BGH · III ZR 174/67
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
- Prozeßbevollmächtigter: Rechtsanwalt Dr«, Zivilsenat des Bundesgerichtshofs hat auf die mündliche Verhandlung vom 20« Juni 1968 unter Mitwirkung der Bundesrichter Dr. Kreft, Dr. Arndt, Dr. Hußla, Gähtgens und Keßler für Recht erkannt: 26o Mai 1952 idF der Bekanntmachung vom 30« März 1955 (BGBl II 381) in Kraft getreten war und die Vorschriften des Bundesleistungsgesetzes vom 19« Oktober 1956 (BGBl I 815) rückwirkend maßgebend geworden waren, lediglich nach der Art der Nutzung durch die Eigentümer bei der Inanspruchnahme zu bemessen oder ob eine Nutzung zu Verwaltungszwecken durch den Leistungsempfänger zu berücksichtigen und dementsprechend eine höhere Vergütung zu gewähren sei» Durch Urteil vom 1» Oktober 1962 - III ZR 188/61 - = NJW 1963, 248 hat der auch jetzt erkennende Senat in letzterem Sinne entschieden» Juni 1952 (BGBl I 338), habe eine Mietpreisbindung für das zu geschäftlichen Zwecken benützte Anwasen für die genannte Zeit nicht mehr bestanden, auch nach den besatzungsrechtlichen Bestimmungen hätte die höhere Geschäftsraummiete gewährt werden müssen; der Freistaat Bayern habe den Unterschiedsbetrag zu ersetzen.- Aus diesem Grunde sei von den Eigentümern nach dem Inkrafttreten de3 Geschäftsraummietengesetzes wiederholt eine Nutzungsentschädigung in Höhe der für gleichartige Geschäftsräume angemessenen Miete verlangt worden. Er habe gewußt, daß das Anwesen tatsächlich nicht für Wohnzwecke verwendet werde, und habe die Eigentümer absichtlich darüber getäuscht, um sie von der Forderung einer höheren Nutzungsentschädigung abzuhalten. Er hat bestritten, daß Oberamtmann ScfliB pflichtwidrig gehandelt habe und daß die Möglichkeit gegeben gewesen sei, für die hier in Frage kommende Zeit eine höhere Nutzungsvergütung von den Amerikanern zu erlangen. 2, Das Berufungsgericht läßt unentschieden, ob die Bediensteten des beklagten Freistaates, wie die Kläger behaupten, im Zusammenhang mit der Festsetzung und Zahlung der Nutzungsentschädigung für die Zeit vom 1« Juli 1952 bis 30. April 1955 sich pflichtwidrig verhalten und insbesondere zu dem Nachteil der Eigentümer die Bestimmungen des Geschäftsraummietengesetzes zu Unrecht nicht beachtet haben» Es stellt fest, daß die Eigentümer auch bei einem Verhalten der Bediensteten, v/ie es die Kläger als geboten ansehen, keine höhere Vergütung für die fragliche Zeit erhalten hätten« Zur Begründung führt es aus: Von deutscher Seite seien für die an der Festsetzung der Vergütung beteiligten deutschen Behörden Richtlinien erlassen worden, so auch die Richtlinien des Bayerischen Staatsministeriums der Finanzen vom 18« Dezember 1947« Die Anwendung dieser Richtlinien sei aber in jedem Einzelfall von der Anerkennung durch die US-Armee-Dienststellen abhängig gewesen, da sie von der US-Armee nicht als verbindlich betrachtet worden seien. Die Kläger behauptetennhun, diese besatsungsrechtlichen Vorschriften hätten den deutschen Stellen die Möglichkeit gegeben, die durch das Inkrafttreten des Geschäftsraummietengesetzes eingetretene Änderung der Preisgestaltung bei den zu demindest überwiegend geschäftlich genutzten Räumen bei der Festsetzung der Nutzungsvergütung zu berücksichtigen» Der Beklagte berufe sich darauf, daß diese Möglichkeit nicht bestanden habe, weil es nach der von den Dienststellen der Besatzungsmacht geübten Verwaltungspraxis allein auf die Art der Nutzung durch den Eigentümer im Zeitpunkt der ursprünglichen Beschlagnahme angekommen sei und spätere Änderungen in der Nutzung durch die Streitkräfte hätten unberücksichtigt bleiben müssen» Die Vernehmung des Zeugen Oberamtmann Sc^mund vor allem des Zeugen Ministerialrat Mack habe ergeben, daß tatsächlich die amerikanischen Dienststellen und die nach ihrer Anweisung handelnden deutschen Behörden bei der Bemessung der Vergütung lediglich auf die Art der bisherigen Nutzung durch den Eigentümer im Zeitpunkt der Beschlagnahme abgestellt hätten und spätere Änderungen in der Art der Nutzung durch die Streitkräfte außer Betracht geblieben seien. Nach Nr. 27 der "Richtlinien des Bayerischen Staatsministeriums der Finanzen" habe es lediglich eine Beschwerde zu dem Oberfinanzpräsidium gegeben, dessen Beschwerdeentscheidung endgültig gewesen sei« Auch das Oberfinanzpräsidium sei eine Verwaltungsbehörde gewesen und habe sich bei seiner Entscheidung an die geschilderte Verwaltungspraxis gehalten» Das ergebe sich eindeutig aus dem Beschweröebe-scheid der Oberfinanzdirektion München vom 25 o November 1959» in dem diese auch noch für die Zeit vom 17« Mai 1955 bis 51« Dezember 1956 die Auffassung vertreten habe, daß es lediglich auf die Art der bisherigen Nutzung des Grundstücks durch den Eigentümer im Zeitpunkt der ursprünglichen Beschlagnahme ankomme» Bei dieser Sachund Rechtslage sei nicht entscheidend, ob das Anwesen während der hier in Betracht kommenden Zeit überwiegend für Verwaltungszwecke genutzt worden sei, ob den deutschen Stellen dies bekannt gewesen und ob sie verpflichtet gewesen seien, Erhebungen hierüber anzustellen o Unerheblich sei auch, ob die Eigentümer seinerzeit unter Hinweis auf die Verwendung für Verwaltungszwecke eine höhere Vergütung gefordert hätten und aus welchen Gründen sie von der Geltendmachung solcher Ansprüche abgehalten worden seien» Die Eigentümer hätten Diese Feststellungen und Rechtsausführungen halten den Revisionsangriffen stand» Die Revision stützt sich darauf, daß nach der Aussage des Zeugen Ministerialrat MflBein ähnlicher Fall dem Staatsministerium der Finanzen nicht zur Entscheidung unterbreitet worden sei, und meint, es bedeute • einen Verstoß gegen die Denkgesetze, daß das Berufungsgericht gleichwohl vom Bestehen einer Verv/altungs-übung ausgegangen sei des Inhalts, daß nur die Entschädigung gewährt worden sei, die der zur Zeit der Beschlagnahme ausgeübten Nutzung entspreche«. Das Berufungsgericht sieht als entscheidend an, daß tatsächlich die amerikanischen Dienststellen und die nach ihrer Weisung handelnden deutschen Behörden bei der Bemessung der Vergütung lediglich auf die Art der bisherigen Nutzung durch den Eigentümer im Zeitpunkt der Beschlagnahme abgestellt hätten und spätere Änderungen in der Art der Nutzung durch die Streitkräfte unberücksichtigt geblieben seien» Diese Feststellung beruht nicht auf Verfahnonsfehlern» Das Berufungsgericht hat sie in rechtlich bedenkenfreier Weise auf die Aussagen der Zeugen Mack und Schwab und den Beschwerdebescheid der Oberfinanzdirektion München vom 25» November 1959 gestützt. Demgegenüber ist es ohne Bedeutung, wenn ein ähnlich liegender Fall dem Staatsministerium der Finanzen nicht vorgetragen worden ist» Denn entscheidend kam es nicht auf die Stellungnahme des Ministeriums an, das im übrigen nach der Aussage M^midieselbe Ansicht vertreten hätte, wie sie vom Besatzungskostenamt, in der Entscheidung der Oberfinanzdirektion und auch noch im Urteil des Oberlandesgerichts München vom 8« Juni 1961 im Vorprozeß vertreten worden ist, sondern auf die der zuständigen amerikanischen Stelle (Real Estate Officer), die nach den unangegriffenen Feststellungen des Berufungsgerichts auf Grund des Anhangs A zu dem Circular Nr. 37 den von der örtlichen deutschen Behörde festgestellten monatlichen Mietwert des Grundstücks nach-zuprüfen hatte» Mit ihrer Behauptung, die Besatzungsmacht würde, wenn sie richtig unterrichtet worden wäre, die "richtige Anwendung ihrer eigenen Vorschriften mit-gemacht" und den Eigentümern für die hier in Frage kommende Zeit Geschäftsraummiete zu gestatten haben, versucht die Revision ihre Auffassung über eine hypothetische Entwicklung an die Stelle der vom Berufungsgericht vertretenen zu setzen» Damit kann sie im Revisionsverfahren keinen Erfolg haben» Im übrigen haben die Kläger nicht vorzutragen vermocht, daß die amerikanischen Streitkräfte in irgendeinem anderen Fall, in dem ein Wohnhaus beschlagnahmt war, für die hier in Rede stehende Zeit eine höhere als die der bisherigen Nutzung entsprechende Vergütung gebilligt hätten» Es fehlt jeder tatsächliche Anhaltspunkt für die Annahme, die amerikauni sehen Streitkräfte seien bereit gewesen, auf Grund des Geschäftsraummietengesetzes die beschlagnahmten Räume nunmehr als Geschäftsräume gelten zu lassen und die veränderte Rechtslage als eine Änderung der wirtschaftlichen Verhältnisse anzuerkennen, die nach Circular Nr» 37 Anhang A Nr» 3 b Abs» 1 b zu einer Änderung der Nutzungsvergütung führen konnte, daß sie also von dem Standpunkt abgegangen wären, es komme auf die zur Zeit der Beschlagnahme ausgeübte Nutzung an» - Ebensowenig läßt sich ein Rechtsverstoß daraus herleiten, daß das Berufungsgericht aus der Aussage des Zeugen Erich SflHIB keine Schlüsse in der Richtung gezogen hat, Oberamtmann ScfllHIhabe damit gerechnet, die Amerikaner würden bei überwiegender Benutzung der Räume zu geschäftlichen Zwecken der Nutzungsentschädigung die für Geschäftsräume angemessenen Sätze zugrundelegen, sondern seine Überzeugung auf die bestimmten Angaben der Zeugen MflVund ScfllB und den Beschwerdebescheid der Oberfinanzdirektion gestützt hat» Konnte aber das Berufungsgericht davon ausgehen, daß auch ein anderes Verhalten der Bediensteten des Beklagten nicht dazu geführt hätte, den Eigentümern für die hier in Rede stehende Zeit eine höhere Nutzungsentschädigung zu verschaffen, dann brauchte es nicht zu prüfen, ob die Räume tatsächlich überwiegend für Verwaltungszwecke benutzt wurden, ob den deutschen Stellen dies bekannt war und ob sie verpflichtet gewesen wären, Erhebungen hierüber anzustellen, ferner ob die Eigentümer seinerzeit auf die Verwendung für Verwaltungszwecke hingewiesen und deshalb eine höhere Vergütung gefordert haben und aus welchen Gründen sie von der Geltendmachung solcher Ansprüche abgehalten wurden« Das Berufungsgericht hält die Klage auch insoweit für unbegründet, als sie darauf gestützt ist, Oberamtmann ScflB habe die Eigentümer dadurch pflichtwidrig geschädigt, daß er bei den Verhandlungen über den Abschluß des Mietvertrages vom 24o Juli 1957 wahrheitswidrig erklärt habe, die Amerikaner wollten die geforderte Monatsmiete von 1«500 DM nicht bezahlen, und den Eigentümern zugesagt habe, sich für eine großzügige und unbürokratische Regelung ihrer Nachzahlungsansprüche für die Zeit vor dem 1» Januar 1957 einzusetzen« Das Berufungsgericht hält ein pflichtwidriges Verhalten Schwabs nicht für erwiesen, außerdem die vom Beklagten erhobene Einrede der Verjährung hier für durchgreifend, weil das Abhilfegesuch vom 27® Februar 1963 die angeführten Behauptungen nicht vorgetragen und insov/eit die Verjährung nicht unterbrochen habe (§ 210 BGB) und weil deshalb auch dann, wenn die Eigentümer erst, wie vorgetragen, durch die Akteneinsicht vom 27» April I960 von dem angeblich pflichtwidrigen Verhalten Schwabs bei den Vertragsverhandlungen Kenntnis erlangt haben sollten, die dreijährige Verjährungsfrist (§ 852 BGB) bei Einreichung der Klage am 5® Juni 1963 bereits abgelaufen gewesen sei® Dagegen wendet sich die Revision mit der Begründung, die Kläger hätten mit ihrem Abhilfegesuch den gesamten Komplex ihrer Ansprüche vorgetragen; der Beklagte könne sich auch nach § 242 BGB nicht auf eine Unvollständigkeit des Abhilfegesuchs berufen, weil er zu diesem nicht Stellung genommen habe® ständige Amtspflichtverletzung gelegene Aus dieser hätte sich ein selbständiger, nach dem Klagegrund wie nach der Höhe von den im Klageentwurf angeführten verschiedener Schadensersatzanspruch ergeben» Für ihn konnte das Abhilfegesuch die Verjährung ebensowenig unterbrechen, wie es bei einer dem beigelegten Entwurf entsprechenden Klage der Fall gewesen wäre» Inwiefern der Beklagte gegen Treu und Glauben verstoßen sollte, indem er sich auf die Verjährung beruft, ist nicht ersichtliche Es ist nicht vorgetragen, daß er die Kläger abgehalten habe, den Anspruch vor Eintritt der Verjährung geltend zu machen« Damit hat das Berufungsgericht die Einrede der Verjährung mit Hecht für durchgreifend angesehen, soweit die Kläger Ansprüche aus dem Verhalten Schwabs bei den Verhandlungen über den Abschluß des Mietvertrages herleiten wollen.