BGH · III ZR 215/65
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Zivilseilöt des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 11o März 1968 unter Mitwirkung der Bundesrichter Dr, Kreft, Br«, Arndt, Dr. Hußla, Keßler und Sonnabend für Recht erkannt: Die Revision der Beklagten gegen das Urteil des 2o Zivilsenats des Oberlandesgerichts Karlsruhe vom 15o Oktober 1965 wird zurückgewiesen mit der Maßgabe, daß die Beklagte die den Klägerinnen zugesprochenen Beträge erst ab 6» Juni 1965 zu verzinsen hat; insoweit wird das genannte Urteil aufgehoben und das Urteil der 2, Zivilkammer des Landgerichts Karlsruhe vom 14 <> Januar 1965 abgeändert o Die Klägerinnen sind seine Töchter aus erster Ehe, Aus der zweiten Ehe ist ebenfalls eine Tochter hervorgegangen0 Die Beklagte hat außerdem eine voreheliche Tochter, Die Ehegatten lebten im gesetzlichen Güterstande, Im September I960 legten sie einen Lottogewinn von 500 000 DM auf einem gemeinsamen Konto bei der Stadt.Sparkasse 'Jie behauptet: Der Lottogewinn habe ihr allein zugestandon« Das Guthaben auf dem gemeinsamen Konto stehe ihr allein zu, die angeochafften Mobilien seien ihr alleiniges Eigentum«, Aus den Grundstückskäufen und dem Hausbau seien ihr Ausgleichsforderungen in Höhe von 177 236 DM gegen den Erblasser erwachsen« Das Berufungsgericht läßt dahingestellt, ob der Lottogewinn von den Ehegatten gemeinsam oder von der Beklagten allein erzielt worden ist, und führt aus, in letzterem Palle zeige das spätere unstreitige Verhalten der Ehegatten, daß sie sich den Gewinn hätten teilen wollen, und die Beklagte die Hälfte dieses Betrages dem Erblasser zugewandt habe« Zur Begründung verweist es insbesondere darauf, daß der Gewinn auf einem gemeinschaftlichen Konto der Ehegatten angelegt wurde und daß die beiden Grundstücke von den Ehegatten als Miteigentümern zu je 1/2 erworben wurdeno Weiter erwägt es, die Errichtung des gerneinsehaft-iichen Testamentes mit dem Ziele, die Beklagte und deren Töchter alö Erben des Ehemannes einzusetzen, wäre nicht verständlich, wenn dieser vermögenslos gewesen wäre» Weitere Anzeichen für seine Auffassung entnimmt es daraus, daß die Ehegatten bei der Errichtung des Testamentes von einem beiderseitigen Vermögen von 250 000 EM gesprochen haben» Es sieht auch die Anschaffungen, die aus dem Lottogewinn oder- gemeinschaftlichen Guthaben gezahlt wurden, als gemeinsames Eigentum der Ehegatten an und gelangt, den im Berufungsverfahren nicht angegriffenen Wertansätzen des 'Landgerichts folgend, für die Aktiven des Nachlasses zu einem Gesamtbeträge von 197 257930 EM (Hälfteanteil an den Grundstücken 181 070 EM, an den Konten 840,94 EM urid G 766,36 EM zuzüglich 530 EM Zinsen, an den Anschaffungen 7 675 LH, dazu 5 EM Bargeld und 370 EM Wert der persönlichen Habe des Erblassers)» An Passiven setzt das Berufungsgericht Gtcrbefallskosten von 1 771,85 EM ab» Eic von der Beklagten erhobenen Forderungen an den Nachlaß hält es nicht für begründet» Eic Beklagte behaupte selbst nicht, daß der Erblasser "ein Entgelt für die Zuwendungen oder eine spätere Eücksahlung versprochen habe» Eine solche Verpflichtung, insbesondere das Entstehen einer Ausgleichsfordorung, ergebe sich auch nicht aus den Umständen» Eas Berufungsgericht folgt daher dom Landgericht dahin, daß den Klägerinnen aus einem Rcinnachlaß von 195 485 «>45 EM ein Pflichtteilsanspruch von jo i/12 = 16 290,45 EM zustöhe» Eine Vermögensübertragung durch die Beklagte auf den Erblasser liege in Y/irklichkeit nicht vor» Die Anlage eines gemeinschaftlichen Kontos habe das Berufungsgericht rechto-irrig als solche gewertet; zudem beruhten seine Feststellungen auf dem Übergehen von Beweisangeboten und der Nichtberüek-sichtigung wesentlicher Umstände» Für das Kraftfahrzeug und einen Teil der Anschaffungen ergebe sich das Alleineigentum der Beklagten bereits aus dem Kraftfahrzeugbrief und den Rechnungen? der Beklagten erstattungspflichtig gewesen« Bas gelte vor allem für den Erwerb der Grundstücke und den Bau dos Hauseso Bas Berufungsgericht habe auch übersehen, daß die Beklagte den Offenbarungseid über den Bestand des Nachlasses - Aktiven wie Passiven - geleistet habe; das von ihr beschworene Verzeichnis sei rechtsirrig nicht als Urkunde verwertet worden« Aua dem Testament lasse sich über die Vermögenslage der Ehegatten Klein nichts entnehmen« Bas gelte einmal für die im Gebühreninteresso angegebene Höhe des Vermögens, im übrigen auch deshalb, weil das Testament schon aus dem Grunde notwendig gewesen sei, um die Töchter des Erblassers als Erben auszuschließen; sie hätten 3onst, auch wenn der Erblasser kein Vermögen hinterlassen habe, hinsichtlich jedes einzelnen ihm gehörigen Möbelstücks mitreden und der Beklagten Schwierigkeiten bereiten können« Die Notwendigkeit eines öffentlichen Testaments ergebe sich bereits aus dessen § 2« 1« Y/enn der Lottogewinn allein der Beklagten zustand, wie für das Revisionsverfahren zu untorstellen ist, dann kann allerdings der bis dahin vermögenslose Erblasser nur durch eine Rechtshandlung der Beklagten Mitinhaber des Sparkassenkontos geworden sein, auf dem der Lottogewinn angelegt wurde« Der Revision ist einzuräumen, daß das Berufungsgericht lediglich ausgeführt hat, die Ehegatten hätten den Gewinn teilen wollen, die Beklagte höbe dem Ebensowenig liegt ein Rechtsfehler darin, daß und wie das Berufungsgericht aus der Errichtung und dem Inhalt des gemeinschaftlichen Testamentes Anzeichen für seine Überzeugung entnommen hat, der Erblasser habe erhebliches Vermögen besessen» Die Erwägung, der Erblasser hätte nicht testiert, v/onn er kein Vermögen gehabt hätte, das er der Beklagten und deren Kindern zuwenden wollte, entspricht der Lebenserfahrung» Hätte der Erblasser nur die wenigen Dinge besessen, deren Wert von der Beklagten mit rund 100 DM angegeben und vom Gericht; mit 370 DM angenommen worden ist, dann hätte auch das Bestreben, Streitigkeiten über diese Gegenstände vorzubeugen, - in dem die Revision den Beweggrund der lestamentoerrichtung sehen will - nach der Lebenserfahrung schwerlich dazu geführt, ein gemeinschaftliches notarielles Testament mit Kosten zu errichten, die sich aus einem Geschäftswert von 250 000 DM errechnen» Inwiefern § 2 des Testaments (oder eine andere Stelle desselben) notarielle Beurkundung erforderlich gemacht habe, ist nicht ersichtlich».; Die Rügen der Revision laufen im wesentlichen darauf hinaus, ihre tatsächliche Würdigung an die Stelle der denkgesetzlich möglichen des Berufungsgerichts zu setzen» Dabei geht die Revision an folgendem vorbei: Das Berufungsgericht hat vor allen darauf abgestellt, daß der Lottogewinn auf einem gemeinschaftlichen Konto angelegt worden ist und daß die Eheleute Klein die weitaus wertvollsten Vormögensstücke, diio mit Hilfe des Lottogewinns angeschafft wurden, nämlich die beiden Hausgrundstücke, als Miteigentümer zu je 1/2 erworben haben« Bereits diese tragenden Gründe des Berufumgsurteils, neben denen die anderen Erwägungen, insbesondere soweit sie die Testarnentserrichtung betreffen, nur eine unterstützende Rolle spielen, rechtfertigen die Feststellung, daß die Beklagte dem Erblasser die Hälfte des Lottogewinns zugewandt hat« Danach unterliegt es keinen rechtlichen Bedenken, daß das Berufungsgericht den Erblasser als Mitinhaber des Sparkassengut-habens und als Miteigentümer nicht nur der Grundstücke, sondern auch der -aus Mitteln des Guthabens angesehafften anderen Gegenstände angesehen hat» Dem Berufungsgericht ist auch in folgendem zuzustimmen: Die Beklagte hat keine Tatsachen vorgetragen, aus denen sich ergehen könnte, daß ihr auf Grund ihrer Aufwendungen Ausgleichs ansprüchc (oder sonstige Ansprüche etwa aus ungerechtfertigter Bereicherung) gegen den Erblasser oder dessen Nachlaß erwachsen seien* Die Zuwendung des halben Lottogewinns allein vermochte solche Ansprüche nicht zu begründen. War aber der Erblasser, wenn auch, wie zu unterstellen ist, auf Grund einer Freigebigkeit der Beklagten, Mitinhaber des Sparkassenguthabens geworden, dann können Ausgleichsansprüche nach § 426 BGB aus dem Erwerb der Grundstücke und dem Bau eines Hauses schon deshalb nicht entstanden sein, weil die für diese Zwecke gemachten Aufwendungen aus dem^ gemeinschaftlichen Vermögen bestritten wurden. Es gelten daher die allgemeinen Bestimmungen, d.h. der Pflichtteilsanspruch ist zu verzinsen vom Eintritt des Verzugs oder der Rechtshängigkeit an (§§ 288, 291 BGB; RG LZ 1915, 223^; BayObLG DJZ 1931, 965)« Die Klägerinnen haben keine bestimmten Tatsachen behauptet, aus denen sich ersehen ließe, daß die Beklagte vor dem Eintritt der Rechtshängigkeit in Verzug geraten sei, obwohl die Beklagte vorgetragen hat, sie habe sich nicht in Verzug befunden.