BGH · III ZR 208/52
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
hat der III0 Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 18« Februar 1954 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Prof„Dr<> Geiger, sowie der Bundesrichter DrcPagendarm, Rietschel, Dr*Wolany und DroHußla - inspekteur abo Br erhält seit dem 1« April 1950 Gehalt nach der Gruppe B 8 von der Oberjustizkasse in den Unterschiedsbetrag zu der Gruppe B 5 (brutto 369*33 DM netto 187*84 DM monatlich) vorerst noch von der Oberjustiz* kasse in Der Streit der Parteien geht darum, ob der Kläger auch nach Abwicklung seiner Geschäfte al« Generalinspekteur im Hinblick auf Bestimmungen des Zentraljustizamts und der Britischen Militärregierung den Unterschiedsbetrag■verlangen kann und zwar von dem beklagten Land oder ob dem die auf Grund des § 27 Abs 2 c UmstG ergangene Niedersächsische lo Verordnung über Massnahmen auf dem Gebiete des Beamten-, Besoldungs- und Versorgungsrechts vom 15o Januar 1949 (GVB1 Ms 1949? Dem aus gründen der Kostenersparnis auf den Zeitraum eines Monats beschränkten Antrag des Klägers folgend, habe die Vordergerichte die Verpflichtung des beklagten Landes festgestellt, dem Kläger in dem Monat, für den erstmalig die Haftung der Oberjustizkasse-HdBB fortfällt, den Unterschiedsbetrag zwischen den Bezügen der Gruppe B 5 und B 8 zu zahlen«, Das beklagte Land hat gegen seine Verurteilung Revision mit dem Ziel der Klagabweisung eingelegt» In der mündlichen Verhandlung vor dem Revisionsgeric haben beide Parteien den Rechtsstreit in der Hauptsache für erledigt erklärt und beantragt, -"in Anwendung des § 91 a ZPO über die Kosten des Rechtsstreits zu entscheiden* Die Bestimmung des § 91 a ZPO gibt in einem Pall wie dem vorliegenden dem Revisionsgericht die Befugnis, über die Kosten des gesamten Rechtsstreits zu entscheiden (BGH IM Nr 2 z § 91 a ZPO)* Die Entscheidung ist nach der geset liehen Vorschrift unter Berücksichtigung des bisherigen Sachund Streitstandes nach billigem Ermessen zu treffen Von der Entscheidung erhofft sich, weil der mutmassliche A gang des Rechtsstreits bei'ihr zu würdigen sei, das beklag te Land eine höchstrichterliche Stellungnahme zu der als erledigt zu betrachtenden Hauptsache* Diese Auffassung des beklagten Landes wird jedoch der Bedeutung und Tragweite des § 91 a ZPO nicht voll gerecht* ■sill setzt und Beweis erhoben werden, um noch benötigte Unterlagen für eine Entscheidung darüber zu gewinnen, welche Partei in der Hauptsache unterlegen und demgemäss kostenpflichtig geworden wäre 0 Das Gericht soll vielmehr bei der Beurteilung des mutmasslichen Ausgangs des Rechtsstreits nur den bisherigen Sachund Streitstand beiü einsichtigen« Die Parteien können also auf dem Wege des § 91 a ZPO dann nicht eine ihnen erwünschte abschliessende, wenn auch in Ansehung, der Hauptsache nicht verbindliche Würdigung des Rechtsstreits erreichen, wenn das Gericht bei der Anwendung der Bestimmung in zulässiger Weise weiteren Beweisantritten nicht stattgibt und, soweit dies möglich ist, über die Kosten nur unter Berücksichtigung des bereits angefallenen Akteninhalts entscheidet« Kann sich das Gericht mangels hinreichender Klärung der tatsächlichen Verhältnisse über den Ausgang des Rechtsstreits noch kein Urteil bilden, muss allein das billige Ermessen zu einer tragbaren Lösung füh- Darüber hinaus rechtfertigt es die vom Gesetzgeber angestrebte und vom Richter im Einzelfall zu verwirklichende vereinfachte Behandlung der Kostenfrage, dass der Richter davon absieht, einen rechtlich schwierig gelagerten, in der Hauptsache bereits gegenstandslos gewordenen Rechtsstreit hinsichtlich aller für dessen mutmasslichen Ausgang bedeut samen Rechtsfragen zu überprüfen und die rechtlichen Zweifelsfragen auszuschöpfen0 Denn die in einer Notzeit als Bestandteil einer Vereinfachungsverordnung übernommene Regelung soll den Richter entlasten und ihn in die Lage versetzen? den Richter von der Pflicht freisteilen, sich unter Beantwortung schwieriger Rechtsfragen über das mutmassliche Ergebnis des Rechtsstreits schlüssig zu machen lediglich dazu« um jenes Ergebnis nach den Grundsätzen der §§ 91 ff ZPO' in verkleinertem Maßstab auf die Kostenentscheidung zu übertragen* Nicht ohne Grund stellt das Gesetz entscheidend auf das billige Ermessen ab« Bei dessen Ausübung wird der besonders zu würdigende? Nr 163 und 179 der Britischen Militärregierung (ABI BrMilReg S 836 u 1079) ^em Kläger wohlerworbene Rechte, welche Bedeutung hatte Artikel III der Verordnung' Nr 163 und in welchem Verhältnis stand er zu Artikel II VO, konnte die 1, Niedersächsische Massnahmenverordnung auf Grund der in § 27 Abs 2 c TJmstG enthaltenen Ermächtigung in jene auf zonaler Ebene liegenden Bestimmungen eingreifen, hatte die Britische Militärregierung dem beklagten Land eine über § 27 Abs 2 c UmstG hinausgehende besondere Ermächtigung erteilen wollen und erteilte Der Prüfung dieser Fragen wird der Senat durch § 91 a ZPO enthobene Da das Ergebnis, zu dem der Senat bei einer Überprüfung der Hauptsache gelangen würde, offensteht, ist -es billig, die Kosten der beiden ersten Rechtszüge gegeneinander aufzuheberu Die Kosten der Revisionsinstanz sind dagegen ausschliesslich dem beklagten Land aufzuerlegen* Denn dieses hätte auf.C-rund des § 97 Abs 3 ZPO die Kosten seiner Revision auch für den Fall tragen müssen, dass es in der Hauptsache obgesiegt hätte,, Billigerweise muss es hierbei bei der Anwendung des § 91 a ZPO bleiben*