BGH · III ZR 190/50 vom 25.01.1951
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Der Kläger vertritt die Auffassung; dass er naoh*dem Zusammenbruch Beamter des Beklagten Landes geworden sei« Gestützt auf $ 40 Ab8 4 des Sohleswig-Holst ein!sehen Gesetzes zur Fortführung und zu dem Abschluss der Entnazifizierung vom lo« Februar 1948 verlangt er von dem beklagten Land ab 1« Mai 1948 Wartegeld nach seiner Besoldungsgruppe unter Zugrundelegung seines Besoldungsdienstalters, und zwar für die Zeit vor der Währungsreform den Betrag von insgesamt 67,67 DM und ab 1« Juli 1948 einen monatlichen Betrag von 282,38 DM* Das beklagte Land vertritt die Auffassung', dass der Kläger nach dem Zusammenbruch nicht Beamter des Landes, sondern der Stadt Flensburg geworden sei, weil die vorwaltungspoli-zeilichen Aufgaben, mit denen der Kläger betraüt gewesen sei, auf diese übergegangen seien; er müsse daher seine Ansprüche gegen die Stadt Flensburg richten* .Das beklagte Land hat gegen das Urteil Berufung eingelegt das Vorbringen des ersten Rechtsspruohes wiederholt und unter Hinweis auf Art 131 Satz 3 GrundG geltend gemacht, dor Rechtsweg-sei zur Zeit unzulässig. Der Kläger hat im Berufungsrechtszug hilfsweise beantragt die Hauptsache im Hinblick auf Art 131 Satz 3 GrundG für er* . Das Oberlandesgericht hat diese Frage verneint und die Klage mit"Rücksicht auf Art 131 Satz 3 GrundG als zur Zeit , Gegen das Erteil hat der Kläger Revision eingelegt mit dem Antrag, d^s Urteil aufzuheben und.die Sache an das Berufungsgericht zurüokzuverweisen. " Vorbehaltene anderweitige lande ere cht liehe Regelung*1 umfasse nicht nur Zukünftige, sondern auch die bei Inkrafttreten dos Grundgesetzes bestehenden Landes/;c setze» mithin auch das Schleswig-Holsteinische Entnazifizierungsgesetz; der Rechtsweg • sei daher auf Grund dieses Gesetzes gegeben# Für den Fall der Unzulässigkeit des Rechtsweges rügt die. Zutreffend hat das Berufungsgericht ausguführt, dass für die venac'^ensrechtlichcn Ansprüche des Klägers auf Zahlung dec Wartegcldes dev Rechtsweg ;;ulässig ist» soweit deip nicht Art 151 Satz 3 GrundG zur Zeit entgegensteht» der bestimmt» dass F.cchtsanspruehe der in Art 131 Satz-1 und 2 genannten Art bis zu dem Inkrafttreten des dort vorgesehenen Bundeögesetzes "vorbehaltlich anderweitiger landesrechtlicher Regelung nicht geltend £oracht werden können*" Die Revision verneint einen solchen Ausschluss dos Rechtsweges aus verschiedenen Gründen. Jedoch bedarf es hier keiner-'Prüfung der von der Revision in diesem Zusammenhang aufgeworfenen Fragen» ob Art 131 GrundG rechtsgültig ist und ob der Kläger als ..durch die Suspendierung nach seiner Ansicht nicht rechtlich»* sondern nur tatsächlich ausgesohiedener LoPanter* zu dem-durch Art 131 betroffenen Personenkreis gehört, zu denari der Senat in dem zur Veröffentlichung vorgesehenen Urteil vom 15. dos Schleswig-Holsteinischen Gesetzes £ur Portführung und zu dem Abschluss der Entnazifizierung vom lo» Pebruar 1948 (• GVB1 SchlH 1948,39) die in Art 131 GrundG Vorbehaltene "anderweitige landosrecktliche", u-.’s Die Präge, ob die "anderweitige lahdesreehtliohe Regelung" ..im Sinne des Art 131 Satz 3 nach.Erlass des Grundgesetzes ergangen st>in muss,(so das Sohle sw »Holst* OLG in der angefochtenen Entscheidung uni in ständiger Rechtsprechung z.B» DVerw ,1949, 50oj OVG Hamburg DVerw 1949, 588), oder ob sie auch vorher,. jedoch zur Regelung der seit dem Zusammenbruch aufgetretenen ZWoifelsfr&gen bei Beurteilung der• Rechtsverhältnisse des von Art 131 umfassten PorsonenfcreisGs getroffen sein Kann (so OLG Düsseldorf DRZ 1949, 476,- LAG Kiel HB 1949, 742; LAG Schleswig SchlHA 195o, 23; OVG Lüneburg DVerwBl 195o, 4*7; Baohef DRZ 1949, 555$ Krüger.HJW Hamburg (DVerw 1949, .588) verlangen, daß die " anderweitige landesrechtliche Regelung" sich gerade auf den in Art 131 angoordneton Stillstand der Rechtspflege bezieht, al30 den durch das Grundgesetz verschlossenen Hecht sw cg wieder ausdrücklich öffnet; es sei nach Erlass dos Grundgesetzes ein neues Land30gesetz erforderlich, das den Hechtsweg entgegen der Bestimmung des Art 131 Satz 3 eröffne; es könne nicht etwa aus dem Umstand allein, dass das Landesrecht beim Inkrafttreten des Grundgesetzes bereits die nach dem Zusammenbruch zweifelhaft gewordenen Rechtsverhältnisse des betroffenen Personenkreises vollständig oder teilweise geregelt habe, der Schluss gezogen werden, dass schon darin eine Zulassung des Rechtsweges liege* Zweifelsfragen über die Rechtsverhältnisse dieses Personenkreises zur Wiedereröffnung des Rechtsweges hätte genügen sollen, hätte lauten müssen "vorbehaltlich landesrechtlicher Regelung11 oder "bis zu dem Inkrafttreten des Bundcsgosetzes verbleibt es bei etwaiger landesrechtlicher Regelung" * Sicherlich wäre die zuletzt genannte Fassung völlig eindeutig gewesen und hätto die jetzt aut{ getauchten Zweifelsfragen ausgeschlossen« Die vom Gesetzgeber vorwandte' Wendung "vorbehaltlich anderweitiger landesrechtlicher % Heilung" kann sich jedoch de» Zusammenhang nach sowohl auf die prozessuale Regelung in Satz 3 wie auch auf.die in Satz 1 und 2 • in Aussicht'genommene materielle Regelung beziehen (Bachof DRZ 1949, 555.,* LVG Düsseldorf DVerwBl 195o, 147)# Dann besteht aber-nach dem Vom Gesetzgeber gewählten Wortlaut die Möglichkeit, daß ^ der Gesetzgeber auch bei materieller landtsrechtlicher Regelung dieser in ihrem Bestand.e Mit dem Wortlaut des Art 131 ist daher auch die Auslegung vereinbar, dass unter der Vorbehalt enen 11 lande srecht liehen Regelung" jede land esr echt liehe Re- Das Berufungsgericht leitet' seine Ansicht weiter auch aus dem Zweck des Satzes 3 her, den es darin erblickt "eine (wegen der vorgesehenen einheitlichen bundesrechtlichen Lösung) nur vorläufige Rechtsprechung*auf diesem Gebiete zu verhindern"; es führt dazu weiter aus: Würde es bis zu dem Inkrafttreten des vorgesehenen Bundesgesetzes bei der inzwischen etwa eingeführten landesrechtlichen Regelung verbleiben,' so müsste es entgegen dem' Sinn des Art 131 zu einer vorläufigen Rochtsprechung auf diesem Gebiete kommen, umsomehr, als es unklar bliebe, wieweit zur Auslegung und Ergänzung der landesrechtlichen Bestimmungen auf das Reichsbeamtenrecht zurüokgegriffen werden könne« Den Zweck des Satzes 3 glaubt das Berufungsgericht der Entstehungsgeschichte des Art 131 entnehmen zu können« Art 131 Satz 3 sei in der 4o« Sitzung des Hauptausschuss.es des parlamentarischen Rates gerade eingefügt worden, um "untragbar erscheinende Auswirkungen inzwischen ergehender Urteile abwenden zu können«w Dabei hat das Berufungsgericht aber diesen Satz aus dem [Protokoll des Hauptausschusses nicht seinem Zusammenhang nach gewürdigt« Zwar hat Die ersten Gerichtsurteile lägen schon vor, dass der betreff, de entlassene Beamte in Anbetracht seines günstigen Ent« nazifizierungsbescheide8 Beamter geblieben sei; die Aus- , Wirkungen solcher Urteile auf die Bundes— und Ignderfinaa seien nicht abzusehen." Er stellt seine Ausfüldnmgen also gerade nicht auf die nach dem Zusammenbruch ergangenen landeerochtliehen Regelungen ab, sonde weist auf die Zweifelsfrage hin, wieweit der in’Art 131 erfasste Porsonenkreis überhaupt Rechtsansprüche habe; er bezweifelt solche iJispruche, befürchtet aber nicht abzusehende Auswirkungen von Gerichtsurteilen, die solche Ansprüche bejahen. uneinheitlich - erfolgten landosrochtlichen Hegelungen; seine Befürchtungen wogen der Auswirkung etwa ergehender Gerichtsurteile beziehen sich also nicht auf die Auslegung dieser seit 1945 cfgsA^enen landesrechtliehen Regelungen, sondern allein auf die etwaige Bejahung von Ansprüchen ohhe eine nach dem Zu-sammenbruch erfolgte, gesetzliche Regelung! Wenn dann der Abgeordnete Ubpker - Aschoff (S 4 des genannten Protokolls) die Einfügung des Satzes 3 in Art 131 anregt, um yimtragbar erscheinende Auswirkungen inzwischen ergehender Urteile abwenden zu können so kann sich das nur auf Urteile beziehen, die nicht auf Grund^ nach dem Zusammenbruch erlassener rechtlicher Regojungen • ergangen sind. Das Berufungsgericht f^sst .^lso den Sinn des Art 131 Satz 3 zu weit, wenn es ihn darin erblickt, dass jeg liehe Rechtsprechung über die Ansprüche des fraglichen Personen-kreises einstweilen verhindert werden sollte» Soweit der Gebet&r geber - und zwar auch der Landosgesctzgeber r nach dem Zusammen-bruch eine Regelung der zweifelhaft gewordenen Rechtsverhält- ' nisse getroffen hatte, konnte eine inzwischen auf kennende Rechtssprechung die bundesrechtliche Regelung über Ansprüche kaum be* , • * * » die nach dem Zusammenbruch auf getretenem Zweifelsfragen über die Rechtsverhältnisse der Flüchtlings* und* entnazifizierten Beamten im Letzten politische Fragen sind und daher eine poll* tische Gestaltung durch den. setzliclien Regelungen aus der Zeit vor dem Zusammenbruch in vie* 'len Beziehungen kaum zu lösen sind (so insbesondere bezüglich der Flüchtlingsbeamten BachOf DRZ .1949, 555)* Ist es aber der Sinn dos Art 131 Satz 3 » die Lösung der durch den Zusammenbruch ; entstandenen Zweifelsfragen der politischen Gestaltung durch 'den.Gesetzgeber vorzubehalten und nicht der auslegenden Recht* aferechung durch die Gerichte, zu überlassen, so steht die Entstehungsgeschichte des Art 131 keinesfalls einer Auslegung deä Satzes 3' dahin entgegen, dass auch die nach dem Zusammenbruch, .• 1 aber vor dem Inkrafttreten* des Grundgesetzes ergangenen* lande^ei Regelungen als 11 anderweitige landesrechtliche Regelungen” im . Sinne dieser Bestimmung anzusehen sind, und mithin Ansprüche aus Urnen trotz Satz 3 auch, schon vor dem Erlass des vorgesehenen^ Bund v/sge set zee geltend gemacht werden*, können, denn auch bei dieser Auslegung Wird die politische Gestap.tuhgsfreihoit der Gesetz-* | .gobung durch die auslegehde Rechtsprechung der Gerichte nicht eingeengt* Zur Vermeidung solcher7^ untragbar erscheinenden Auswirkungen inzwischen ergehender Urteile (vgl S 4 des genannten Protokolls), also gerade zur Vermeidung finanzieller Belastungen durch solche Urteile ist die Geltendmachung der Ansprüche einstweilen ausgeschlossen worden (kjG DRZ 5o, 413)» Bedenken wegen untragbarer Belastung der Länderfinanzen können aber nur auf treten als Auswirkungen solcher Gerichtsurteile, die Rechtsansprüche ohne, eine landesrechtliche Anerkennung bejahen (Baohof DRZ 1949» 555) • Vor den Auswirkungen solcher Gerichtsurteile sollten der Bund, die Länder und die Gemeinden geschützt werden. Daß eine solche Regelung vom Gesetzgeber beabsichtigt wäre, könnte nur bei völlig eindeutiger Fassung angenommen werden; eine ausdehnende Auslegung des Art 131 wäre auch nicht zulässig, da das in Art 131 Satz 3.GrundG ausgesprochene Verbot der Geltendmachung von Einsprüchen in seinen Auswirkungen eine Ausnahme von der grundsätzlichen Eröffnung des Rechtsweges für vermögensrechtliche Ansprüche der Beamten * darstellt und auch deshalb eng auszülegen ist (Erüger NJW 195o,J i62; Wahl ÖVefw 1949, 45o; Wenzel öVerw 1949, 413; LAG Schleswig SchlHA 195o, 23 gegen Naumann DVerw 1949, 691)* Die auf dieses Gesetz gestützten Ansprüche des Klägers können dahex trotz Art 131 Satz 3 GrundG geltend gemacht wer- Eines näheren Eingehens auf die von Wenzel (Rechtsproblome dos Mitläufers und ÖVerw 1949, 413) vertretene, von Baohc3 (DRZ 1949, 555) mit beachtlichen Gründen bekämpfte Ansicht, schlechthin jede landesrechtliche Bcamtcnge&etzgebung, also auch eine solche aus der Zeit vor dem Zusammenbruoh sei eine "anderweitige landesrechtliche Gesetzgebung11 im Sinne des Satzes 3, Satz 3 finde deshalb auf Landosbcamte überhaupt keine Anwendung, bedarf os bei dieser Rechtslage nicht mehr«