BGH · III ZR 227/55
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 11«, März 1957 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Prof«Br. Geiger sowie der Bundes -richter Or, Weber, Br- Arndt, Dr« Beyer und Br, Hußla für Recht erkanntg Bie Revision der Klägerin gegen das Urteil des lo Zivilsenats des Oberlandesgerichts Bamberg vom 5-. Ein Teil der Ware wurde an dem Einlagerungsort geplünderte Eine bei der Beklagten errichtete Treuhandstelle $ die die Ware für Eigentum der NSDAP hielt, ließ sodann im Mai 1943 die noch vorhandenen Kisten nach vorläufiger Sicherstellung in eine Scheune in der J^^-P4B^-Straße in B4HHP verbringen und überließ im Herbst 1943 die V/are der Firma Kü^BP in Ä zur kommissionsweisen Verwertungo Die Firma Kül veräußerte in der Zeit zwischen dem 7« November 1943 und 4* Februar 1946 die von ihr noch für brauchbar befundenen Matrizen und überwies der Treuhandstelle als Erlös 9 385 EM, die im Jahre 1948 auf das Konto der Klägerin umgebucht wurden.. Die Klägerin hat die Beklagte für den Verlust und den Verderb von Matrizen sowie für Vermögenseinbußen verantwortlich gemacht, die sie bei oder infolge der Verwertung der Matrizen erlitten haben will«, Ihren Klageanspruch5 mit dem sie um die Verurteilung der Beklagten zur Zeh lung von 10 000 DM als Teilausgleich für ihren angeblich höheren Schaden bittet, hat das Berufungsgericht in einem früheren Urteil dem Grunde nach für berechtigt erklärt, "soweit er aus der Verwahrung von 180 000 Matrizen hergeleitet wird"0 In dem sich anschließenden Verfahren über die Höhe des Anspruchs hat das Landgericht die Klage ab— gewiesen, das Oberlandesgericht im Berufungsrechtszug ihr unter Abweisung im übrigen zu einem Teilbeträge von L; Die Revision -rügt vor allem, daß das Berufungsgericht das von ihm erlassene Zwischenurteil Uber den Grund des .Anspruchs und die sich aus ihm ergebende Bindungswirkung nicht zutreffend beurteilt habe. a In dem Zwischenurteil hat das Berufungsgericht sich mit der verschiedenartigen Begründung auseinandergesetzt ? Des weiteren hat das Berufungsgericht in seinem Zwischenurteil ausgeführt, in dem kurzen Zeitraum zwischen der vorläufigen Sicherstellung der Sachen und ihrer Verbringung in die «HBHP^^-Straße sei ein nennenswerter Bestandsverlust als Folge einer mangelnden Sicherung nicht eingetreten, die Beklagte könne auch von der Klägerin nicht wegen unbefugten Entzuges ihres Eigentums belangt werden, das gelte im besonderen für den von der Beklagten veranlaß-ten Verkauf der Matrizen-,1 auch wenn die Matrizen sich in unbeschädigtem Zustand befunden hätten, wäre die Beklagte kraft ihrer Verwahrerpflichten zu der - allerdings bestmöglichen - Verwertung nicht nur befugt, sondern sogar verpflichtet gewesen^ denn Matrizen seien eine amtsbekannt empfindliche, von atmosphärischen Einflüssen abhängige Ware mit zeitlich begrenzter Haltbarkeit, Im vorliegenden .Falle habe es sich zudem um eine der Friedensware nach Güte und Haltbarkeit nicht gleichkommende Kriegsersatzware gehandelt, die selbst bei vorschriftsmäßiger Lagerung nur ein bis zwei Jahre, unter günstigen Umständen noch etwas länger gebrauchsfähig geblieben wäre« Die Matrizen der Klägerin., das Anwesen W^Ü^straße, in dem die Matrizen anfänglich aufbewahrt gewesen seien, sei bei einem Bombenangriff in Mitleidenschaft gezogen worden, der Beamte der Stadt habe, als er die Matrizen sichergestellt habe, die Außentür des Lagerraumes aufgebrochen, das Türfenster beschädigt, die Kisten etwa zur Hälfte offen und ihren Inhalt zu dem Teil herausgerissen vorgefunden, mithin einen Zustand angetroffen, bei dem die Matrizen von den Witterungseinfiüssen unmittelbar hätten betroffen werden können« Die Beklagte sei, so besagt das Zwischenurteil des weiteren, nicht verpflichtet gewesen, den beim Verkauf erzielten Erlös für die Klägerin wertbeständig anzulegen, weder kraft des Verwahrungsverhältnisses noch auf Grund der Tatsache, daß sie im Vollzug des Militärregierungsgesetzes Nr 52 zu dem Treuhänder über das Vermögen der Klägerin bestellt worden sei, namentlich habe sie auch als Treuhänder den Erlös nicht in Sachwerten anlegen müssen« Von der Annahme ausgehend, bei der verschiedenartigen Begründung der Klageforderung müsse im Verfahren über den Grund des Anspruchs geklärt werdenn aus welcher Ursache und in welcher Bichtung im einzelnen das Vermögen der Klägerin geschädigt worden sei, hat das Berufungsgericht im Gegensatz zu dem Landgericht es für notwendig erachtet, den Bestand an Matrizen festzustellen, den die Beklagte in ihre Obhut übernommen habe, Es hat festgestellt, daß er nur 180 000 Stück betragen habe, ferner, daß von diesen infolge unsachgemäßer Verwahrung seitens der Beklagten 86 150 Stück völlig unbrauchbar geworden seien: Es hat sodann in dem Urteil ausgeführts die der Klägerin wegen der Nichterfüllung der der Beklagten obliegenden Obhuts-und Verwahrungspflicht erwachsenen Ansprüche umfaßten "den Schaden, der daraus resultiert, daß durch Verschulden der Beklagten ein Verlust von über 86 OCO Matrizen durch völlige Vernichtung und ein etwaiger Mindererlös beim Verwertungsverkauf eingetreten ist", der Klägerin stünden nur Schadensersatzansprüche aus einem öffentlichreeht-iichen Verwahrungsverhältnis zur Seite,"und zwar soweit sie die Rückvergütung eines angemessenen Verkaufserlöses für die in Verwahrung genommenen 180 COO BauerSchablonen betreffen« Hierbei ist der der Klägerin bereits überwiesene Betrag von 9 385 RM in Anrechnung zu bringen«," Auf Grund dieses früheren Zwischenurteils hält das Berufungsgericht in dem jetzt angefochtenen Urteil für bindend entschieden, daß die Klägerin allein auf Grund des Verwahrungsverhältnisses von der Beklagten einen Ersatz für den Verlust oder die Wertminderung an nicht mehr als 180 000 Matrizen verlangen könne„ Es führt anschließend in tatsächlicher und rechtlicher Beziehung aus, ein höherer Preis als 0,10 RM je Stück sei beim Verkauf der noch brauchbaren 93 850 Matrizen nicht zu erzielen gewesen, auch dann nicht, wenn die Matrizen von der Beklagten ordnungsgemäß gelagert worden wären; diesen Erlös habe die Klägerin erhalten, einen weiteren Schaden könne sie nicht geltend machen\ die 86 150 Matrizen, die durch unrichtige Lagerung gänzlich unbrauchbar geworden seien, hätten zu demselben Preis abgesetzt werden können? denfalls die Verneinung des Klagegrundes eindeutig aus den Urteilsgründen ergeben* Im gegenwärtigen Fall gibt die Fassung des Entseheidungssatzes, der im Gegensatz zu dem landgerichtlichen Spruch, die Klage sei dem Grunde nach gerechtfertigt, den Anspruch dem Grunde nach nur insoweit für gerechtfertigt erklärt, als er aus der Verwahrung von 180 000 Matrizen hergeleitet werde, einen bedeutungsvollen , unmißverständlichen Hinweis darauf-, daß das Berufungsgericht den Grund des Anspruchs nur mit Einschränkungen anerkennt« Im Zusammenhalt mit den Entscheidungsgründen wird es zur Gewißheit, daß das Berufungsgericht die Klage nur aus dem einen der mehreren geltend gemachten Klagegründe - von der Betragsfrage abgesehen -für begründet erklärt* Die Urteilsgründe dienen hierbei nur der Auslegung und dem Verständnis des Urteilstenors; sie werden nicht etwa hier wie ein selbständiger Teil des Urteilssatzes behandelt. Ist sonach dem angefochtenen Urteil * was die von ihm vorgenommene Abgrenzung des Anspruchs eis eine Forderung aus einem offentlichrechtlichen Verwahrungsverhältnis betrifft, die dem Zwischenurteil eigentümliche Bindungswirkung nicht zu versagen, so gesteht das angefochtene Urteil der Klägerin zu Unrecht die Befugnis zu, sich im Verfahren über den Betrag des Anspruchs darauf zu berufen= die Beklagte habe den Verkauf der Matrizen zur Unzeit, das heißt vor der Währungsreform, veranlaßt* Das Zwischen-urteil hat die Verwertung der Matrizen vor der Währungsreform für zulässig und für geboten erklärt* Jedenfalls im Zusammenhang mit seinen übrigen Ausführungen hat es, auch wenn es die Ausführungen über die Verwertung nur im Hinblick auf die Versagung eines Schadensersatzanspruches ’’wegen unbefugten Entzuges des Eigentums” gemacht hat, mit der erforderlichen Bestimmtheit zu erkennen gegeben, daß es, was den Zeitpunkt der Verwertung anlangt, eine Verletzung der der Beklagten obliegenden Verwahxungs- Das Berufungsgericht kommt auch in dem angefochtenen Urteil zu dem Ergebnis, daß die Beklagte unter den obwaltenden Umständen zur Verwertung der Matrizen habe schreiten können und müssen» Hierbei hat das Berufungsgericht die beiden Auskünfte der Firma Günther Yia.^0 $ Durch die Zeugin Grete EfH kann höchstens bewiesen werden, daß die die Matrizen enthaltenden Kisten, soweit sie nicht aufgebrochen waren, noch im Mai 1945 gut verpackt waren; die übrigen vom Berufungsgericht festgesteilten Umstände, die für eine Qualitätsminderung der Matrizen sprechen, bleiben besteheno Bann aber durfte; auch wenn entgegen dem angefochtenen Urteil vor der vorläufigen Sicherstellung durch die Beklagte nicht alle Matrizen in erbrochenen Kisten gestapelt gewesen sein sollten; die Beklagte zu demindest, ohne daß ihreine Fahrlässigkeit vorgeworfen werden kann, zur Verwertung der Matrizen schreiten. Der Zeuge Max -Am^BI^^ brauchte nicht gemäß dem Beweisantritt im Schriftsatz vom 26 „ Mai 1952 S 2 vernommen zu werden, da er nicht über die allein erhebliche Haltbarkeit der Matrizen der Klägerin, sondern nur über die allgemeine und nicht den Ausschlag gebende Haltbarkeit von Matrizen in der Ausführung, wie sie die Klägerin besaß,aussagen sollteAus derselben Erwägung brauchte das Berufungsgericht auch keinen Sachverständigen darüber zu vernehmen, daß Wachsmatrizen selbst nach zehnjähriger Lagerung noch ohne weiteres verwendbar seien (Schriftsatz vom 6- November 1951)o c) Das Berufungsgericht hat in seinem Zwischenurteil, wenn es den Anspruch als einen Schadensersatzanspruch aus öffentlichrechtlicher Verwahrung dem Grunde nach für gerechtfertigt erklärt hat, in zulässiger Weise den Umfang des Anspruchs abgegrenzt (vgl auch Urt vom 10. Wenn das Berufungsgericht ferner noch die unter den Parteien streitige Anzahl der Matrizen festgestellt hat, die die Beklagte in ihre Verwahrung übernommen hatte, so betrifft auch diese Fest- hinsichtlich dessen die Beklagte es überhaupt an einer ordnungsmäßigen Verwaltung fehlen lassen und den einen Schadensersatzanspruch der Klägerin auslösenden Tatbestand setzen konnte, näher? so bindet sein Zwischenurteil in dem Verfahren über die Höhe des Klaganspruchs auch nach dieser Sichtung und hat das Berufungsgericht in dem angefochtenen Urteil zutreffend eine eigene Feststellung über die Anzahl unterlassen. von der Beklagten bestmöglich* zu einem angemessenen Preis verwertet worden wären» Die Eevision leitet nun ohne jeden hinreichenden Anhalt aus dem Zwischenurteil ab, daß dieses ein Verschulden der Beklagten bei der Verwertung bejaht habe» und irrt ebenfalls in der Annahme, das angefochtene Urteil habe nicht auf den höchsten nach den Umständen erzielbaren Verkaufspreis abgestellt „ Bas angefochtene Urteil führt hierzu aus, selbst wenn die Matrizen die von der Klägerin behauptete Haltbarkeit besessen hätten, gereiche es der Beklagten nicht zu dem Verscnulden, wenn sie darauf nicht vertraut, sondern die Matrizen zu dem Verkauf gestellt habe; dies gelte umso mehr, als der von dem Zustand der Matrizen unterrichtete Kaufmann sich dahin ausgelassen habe, wenn die Ma- auf die Gefahr des Verderbens der Matrizen bei weiterem Zuwarten hingewie-sen habe; außerdem habe der Kaufmann damals darauf verwiesen, die Matrizen entsprächen nicht der an sich großen Nachfrage, weil sie nur für einzelne Arten von Vervielfältigungsapparaten geeignet seien und weil kein Vervielfältigungspapier mitgegeben werden könne: überdies hätten nach einer Mitteilung der Industrie-und Handelskammer sich von acht angegangenen Firmen nur zwei zur Übernahme von Matrizen bereit erklärto Wenn man« so führt das angefochtene Urteil weiter aus« berücksichtige « daß ein Einzelhändler bei Abnahme eines Postens von 2 400 Matrizen nach der Preisliste von 1938 für eine Friedensware 0,13 EM je Stück habe zahlen müssen, so müsse unter den gegebenen Umständen angenommen werden, daß ein höherer Preis als 0,10 EM nicht zu erzielen gewesen sei, auch nicht, wenn die Matrizen von der Beklagten sorgfältig aufbewahrt worden wären, da die Matrizen, soweit sie verwertbar waren, äußerlich keine Mängel gezeigt hätten» Die so gewonnene tatrichterliche Überzeugung kann die Revision nicht mit einem Hinweis auf die Von der Klägerin angebotenen Gutachten erschüttern, die sich nur allgemein über den damaligen Preis von Matrizen als einer Mangelware und über die Verwertbarkeit auch der vom Berufungsgericht als völlig verdorben bezeichneten Stücke äußern sollen (§ 287 ZPO), Ebensowenig vermögen dies die ^ von der Revision aufgegriffenen Behauptungen der Klägerin, eie selbst habe für die Matrizen, obwohl es ein billiger Gelegenheitskauf gewesen sei; je Stück 0*18 EM gezahlt; die Matrizen hätten, wenn sie von der Beklagten ordentlich gelagert worden wären, das Stück zu 1,- RM, mindestens zu 0,50 EM verkauft werden können« Die Revision trägt dem Umstand nicht genügend Rechnung, daß die Beklagte sich bezüglich der Verwertung der Matrizen mit dritten Personen in Verbindung gesetzt hatte, die ihr mangels jeden anderen Anhaltspunktes als fachkundig und zuverlässig erscheinen konnten, und daß sie von diesen erfahren hatte, die Matrizen seien schwierig und nur zu einem geringen Preis abzusetzen Unter diesen Umständen kann auch die Rüge der Revision I nicht durchgreifen, das Berufungsgericht habe bei seiner Schadensberechnung zu Unrecht den Herstellungspreis für Matrizen aas dem Jahre 1938 anstatt des weit höheren Preises der Jahre 1944 und 1945 herangezogen« Verfehlt ist schließlich die Auffassung der Revision, der der Klägerin zustehende Schadensersatzanspruch sei ein von der Umstellung nicht betroffener Wer tan sprue ho' Auszugehen ist davon, daß die Matrizen vor der Währungs-r reform verkauft werden durften und mußten, An die Stelle der Matrizen trat also, ohne daß dies von der Beklagten zu vertreten ist, ein Reichsmarkerlös, Der der Klägerin im Zwischenurteil zugesprochene Schadensersatzanspruch hat nur zu dem Inhalt, daß der Klägerin ein höherer Reichs-markbetrag zu dem Ausgleich des Mehrerlöses zu zahlen ist, der .sich hei einer besseren Beschaffenheit der Matrizen hätte erzielen lassen» Eine Verpflichtung der Beklagten, den Erlös für die Klägerin werterhaltend anzulegen, hat das Zwischenurteil mit bindender Wirkung vernejnt.