BGH · III ZR 186/65 vom 11.12.1967
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Die Erblasserin hatte sich gegenüber der Stadt verpflichtet, auf dem Grundstück innerhalb von zwei Jahren ein Haus zu errichten, hatte auch deswegen vor ihrem Ableben Verbindung zu einem Architekten aufgenommen, den Aufbau aber nicht mehr zu ihren Lebzeiten durchführen können. Er ist der Meinung, die Aufbaukosten in Höhe von 91.796,41 DM seien von der Erbengemeinschaft zu tragen, ebenso, wie sie ihr zur Last gefallen wären, wenn die Erblasserin die Bebauung hätte zu Ende führen können; er hat jeden Erben anteilig, den Kläger mit Ein weiterer Streit hat sich unter den Parteien nach der Richtung ergeben, inwieweit der Beklagte als Testamentsvollstrecker an den Kläger Vorauszahlungen auf den voraussichtlichen Jahreogewinn zu zahlen habe, damit dieser Steuerverpflichtungen nachkommen könne, ferner - was jedoch im jetzigen Revisionsrechtszug nicht mehr interessiert - über die Höhe der dem Beklagten als Testamentsvollstrecker zustehenden Vergütung* Das Landgericht hat dem Kläger auf den Antrag zu 1) 28»468,12 EM (das ist die Klagesumme abzüglich eines Brittolo eines dem Beklagten gegen die Erbengemeinschaft zustehenden Vergütungsanspruchs von 5*800 EM) nebst Zinsen zugesprochen, die weitergehende Klage dagegen abgewiesen o Eer Beklagte hat gegen das oberlandesgerichtliche Urteil Revision eingelegt» Zunächst hat er beantragt, unter Aufhebung dieses Urteils ’’nach dem letzten aus seinem Tatbestand ersichtlichen Antrag des Beklagten zu erkennen, nämlich die Klage in vollem Umfang abzuweisen 11 * In der Revisionsverhandlung hat er sodann erklärt, daß die Revision das oberlandesgerichtlicho Urteil, soweit es auf die Anschlußberufung des Klägers dessen Feststellungsantrag stattgegeben habe, nur im Umfang der Revisionsbegründung habe anfechten wollen und anfechte» Eer Kläger bittet um Zurückweisung der Revision» Ber Beklagte habe seine Behauptung, nach dem bei der Tostamentccrrichtung vorhandenen Willen der Erblasserin hätten die Kosten für die Bebauung des Grundstücks St^pstraße von der Erbengemeinschaft getragen werden sollen, nicht bewiesen* schlossen werden, der Aufbau sei mit Mitteln des Nachlasses vorzunehmeno - Allerdings gebe das Testament insofern nach dieser Richtung einen Anhaltspunkt, als es bestimme, der Beklagte und sein Bruder Karl sollten dem Kläger beim Aufbau des diesem zufallenden Grundstücks mit Mitteln des Nachlasses behilflich sein; es läge daher die Annahme nahe, daß die Ei'blasscrin, falls sie ähnliche Vorstellungen über den Aufbau des Grundstücks Stahlotraßo 49 gehabt hätte, auch für dieses Grundstück eine entsprechende Bestimmung getroffen haben würde, -Auch aus den Umständen vor und nach Errichtung des Testaments ließen sich sichere Hinweise auf das, was die Erblasserin in dem strittigen Punkt gewollt habe, nicht gewinnen» Hierbei sei zuungunsten des Beklagten zu bedenken % Die Erblasserin habe bei der Errichtung eines früheren, am 20« Januar I960 gefertigten, später wieder aufgehobenen Testaments ausdrücklich erklärt, sie wolle das dem Beklagten zugcdachte Grundstück in EfliB, El-mi^straße für diesen wieder aufbauen, im Palle ihres vorzeitigen Ablebens solle der Beklagte zusätzlich $0o000 DM erhalten; in dem Testament vom 28« April 1961, bei dessen Errichtung das genannte Grundstück, das ebenfalls dem Beklagten zufallen sollte, wieder aufgebaut gewesen sei, habe sie eine entsprechende Bestimmung hinsichtlich des Grundstücks StJJ|straße d nicht getroffen« Hierbei falle besonders ins Gewicht, daß sich der Gesundheitszustand der Erblasserin zwischen dem 20o Januar I960 und dem 28« April 1961 verschlechtert und die Erblasserin nach der Bekundung des Zeugen Stc^HB nicht mehr damit gerechnet habe, den Aufbau des Grundstücks Stfl^btraße ^ noch zu erleben« Zugunsten des Beklagten sei dagegen in Betracht zu rin ihre Teilungsanordnungen an Hand der Einheitswerte der Grundstücke getroffen habe, der zur Verfügung gestandene Einheitswert für das Grundstück Stjpstraße 49 sich aber auf das bebaute Grundstück bezogen haben dürfte« Dagegen spreche v/ieder zuungunsten des Beklagten: Es stehe nicht fest, inwieweit die Erblasserin das Grundstück Stahlstraße 49 mit eigenen. Mitteln bebaut haben würde» Ihr hätte zu dem Aufbau zunächst aus dem Umlegungsverfahren eine Entschädigung von 66 «000 DM zur Verfügung gestanden» Ob sie die nach der von dem Steuorbevollmächtigten des Beklagten erstellten Bilanz noch benötigten weiteren 91*796,41 DM aus eigenen oder fremden Mitteln bestritten hätte, sei nicht geklärt» Hätte sie Darlehen aufgenommen, 30 wären die Darlehensverpflichtungen mit dem Erbfall auf den Beklagten übergegangen, so daß dieser dieselben. er das Testament errichtete, gewollt haben würde, wenn or das spätere Ereignis vorausochauend bedacht hätte„ Darüber hinaus kann, wie der Senat bereits im Urteil vom 15« Mörz 1965 - III ZR 108/63 ~ vgl* auch Palandt, Bürgerliches Gesetzbuch 26 <, Auflo § 2084 Anm0 4 b - ausge-führt hat, im Wege der ergänzenden Auslegung mit dem realen wie mit den irrealen Willen eine von Anfang an bestehende Lücke des Testaments geschlossen werden0 Hier nun wäre, folgt man dem Vortrag der Revision, daß die Erblasserin in ihrem Bemühen, selbst das Grundstück StflBstraße 0 aufzubauen, durch den Tod überrascht wurde, in der Zeit zwischen der Errichtung des Testaments und dem Eintritt des Erbfalls, wie gegenüber der Revision klarzuotollen ist, nicht hinsichtlich eines vermachten Gegenstandes eine von der Erblasserin nicht bedachte Änderung eingetreten, sondern in Gestalt der unterbliebenen Bebauung' eine Änderung nicht eingetreten, mit der die Erblasserin gerechnet hatte* Beide Male bleibt es aber an dem, daß die künftige Entwicklung anders verlaufen wäre, als sich die Erblasserin - angeblich - vorgcctcllt hat« Aber selbst wenn die Erblasserin ihr vorzeitiges Ableben als möglich in Rechnung gestellt hätte, könnte eine von Anfang an bestehende Lücke des Testaments vorliegen, die auszufüllen zu versuchen Aufgabe des zur Auslegung einer letztwilligen Verfügung berufenen Tatrichters wärc0 Es kommt also, was die Zulässigkeit einer ergänzenden Auslegung angeht, nicht entscheidend darauf an, ob, v/ie das Berufungsgericht fcststellt, die Revision jedoch mit einer Rüge aus § 286 ZPO bekämpft, die Erblasserin bei der Errichtung des Testaments vom 28o April 1961 nicht damit gerechnet hat, die Bebauung des Grundstücks St Bestrafte 0 noch zu ihren Lebzeiten vollenden zu können0 Loch kann dieser Umstand für die Vorstellungen, die die Erblasserin zur Zeit der Errichtung des Testaments hatte, bei der Ermittlung ihres damals bestehenden realen v/ic irrealen Willens eine Rolle spielen, so daß die erwähnte Rüge der Revision ihre Bedeutung nicht etwa völlig verliertp Bie Rüge schlägt zv/ar insofern nicht durch, als sie das Vorbringen des Beklagten in der Berufungsbegründung Seite 5 aufgreifto Bort war darauf hingewiesen worden, der Notar Drc üer Erblasserin am zu der Zeit, alo sie das Testament vom 28„ April 1961 errichtet habe, noch sehr rüstig gewesen, bis einige Tage vor ihrem Ableben mit Unterbrechungen von morgens bis in die späten Abendstunden ihren Geschäften nachgegangen sei und dann am 25o Juli 1961 plötzlich einen Blutsturz erlitten habe; der Zeuge ha- Entgegen der Meinung der mündlichen Revisionsorwiderung kann nicht zweifelhaft sein, daß nach der Passung des Beweisantritts der Zeuge KBBB alG Beweismittel für alle wiedergego-benen Behauptungen, nicht nur für die Verbringung der Erblasserin in das Krankenhaus benannt war, und war os nicht nötig, für jede dieser in das YJissen des Zeugen gestellten Behauptungen anzugeben, ob der Zeuge von den betreffenden Vorgängen aus eigenem Erleben oder nur vom Hörensagen wisse„ Hinzu kommt, daß dor Beklagte, worauf die Revision mit einer weiteren Rüge aus § 286 ZPO verweist, mit näherer Begründung Zeugenbeweis dafür angetreten hatte, ihm sei der Zeuge StBV~ BS nicht wohlgesinnt (Berufungsbegründung S» 4)« Bas Berufungsgericht hat weder diesem Beweisanerbieten entsprochen, noch hat es dies in den Gründen seines Urteils abgehandelto Pür das Revisionsgericht bleibt daher die Möglichkeit offen, daß das Berufungsgericht, hätte es diese Beweisanerbieten nicht übergangen, den Gesundheitszustand dor Erblasserin und ihre Vorstellungen von ihrer Gesundheit und davon, ob sie den Aufbau des Anwesens StBIG^raße Bi noch durchführen könne, anders als geschehen beurteilt haben würde* Zwar ist die Auslegung eines Testaments, auch eine ergänzende Auslegung, eine vom Tatrichter zu erfüllende Aufgabe, insbesondere in den letzten Monaten vor ihrem Ableben sich wiederholt dahin geäußert, der Beklagte solle das Grundstück StJH^raße AB bebaut erhalten» Aus ihren Äußerungen sei ganz klar hervorgegangen, daß die Aufbaukosten zu ihren eigenen lasten gehen sollten» Diese Äußerungen, mit denen sich das Berufungsgericht ebenfalls nicht befaßt hat? aber auch auf den mutmaßlichen realen Willen der Erblasserin abgeben» Warum das Berufungsgerieht dem Beweisantritt nicht nachgegangen ist? Hach dem Gesagten ist der nochmaligen Prüfung und Entscheidung durch das Berufungsgericht die Präge zu unterbreiten, ob die Erblasserin bei der Errichtung dos Testaments am 28» April 1961 ihr Ableben vor Beendigung der Baueinheiten als möglich in Rechnung setzte odor nicht und was in erstercm Falle als ihr realer, im zweiten Fall als ihr irrealer Wille hinsichtlich der Tragung der Baukosten für das Grundstück Stahlstraße 49 - Erbengemeinschaft oder der Beklagte - an-zunchmen ist» Bei seiner nochmaligen Entscheidung wird das Berufungsgericht auch darauf zu achten haben, ob die Baukosten sich aus 66«000 DM und 91 »796,41 Dil zusammensetzten oder, was die Revision unter Hinweis auf die vom Berufungsgericht herangezogene Bilanz und andere Aktenstellen geltend macht, insgesamt nur den letzteren Betrag erreicht haben„ Auch wird sich das Berufungsgericht vor Augen zu halten haben, daß jedenfalls nicht ohne weiteres anzunehmen ist, daß (so aber S„ 11 des angefochtenen Urteils) Verpflichtungen aus Darlehen, die die Erblasserin zur Deckung von Aufbaukosten aufgenommen hätte, beim Eintreten des Erbfalls auf den Beklagten, nicht auf die Erbengemeinschaft übergegangen sind» 3. Was die Verpflichtung dec Beklagten angeht (Klagantrag zu 2), dem Kläger aus dem diesem zustehenden Gewinnanteil an der Erbengemeinschaft mindestens Beträge zur Erfüllung seiner Steuerverpflichtungen zur Verfügung zu stellen, so ist im Einklang mit der Revision die vom Berufungsgericht urteilsmäßig ausgesprochene Verpflichtung dahin einzuschränken, daß der Beklagte entsprechende Zahlungen nur zu dem Jahresende zu leisten hat« Bas entspricht der Bestimmung des Testaments, wonach der Testamentsvollstrecker jeweils an Jahresende seinen Miterben Rechnung zu legen und Überschüsse auszuschütten hat* Ifur mit dieser Einschränkung hat der Beklagte auch vor dem Berufungsgericht seine Verpflichtung anerkannt. Insoweit sie ursprünglich weitergehend eine Abweisung auch dieses Klagantrags in ihren Antrag aufge-nommen hatte, läßt sich dies als ein offenbares Vergreifen in Ausdruck werten* Bas rechtfertigt sich nicht nur im Hinblick auf die von dem Revisionsanwalt in der Revisionoverhandlung abgegebene Erklärung, daß er hinsichtlich des in Rede stehenden Klagantrags nur im Umfang der Revisionsbegründung habe anfechten wollen - diese aber rügt lediglich, daß das Berufungsgericht die Fälligkeit der Zahlungen nicht, wie jetzt im Revisionsurteil geschehen, eingeschränkt habe -/sondern auch aus der Überlegung heraus: Ber Beklagte hat in der Schlußverhandlung vor dem Berufungsgericht erklärt, er bestreite nicht länger seine Verpflichtung zur Auszahlung des sich am Ende des Geschäftsjahres ergebenden Reingewinns, er anerkenne den Klagantrag zu 2) mit der Maßgabe, daß die zu zahlenden Beträge jeweils am Jahresende zur Verfügung gestellt würden» Die Verpflichtung des Beklagten zur Zahlung von Reingewinn war damit mit Ausnahme des Rälligkeitszeitpunk-tes unstreitig geworden} nur mit Rücksicht auf diese Binsehränkung hat das Berufungsgericht ausweislich der Gründe seines Urteils von einem Anerkenntnisur-teil abgesehen» Es wäre daher beim Behlen anderer Anhaltspunkte unverständlich, daß der Beklagte mit der Revision einen inzwischen bereinigten Streitpunkt wieder als streitig zur Entscheidung stellen wollte» Viol mehr ist der Revisionsantrag hinsichtlich des Klagantrags zu 2) als von Anfang an einschränkend, eben in Bezug auf den noch umstrittenen Fälligkeitszeitpunkt gesetzt zu verstehen» Von einer teilweise» Verwerfung der Revision, v/eil ihr Antrag nicht seinem ganzen Umfang nach mit Gründen versehen sei, kann daher abgesehen werden«,