BGH · III ZR 205/63 vom 22.02.1965
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verbindliches Entgegenkommen auf seiten der beteiligten Postbeamten gehandelt, das nicht zur Grundlage von Rechtsansprüchen gemacht werden könneo Zudem sei die Haftung der Post durch die einschlägigen Bestimmungen des post-gesetzec vom 28» Oktober 1871 - PostG - ausgeschlossen* Eie hiergegen gesichteten Angriffe der Revision können keinen Erfolg haben, da dem Berufungsgericht im Ergebnis darin beizupflxchten ist, daß die Ersatzpflicht der Beklagten für die hier von der Klägerin geltend gemachten Schäden von dem in § 6 Abs* 5 PostG normierten Haftungsausschluß mit umfaßt wird* lo) Der Senat hat in ständiger Rechtsprechung die Auffassung vertreten, daß die an die Stelle der Eigenhaftung des Beamten tretende Haftung des Staates oder des sonstigen ”Dienstherrn” des Beamten auch in Art 34 GG nicht als eine ausschließliche normiert ist, daß es sich insoweit vielmehr lediglich um eine "grundsätzliche” Regelung handelt, neben der die die Staatshaftung einschränkenden oder ausschließenden Sonderregelungen ihre Geltung behalten« Insbesondere hat der Senat die Weitergeltung der auch für die Post in verschiedenen postrechtlichen Vorschriften vorgesehenen Haftungsbeschränkungen wiederholt betont (s« die Nachweise in BGB RGRK 11« Auf!« § 839 An. 9 - 11 und ferner die Entscheidung des Senats vom 30« September 1963 in NJW 1964, 41)« An dieser Auffassung hält der Senat auch gegenüber den immer wieder dagegen laut werdenden Bedenken (vgl« u.a« Jecht in seiner Anmerkung zu der genannten Entscheidung vom 30« September 1963 in NJW 1964, 402/3 mit weiteren Nachweisen) fest« Die Haftungseinschränkung ist zu demindest in gewissem Umfang gerade bei der Post von der Sache hei' geboten« Denn dio Post könnte ihrer Aufgabe - insbesondere schnelle Abwicklung der Massenbeförderung von Briefen, Paketen und sonstigen Sendungen bei möglichst geringen Gebühren - nicht gerecht werden, wenn sie sich bei - auch nur auf geringstem Verschulden ihrer Bediensteten beruhenden - Verlusten, Beschädigungen oder Verzögerungen von Postsendungen einer uneingeschränkten Schadensersatzpflicht ausgesetzt sehen müßte« Das würde sie zu umfangreichen und kostspieligen Überwachungs- und Sicherungsmaßnahmen nötigen, die ihrerseits wieder die vom Gesamtinteresse der Postbenutzer geforderte schnelle Abwicklung des Postverkehrs in Frage stellen und ferner zu dem Allgemeininteresse widerstreitenden Gebührener- 131 WeimVerf bestand, nicht herbeifuhren wollte (vglo die Nachweise bei LH in An. unter Kr. 13 - Bl. 1028 R - zu § 839 jf BGB) - nicht in dem Sinno verstanden werden kann, daß nunmehr - mit Rücksicht auf den Wegfall des in Art. 131 Abs. 2 WelraVerf enthaltenen Vorbehalts näherer Regelung -die Staatshaftung nicht nur eine " grundsätzliche", sondern eine "ausschließliche” sei. Wenn somit auch die Weitergeltung der die Staatshaftung einschränkenden Bestimmungen nicht in Zweifel gezogen werden kann, so ist damit nichts zu der Frage gesagt, ob Art und Umfang der Haftungseinschränkungen, wie sie sich nach der jetzigen Gesetzeslage ergeben, heute noch in allen Stücken als sinnvoll und von der Sache her gerechtfertigt zu werten sind, da insoweit nicht der an das Gesetz gebundene Richter eine Änderung herbeiführen kann, sondern dazu allein der Gesetzgeber berufen ist. Zwar kann, soweit der Hoftungsausschluß reicht, die Haftung der Post auch für den Pall, daß einen ihrer Bediensteten ein Verschulden trifft, nicht auf dem Umweg Uber die Amtshaftungsbostimmungen des § 859 BGB in Verbindung mit Art« 54 GG erreicht werden« Jedoch gelten die Haftungseinschränkungen - die als Ausnahmevorschriften eng auszulegen sind - nur insoweit, als das Postgesetz oder die für die einzelnen Bondergebiete der Post erlassenen Ordnungen selbst eine Haftungsbeschränkung oder einen Haftungsausschluß vorsehen, und zwar ergreifen die Haftungsbeschränkungen oder -aus-Schlüsse jeweils nur die Schäden, die mit den besonderen Gefahren der einzelnen Bereiche der postalischen Tätigkeit, für die die Haftungsbeschränkung normiert ist, im Zusammenhang stehen« Auch in dieser Hinsicht hält der Senat an seiner bisherigen, bereits vom Reichsgericht begonnenen Rechtsprechung fest (vgl« insbesondere LM Kr«,5 zu § 256 ZPO und die bereits erwähnte Entscheidung in HJW 1964, 41)« Es kann mithin die Abweisung der Klage nicht bereits mit der Begründung gerechtfertigt werden, daß für die von der Klägerin geltend gemachten Schäden eine Haftung der Post im Postgesetz oder anderen postrechtlichen Bestimmungen nicht ausdrücklich vorgesehen sei« 3o) Da os in vorliegendem Pall um den Verlust von "gewöhnlichen Briefen" d«h« von nicht eingeschrieben und nicht unter Wertangabe aufgelieferten BriefSendungen (§ 1 Abs« II der Postordnung vom 30« Januar 1929, jetzt J 1 Abo« 4 der Postordnung vom 16« Mai 1963, BGBl I 341) geht, greift grundsätzlich der Haftungsausschluß, wie er in § 6 Abs« 5 PostG vorgesehen ist, Platz« Es kann sich mithin nur fragen, ob mit Rücksicht auf die besonderen Absprachen, die hier zwischen dem Wahlleiter Pr» und verschiedenen Bediensteten der Beklagten (Postinspektor rtfp und Post Oberinspektor Schd^P) wegen den "Behandlung Dabei mag davon ausgegangen werden, daß diese Absprachen und die im Verlaufe der Besprechungen erfolgten Zusagen sich nicht auf der einer rechtlichen Wertung entzogenen Ebene der reinen Gefälligkeiten und Konzilianz bewegt haben, daß es sich vielmehr um rechtlich qualifizierbare und besondere Amtspflichten der beteiligten Beamten begründende Absprachen gehandelt hat 0 Sine Haftung der Post wegen Verletzung der sich daraus ergebenden Amtspflichten könnte aber nur dann begründet sein, wenn es sich insoweit um Amtspflichten gehandelt hätte, die sich nicht mehr in dem Risikobereich bewegten, der seinerseits von dem hier in Hede stehenden Haftungsausschluß umfaßt wird„ So geht hier um die Beförderung von gewöhnlichen BriefSendungen, und der gesamte Gefahrenbereich, der mit der Beförderung derartiger Postsendungen in Zusammenhang steht, wird von dem Haftungsausschluß umfaßt» Bei den Absprachen ging es, wie die Klägerin selbst in ihrer Klageschrift vorgetragen hat, zunächst besonders um die Passung der Aufschrift auf den äußeren Umschlägen der Wahlbriefe. Wenn dann außerdem auch wegen der Aufbewahrung und Abholung der Briefe in den Besprechungen und dem Schreiben des Wahlleitero Br« vom 21o Oktober I960 die Rede war, so bezogen sich die dadurch etwa begründeten besonderen Pflichten doch ausschließlich auf die erst mit der Zustellung an den Empfänger beendete Briefbeförderung» V/enn aber Absprachen der hier in Rode stehenden Art Maßnahmen zu dem Gegenstand haben, die ihrerseits dem Gefahrenbereich derjenigen postalischen Tätigkeit zuzurechnen sind, für die eine Haftungsbeschränkung oder ein Haftungsausschluß normiert ist, dann ergreift der Haftungsausschluß der Post - doh» hier das Uichteintreten für den pflichtwidrig handelnden Postbediensteten - auch die Schäden, die sich im Rahmen des der Haftungsbeschränkung unterlallenden postalischen Tätigkeitsbereichs aus der Nichtbeachtung der nach Maßgabe dieser Absprachen vorgesehenen Regelung ergeben» Insoweit kann durch Absprachen keinesfalls eine Erweiterung des gesetzlich festgelegten Haftungsrahmens der Post hex'bei-geführt werden» Etwas anderes könnte, wenn überhaupt, nur dann gelten, wenn durch die Absprachen Amtspflichten begründet worden wären9 dio als von dem Gesamtbereich der Briefbeförderung und den diesem Tätigkeitsbereich anhaftenden Risiken und Haftungsgefahren unabhängig und völlig selbständig erachtet werden müßten» Davon aber kann bei den hier getroffenen Absprachen, bei denen es sich allenfalls um eine gewisse Modifizierung des normalen Beförderungs-vorgangs gehandelt hat, nicht gesprochen werden» Dabei kann dahinstehen, ob nicht diesem so begründeten Anspruch bereits der in § 115 dex* Postordnung von 1929 normierte Haftungsausschluß entgegensteben würde» Dazu kann gegenüber den Bedenken, die von der Revision gegen die Re c h t s w i r k s a m k e i t der lediglich in der Postordnung bestimmten Haftungsbeschränkung erhoben werden, auf die Ausführungen dos Senats in dem wiederholt erwähnten Urteil vom 50» September 1963 in NJW 1964, 41 unter III 1) verwiesen werden» In diesem Urteil ging es um den in § 41 Abs» 5 der Pernsprechordnung vorgesehenen Haftungsaus-schluß» Die diesen Haftungsausschluß bestimmende Vorschrift der Pernsprcchordnung, deinen Weitergeltung vom Senat bejaht ist, beruhte auf der* Vorschriften üer.;§§ 2, 6 des Reichspostfinanzgesetses vom 17. Jedenfalls aber bezog sich die - angebliche - "Rats-erteilung" allein auf die Briefbeforeerung und ist damit dem Tätigkeitsbereich der Post zuzurechnen, der insgesamt von dem Huftungsausschluß des § 6 Abs» 5 PostG umfaßt wird. weisen müssen, daß ihre Zusage "unverbindlich" sei und daß auch die Beförderung der Briefe unter "Einschreiben" sicherer und zuverlässiger sei als gewöhnliche BriefSendungen, so ist damit für die Klägerin nichts Entscheidendes zu gewinnen« Die "Zusage" mag für die Beamten durchaus "verbindlich" gewesen sein und für sie Amtspflichten begründet haben. Hier ist vielmehr allein entscheidend, ob die Post bei einer Verletzung der durch die - verbindliche - Zusage begründeten Pflichten für die schuldigen Postbedi eilst et en einzustehen hat oder nicht, Ferners Die größere BefÖrderungs-oicherheit der eingeschriebenen Post Sendungen gegenüber den gewöhnlichen Sendungen ist so allgemein bekannt, daß es insoweit eines besonderen Hinweises seitens der Beamten an Dr. Ludorf nicht bedurfte.