BGH · III ZR 203/66
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Abs» 1 Ziffo 1 BBauG ist die Fortführung einer bisher ausgeübten Nutzung nur zulässig, v/enn auf dem von der Bausperre betroffenen Grundstück selbst eine solche Nutzung stattgefunden hat« Juli 1969 unter Mitwirkung des Senatspräsidenton Dr. Pagendarm sowie der Bundesrichtor Dr. Krcft, Dr. Beyer, Dr. Hußla und Keßler für Recht erkannts Auf die Rechtsmittel der Beklagten wird das Urteil des 7o Zivilsenats des Oberlandesge-richts in Köln vom 17 o November 1966 aufgehoben und das Urteil der 5«. Oktober 19639als die Klägerin etwa 20.000 cbm Kies gewonnen und abgefahren hatte, legte das Bauaufsichtsamt der Beklagten die Kiesgrube still und stellte der Klägerin eine schriftliche Ordnungsverfügung über die Stillegung zu. Am 10o Oktober 1963 hob das von der Klägerin mit dem Antrag auf Aussetzung der sofortigen Vollziehung angegangene Verwaltungsgoricht im Eilvorfahren die Vollziehung der Ordnungsverfügung auf und wies die Beklagte an, die Versiegelung und sonstige Behinderung auf den Flurstücken flP/B und^®>® zu beseitigen.Bas Verwaltungsgerioht führte in seinem Beschluß auss Ber von der Beklagten vollzogene Verwaltungsakt sei offenbar rechtswidrig; für die von der Klägerin betriebene Kiesgrube entfalle, weil sie schon vor Erlaß der Ver-änderungssperre in Betrieb gewesen sei, eine Anzoige-pflicht nach der BauO NRW,auch eine Genehmigung spf licht nach § 9 Abs. 5 FStrG;einc Strafbarkeit nach § 367 ITr. 15 StGB scheide aus; überdies sei die Anwendung von Zwang ohne vorangehenden Verv/altungsakt im Sinne von § 80 Abs. 2 Nr. 2 VwGO und § 55 Abs. 2 VwVG NRW nur in besonderen Eilfällen und erst in letzter Linie gerechtfertigt; hier hätte die Klägerin die Grundstücke nur geringfügig verändern können und eine Genehmigung nach § 9 Abs. 5 des EStrG hätte voraussichtlich erteilt werden müssen. Vergeblich beruft sich die Revisionserwiderung in diesem Zusammenhang darauf, die Klägerin habe, ausgehend von der eingetretenen Arbeitsuntorbrechung und dem Stillstand ihres Geräteparks, ihre Schäden als einen Deistungsverlust berechnet« Dieser Hinweis kann hier nichts daran ändern, daß die Klägerin ihren nach der oben v/iedorgegebenen Berechnung bezifferten Schadensersatz als einen Entgang von Kiesnutzung berechnet und als einen Einnahmeausfall geltend gemacht hat, der durch den Erlös für an anderer Stelle gewonnenen Kies gemindert worden 3ei« Insov/eit kann auch der von der Revisionserwiderung noch heran- 2» Die Klägerin hat ferner nach dem Tatbestand des Berufungsurteils angeblich während der Stillegung Arbeitskräfte und Maschinen an anderer Stelle dos Autobahnneubaues in unrentabler Yteise oinsetzon müssen, um den Zeitverlust möglichst niedrig zu halten» In der Klageschrift S» 11 hat sie,um das wirtschaftliche Ausmaß der Stillegung zu verdeutlichen, darauf hinge-wiosen, der gesamte Fuhr- und Gerätepark im Werte von ca» 6 1/2 Millionen DM habe als Folge der Stillegung zeitweise stillgestanden» In der Berufungserwiderung S» 8 hat die Klägerin hervor gehoben, ihr Schaden habe vor allem darin seine Ursache, daß ihre kostspieligen Maschinen infolge der Sperrmaßnahmen stillgelegen hätten, was zu den in der Klageschrift ausgewiesenen finanziellen Verlusten geführt habe,die Klägerin sei darauf angewiesen,mit den Maschinen ohne Unterbrechung zu arbeiten, falls ihr Betrieb rentabel sein solle. Fun können zwar Bedenken auf tauchen, ob die Klägerin diese Nachteile, hinsichtlich deren sie von einer näheren Schadensberechnung abgesehen hat, als solche zu dem Gegenstand ihres Ersatzbegehrens gemacht hat. den Betriebes und eine erzwungene Umdisponierung (nur) unterstützend als Schäden bezeichnet hat, und daß im allgemeinen nicht angenommen werden kann, ein Oberlandesgericht v/erde sachlich über Ansprüche befinden, die vor ihm nicht erhoben v/orden waren„ Damit erledigt sich auch die auf § 159 ZPO gestützte Rüge der Revisionsbeklagten, das Berufungsgericht hätte sie als Klägerin auf Zv/eifel darüber hinv/ei3en müssen, ob sie mit der Klage summe oder doch einem Teil derselben Ersatz für die eben bozoich.neten Vermögensnachteile beanspruche; bei einem Hinweis hätte sie vor dem Berufungsgericht in einer Schadensberochnung dargetan, daß sie v/ährend der Stillegung der Kiesgrube 177 o845 DM an Lohn- sov/ie Gerätovorhaltungs-Kosten ohne entsprechende Kiesgev/innung aufgov/endet und bei Berücksichtigung der geleisteten Ersatzarbeiten einen ‘'Minderbetrag'* von insgesamt 158«911 DM gehabt habeo Mithin ist davon auszugehen, daß die Klägerin diese Vermögensnachteile zu demindest zur teilv/eisen Ausfüllung der Klage summe hat verwenden wollen und verv/endet hat, es ist nunmehr darüber zu entscheiden, ob der Klägerin insoweit ein Ersatzanspruch zusteht oder nicht p Denn der Schaden der Klägerin sei jedenfalls auf die Amtspflichtverletzung der Bediensteten der Beklagten zurückzuführen, die darin liege, daß die Beklagte ohne rechtfertigenden Grund im Woge des sofortigen Vollzuges oder der sofortigen Vollziehung vorgegangen sei«, Eine Anordnung der sofortigen Vollziehung im Sinne von § 80 Abs» 2 Kr. 4 VwGO sei gegeben, falls ein der Stillegung der Kiesgrube vorangegangenes Ferngespräch zwischen den Parteien als Verwaltungsakt gewertet werde« Ein sofortiger Vollzug nach § 55 Abs« 2 VwVG NRW liege dagegen vor, wenn diese Voraussetzung nicht zu-treffo, mithin erst die Kiesgrube von der Beklagten zwangsweise geschlossen und danach die Ordnungsverfügung erlassen worden sei» Für den Fall der sofortigen Vollziehung beanstandet das Berufungsgericht zusätzlich, daß die von § 80 Abs«, 5 VwGO geforderte schriftliche Begründung dos besonderen Interesses an der sofortigen Vollziehung von der Beklagten nicht gegeben worden sei; insofern läßt aber das angefochtene Urteil eine ausreichende Darlegung vermissen, inwiefern sich das Fehlen dieser Begründung schadensursächlich ausgewirkt haben soll» Bei dem allem hat das Berufungsgericht jedoch übersehen: Es ist ein allgemeiner Hechtsgrundsatz,daß ein von einer Amtspflichtvorletzung Betroffener und Geschädigter aus der Pflichtverletzung keine Schadens-orsatzansprüche ableiten kann, wenn die Rechtsstellung, aus deren Verletzung er sich Schadensersatzansprüche berühmt, dem Recht widerspricht; namentlich ist ein entgangener Gewinn nicht zu ersetzen,wenn er rechtlich mißbilligt oder sogar verboten ist«. änderungssperre nach § 14 Nr»l BBauG die Wirkung, daß - wenn nicht eine Ausnahme von der Veränderungssperre zugelassen wurde $ § 14 Abs«, 2 - ”erhebliche oder we-sentliche wertstoigernde Veränderungen der Grundstücke”, hier der Flurstücke flp/B und nicht vorgonoimen werden durften? während nach Nr«, 2 und llr„ 3 im näher bozeichnetcn Rahmen ‘’bauliche Anlagen” nicht errichtet oder geändert worden dürfen «Handelt ein Eigentümer dem Verbot des § 14 Nr«, 1 BBauG zuwider,so verstößt er gegen geltendes Recht - die Voränderungssperrc wird im Wege der Satzung beschlossen (§16 BBauG) - und die Behörde kann seinem Zuwiderhandeln nach den allgemeinen polizeirechtlichen Vorschriften entgegentreten« Insbesondere ist die Stillegung der Arbeiten zulässig;auch kann der Eigentümer Gefahr laufen, die errichteten Bauten wieder abbrechen zu müssen, auch wenn sie im Augenblick der Errichtung noch dem geltenden Recht entsprochen haben (Schrödter, BBauG, 2« Aufl«, § 14 Rdn 3)« Ferner wird der Eigentümer bei der Festsetzung einer Enteignungsentschädigung im Hinblick auf § 95 Abs« 2 Nr« 3 BBauG für wortsteigernde Veränderungen, die während der Veränderungssperre ohne Genehmigung vorgenommen wurden, nicht entschädigt; gleiches gilt, da § 95 Abs« 2 Nr« 3 insoweit entsprechend anzuwenden ist,für die nach §§ 40 ff BBauG in Betracht kommenden Entschädigungen« Eine unter Verstoß gegen § 14 Nr« 1 BBauG vorgenommene Veränderung ist nach dem allem materiell widerrechtlich und nicht gegen ein auf die Durchsetzung der Veränderungssperre gerichtetes Vorgehen der Beklagten geschützt« Allerdings werden nach § 14 Abs« 3 BBauG ”Unter-haltungsarbeiten und die Fortführung einer bisher aus-geübten Nutzung” von der Veränderungssperre nicht berührt« Biese Bestimmung hat das von der Klägerin ange- Außerdem spricht gegen die Klägerin; Selbst wenn man zur Unterhaltung auch Maßnahmen rechnen könnte, mit denen fortgeschrittenen technischen Bedürfnissen Rechnung getragen wird, und den Begriff Fortführung der bisherigen Nutzung als auch in die Zukunft weisend verstehen wollte, so geht doch eine Kiosausbeute in dem 'Umfang, wie sie die Klägerin ihrem Schadenoersatzanspruch zugrunde legt, über solche Maßnahmen hin- 5 behauptet , die Klägerin in der Berufungserwiderung vom 15 o Juni 1966 So 69 7 bestritten hat, zwei räumlich getrennte Gruben eröffnet und betrieben wurden, die eine von der Firma die andere auf einer vorher als Acker genutzten Fläche von der Klägerino Hach dem eigenen Vortrag der Klägerin (aaO) arbeitete aber die Firma mit herkömmlichen Geräten, die Klä- gerin dagegen mit hochmodernen Geräten, die eine andere Abbauweise dos Kieses ermöglichten * Die durchschnittliche Entnahme von Kies soll sich nach dem Vorbringen der Klägerin auf eine Tagesmengc von nicht weniger als 8o000 cbm belaufen haben» Die Beklagte hatte ihrerseits hervorgehoben, die Klägerin habe die Nutzung in nicht vergleichbarem Maße gesteigert,schon in der erhöhten und schnelleren Auskiesung liege eine Veränderung der bisherigen Nutzung. Die Klägerin wollte daher in einem Ausmaß den Flurstücken Kies entnehmen, daß nicht eine bloße Fortführung der bisherigen Nutzung angenommen werden kann, wobei zu bedenken ist, daß das Gesetz von der Fortführung einer bisher ausge-Ubten Nutzung, nicht Nutzungsraöglichkoit spricht (vgl. Die Klägerin war nach dem allem zu der von ihr begonnenen und weiter beabsichtigten Nutzung, solange nicht zu ihren Gunsten eine Ausnahme von der Ver-änderung3sperrc zugelasscn war, sachlich-rechtlich nicht befugt.