BGH · III ZR 215/66
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
2, festzustellen;, daß die Beklagte auch den zukünftig aus der bis zu dem Erlaß des Urteils erfolgten Einleitung von Abwässern in die Lauter ihm entstehenden Schaden zu ersetzen habe. Die Beklagte ist mit dem Antrag auf Klagabv/ei-sund dem Klagevortrag in tatsächlicher und rechtlicher Hinsicht entgegengetreten, hat auch dem Kläger ein Mitvorschulden an den Fischverlusten deswegen boi-gemessen, weil er trotz Kenntnis der schädlichen Beschaffenheit dos Pachtgewässers noch nach dem ersten Fischsterben vom März I960 Fische im Werte von rund 3.000 DK eingesetzt habe, und hat sich hinsichtlich von Schadensersatzansprüchen der Verpächter auf Verjährung berufen. Das Landgericht hat in einem.Teilurteil die Beklagte zur Zahlung von 20,865 DM nebst näher bezeich« neten Zinsen verurteilt und hat ferner die Verpflichtung der Beklagten festgestellt, dem Kläger auch den zukünftigen Schaden aus der Einleitung von Abwässern in die Lauter bis zu dem 8. V/as den Leistungsantrag angeht, so nimmt das Berufungsgericht an, dem Kläger selbst sei ein zu berücksichtigender Schaden nicht entstanden: Allein seine Mitglieder, aber nicht er, hätten das einem Fischereipächter zustehendc Aneignungsrecht hinsichtlich der Fische dos Pachtgewässors ausgeübt und nur sie könnten daher durch die Fischsterben geschädigt worden sein; der Kläger habe zwar die vertraglichen Pachtzinsen gezahlt, hätte dies aber auch ohne die Fischsterben getan, ohne hierfür selbst einen Vcrnü-gensvorteil in Gestalt gefangener Fische zu erlangen; der Kläger habe auch die Mitgliedsboitrügo vreiter eingenommen, insoweit einen Vermögensverlust nicht erlitten und habe einen in dem unnützen Besatz der Pachtstrecke nach dem ersten Fischsterben liegenden Schaden im Rechtsstreit nicht geltend gemacht„ Auch aus abgetretenem Recht könne der Kläger nicht Ersatz verlangen: Einmal sei eine Abtretung von Ansprüchmseitens der VercinsEiitglieder wie der Verpächter von der Beklagten bestritten worden, zun andern lasse sich ein Schaden der Mitglieder des Klägers oder, falls er nicht rechtswirksam in die Pachtverträge eingetreten sein sollte, seiner Vorpächter der Höhe nach nicht ermitteln; die Vorpächter schließlich seien durch eine Minderung des Fischbestandes nach der Sachlage nicht geschädigt worden, hätten auch, soweit die Bestimmungen des § 823 BGB und des § 22 Y/HG als Anspruchsgrundlage in Betracht kämen, ihnen etwa erv;achsene Schadenscr-sabzanSprüche verjähren lassen. Was die Unmöglichkeit der Schadensberechnung anbetrifft, so erwägt das Berufungsgericht hierzu im einzelnen: Der Kläger oder seine Mitglieder hätten hinsichtlich der getöteten Fische weder Eigentum noch Besitz, sondern allenfalls ein Aneignungsrecht gehabt; der Gosamtschaden der Mitglieder könne daher nur nach entgangenem Fanggewinn berechnet worden, der, weil nicht alle in einem Fluß vorhandenen Fische gefangen zu werden pflegten, nicht nach dom Gesamtwert der getöteten Fische bewertet werden könne; einen allenfalls zu ersetzenden Schaden könnten allein diejenigen Mitglieder des Klägers erlitten haben, die erlaubterweise gefischt hätten - sowohl nach dem für den Pachtvertrag mit der Gemeinde Rc^Hb maßgeblichen früheren bayerischen Recht, als auch für den nach früherem preußischen Recht zu beurteilenden Pachtvertrag mit der Gemeinde sei die Zahl der Mitglieder des Klägers, die hatten fischen und in erlaubter eise aus dem Fischfang einen Vorteil hätten ziehen dürfen, begrenzt gewesen Die einzelnen Schadensersatzansprüche, die der Kläger von seinen Vorpächtern erworben haben wolle, seien in ihrer Zusammenfassung auf jeden Fall noch geringer. weil seine Mitglie der im ■■Glan von Endo 195?11 bis zu dem ersten Fischsterben im März I960, die Vorpächter noch längere Zeit gefischt hätten, salbst erklärt, er könne mangels jedweder Unterlagen über die früheren Fangergebnisse seiner zu dem Fischen berechtigten Mitglieder in den Jahron vor don Fischsterben nichts vortragen;, da der Kläger bei seiner Gründung nur das Sportangeln, nicht aber das ertragreiche Fischen mit Netzen zugolassen habe, hätten seine Mitglieder möglicher-weise überhaupt einen materiellen Schaden nicht erlitten, da die laufenden Aufwendungen für das als Liebhaberei betriebene Sportangeln unter Umständen nicht durch den materiellen Ertrag gedockt worden seien. Was den Feststeilungsantrag betrifft, so meint das Berufungsgericht: Auf einen abgetretenen Schadensersatzanspruch sei der FoststollungsChtrag seinem Wortlaut nach nicht abgestollt; der Kläger selbst erleide in Gestalt eines Fangausfalls auch in der Zukunft keinen Schaden, habe sich auch nicht auf nötig werdende Kosten für einen angemessenen Besatz nach Ausbau der Kläranlage berufen; überdies lasse sich eine Schadensersatzpflicht nur feststcllon wenn sie auf ein konkretes schadenstiftendes Ereignis bezogen werdes als solches könne aber das Ableiten von Abwässern in die Lauter für sich allein nicht angesehen werden, Der Kläger habe nicht behauptet, daß außer bei den genannten drei Fischsterben bis zu dem Erlaß des landgcrichtlichcn Urteils weitere Fische infolge der Abwässer der Beklagten verendet seien. glieder dos Klägers befugt fischen, braucht für den vorliegenden Fall nicht entschieden zu werden» Denn diese Mitglieder sollen ihnen gegen dio Beklagte aus der Einleitung von Abwassern erwachsene und erwachsende Ansprüche an den Kläger abgetreten haben» 2war hat die Beklagte eine solche Abtretung in Abrede gestellt» Das Berufungsgericht hat aber die Behauptung dos Klägers zu Unrecht mit der Erwägung abgetan* sie sei bestritten, statt* wenn es sie für erheblich hielt* über ihre Richtigkeit zu befinden» Dobci ist zu bedenken* daß der Tatrichter ira Rahmen der ihm durch § 286 ZFO eingeräumten freien Überzeugung bestrittene Behauptungen auch ohne Beweiserhebung für richtig erachten kann» Für das Revisionsverfahr on ist unter den gegebenen Umständen jedenfalls von den Vorlicgen einer Abtretung auszugehen» Dem steht die Erwägung dos Berufungsgerichts nicht entgegen* der von der Klagopartci verfochtone FestStellungsantrag sei nach seinen ausdrücklichen Wortlaut nicht auf abgetretene Ansprüche abgestollt» Es handelt sich vielmehr, wenn der Antrag von dem "ihm” ~ d.ln dem Kläger -entstehenden Schaden spricht; um eine nach dem Vertrag, wie ihn der Kläger während des Verfahrens in den Rechtsstreit eingeführt hat, überholte, von dem Kläger ersichtlich insoweit nicht gewollte Fassung» Auch im Leistungsantrag ist von einem "ihm" - gemeint dem Kläger - entstandenen Schaden die Rede, ohne daß da.s 15)» Sind aber Anhaltspunkte für eine Schätzung gegeben, v/ie sie sich insbesondere aus dem Sachvortrag der Partei oder bei Würdigung aller Umstände ergeben können, so ist der Tatriehtor gehalten, eine Schätzung vorzunehmen „ Hierbei steht es in seinem Ermessen, ob und inwieweit \er angebotene Beweise erheben oder dem Sachvortrag einer Partei glauben will; er kann dabei auch nicht vorgetragene Tatsachen berücksichtigen, insbesondere im Falle der Festsetzung eines entgangenen Gewinns, wobei die Erleichterung des § 252 Satz 2 BGB auch im Rahmen des § 287 ZFO ihre Bedeutung hat (Urteil vom 28. Andererseits kann, nur nebenbei bemerkt, dem Berufungsgericht nicht darin bei get re ten v/erden, wenn es allein die tatsächlichen Fangergebnisse, die die fischberechtigten Mitglieder des Klägers in den Jahren vor den Fischsterben erzielt hätten, als Anhaltspunkt für den Schaden dieser Mitglieder infolge Fangausfalls bezeichnet und zuungunsten dos Klägers verwertet, daß er zu den Fangergebnissen von Ende 1957 bis zu dem ersten Fischstorben I960, auch zu früheren Fangergebnissen der Vorpächter nichts vorgetragen habe, und wenn es weiter als fraglich bezeichnet, ob die Mitglieder des Klägers überhaupt einen materiellen Schaden erlitten hätten, weil die laufenden Aufwendungen für das vom Kläger allein zugelassene Sportangeln möglicherweise nicht durch entsprechende Erträge aufgewogen worden wären. Juni 1962 - III ZE 166/60 - S.8); nicht mit Unrecht verweist die Revision in diesem Zusammenhang darauf, würde eine Schatzung des den Mitgliedern des Klägers entstandenen Schadens nur an Hand der früheren Fangergebnisse der Mitglieder möglich sein, so brächte § 287 ZPO gegenüber der allgemeinen Bev/eislastverteilung keine Erleichterung = Letztlich kommt es, soweit auf Fänger ge onisse abzustellen ist, auch nicht so sehr auf die tatsächlichen Fangergehnisse an, sondern darauf, weiche Fangergebnisse hätten erzielt werden^ können; so wird z.B. der Ertragswert^ eines Miethauses nicht notwendig dadurch geschmälert, daß der Hauseigentümer Wohnungen nicht vermietet. Wenn auch der im Vortrag dec Klägers erwähnte Einsatz von Fischen nach Ansicht des Berufungsgerichts nicht ersetzt verlangt wird, so könnte dor Vortrag, falls die Ansicht des Berufungsgerichts zuträfe (was im Revisionätechtszug nicht entschieden zu werden braucht), doch mit für die Bemessung des auf andere Umstände abgestellten Schadensbetrages dienenc Nimmt man hinzu, daß der Sachverständige zu einer Schadensschätzung gelangen konnte, so ist die Auffassung des Berufungsgerichts, es lasse- sich im vorliegenden Fall überhaupt kein Schaden ermitteln, mit den dem Tatriehter durch § 287 ZPO er-öffneten Möglichkeiten nicht vereinbar und damit rechtsfehlerhaft „ Wie im einzelnen die Schadenshöhe zu bemessen ist, braucht gegenwärtig nicht abschließend entschieden zu werden,, 5» Ebensowenig kann der weiteren Begründung des Berufungsgerichts gefolgt ’werden, mit der es dem Feststollungsbegchren der Klage den Erfolg versagt hat« Der Kläger hat zwar, so wie sich der Sachverhalt dem Revisionsgericht anbictet, nicht vorgotra-gen, daß die Beklagte nach den Fischsterben vom März I960, November 1961 und 29 « /30, Mai 1963 noch Abwässer mit der Wirkung in die Lautor eingeleitet habe, daß es auf der Fachtstrecke zu weiteren Fisch-sterbon gekommen sei. unci 1965 ein beträchtlicher Zuwachsausfall eingetreten „ Das Feststellungsbegehren ist daher auf den Schaden zu beziehen, der als Folge der zu den genannten Fischsterben führenden Einleitungen von Abwässern in der Zeit nach der Erhebung der Klage bis zu dem Erlaß des Urteils entstehen und nicht durch den Leistungsantrag der Klage umfaßt werde. Dabei ist unter dem Tag des Erlasses des Urteils der 80 Juli 1364 zu begreifen, als der Tag der letzten mündlichen Verhandlung vor dem Landgericht, der im erstgerichtlichen Urteil als Sndzeitpunkt für die künftig entstehenden Schäden festgesetzt und als solcher vom Kläger nicht mehr bekämpft worden ist« Die Revision ist im vollen Umfang begründet und die Sache muß, da das angefochtenc Urteil weder mit der ihm gegebenen noch mit einer anderen Begründung gehalten worden kann, zur weiteren Verhandlung und Entscheidung an das Berufungsgericht zurückverwiesen werden, Dieses wird sich bei seiner erneuten Entscheidung 0s