BGH · III ZR 213/56
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Sie bestreitet 5 daß einer ihrer Bediensteten den Klägern einen Kaufoder Mietvertrag über das Grundstück in Aussicht gestellt habe und daß die Investitionen der Kläger für sie einen Wert hättenv Die beiden Vordergerichte haben die Klage als unbegründet angesehen, Mit der Revision verfolgen die Kläger ihren Anspruch weiter. Die Revision erhebt in erster Linie die RUge, daß das Berufungsgericht nicht vorschriftsmäßig besetzt gewesen sei; bei dem .‘Irlaö des angefochtenen Urteils habe nämlich ein Hilfsrichter mitgewirkt, der "aus Anlaß des Geschäftsumfanges" zuerste durch Rräsidialbeachluß vom 4, Mxxl 195$ dem 4 c Zivilsenat und sodann durch Beschluß vom 26 August 1956 aus gleichem Anlaß mit Wirkung vom 6- September 1956 dem 2, Zivilsenat zugewiesen worden sei. Die Revision begründet ihre Rüge nur noch damit, daß sie ausführt5 "Die Einberufung eines Hilfsrichters aus einem solchen Anlaß diirf be nach den Grundsätzen, die der angerufene Se110^ in üer -• • - Entscheidung vom 15.> ITovember 1956 „oo auf gestellt hat, nicht als zulässig cnzusehen sein." Deshalb kann aus der von der Revision' allein geltend gemachten Tatsache der zweimaligen Zuteilung des hier interessierenden Hilfsrichters an einen Senat "aus Anlaß des Geschäftsumfangs" nicht ohne weiteres auch auf eine nicht vorschriftsmäßige Besetzung des Berufungsgerichts geschlossen werden, Tatsachen, wie sie der angeführten Entscheidung des Senats in BGHZ 22, 142 zugrunde lagen, führt die Revision nicht an. Das angefochtene Urteil ist am 7, November 1956 erlassen worden; die Entscheidung in BGHZ 22, 142 benicht sich auf die Besetzung des Oberlandesgerichts im Jahre 1954» Daß die Verhältnisse in den beiden Jahren gleich gewesen seien, behauptet die Revision nicht. so daß als Anspruchsgrundlago nur die allgemeinen Vorschriften des bürgerlichen Rechts in Betracht kommen können-Insoweit werden auch von der Revision Angriffe gegen das Berufungsurteil nicht erhoben, a) Die Behauptung der Kläger, die Beamten der Beklagten; mit denen sie verhandelt haben, hätten ihnen zugesichert, daß der gewünschte Vertrag abgeschlossen werde, enthält an sich • eine schlüssige Behauptung eines Verschuldens bei Vertrags Schluß (§§ 276, 278 BGB) 5 denn die hier in Be bracht kommenden Beamten der Beklagten waren, wie diese selbst vorträgt, zur Abgabe einer solchen Erklärung nicht zuständig, und konnten bei gehöriger Sorgfalt erkennen, daß eine derartige Erklärung geeignet ist, den Verhandlungspartner in den Glauben zu versetzen, daß er nunmehr mit dem Abschluß des erstrebten Vertrages sicher rechnen und ohne Gefahr entsprechende wirtschaftliche Dispositionen treffen könne. Es verneint das Vorliegen einer solchen Verpflichtung mit der Erwägung, daß die "Kläger wußten, wie sie eingestehen, daß der Kaufvertrag über das Grundstück der notariellen Beurkundung bedurfte und daß sie vor dieser Beurkundung Rechte an dem Grundstück oder auf das Grundstück nicht besaßen”. Ob diese Begründung zu billigen ist, kann zweifelhaft sein, zunal nach det: unstreitigen Parteivorbringen nicht nur ein Kaufvertrag, sondern statt seiner auch ein langfristiger Mietvertrag Gegenstand der Vorverhandlungen war, so daß auch bei Kenntnis der Kläger von der Pormbedürftigkeit eines Kaufvertrages die Höglichkeit nicht auszuschließen ist, daß die Klager das Risiko ihrer Investierungen jedenfalls in Erwartung eines Mietvertrages nicht richtig gewürdigt haben, Die Unbegründetheit der Klage auch unter dem an dieser Stelle behandelten rechtlichen Gesichtspunkt ergibt sich aber auf alle Palle aus der tatsächlichen Peststellung des Berufungsgerichts, daß die Bediensteten der Beklagten die Kläger, falls sie Investierungspläne überhaupt mitgeteilt haben, darauf hingewiesen haben, daß sie dies nur auf ihr eigenes Risiko machen könnt en-o- Bei diesen Bekundungen konnte das Berufungsgericht die hier behandelte Peststellung durchaus treffen, ohne daß es auch noch auf eine Würdigung des Schreibens der Besagten vom 29 April öder 15. Mai 1955 angekommen wäre, bei welchem die Revision bemängelt, daß es sich nicht feststellen lasse, "ob einer der Sachbearbeiter der Beklagten, mit denen die Kläger verhandelt haben, Verfasser dieses Schreibens gewesen ist Der Revision kann sachlichrechtlich zugestanden werden, daß die Bediensteten der Beklagten nach Kenntniserlangung von "vorgenommenen" Investierungen die Kläger vor weiteren Aufwendungen bis zu einer verbindlichen Zusage über den Abschluß eines Vertrages hätten warnen müssen. Selbst wenn man annehmen wollte, daß der Zeuge Bfll mBl auch ohne eine positive Kenntnis von Investierungen ode-Investicrungsvorhaben schon dann eine nähere Aufklärung hätte herbeiführen müssen, wenn er allein mit einer derartigen Möglichkeit bei einer sorgfältigen Beurteilung der Erklärungen der Kläger und der ihm bekannten Verhältnisse hätte rechnen müssen, könnte die Klage nicht als begründet angesehen werden, Benn das Berufungsgericht hat, insoweit von der Revision unangefochten, hinsichtlich der Zuständigkeit des genannten Beamten und der Kenntnis der Kläger hiervon festgesteilt? Wenn die Kläger selbst gewußt haben, daß der Beamte, mit dem sie ihre Verhandlungen über den Ankauf oder die Anmietung des Grundstücks führten, keine Entscheidungsbefugnis hinsichtlich des erstrebten Vertrages hatte, dann durften sie auch die etwaige Tatsache, daß er sie vor Investierungen nicht warnte, nicht dahin würdigen] daß sie nunmehr Aufwendungen machen könnten, für die notfalls die Beklagte einstehen müßte* Bei einer gegenteiligen rechtlichen Beurteilung derartiger Verhältnisse würde die Entschlußfreiheit des Verhandlungspartners so gut wie gänzlich ausgeschaltet 5 das würde nicht der Hechtsordnung entsprochene Unter dem Gesichtspunkt eines Verschuldens bei Verbragsschluß muß nach alledem die Klage als unbegründet angesehen werden, wie schon das Berufungsgericht mit Recht entschieden hat, 2 r) Bas Berufungsgericht hat auch einen Anspruch der Kläger aus ungerechtfertigter Bereicherung erwähnt und mit einem Satz verneint, weil nnach ihrem eigenen Vorbringen die Investitionen eine Vierterhöhung des Grundstücks selbst nicht zur j?ol-ge gehabt haben”, Bie Revision bekämpft diesen Punkt des angefochtenen Urteils mit der Rüge, daß weder ''Tatbestand noch die im Tatbestand angezogenen Schriftsätze der Kläger” ein solches Vorbringen ergäben, die Kläger vielmehr in ihrem Schriftsatz vom 30. folg zu verhelfen, weil nach dem Vorbringen der Partei eh in den Tatsacheninstanzen gar nicht davon ausgegangen werden kann, daß die Hrllon wesentlicher Bestandteil des Grundstücks geworden und dadurch in die Verfügungsmacht der Beklagten gelangt seien0 Aus diesem Grunde sind auch die in dem Schriftsatz vom 30o Mai 1956 aufgestellten Behauptungen Uber die Erwerbssumme und die Instandsetzungskosten nicht geeignet, das Vorliegen einer Bereicherung auf seiten der Beklagten darzutun,, Deshalb konnte das Berufungsgericht diesen Schriftsatz unberücksichtigt lassen. Seine Fes*tStellungen, daß das Grundstück keine Y/erterhÖ-hung durch die Investitionen der Kläger erfahren habe, konnte das Berufungsgericht »nach ihrem eigenen Vorbringen» treffen, auch wenn ein derartiges Zugeständnis in einem Schriftsatz nicht ausdrücklich enthalten war; denn maßgebend ist für die Entscheidung der Inhalt der mündlichen Verhandlung* In den Schriftsätzen ist auf alle Fälle davon die Rede, daß die Kläger - nach einem späteren Vorschlag der Beklagten - »einen Wertausgleich für die der Klägerin durch den Abbruch der Hallen entstehenden Unkosten» erhalten sollten* Das haben die Kläger als Zeichen eines Schuldgefühls der Beklagten vorge-ti’agen, und das Berufungsgericht hat darüber Beweis erhoben Daraus ergibt sich, daß zwischen den Parteien nach Abschluß des Räumungsprozesses möglicherweise überhaupt nicht mehr zweifelhaft war, daß die Kläger die Hallen abzubrechen hatten. Bas Fehlen einer gegenteiligen Behauptung konnte für den die GesamtVerhältnisse beurteilenden Tatrichter durchaus die Bedeutung gewinnen, daß die Kläger selbst zugeben, daß eine Bereicherung auf seiten der Beklagten überhaupt nicht vorliege.