BGH · III ZR 204/54 vom 02.02.1956
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Über die einzelnen Gegenstände wurden Aufzeichnungen gemacht« Der Kläger behauptet aber, daß mehr beschlagnahmt worden sei« Wegen der Sachen, die nach Aufhebung der Beschlagnahme nicht zurückgegeben worden sind oder inzwischen unbrauchbar geworden waren, verlangt der Kläger vom beklagten Land Schadensersatz«* Er macht geltend, dieses habe seine Verwahrerpflichten verletzt0 Das Berufungsgericht verneint einen Anspruch aus Amtspflichtverletzung, indem es sich dem in diesem Rechtsstreit ergangenen Urteil des erkennenden Senats vom 1» Februar 1954 anscbließt, in welchem eine Haftung aus Amtspflichtverletzung wegen der anderen vom Kläger geltend gemachen Schäden verneint worden ist» Das Berufungsgericht meint aber, dass das beklagte Land für den Verlust von Baumaterial auf Grund eines öffentlichrechtlichen Verwahrungsverhältnisses zu haften habe» Die Entscheidung verletzt sowohl verfabrensrechtliehe als auch sachlichrechtliche Vorschriften* 1* Der Kläger hat zwar einen Gesamtbetrag eingeklagt, aus der Klagebegründung ergibt sich aber, daß dem geltend gemachten Betrag verschiedene Einzelbeträge zugrunde liegen - auch soweit nur der Materialverlust in Frage steht -, die sich aus gesonderten linzelansprüchen ergeben* Es handelt sich hier um verschiedene Gegenstände, für die der Kläger Ersatz verlangt, und um verschiedene Grundlagen der behaupteten Haftung des beklagten Landes, wenn man es nicht auf die Rechtsfigur, sondern auf den Tatbestand ab-stellt; denn es ist unstreitig, daß die Baumaterialien des Klägers an verschiedenen Stätten gelagert waren und daß sie einzeln an ihrem jeweiligen Ort bei den betreffenden Gewahrsamsinhabern beschlagnahmt worden sind» Mögen auch diese Beschlagnahmen im Zuge einer einheitlichen BAktion" erfolgt sein, so sind sie hinsichtlich etwaiger daraus entstandener Pflichten zur Ohhut doch gesondert zu betrachten» Baumaterialien können Verschiedenes umfassen? Auf den Einwand des beklagten Landes, daß die bei der Erbengemeinschaft HdS u» Ri^H^ gelagerten Gegenstände gar nicht dem Kläger gehört hätten und daß er wegen etwaiger Verluste deshalb auch nicht schadensersatzberechtigt sein könne,, geht das Berufungsgericht nach den gesagten Grundsätzen zu Unrecht niGht ein» Im übrigen verkennt es, daß auch bei den dem Kläger gehörenden Gegenständen aus dem Umstand, daß einzelne von ihnen nicht .zurückgegeben worden sind, noch nicht ein Grundurteil hinsichtlich des ganzen Anspruchs * der auch viele andere Gegenstände betrifft, als berechtigt angesehen werden kann» Wenn in dem angefochtenen Urteil im Hinblick auf die von dem beklagten Land selbst zugestandene Tatsache, daß einige Roll len Dachpappe und einige ChamotterÖhren nicht zurückgegeben worden seien, ausgeführt wird, es sei wjetzt schon zu übersehen, daß ein Ersatzanspruch des Klägers dem Grunde nach gegeben ist"y$so ergibt sich hieraus die unrichtige Anschauung des Berufungsgerichts über die Voraussetzungen eines Grundurteils deutliche In der Revisionsiästanzwer--den diese beiden Posten nicht mehr weiter im Streit belassen; genau so gut hätte insoweit das beklagte Land vor Rechtskraft des angefochtenen Urteils bereits Schadensersatz leisten können; dann wäre aber nicht mehr ersichtlich, ob dem Grundurteil auch noch weiterhin überhaupt eine Bedeutung beizulegen sei« Eilten festen Bestand kann es nur haben, wenn für jeden einzelnen Anspruch sämtliche Voraussetzungen der Haftung geprüft und bejaht worden sind, Der Revision ist zuzugeben, daß das Berufungsgericht mit seiner gegenteiligen Annahme, daß ein Grundurteil schon dann erlassen werden dürfe, wenn auch nur hinsichtlich einzelner Gegenstände eine Ersatzpflicht feststehe, Verfahrensvorschriften verletzt und schon deshalb aufgehoben werden muß# a) Es ist nicht richtig, daß eine Beschlagnahme als solche schon zur Verwahrung der beschlagnahmten Gegenstände verpflichteto Bas Berufungsgericht schließt sich in diesem Ausgangspunkt dem Landgericht an, beachtet aber nicht, daß die vom Landgericht angeführten Entscheidungen des Reichsgerichts (RGZ 166,218; 105,339; 104,18) sämtlich davon ausgehen, daß die beschlagnahmten Gegenstände von' der Behörde auch in ihren Besitz oder sogar ausdrücklich in Mamtliche Verwahrung” genommen worden sind«, Bie Beschlagnahme als solche bedeutet nur eine Verfügungsbeschränkung, beschränkt aber den Besitzer nicht darin,- die nach wie vor bei ihm belassenen Sachen gegen V*ritterungseiriflüsse oder Zugriffe unberechtigter Personen zu schützen» Rur wenn jemandem durch zusätzliche Anordnungen auch solche Fürsorgemaßnahmen für das Gut verboten oder durch irgendwelche Maßnahmen (z.B« durch Einschließung der Sachen) unmöglich gemacht worden wären, würde er in der Vornahme solcher Eürsorgemaßnahmen gehindert sein und dann würde für die Behörde die Pflicht entstehen, an seiner Stelle dfis Erforderliche zu dem Schutze der beschlagnahmten Sachen zu veranlassen» Bleiben aber die beschlagnahmten Gegenstände ohne jedwede weitergehende Beschränkung im Besitze des bisherigen Gewahrsamsinhabers, dann muß dieser nach wie vor auch die erforderlichen Eürsorgemaßnahmen treffen, nicht aber die Behörde (vgl auch Urteile des erkennenden- Senats vom 25* Januar 1954 - III ZR 238/52 - und IT. Ob im Vorliegenden Rail die Beamten des beklagten Landes den Gewahrsamsinhabern irgendwelche Beschränkungen im Hinblick auf die tatsächliche Sicherung der beschlagnahmten Baumaterialien auferlegt haben, muß vom fatrichter geprüft und im einzelnen festgestellt werden» Erst dann läßt sich beurteilen, ob für das beklagte Land besondere Verwahrungspflichten entstanden sind*' * , c) Auch soweit ein öffentlichrechtliches Verwahrungsverhältnis entstanden sein sollte, kann eine Haftung des beklagten Landes für Verluste und Unbrauchbarwerden von Sachen des Klägers nur so weit in Betracht kommen, als es seine Verwahrerpflichten schuldhaft verletzt hat«, So konnten die Beamten, wenn sie ihrerseits den Besitzern keine Beschränkungen in der Fürsorge für die Sachen auferlegt haben, davon ausgehen, daß zu besonderen amtlichen Sicherungsmaßnahmen kein Anlaß bestehe* Verschulden setzt weiterhin voraus, daß bei Beachtung der im Verkehr erforderlichen Sorgfalt der schädigende Erfolg vermeidbar gewesen wäre und daß der Verpflichtete in der Lage gewesen ist, die erforderlichen Vorkehrungen zur Vermeidung eines Schadens zu treffen*-Der Ausgangspunkt des Berufungsgerichts, daß der Staat nach Beschlagnahmen stets für eine besondere Lagerung der erfaßten Sachen zu sorgen habe, ist nicht richtig* Vielmehr kommt es darauf an» was die im Verkehr erforderliche Sorgfalt gebietet* Die Annahme eines öffentlichen Verwahrungsverhältnisses hat im wesentlichen den Sinn,, anstelle des verhinderten Berechtigten die Öffentliche Hand mit den normalen Obhutspflichten zu Wenn der Eigentümer selbst aber z,B, die Sachen in Freien gelagert hat, dann besteht auch für die Behörde kein Anlaß, eine andere Unterbringung vorzunehmen, es sei denn, daß sich die Verhältnisse geändert haben, wie z.B, bei Beginn einer Schlechtwetterperiode, Aber auch dann kommt es auf die einzelnen Gegenstände und darauf an9 was nach den Erfordernissen eines pfleglichen Umgangs mit den Sachen an Maßnahmen als geboten erscheinen mußte. Eine Haftung aus AmtspflichtVerletzung ist aber hier aus verschiedenen Gründen, wie schon für den anderen £eil de£ Klage vom erkennenden Senat entschieden worden ist, mit dem Berufungsgericht zu verneinen, Bas muß bei den Gegenständen, die allein durch die Länge der Zeit unbrauchbar geworden sein könnten, beachtet werden. e) Kommt das Berufungsgericht nach Prüfung der angegebenen Gesichtspunkte zu einer Haftung des beklagten Landes, so muß es auch das Vorliegen des behaupteten Mitverschuldens des Klägers oder der von ihm mit der Obhut über die Sachen betrauten Personen prüfen und gegebenenfalls eine Schadensrege-Inng gemäß § 254 BGB vornehmen» Durch die Beschlagnahme als solche sind, wie schon dargelegt, die Möglichkeiten des Klägers und der Besitzer zur Fürsorge für die Sachen nicht berührt worden» Deshalb müßten Unterlassungen von Maßnahmen, die den behaupteten Schaden hätten verhindern können, dem Kläger sugerechnet werden und zu einer Minderung oder Beseitigung seines etwaigen Schadensersatzanspruches führen.