BGH · III ZR 199/54
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
wenn sichergestellt wäre, daß der Kläger nach Abzug aller Kosten einen Barbeträg von 65 »000 DM auf seih Bankkonto in Hannover erhalten würde« Mit der Bewerkstelligung des Verkaufs hatte der Kläger schon vorher den Makler betrauto Dieser erklärte dem Beklagten, daß der Klä- Neubeiser hinterlegte zusammen mit den Maklern und MaflHI, nachdem vorher im Büro des Beklagten vereinbart worden war, daß die drei Makler das.Geschäft gemeinsam tätigen und einen Überpreis unter sich teilen würden, bei.dem Beklagten 72„000 DM; der Kläger erteilte in Gemeinschaft mit eine Vollmacht zur Empfangnahme daß er die Kosten des vorliegenden Prozesses auf Rechnungslegung -übernehme* Dadurch ist dieser' Prozeß für die Parteien mit der Maßgabe erledigty daß sich der Kläger vorbehält, je nach Maßgabe des Ausgangs gegen die Maklergruppe den Beklagten aus Anwaltsversehen wegen des evtlo Ausfalles in Anspruch zu nehmen* VoUogo” daß er erst und nur dann in Anspruch genommen werden dürfej wenn der Kläger zuvor gegen jeden der beteiligten Makler vorgegangen sei und hierdurch keine Schad1osha11ung erreicht habeo Pas Berufungsgericht meint aber* der Erklärung des Klägers könne "ihrem Wortlaut nach nur die Bedeutung beigemessen werden; daß der Kläger lediglich zu dem Ausdruck: hat bringen wollen« daß weder das Nichtweiterhetreiben des Vorprozesses gegen den Beklagten.« noch ein etwaiges Vorgehen gegen die Makler als ein Verzicht auf seine vermeintlichen Ansprüche gegen den Beklagten sollte aufgefaßt werden können”* Pamit wird der f raglichen Erklärung überhaupt huf idie Bedeutung einer Klarstellung dahin« daß der Kläger auf seine Ansprüche gegen den Beklagten nicht verzichten wolle* beigeü^t und das Vorliegen irgend einer Verpflichtungserklärung des Inhalts« daß er gegen den Beklagten nur unter gewissen Voraussetzungen Vorgehen-werde? Ansprüche gegen den Beklagten auf sich genommen habe, überhaupt kein Streit bestanden, weil auch der Kläger selbst insoweit nichts anderes vorgetrageh hat als der In dem Streitverkündungsschriftsatz an den Beklagten in dem Vorprozeß des Klägers gegen den Makler hat d-er Kläger ausgeführt, zwischen den Parteien des jetzigen Rechtsstreits sei eine "Vereinbarung dahin getroffen" worden, daß "der Anspruch auf Schadensersatz aus Anwaltsversehen Vorbehalten bleibe für den Fall, daß der Kläger sich nicht an dem Beklagten schadlos halten könne oder dieser teilweise nicht zahle", und in der Klageschrift des vorliegenden Prozesses, hat der Kläger ausgeführt* daß "die Voraussetzungen des Vergleichs für die Geltendmachung der Ansprüche des Klägers gegen den Beklagten" Vorlagen«, Damit stimmen die Erklärungen beider Parteien dahin überein, daß der Kläger sich verpflichtet habe, gegen den Beklagten nur unter den Voraussetzungen des Vergleichs vom 28* August 1950 vorzugehen* Das.Gericht kann nicht anstelle dieses unstreitigen Sachverhalts im Wege der Auslegung etwas anderes setzen* % Streitig ist unter den Parteien nur, ab der Klager nach-dem Vergleich gegen den Beklagten erst dann klagen dürfe, wenn er zuvor gegen jeden der beteiligten Makler vorgegangen sei, oder ob es genüge, daß er von dem Makler • gegen den er ein obsiegendes Urteil erstritten hat, mangels pfändbarer Habe nichts erlangen könnec Streitig 1st nicht die Frage, ob der Kläger eine Beschränkung , in der Verfolgung seiner Ansprüche gegen den Beklagten . auch zu diesem wirklichen Streitpunkt Stellung nehmen willo Es wird vom Berufungsgericht zwar ausgeführt, es an jedem Anhaltspunkt dafür fehle, daß «der Sinn der Erklärung« des Klägers der gewesen sein sollte, «eine bindende Verpflichtung zu übernehmen, gegen den Beklagten erst nach vorheriger Inanspruchnahme sämtlicher drei •Makler vorzugehen«, daß es als zweifelhaft erscheinen müsse, ob der Kläger überhaupt von den Maklern und mit denen er in keinem Vertragsver- hältnis gestanden habe, etwas verlangen könnte, und daß «ohne weiteres angenommen werden« könnte, daß die Parteien eine andere Formulierung gewählt hätten, «wenn ihrem Willen die Annahme einer bindenden Verpflichtung durch den Kläger entsprochen hätte, gegen den Beklagten erst nach vorheriger'Inanspruchnahme aller drei Makler vorzugehen« 0 Da aber in diesen Ausführungen-wiederholt die Frage, ob eine «bindende Verpflichtung« vorliege, herausgestellt wird, ist es möglich, daß mit allen eben wiedergegebenen Wendungen überhaupt nur zu der Frage der Übernahme einer Verpflichtung Stellung genommen werden sollte* Doch dem mag sein, wie es wolle0 Auch wenn das Berufungsurteil dahin zu verstehen sein sollte, daß nach ( der ..Meinung des Berufungsgerichts vom Kläger auf keinen Fall eine Verpflichtung dahin^übernommen worden sei,^den Beklagten erst dann in Anspruch zu nehmen, wenn er zuvor gegen alle drei Makler vorgegangen sei, würde darin«'eine das Revisionsgericht bindende Entscheidung <|£deht liegen* Der Beklagte hat ausdrücklich vorgetragen, daß mit dem Ausdruck "Makiergruppe” alle drei beteiligten Makler bezeichnet worden seien; der Kläger seinerseits hat, nicht behauptet, daß sein Vertreter;bei dem Vergleich vom 28* August 1950 nur^an den Makler NflHHl gedacht hätte, sondern hat zur Erklärung des Gebrauches des Wortes "Maklergruppe" allein dies angeführt:, daß seinem damaligen Vertreter die Zusammenhänge noch nicht ganz klar gewesen seien* Bas schließt aber nicht aus, daßsfieser dennoch den Willen gehabt haben kann, dem Beklagten zuzugestehen, daß gegen ihn erst dann vorgegangen werden würde,, wenn zuvor die gegen jeden einzelnen Makler gegebenen Ansprüche geltend gemacht worden wären* Das Berufungsgericht durfte sich nicht der Feststellung der tatsächlichen Gegebenheiten und der Würdigung des gesamten Parteivorbringens mit der Erwägung entziehen, daß "ohne weiteres" angenom-e men werden könnte, die Parteien hätten "eine andere Formulierung" gewählt, wenn sie den vom Beklagten behaupteten Willen hätten erklären wollen* wie die Revision mit Recht geltend macht, nicht auf die einseitige Erklärung des Vertreters des Klägers* sondern darauf an* was dem "Vergleich" nach § 157 BGB zu entnehmen ist* Von einem Vergleich gehen beide Parteien übereinstimmend aus, wie schon oben därgelegt worden ist«, worden ist* Der Ausdruck "Gruppe" deutet sö klar auf eine "Mehrheit" von Personen hin, daß man davon ausgehen kann, daß von einer entsprechenden Vorstellung au<äi die Partei-Vertreter des Vorprozesses erfüllt gewesen seien« Es kommt im vorliegenden Falle hinzu, daß der eine Makler NflHB bereits Mitbeklagter des Vorprozesses gewesen ist; er war, wenn er sich auch an dem Vergleich nicht beteiligt.hat, in der Verhandlung, in der dieser Vergleich abgeschlossen worden ist, vertreten« Hätte man nur an ihn denken wollen, so wäre es das Nächstliegende gewesen, daß man auch dem Ausdruck nach in dem Vergleich nur von dem "Mitbeklagten" *po'äo gesprochen hätte« Selbst die eigene Erklärung des Klagers im gegenwärtigen Prozeß, daß der Ausdruck "Maklergruppe" gebraucht worden sei, weil sein Vertreter noch keine genaue Kenntnis der Vorgänge bei dem Grundstücksverkauf gehabt habe, spricht mehr für die Darstellung des Beklagten als für die Schlußfolgerungen des Klägers; denn gerade dann, wenn man noch nicht von der jetzt vom Kläger vertretenen Meinung, daß er gegen die beiden anderen Makler keine Ansprüche habe, ausgegangen ist, muß es als naheliegend erscheinen,‘daß man etwaige auch gegen diese beiden Makler vorhandenen Ansprüche mit in die Regelung einbeziehen wollte« .stützt sich darauf, daß ihm gegen die beiden anderen Makler keine Ansprüche zustünden* Darauf beruft er sieh schon in der Klageschrift, um darzutun, daß er die Voraussetzungen des Vergleichs erfüllt habe* Wenn es wirklich so wäre, daß an irgendwelche Ansprüche gegen die beiden anderen Makler nicht zu denken wäre, dann müßte man möglicherweise bei Berücksichtigung von Treu und Glauben^dem Vergleich trotz Gebrauchs des Wortes "Maklergruppendie ihm vom Kläger bei-gelegte Bedeutung beimessen« Aber die Voraussetzung trifft nicht zu* Gerade wenn der Kläger mit den beiden anderen Maklern, wie er behauptet, in keinem Vertragsverhältnis gestanden hatV kann ihm gegen diese ein Anspruch aus ungerechtfertigter Bereicherung erwachsen sein; daß der Beklagte bei der Auszahlung der Beträge an diese beiden Makler nur als Vertreter des Klägers gehandelt hat, müßte nach den Umständen (§ 164- Abs 1 Satz 2 BGB) für jeden Beteiligten klar sein* Daß die Auszahlung vom Beklagten vorgenommen worden wäre, um allein eine Schuld des Klägers gegenüber dem’Makler NflHHHi zu erfüllen, ist nicht ersichtlich; vielmehr muß davon ausgegangen werden, daß der Beklagte bei den Zahlungen an die beiden anderen Mäklet*auch nur deren eigene Forderungen gegen den Kläger begleichen wollte.» Muß man aber von der Möglichkeit,daß dem Kläger auch gegen die beiden anderen Makler Ansprüche zustehen, ausgehen, dann liegt es durchaus im Rahmen von Treu und Glauben, wenn dem Vergleich die seinem Wortlaut am meisten entsprechende Bedeutung beigelegt und der Kläger für verpflichtet gehalten wird, zuerst auch seine Ansprüche gegen die beiden anderen Makler geltend zu machen* Den Beklagten soll er nach dem insoweit klaren Wortlaut des Vergleiches nur wegen eines "Event!.-Ausfalles” in Anspruch nehmen« Das erfordert aber, daß er zuvor alle vorhandenen Möglichkeiten einer anderweiten Schadloshaltung gegenüber den Maklern erschöpft* Der Vergleich ist auf der Grundlage geschlossen worden, daß der Kläger sich überzeugt hatte, daß dem Beklagten nicht irgend ein untreues Verhalten vorgeworfen werden könne; deshalb ist die hierauf bezogene Erklärung besonders hervorgehoben worden* Wenn aber dem Kläger kein Vorwurf des Inhalts zu machen ist daß er irgendwelchen Machenschaften der Makler bewußt Vorschub geleistet hätte, so kann sein Verschulden nur noch darin erblickt werden, daß er sich durch den Makler hat bestimmen lassen, dessen Angaben zu trauen, anstatt dem Kläger über alle Vorgänge Mitteilung zu machen und seine Entscheidung einzuholen, bevör er über den Erlös verfügte,, Auf dieser Grundlage muß es aber als ein durchaus billiges und nicht außergewöhnliches Zugeständnis erscheinen, daß der Kläger Versuchen will, zunächst die un-mittelbar auf seine Kosten Bereicherten in Anspruch zu nehmen, bevor er wegen eines etwaigen Ausfalles gegen den Be-klagten vorgehto Gegen diesen könnte er, wie auch das Berufungsgericht annimmt, nur Schadenersatzansprüche wegen nicht sorgfältig erfüllter Vertragspflichten haben* Diesen Schadensersatz brauchte der Beklagte nur zu-leisten, wenn ihm gleichzeitig die Ansprüche des Klagers gegen die Makler abgetreten würden* Wenn die Parteien anstatt’ diesen Weg einzuschlagen, dahin übereingekommen sind, daß der Klager vor einem Rückgriff auf den Beklagten die Mög- Hat man aber den Vergleich vom 28« August 1950 in diesem Sinne auszulegen, dann muß die gegenwärtige Klage, als verfrüht und deshalb als unbegründet angesehen werden Daß der Kläger aus tatsächlichen Gründen auch von den bei-?.« den anderen Maklern nichts erhalten könne, ist nicht behauptet worden* Die Berufung des Beklagten auf den Ver- •• gleich verstößt somit.auch nicht gegen § 242 BGBo Hach den vom Kläger nicht bestrittenen Behauptungen des Beklagten haben die beiden Makler O^HHül^HBund kann der Beklagte nach dem Vergleich vom 28o August 1950 nicht in Anspruch genommen werden; deshalb muß die Klage in vollem Umfange abgewiesen werden.