BGH · III ZR 214/68
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Bei der Festsetzung-, des Streitwerts und der Rechtsmittel-summe der Anfechtungsklage eines Gewerken gegen den Beschluß einer Gewerkenversammlung ist auf § 247 Abs. 1 AktG zurückzugreifen und demgemäß auf die Bedeutung der Sache für den Gewerken und für die Gewerkschaft abzustellen. Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat unter Mitwirkung des Senatopräsidenten Dr. Pagendarm sowie der Bundesrichter Dr. Kreft, Dr. Hußla, Gähtgens und Keßler am 13« Oktober 1969 beschlossen: Diese Vorschrift regelt allerdings lediglich den Streitwert einer Anfechtungsklage gegen den Beschluß der Hauptversammlung einer Aktiengesellschaft. Ihr liegt jedoch ein allgemeiner Gedanke zugrunde, der dahin geht: Der Bedeutung und Tragweite der Anfechtungsklage eines einzelnen Aktionärs, die im Falle des Erfolgs den Hauptversammlungsbeschluß in seiner Gesamtheit, nicht etwa nur im Verhältnis der beklagten Aktiengesellschaft zu dem Kläger beseitigt, soll Rechnung getragen und daher neben dem Interesse dieses Klägers das vielfach bedeutsamere und höher zu bewertende Interesse der Aktiengesellschaft an der Aufrechterhaltung des Beschlusses berücksichtigt werden; auf diese Weise soll auch eine mutwillige Prozeßführung eines Kleinaktionäisund eine dadurch be- Er rechtfertigt und gebietet geradezu die sinngemäße Anwendung auf die Anfechtungsklage eines Gewerken, wie sie hier erhoben worden ist, ebenso wie eine solche Anwendung auch für die Anfechtungsklage gegen einen Geoellschaftsbeschluß einer GmbH oder gegen den Beschluß einer Genossenschafterver-saramlung gutgeheißen worden ist (vgl. OLG Hamm in GmbH Rdsch 1955, 226; OLG Frankfurt 1956, 92 und in Der Deutsche Rochtspfleger I960, 177 mit weiteren Zitaten für § 199 Abs.6, § 201 Abs. 1 AktG 1937; Hachenburg, GmbHGeo. 6. ZPO § 3 An. B II b 1), Die anderenfalls nach den allgemeinen Grundsätzen über die Streitwertfestsetzung in Betracht zu ziehende Bestimmung des Streitwertes nach dem Interesse des anfechtenden Klägers wäre nicht sachgemäß. § 247 Aba. 1 AktG, wonach der Streitwert und damit auch der Recht emit telv/ert ('§ 511 a Abs, 2, § 546 Abs.3 ZPO) den Betrag von einer Million Deutsche Mark nur insoweit übersteigen darf, als die Bedeutung der Sache für den Kläger höher zu bewerten ist - wobei ein von ihm befürchteter Schaden für alle Gewerken nicht einbegriffen werden kann -, erscheint es jedoch angezeigt,und billig, im vorliegenden Pall hinter dem Höchstbetrag zurückzubleiben.