte Land gerichtet werden könnten und da außerdem