BGH · III ZR 195/56
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
September 1949 von der Außenhandelsstelle der Verwaltung für Ernährung, Landwirtschaft und Porsten (VFLF) des Vereinigten Wirtschaftsgebietes, die später eine Dienststelle der beklagten Bundesrepublik wurde, auf Grund ihrer Bewerbung die Lizenz, 50 i Sprühvollmilch-pulvor aus Dänemark einzuführen. August 1949 machte die Außenhandelsstelle zur Bedingung, daß die Ware nur nach ihren Weisungen in Vorkehr gebracht und von der Lizenz nur gegen die Verpflichtung Gebrauch gemacht werden dürfe, den noch aufzugebenden Abschöpfungsbotrag abzuführen. Die Ware lief an der Grenze in Flensburg in der Zeit vom 4* Dezember !949 bis 9o Januar 1950 ein* Mit einer Bekanntmachung Nr* A 4 vom 13« Oktober 1949 (BAnz 1949 Nr« 10 S« 1) hatte die Außenhan-delsstelle VELF zur Anwendung des AbschÜpfungsverfahrcns gemäß dem Importausgleichsgosetz darauf hingowiesen, daß die Einfuhrpreisstelle für Vollmilchpulvcr einen "Inlandspreis für den J.mporthandol festgestcllt" habe von 380 DM je 100 kg« Eine Veröffentlichung vom 21« November 1949 (BAnz 1949 I7r« 2G S« 2) änderte diese Bekanntmachung dahin ab, daß als Berochnungs-grundlage für die Erhebung der Abschöpfungsboträge von einem Abgabepreis von nur 330 DH je 100 kg fUr den Großhandel auszugehen sei« Am 28« November 1949 teilte die Außenhandclsstclle der Klägerin mit, daß die Blockierung der Ware aufgehoben sei und sie die Ware in den Verkehr bringen könne« Die Klägerin verkaufte die Y/are erst im Juli 1950 mit Verlust* Klägerin zu zahlenden Abschöpfungsbetrag auf 17o378,78 DM fest, hob die'se Festsetzung aber äm 22« September wieder auf, weil die Klägerin die Ware erst nach dem 9° April 1950 eingeführt hatte, als für Milchpulvor kein Importausgleich mehr erhoben wurde (vgl« ABI ELF 1950 S« 71). Die Klägerin will ohne Berücksichtigung des entgangenen Gewinns einen reinen Verlust von 73.186,23 DM erlitten haben, für den sie die beklagte Bundesrepublik auf Ersatz in Anspruch nimmt« Zur Begründung hat sie insbesondere vorgetragen: Der zu hoch festgesetzte Abgabepreis habe absatzhindernd (prohibitiv) gewirkte Das habe der Absicht der Beklagten entsprochen, weil sie den Absatz der alten Bestände der Einfuhr- und Vorratsstelle habe ermöglichen wollenw Pas sei eine Amtspflichtverlctzung der Klägerin gegenüber. Eine weitere Pflichtverletzung liege darin, daß die Beklagte den Handel nicht gewarnt und den für die Abschöpfung maßgeblichen Abgabepreis auch in der Folgezeit nicht herabgesetzt habe$ das sei erst nach Verhandlungen im Jahre 1952 13* Oktober und 21o November 1949 veröffentlichten Preise seien erkennbar nur Richtpreise gewesen«, Der am 21 o November 1949 veröffentlichte Abgabepreis von 330 DU habe der damaligen Marktlage entsprochen* Die Festsetzung sei nicht erfolgt, um den Absatz der Bestände der Einfuhr- und Vorrats stelle zu ermöglichen, sondern auf Grund der Marktbeobachtung» Ein Absinken der Preise unter die Höchstpreise hätte die Klägerin in jener Zeit schon bei der Ausschreibung in Betracht ziehen müssen* Auf die Notwendigkeit längerer Blockierung habe die Ausschreibung hingewiesen«, Die Klägerin habe alle diese Gefahren bewußt in Kauf genommen* Die großen Bestände der Einfuhr- und Vorratsstolle seien den Fachkreisen bekannt gewesen«, Die Klägerin hätte die Ware früher importieren und nach Aufhebung der Blockierung noch ohne Verlust verkaufen können» Ihr Fchaden sei nur darauf zurückzuführen, daß sie ein aus dem Rahmen ihres sonstigen Betriebes fallendes Geschäft ohne genügende Sachkenntnis durchgeführt habe* Der sachkundige Fachhandel habe sich an diesen Importen kaum beteiligt* Die Anordnungen über die Abgabepreise seien Rechtsverordnungen| bei Erlaß derartiger Verordnungen habe die Beklagte keine Amtspflichten der Klägerin gegenüber gehabt» Ansprüche aus Enteignung beständen nicht, weil Bewirtschaftungsmaßnahmen nur eine entschädigungslose soziale Bindung des Eigentums seien* Das Landgericht hat die Klage abgewiesen« Die Berufung der Klägerin ist ohne Erfolg geblieben» Mit ihrer Revision verfolgt sie den Klaganspruch weiter» Die Beklagte bittet um Zurückweisung des Rechtsmittels» Das Berufungsgericht hat folgendes festgestellt bzw® ausgeführts Tie vorläufige Blockierung der Importe sei auf Anweisung der Jeia, einer Dienststelle der Bcsatzungsmaeht rechtmäßig erfolgt5 die Klägerin habe sich der dahingehenden Ausschreibung freiwillig unterworfene Nach Aufhebung der Blockierung hätte die Klägerin sogleich verkaufen müssen und ohne Verlust bis Ende Dezember 1949 verkaufen können, doch habe sie bis zu dem Sommer 1950 keine ernsthaften Verkaufsversuche unternommeno Die Bekanntmachung vom 21® November 1949 sei nicht erfolgt, um einen Absatz der Bestände der Einkaufsund Vorratsstolle zu ermöglichen® Der Preis habe der damaligen Marktlage entsprochen® Die Klägerin hätte den Markt .beobachten, die Gefahr erkennen und auch zu einem Preis unter 330 DM verkaufen müssen® Die Abschöpfung nach einem über ihrem Erlös liegenden Preis hätte sie anfechten können® Ansprüche aus Enteignung beständen nicht, da der Klägerin ein Sonderopfer nicht äbgenötigt worden sei® Die dagegen eingelegte Revision ist begründet, weil das Berufungsgericht dem Antrag auf Vernehmung des Sachverständigen Weber nicht entsprochen hat® Das Berufungsgericht hatte von dem Sachverständigen ein schriftliches Gutachten erfordert® Nach Kenntnisnahme dieses Gutachtens beantragte die Klägerin mit eingehender Begründung im Schriftsatz vom 3* Mai 1956; den Sachverständigen zur mündlichen Erläuterung seines Gutachtens zu laden, um ihm Vorhaltungen machen zu können«, Nach §§ 397.* Das Urteil erörtert - von seinem Standpunkt aus zutreffend - nicht die Rechtsfolge, die sich aus der Festsetzung eines unrichtigen Preises ergeben würde® In diesem Falle hätte die Außcnhandelsstclle eine ihr der Klägerin gegenüber obliegende Amtspflicht verletzt® Denn die Pflicht zur sachgemäßen Anwendu)ig des Importausgloichsgesetzes, insbesondere die Pflicht, nur echte Gewinne abzuschöpfen, bestand auch den Importeuren gegenüber® Keinesfalls handelte es sich dabei um Ausübung gesetzgebender Gewalt® Bisher kann auch eine Haftung aus § 839 BGB nicht mangels Verschuldens der Außenhandelsstelle ausgeschlossen werden? Darüber hinaus könnte durch die Feststellung, daß die Außenhandelsstelle den Abgabepreis unrichtig festgesetzt hat, die Behauptung der Klägerin an Gewicht gewinnen, die Beklagte habe das bewußt getan, um der Einfuhr- und Vorratsstelle* zu ermöglichen, ihre überalterten Bestände an Milchpulvcr noch absustoßen® Das alles läßt sich jetzt endgültig noch nicht entscheiden, weil nicht abzusehen ist, welche Feststellungen das Berufungsgericht hei einer Vernehmung des Sachverständigen treffen wird® Bas Urteil muß- daher aufgehoben werden, / ohne daß es einer Erörterung'weiterer von der Revision aufgeworfener Prägen bedarf« -Die Entscheidung Liber die Kosten ' der Revision .war dem Berufungsgericht zu Überlassen„: