BGH · III ZR 223/67
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ben vom 22» November 1955 mit Wirkung vom 1, Januar 1955, und wurde seither, wie das gesamte Vermögen der genannten Firma, auf die Friedrich KflHP GmbH, die jetzige Klägerin, übertragen» Durch Bodensenkungen, die Folge des Bergbaus waren, wurde ein auf dem Gelände der Besitzung befindlicher, mehrere Meter unter dem Boden verlegter Entwässerungskanal beschädigt» Auf Verlangen der Reehtsvor-gangcr der jetzigen Klägerin hat die Beklagte den Kanal im Jahre 1955 zwischen Schacht 7 und 10 - Länge dieses feilstückes etwa 70 m - neu verlegt» Mit der jetzigen Klage verlangt die Klägerin von der Beklagten die Kosten für eine Ausbesserung des abwärts anschließenden Kanalabschnittes zwischen den Schächten 10 und 13 (Länge 75 m)» Die Klägerin hat bestritten, daß der Schaden im Bereich zwischen den Schächten 10 und 15 im Jahre 1954 schon vorhanden gewesen sei» Ein einheitlicher Bergschaden könne hier, so meint die Klägerin weiter, aus doppeltem Grunde nicht angenommen werden; Einmal sei der Sntv/ässerungskanal in seiner gesamten Länge kein einheitliches Schadensobjekt; denn die Anbringung von Schächten habe gerade den Sinn, den Kanal in überschaubare, einzeln nachzuprüfende Abschnitte aufzuteilen * Zum anderen sei der Schaden in diesem falle nicht auf eine einzelne Abbaumaßnahme der Beklagten zurückzuführen, vielmehr das Ergebnis eines sich auf Jahrzehnte verteilenden Abbaues in den verschiedensten .Flözen» Die Klägerin hat ferner geltend gemacht, daß die Beklagte durch die Erhebung der Verjährungs--einrede gegen eine vertragliche Einigung der Par-teien aus dem Jahre 1955 verstoße« Damals hätten die Parteien sich darauf geeinigt, daß der bestehende Minderwert an der Besitzung "Villa Hügel" durch die Zahlung eines Betrages von 200 000 DM durch die Beklagte ausgeglichen werden sollte« In dieser Vereinbarung sei außerdem vorgesehen gewesen, daß die Beklagte die "anfallenden und auf den Bergbau zurückzuführenden Schäden nach wie vor beseitigen" werde« zer verpflichtet, vollständige Entschädigung für allen Schaden zu leisten, der dem Grundeigentums oder dessen Zubehörungen durch den Betrieb des Bergwerks zugefügt wird, ohne Unterschied, oh der Betrieb unter dem beschädigten Grundstück stattgefunden hat oder nicht» Ansprüche auf Ersatz eines solchen Schadens, die sich nicht auf Vertrag gründen, müssen vom Geschädigten innerhalb von drei Jahren, nachdem er Wissenschaft vom Schaden und seinem Urheber erlangt hat, durch Klage vor dem ordentlichen Gericht geltend gemacht werden, widrigenfalls sie verjähren (§ 151 ABG)» Die Schäden am Entwässerungskanal, deren Entschädigung mit der Klage verlangt v/ird, sind unstreitig durch den Bergbau der Beklagten verursacht worden» Für die umstrittene Frage, ob die Beklagte sich auf Verjährung berufen kann, kommt es darauf an, wann die Schäden entstanden sind und wann die Rechtsvorgänger der Klägerin von ihrer Entstehung eine für den Beginn der Verjährungsfrist hinreichende Kenntnis vom Schaden erlangt haben» Unter dem Begriff "Wissenschaft" ist die positive Kenntnis des Geschädigten zu verstehen, bloße Vermutungen genügen nicht» Andererseits bedarf es keines "unanfechtbaren, durch die objektive Richtigkeit" bedingten Wissens» Für notwendig und ausreichend v/ird vielmehr gehalten "eine nach vorsichtigen und verständigen Erwägungen zur Erhebung einer Klage genügende Wissenschaft" (so RG, Zeitschrift für Bergrecht /= ZfB7 53, 106, 107, und in der Folge ständig)» Die Kennt- Senat des Bundesgerichtshofs in der angeführten Entscheidung angeschlossen hat und denen sich auch der jetzt erkennende Senat anschließt, entsprechen denen, die die Rechtsprechung zu § 852 BGB entwickelt hat» Insbesondere setzt die Verjährung im Falle des § 151 ABG ebensowenig wie im Falle des § 852 BGB die volle Kenntnis des Schadens hinsichtlich seines Umfangs und seiner künftigen Folgen voraus Nach der Rechtsprechung zu § 852 BGB stellt der gesamte einem Schadensereignis entspringende Schaden eine Einheit dar und erscheint nicht als eine Summe einzelner selbständiger unzusammenhängender Schäden (BGB RGRK § 852 Anm» 7)» Deshalb vermag die Ungewißheit über den Umfang und die Höhe des Schadens den Beginn der Verjährung nicht auszuschließen und voraussehbare Folgezustände gelten als mit der allgemeinen Kenntnis des Schadens bekannt geworden» Nur wenn später aus der unerlaubten Handlung neue Nachteile entstehen, die sich vorher nicht voraussehen oder erwarten ließen, beginnt für diese eine neue Verjährung mit der Kenntnis ihres Vorhandenseins und der Kenntnis ihres ursächlichen Zusammenhanges mit der unerlaubten Handlung» Dementsprechend wird schon von der Rechtsprechung des Reichsgerichts der gesamte, aus einheitlicher Ursache entspringende Bergschaden, auch wenn er nicht gleichseitig in Erscheinung tritt, als eine Einheit betrachtet mit der Folge, daß die Verjährung auch für künftige voraussehbare Schäden bereits mit der allgemeinen Kenntnis des Geschädigten vom Dasein des Schadens beginnt; diese Kenntnis erstreckt sich, sofern ihm die einheitliche Schadensursache genügend bekannt geworden ist, auf deren sämtliche Auswirkungeno Dazu gehören auch künftige Schäden, soweit sie nur als Folgen der einheitlichen Ursache erfahrungsgemäß voraussehbar sind» Auch hier steht es dem Beginn der Verjährungsfrist für den gesamten Schaden nicht entgegen, wenn der Geschädigte den Umfang des einheitlichen Schadens nicht erkennt (RG ZfB 55, 256, 258; 71, 531, 532; 77, 559 = JW 1937, 994 Nr» 7; Ebel aaO Amn» 2; Brassert, Berggesetz § 151 Anm» 4; Boldt, AB'G § 151 Anm, 2 b; wohl etwas einschränkend Isay, ABG § 151 Anm» A II). Das Berufungsgericht hält deshalb den Klageanspruch für verjährt, Es bedarf keiner Prüfung, ob das Berufungsgericht, wie die Revision meint, den Begriff des "einheitlichen Bergschadens" verkannt hat oder" nicht» Auch wenn die hier streitigen Schäden am Kanalstück zwischen den Schächten 10 bis 13 einen solchen einheitlichen Schaden mit den spätestens im Jahre 1954 erkannten und alsdann im Jahre 1955 beseitigten Schäden an der Kanalstrecke zwischen den Schächten 7 bis 10 bilden, also die darauf beruhenden Ansprüche damit zur Zeit der Erhebung der vorliegenden Klage ohne das Dazwischentreten weiterer Umstände möglicherweise bereits verjährt waren, kann Der Senat legt die Erklärung dahin aus: Die Beteiligten wollten damit zu dem Ausdruck bringen, daß alle künftig zutage tretenden Schäden trotz Zahlung des Minderwertes auch in Zukunft beseitigt werden sollten, soweit sie auf den Bergbau zurückzuführen seien; sie sollten so behandelt werden, als seien sie erst bei ihrem Zutagetreten den Grundeigentümern, also hier der Klägerin und deren Rechtsvorgängern, zur Kenntnis gelangt» Die Folge davon ist, daß erst vom Zutagetreten der weiteren Schäden eine Verjährungsfrist von der in § 151 ABG bestimmten Dauer zu laufen beginnt» Soweit der Bergschaden im Jahre 1955 erkannt worden war, wurde er aufgrund der gütlichen Einigung beseitigt oder vergütet» Die Schäden am Kanal zwischen den Schächten 10 bis 13 sind damals beseitigt v/orden» "Der Minderwert an der Besitzung ’Villa Hügel’ innerhalb des in der der Erklärung beigexügten Karte eingetragenen Geländes" wurde durch Zahlung von 200 000 DM abgegolten» Alsdann heißt es in dem Schreiben der Beklagten vom 12» November 1955- "Ohne Rücksicht darauf (gemeint ist der Minderwert und die erfolgte Schadensbeseitigung) würden selbstverständlich die anfallenden und auf den Bergbau zurückzuführenden Schäden nach v/ie vor von uns zu beseitigen sein"» Wenn von "anfallenden und auf den Bergbau zurückzuführenden Schäden" die Rede ist, ist ein Unterschied zwischen später erst zutage tretenden Schäden eines bereits damals vorliegenden und' den Beteiligten bekann ten "einheitlichen Bergschadens" und künftig auftre-tenden und erst künftig bekanntwerdenden neuen, nicht zu jenem "einheitlichen Bergschaden" gehörenden Schäden in der Vereinbarung nicht gemacht worden» Ob beide Arten von Schäden gemeint waren, kann mangels ausdrücklicher Regelung nur aus der damaligen Situation und aus Sinn und Zweck des Vertrages entnommen werden» Sinn und Zweck des Vertrages gingen auf eine gütliche, den Prozeßweg vermeidende Regelung» Das verlangte zwingend, für die auf einem damals bereits bestehenden und bekannten einheitlichen Bergschaden beruhenden, aber erst später zutage tretenden Schäden gerade auch eine sich auf die Verjährung auswirkende Regelung zu treffen» Wäre das nämlich nicht geschehen, so würde nach dem oben zu I Ausgeführten auch wegen dieser künftig erst zutage tretenden feile des etwa vorliegenden einheitlichen Bergschadens damals bereits die Verjährungsfrist dos § 151 ABS gelaufen sein oder mindestens zu laufen begonnen haben» Der Grundeigentümer, also die Rechtsvorgänger der Klägerin, hätten, um der Verjährung wegen dieses Teiles der Schäden zu begeg- . Da cine solche sich auf die Verjährung aus-wirkende Vereinbarung wegen der erst später zutage tretenden Schäden des damals etwa bereits vorhandenen und bekannten einheitlichen Bergschadens nicht ausdrücklich getroffen ist, sondern nur aus dem Zusammenhang.: des Vertrages sich ergibt, kann wiederum nur aus der damaligen Situation und dem Zusammenhang des Vertrages ermittelt werden, welchen Inhalt für diese Gruppe der erst später zutage tretenden Schäden diese Vereinbarung haben sollte» Ein unbefristeter Verzicht auf Geltendmachung der Verjährung scheidet, wie oben bereits ausgeführt, aufgrund der bindenden Ausführungen des Berufungsgerichts aus» Die sich auf die Verjährung auswirkende Vereinbarung beruht auf dem Parteiwillen» Das Verbot des § 225 BGB, die Verjährung durch Rechtsgeschäft auszuschließen oder zu erschweren, steht hier der Vereinbarung schon deshalb nicht entgegen, weil die Vereinbarung die Erschwerung der Verjährung nicht unmittelbar betrifft» Sie erschwert die Verjährung nur mittelbar, da mit Rücksicht auf die Zweifel, ob die später zutage getretenen Schäden Folgen eines einheitlichen schon seit spätestens 1954/55 bekannten Bergschadens oder erst eines neuen, selbständigen Bergschadens sind, nur geregelt werden sollte, daß vor Auftreten neuer Schäden .keine Klage erhoben werden sollte, um so die Erhebung einer Peststellungsklage zur Verjährungsunterbrechung hinsichtlich der etwa auf einem alten einheitlichen Bei’gschaden beruhenden Ansprüche zu verhindern» Eine solche Vereinbarung kann dahin getroffen werden, daß von einem bestimmten Zeitpunkt an, hier etwa von dem Zutagetreten der auf dem früher vorhandenen und erkannten einheitlichen Bergschaden beruhenden Schäden an, nur noch eine dem Geschädigten zuzubilligende angemessene Überlegungs-frist verbleiben soll, so daß also bei Nichterhebung der Klage die Berufung auf die etwa inzwischen eingetretene Verjährung zulässig wird (vgl» zu den bei derartigen Vereinbarungen etwa laufenden kurzen Überlegungsfristen RG-Z 153, 101, 111/2; 157, 14-, In der Vereinbarung vom 12« November 1955 ist, wie oben ausgeführt, hinsichtlich der künftig anfallenden Schäden kein Unterschied gemacht zwischen auf damals bereits vorliegenden und bekannten einheitlichen Bergschäden beruhenden Schäden und mit solchen einheitlichen Bergschäden nicht zusammenhängenden Schäden» Schon dieser Umstand spricht für einen einheitlichen Lauf der Frist, innerhalb deren eine Berufung auf Verjährung ausgeschlossen werden sollte, nämlich vom Zeitpunkt des Zutagetretens beider Arten von Schäden an» Entscheidend ist aber, daß eine kürzere Frist hin- Deshalb kann aus der Situation und aus dem Gesamtinhalt des Vertrages nach dessen Sinn und Ziel - mindestens im Wege der ergänzenden Vertragsauslegung - entnommen werden, daß die Beteiligten einen Unterschied zwischen beiden Gruppen von Bergschäden auch hinsichtlich des Zeitraumes nicht machen wollten, innerhalb dessen die Vereinbarung einer Berufung auf Verjährung entgegenstand o Das bedeutet: Die Wirkung der Vereinbarung der Nichterhebung einer Klage sollte für die später zutage tretenden Teile eines bekannt gewordenen früheren einheitlichen Bergschadens solange dauern, als die Verjährungsfrist für zur gleichen Zeit zutage getretene Schäden, die nicht auf einem solchen einheitlichen Bergschaden beruhen, lief.Sie sollten praktisch also so behandelt werden, als seien sie nicht Teile eines einheitlichen Bergschadens, sondern als handele es sich um neue Bergschäden.