BGH · III ZR 210/66
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Der IIIo Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 1« Juli 1968 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Dr» Pagendarm sowie der Bundesrichter Drn Kroft, Drc Arndt, Dr0 Hußla und Gühtgens für Recht erkannts Die Revision des Klägers gegen das Urteil des 3o Zivilsenats des Schleswig-Holsteinischen Oberlandesgerichts in Schleswig vom 11o März 1966 wird zurückgewiesen0 Der Kläger kaufte mit notariellem Vertrag vom 26o September 1955 von Rechtsanwalt Dr«, ScflB als dem Verwalter dos Nachlasses des Kaufmanns Dr0 das Grundstück Wahmstraße 54 bis 56 in BÜbeck für 115°000 DMo Auf dem Grundstück, das am i„ Oktober 1955 dem Kläger übergeben werden sollte, befinden sich unter Denkmalschütz stehende Giebelhäuser aus dem Jahre 1593* Nach § 8 Abs0 Z des Vertrages wies der Notar die Erschienenen darauf hin, der beklagten Stadt stünde ein gesetzliches Vorkaufsrecht nach dem Schleswig-Holsteinischen Aufbaugesetz zu« Spätestens Ende September/Anfang Oktober 1955 begann der Kläger, der in Hamburg ein Möbelgeschäft betrieben Alsbald nach Abschluß dieses Mietvertrages verkaufte und veräußerte die Beklagte das Grundstück an Werner Heicko Im Zusammenhang mit diesen Vorgängen hat der Kläger gegen die Beklagte unter mehreren rechtlichen Gesichtspunkten Schadensersatzansprüche hergeleitet und hierzu behauptet, die Beklagte habe ihn von dem Verkauf des Grundstücks an den Kaufmann H^BJerst am 25* Januar I960 unterrichtet, er könne, da dieser den Mietvertrag mit ihm nicht/ verlängern wolle, seine iCOsospie* ligen Verwendungen auf die Häuser (Einbauten im Werte von 65o800 DM neben anderen Aufwendungen) nicht mehr hereinholen und erleide weitere Verluste dadurch, daß er mit den Einkäufen vorsichtig disponieren müsse, bei Aufgabe seines Geschäftes ein monatliches Einkommen von rund 10»000 DM einbüße, auch die Grundstückspreise stark gestiegen seien und das Grundstück Wahm-straßo 54 bis 56 im August 1962 bereits einen Wert von etwa 500o000 BM, zu demindest von 250»000 DM aufgewiesen habe0 Art» 34 GGr dem Kläger Schadensersatz leisteno Ihr ist zuzugeben, daß die Begründung, mit der das Berufungsgericht eine Haftung der Beklagten nach diesen Bestimmungen ablehnt, nicht in vollem Umfang gebilligt worden kann0 Wie der erkennende Senat in seinem Urteil vom 28* Juni 1965 - III ZR 220/62 = WM 1965, 1153; VersR 1965, 987 = LVB1 1966, 266 in einem das Rintrittsrecht einer Gemeinde nach § 26 des Badischen Aufbau-geoetzos vom 25o November 1949 betreffenden Pall entschieden hatp war zu xmterscheidens Einmal die Ausübung des Eintrittsrechts durch die Gemeinde, die einen Vorwaltungsakt weder bildet noch voraussetzt, sondern allein eine private rochtsgeschäftliche Willenserklärung darstellt (vgla auch BGHZ 36, 155, 158), also der Vollzug dos Bintrittsz^echts als solcher, und zu dem andern das Verhalten der Bediensteten der Gemeinde bei den Vorgängen, die der Ausübung des Eintrittsz'ochts vorausgingen, nämlich bei den Erwägungen und Prüfungen, ob die gesetzlichen Vorausset-zungen für einen Eintritt in den Kaufvertrag vorliegen, Erwägungen und Prüfungen, die noch im Zuge der Wahrnehmung von öffentlichen Aufgaben anzustellen sind, welche den Gemeinden im Rahmen des Landesbau- Diese Überlegungen gelten in gleicher Weise für das Vorkaufsrecht; das im Rahmen des Schleswig-Holsteinischen Aufbaugesetzes vom 210 Mai 1949 dem Land zustand und von diesem an eine Gemeinde oder einen landkreis abgetreten werden konnte (§60 AbSo 1 und 2 doG0)o Dem steht, ganz abgesehen davon, daß es sich um allgemeine rechtliche Erwägungen handelt; nicht entgegen, daß das angefochtene Urteil von der bürgerlich-rechtlichen Hatur des Vorkaufsrechts nach dem Schleswig-Holsteinischen Aufbaugesetz spricht» daß die Beklagte bereits im Jahre 1955 mit Hfl^l^über einen Verkauf des Grundstücks W^Jstraße verhandelt oder daß die Ausübung des Vorkaufsrechts seitens der Beklagten mit der Person von HflH überhaupt irgend etwas zu tun gehabt habe» Sodann hat das Berufungsgericht erwogen s Es müsse demnach davon ausgegangen werden? der Aussage des Zeugen Sche®Bhabe die Beklagte das Vorkaufsrecht ausgeübt, um die v/citerc Entwicklung - auch hinsichtlich der erforderlichen Umlegung -lenken zu können; nach der damit im Einklang stehenden Aussage des leitenden Stadtbaudirektors Dr0 Hü® BP sei er die treibende Kraft für die Ausübung des Vorkaufsrechts gewesen, er habe einmal sicherstollen wollen, daß der Charakter der Häuser WBpstraße HB erhalten bleibe, zu dem andern aber auch ermöglichen wollen, daß die ^Bstraße verbreitert und ein Block-innenhof geschaffen werden könne» Nach der diese Bekundungen in gewisser Weise bestätigenden Aussage des Zeugen StflB babe die Beklagte in allgemeiner Übung erst nach Ausübung des Vorkaufsrechts geprüft, ob man das erworbene Grundstück wieder verkaufen könne» Es habe,, so meint das Berufungsgericht, auch durchaus Hand und Euß, wenn eine vorkaufsberechtigte Gemeinde sich zunächst einmal ein Grundstück, das aus städtebaulichen Gründen von Belang sei, durch Ausübung des Vorkaufsrechts sichere, um danach zu prüfen, ob die Belange nicht auch dadurch gesichert und billiger gesichert werden könnten, daß das Grundstück an einen zuverlässigen, zur Übernahme entsprechender Auflagen bereiten Käufer veräußert werde, die Beklagte habe Heick auch solche Auflagen im Kaufvertrag gemacht» Darnach hat das Berufungsgericht angenommen, daß die Beklagte durch Ausübung des Vorkaufsrechts das aus städtebaulichen Gründen belangreiche Grundstück W®|straße BÜB habe sichern wollen, um die weitere Entwicklung lenken zu können, nicht nur, um den Charakter der Häuser 54 und 56 zu erhalten und das Grundstück bei einer Umlegung zu verwenden, sondern auch, um eine Verbreiterung der Straße zu ermög- lieheno Eine auf solchen Erwägungen beruhende Entschließung, das Vorkaufsrecht auszuüben, hat das Berufungsgericht als sachlich und dem Gesetz entsprechend bezeichnet* Da die das Vorkaufsrecht regelnden Bestimmungen des Schleswig-Holsteinischen Aufbaugesetzes nicht revisibel sind (vgl* das wiederholt erwähnte Urteil des V* Zivilsenats vom 20* Februar 1963), ist das Revisionsgericht an diese sachlich-rechtliche Beurteilung gebunden (§ 549 ZPO)* Ver-fahrensrcchtlichc Rügen aus § 286 ZPO darf die Revision nur hinsichtlich solcher Tatsachen anbringen, die nach der vom Berufungsgericht vorgenommenen Auslegung des irrevisiblen Rechts für es entscheidungs-erheblich waren* Damit ist cs nicht vereinbar, übrigens auch kein schlüssiger Vortrag, wenn die Revision aus der Erklärung der Beklagten in der Berufungserwiderung, sie sei als öffentliche Körperschaft niemandem Rechenschaft darüber schuldig, wie sie zur Ausübung dos Vorkaufsrechts gelangt sei, ableitet, ein gesetzlicher Grund für die Ausübung des Vorkaufsrechts könne nicht Vorgelegen haben* Im übrigen gibt der Vortrag der Revision gemäß Abschn* I 3 der ReVoBegr* nur Anlaß, zu bemerkens Es mag sein, daß der Zeuge Schenk nichts davon gesagt hat, die Ausübung des Vorkaufsrechts sei notwendig gewesen, um eine Verbreiterung der W^Pstraße vorzubereiten* Wohl aber hat der Zeuge Scnatsbaudiroktor a*D0 Hii^Hpbei seiner Vernehmung am 20* Dezember 1965 bekundet nicht nur, wie die Revisionsbegründung allein anführt, es sei ihm nicht angängig erschienen, daß die alten Häuser V^Pstraße und PP zu Verkaufsräumen hätten umgcstaltet werden sollen, sondern auch, er habe als Leiter der Eauvorwaltung auch die verkehrli-che Seite, wie die Verbreiterung der bjjdstraße und äie Entkernung, d.h» die Schaffung eines Blockinnenhofes, im Auge gehabt, der Plan der Verbreiterung der Wahm-straße sei nach v/ie vor akut« Dann aber konnte das Berufungsgericht in tatsächlicher Würdigung der Dinge annehmen, die Ausübung des Vorkaufsrechts sei (auch) im Hinblick auf eine in Betracht kommende Straßenver-brcitorung beschlossen v/ordcno Damit greift in diesem Zusammenhang auch der Hinv/eis der Bevision nicht durch, die Unrichtigkeit einer solchen Annahme ergebe sich überdies aus dem Umstand, daß die Beklagte nie behauptet habe, damals seien ernstliche Plane für eine Verbreiterung der Straße in Angriff genommen worden<> Ebenso versagt die Rüge der Revision, wenn sie das Pehlen eines Vorkaufsrechts mit dem auf das eigene Vorbringen der Beklagten zurückgreifenden Vortrag des Klägers begründen will, die Beklagte habe sich bereits im Juni 1956 mit der Absicht getragen, das Grundstück wieder zu veräußern, und habe es am 31 o August 1956 der "Loge zur Weltkugel1* sowie dem Kaufmann BlJHangeboten« Dabei hatte die Beklagte noch vorgetragen - ohne daß die Revision dem einen konkreten anderen Vortrag, insbesondere nicht einen Beweisantritt des Klägers entgegensetzt sie habe den Empfängern der Angebote Vorzugsrechte aus der Umlegung zugebilligt* Dieser Vortrag der Beklagten fügt sich in die Auffassung des Berufungsgerichts ein, die Beklagte habe das Vorkaufsrecht aus-Üben dürfen, um die weitere Entwicklung auch im Hinblick auf eine Verwendung bei der Umlegung lenken zu können, habe daneben aber auch an die Verbreiterung der Y/ahmstraße gedacht« Dann aber brauchte das 2o Bas Berufungsgericht hat mit näherer Begründung ausgeführt, dem Kläger sei auch nicht dadurch ein Schadensersatzan3pruch gegen die Beklagte erwachsen;, daß diese da3 Grundstück, das sie im Jahre 1957 v/eitorzuveräußern beabsichtigt habe? Bie Revision vertritt demgegenüber ohne Erfolg die Auffassung, die Beklagte hätte das Grundstück dem Kläger wieder verkaufen müssen, und zwar, wenn sie es ihm rechtswidrig entzogen habe, bereits aus diesem Grunde, wenn aber im Zeitpunkt der Ausübung des Vorkaufsrechts ein Rechtsgrund dafür bestanden haben sollte, in Anwendung der im Urteil des Vo Zivilsenats vom 13o Juli 1966 - V ZR 161/65 - nieder-gelcgten Rochtsausführungon deswegen, weil dieser Rechtsgrund nachträglich entfallen sei* aus denen heraus er das angofochtene Urteil sowohl in der einen wie in der anderen Beziehung für unrichtig halte (§ 519 ZPO; BGH NJW 1968, 396 )„ Pies hat er nicht getan und damit war der Klagegrund des unterlassenen Verkaufs an den Kläger endgültig in verneinendem Sinn be schieden« Pas Berufungsgericht hätte sich daher mit den Klagansprüchen , soweit sie auf die Unterlassung eines solchen Verkaufs gestützt waren, überhaupt nicht sachlich befassen sollen,. 3« Auch soweit der Kläger seine Schadensersatzansprüche darauf stützt, daß die Beklagte ihm das Grundstück bloß auf zehn Jahre und nicht auf eine längere Zeit vermietet habe, ist der Revision ein Erfolg zu versagen« Pas angofochtene Urteil führt hierzu auss Es könne dahingestellt bleiben, ob Beamte der Beklagten dem Kläger eine Vermietung auf zwanzig Jahre zugesichert hätten; denn eine solche Erklärung bedürfe nach § 61 Abs« 2 der Schleswig-Holsteinischen Gemeindeordnung der Schriftform und sei nur rechtsverbindlich, wenn sie vom Bürgermeister und einem Mitglied des Magistrats handschriftlich unterzeichnet und wenn sie mit dem Stadtsiegol versehen sei, diese Porm sei auch für eine Vollmacht an einen städtischen Beamten zu Geschäftsabschlüssen im Hamen der Gemeinde nötig« Er- Biese letztere Erwägung vermag die Revision nicht zu Fall zu bringen« Wenn das Berufungsgericht sich in diesem Zusammenhang nicht mit den von der Revision auf gegriffenen Bekundungen der Zeugin Karla V/i^BI auscinandergosetzt hat-, so ist dies nicht mit der Revision dahin zu deuten-, daß es diese übersehen und unbeachtet gelassen hat, sondern dahin-, daß es diese Bekundungen für nicht beweiskräftig angesehen hat0 Bas Berufungsgericht hat sich (BTI Bl« 21) mit anderen Teilen der von der Zeugin gemachten Aussage ausoinandergesetzt, was von vornherein dagegen spricht9 daß es die hier einschlägigen Bekundungen der Zeugin übersehen haben sollte« Nimmt man hinzu5 daß die Zeugin nach ihrer Aussage ein Wissen nur aus den ihr vom Kläger gegebenen Mitteilungen hatte und daß sie in der für das Berufungsgericht entscheidenden Frage-, ob Amtsrat Stier dem Kläger eine längere Mietdauer zugesichert hat, nur sagen konnte„ soviel 3ie v;isse9 habe Amtsrat Stfll dem Kläger solche Zusicherungen gemacht9 so ist der Schluß gerechtfertigt, daß das Berufungsgericht einen ernstlich in Betracht zu ziehenden Be-weiswert der Aussage verneint hat« Bies konnte es von seinem Standpunkt aus um so eher tun, als nach der tatricht erlichen und von der Revision nicht zu erschütternden Würdigung das Schreiben der Beklagten vom 19o Hai 1958 an Werner HflB - in dem es lediglich hieß, der Kläger rechne mit einem zwanzigjährigen Mietvertrag, deshalb könne die Liegenschaftsver-waltung sich hinsichtlich des Mietrechts wegen der Verhandlungen über die Vermietung noch nicht festlegen - dafür spricht, daß dem Kläger eine bestimmte Mietdauer nicht zugesichert worden war» In dem Schreiben der Beklagten vom 24• September 1957 - auf das übrigens an der von der Revision genannten Stelle der Berufungsbogründung nicht verwiesen Ist - ist nur davon die Rede, im Ralle des Klägers sei das Mißverhältnis noch keineswegs geklärte Unter diesen Umständen brauchte das Berufungsgericht in den Gründen seines Urteils nicht im einzelnen die hier in Rede stehenden Bekundungen der Zeugin abzuhandeln<> Die Bestimmung des § 286 Ab3o 1 Satz 2 ZPO verpflichtet den Tatrichter nicht, Jeden einzelnen Parteivortrag oder Jede einzelne Zeugenaussage zu erörtern, wenn sie ihm, wie der Zusammenhang der Gründe dos angefochtenen Urteils ausweist, unerheblich erscheinto Wenn die Revision mit ihrer Rüge gemäß Abschno II 3 das Unterlassen einer fachärztlichen Untersuchung des Zeugen Stier deswegen beanstandet, weil eine etwaige Zusage des Zeugen entgegen der Auffassung des Berufungsgerichts rechtserheblich sei, so geht sie daran vorbei, daß das Berufungsgericht diese Unterlassung auch damit begründet hat, die ärztliche Feststellung, Stier leide an Gedächtnisschwäche, würde bei weitem noch nicht bedeuten, daß er die Zusage erteilt habe und sich an diese nicht erinnere0