BGH · III ZR 174/62 vom 28.11.1963
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Juni 1957 (§ 8 des Gesetzes) in Kraft ge-tretene-Gesetz über die vorläufige Regelung der Betriebs er laub.nis für Apotheken (vApG) erlassen sei» Der Kläger wandte sich sodann,; als er erfuhr, daß er wegen des früher gestellten Antrages der Apothekerin PflH^ nicht mit einer Erlaubnis rechnen könne, in einer Eirigabo vom 1» Juni 1957 mit der Bitte um wohlwollende Prüfung seines Kbnzsssionsantrages an den 1( legte am 1» April 1958 Berufung zu dem Öberverwait^^gsge^ rieht Münster ein« Dieses lehnte zunächst am 24:» September 1958 den Antrag ab, das Urteil des Dahdesve^rwaltungBgerichts für vorläufig vollstreckbar zu erklären, gab aber am 18« Februar 1959 dem v/iederholten Antrag statt und beschloß gleichzeitig, aas Verfahren auszusetzen, um eine Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts darüber einzuholen, ob § 3 Abs^ 1 Nr» 2 vApG mit dem Grundgesetz vereinbar sei» Diese Bestimmung, auf die sich die Verwaltung gegenüber dem Kläger berief, schrieb die Versa- Bor Kläger ist der Meinung, die Betriebserlaubnis hätte ihm bereits Anfang April 1957 erteilt werden müssen, sei ihm aber rund zwei Jahre deswegen vorenthalten worden, wöii %to Beamten dos Beklagten in Bezug auf die Behandlung seiner Kbnzessionsang^ legenheit sich in mehrfacher Beziehung eine Verletzung ihrer ihm gegenüber bestehenden Amtspflichten hätten zuschulden kommen lassen« Br verlangt von dem beklagten 149? vom 229 November 1956 (BVerwGE 4, 167 = NJW 1957P 356), erkennen müssen, daß die damals in NHHBB-WfllHmi geltende und noch nicht ausdrücklich aufgehobene Regelung, wonach Apotheker grundsätzlich einer mit einer Bedürfnisprüfung verbundenen otaa lichon Konzession bedurften, mit Art„ 12 GG unvereinbar sei; sie hätten insbesondere nicht auf den Erlaß des vorläufigen Apothekengosetzes warten dürfen* Zu dem damit aufgeworfenen Problem hat der Senat in einem ähnlich gelagerten Pall im Urteil vom 29* April 1963 III ZE 6/62 = NJW 1963p U53; MDR 1963; 660, WM 1963, 809; BVB1 1963, 601; ÖV 1963, 615 dsrgelegts Die Präge, wie weit die dem Gesetzgeber in Art* 12 GG vorbehaltene Regelungsbefugnis hinsichtlich der Aufnahme des Apotheker-Berufes gehe, habe im Frühjahr 1957 besondere Schwierigkeiten bereitet, namentlich in der Beziehung, welche Voraussetzungen an eine - mit der Grundrechtsbestimmung an sich vereinbare - Zulassung gerade im Hinblick auf eine etwa bei dem Wegfall von Niederlassüngs-besqbränkungen im Apothekenrecht zu befürchtende Gefährdung einer'geordneten Versorgung der Bevölkerung mit Arzneien zu stellen seien. September 1959 III ZR 73/58 = MDR i960, 116; ÖV i960, 836, wenn mäh die von der Revisionsbegründung nicht wiedergegebenen Stellen der Begründung mit berücksichtigt - ein Pehlgreifen in einer schwierigen, zu Zweifeln Anlaß gebenden Rechts läge einem Beamten, auch auf Ministerialebene, grundsätzlich nicht als Verschulden angerechnet werden könne, so lange die Pragenlcht höchstrichterlich geklärt sei; zwar könne bereits eine einzige Entscheidung eines oberen Bundesgerichts eine solche Klärung herbeiführen und den Vorwurf des Verschuldens gegen den Beamten begründen, der von dem in der Entscheidung eingenommenen Standpunkt abweiche» Der Senat hat es aber in seinem Urteil vom 29« April 1963 für vertretbar gehalten, daß ein Minist eriim trotz der genannten Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts und trotz Vorliegens eines von seinen Justitiaren im gleichen Sinno erstatteten Gutachtens zunächst noch eine Bedürfnisprüfung für statthaft und geboten erachtete und, das Ergebnis seine ° . Ausgehend hiervon kann es den Beamten, die das Gesuch des Klägers u«a« in Bezug auf Staatsangehörigkeit, Zuverlässigkeit des Gesuchstellers und auf Beschaffenheit der Betriebsräume vorbehandelten und die sich mit dem Inhalt der Entscheidung des Bundesverwaltungsgerichts und ihrer Tragweite vertraut machen mußten, nicht als ein Verschulden im Sinne von § 276 BGB angelastet werden, wenn sie dem Kläger im April 1957 eine Betriebser 1 aubnis noch nicht erteilten und, wie sie ihm unter dem 8o Mai 1957 mitteilten, die Entscheidung über das Gesuch nach Abschluß der Vorbehandlung mit Rücksicht auf die bevor- * stehende - und dann auch in Bälde ergangene - land esg es et z liehe Regelung zurücksteilten« Dabei haben sie ebensowenig wie -entgegen der Annahme der Revision - das Berufungsgericht (vgl« Abs« 1 a«E« auf Bl«8 des Urteils) darauf abgestellt, daß das Bundesverwaltungsgericht nur über den Fall der Weiterführung einer schon bestehenden Apotheke befunden habe« Die Sache war dies Die Rechtslage war schwierig und konnte als noch klärungsbedürftig angesehen werden« Das Bundesverwaltungsgericht hatte es in seiner Entscheidung als zwar nicht vom Schutz der Volks- Unter all* diesen Umständen gereicht es daher den Beamten nicht zur Fahrlässigkeit, wenn sie die Entscheidung über das Gesuch des Klagers mit Rücksicht auf eine bevorstehende klärende Regelung durch den Landesgesetzgeber zurückstellten, der dazu berufen erschien, im Besitz umfassender, der Lösung des Fragenkomplexes auf breiter Ebene dienlicher Unterlagen die aufgekommene Rechtsunsicherheit zu behebeno 2c\ Mit dem Gesagten ist im wesentlichen zugleich der weitere Vorwurf entkräftet, deh die Revision dem Berufungsgericht in der Richtung macht, die Beamten des beklagten Landes hätten sich nach dem Inkrafttreten des vorläufigen Apotho-kengesetzes nach diesem gerichtet, obwohl es ersichtlich mit dem Grundgesetz nicht zu vereinbaren gewesen sei, und hätten dadurch verschuldet, daß dem Kläger die nächgesuchte Erlaubnis nicht mindestens zun 1. September 1957» sondern erst am 4« Juni 1959 erteilt worden sei* Ergänzend ist der Revision hier noch entgegenzühaltens Zu der umstrittenen Frage, wif sich üre Ve^altun^ verhalten hat, wenn ein einschlägiges förmliches Gesetz, das nach dem Inkrafttreten des Grundgesetzes ergangen ist, mit einer Grundrechtsbestimmung nicht übereinstimmt, bedarf es keiner näheren Stellungnahme. Denn selbst wenn man der Verwaltung in dieser Beziehung weitgehende Befugnisse und Pflichten beimossen wollte, so läßt sich doch der Vorwurf eines fahrlässigen Fehlverhaltens gegen die mit dem Fall des Klägers Wie bereits dargelegt, durften sie die Rechtslage auch nach der Veröffentlichung des Urteils des Bundesverwaltungsgerichts vom 22o November 1956 als noch weiter klärungsbedürftig betrachten o Bas vorläufige Apothekengesetz wollte, ausgehend von diesem Urteil, insofern eine Klärung bringen, als es mit seiner Bestimmung in § 3 Abs« 1 Nr« 2 der Verwaltung unter Wegfall der Bedürfnisprüfung staatliche Lenkungsmaßnahmen im Interesse der gleichmäßigen Versorgung der Bevölkerung mit Arzneimitteln weiterhin möglich machen wollte (vgl» dazu auch die Verwaltungsvorschriften zu dem Gesetz vom l4o Juni 1957 -MinBl NRW Sc 1430 zu § 3 (1) -)'• Ohne daß ferner entschieden werden müßte, ob es eine Vermutung für eine ursprüngliche Verfassungskonformität eines nachkonstitutionellen Gesetzes gibt, ist unter den damals obwaltenden Verhältnissen den Beam* ten des beklagten zugute zu halten, daß sie dem Gesetz- geber genügend Rechtskenntniöse und genügend guten Willen zur Verfassungskonformität Zutrauen und dementsprechend ihr Vorhalten einstellen durften« Nicht unerwähnt mag bleiben, daß in dem vom Kläger angestrengten Verwaltungsgerichtsverfahren noch das Landesverwaltungsgericht in seinem Urteil vom 21« Februar 1958, wenn auch in einer engeren Auslegung, den § 3 Ahs« 1 Nr« 2 vApG als im Einklang mit. Bie Revision beanstandet nun,;der Berufungsri chter hätte sich nicht mit der allgemeinen Erwägung b^gnögen dürfen, daß die Verfassungswidrigkeit der in Rede stehenden Landesrecht-liehen Vorschrift nicht klar genug ers^ sei, sondern hätte untersuchen müssen, ob die von den hierfür verantwortlichen Beamten vorgenommene Anwendung des § 3 Abs« 1 Nr0 2 vApG unter den im Fall des Klägers gegebenen Umständen sie nicht die Verfassungswidrigkeit ihres Vorgehens hätte erkennen lassen müssen» Bie Revision verweist hierbei auf die Begründung? c) die Nichtigkeit von § 5 aaO sei insbesondere nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 11 • «Juni 1958 erkennbar gewesen? 3«) Das Berufungsgericht hat schließlich eine Schuld von Beamten des beklagten verneint, soweit es darum geht, daß sie nicht alsbald, nachdem das Urteil des Bundesverfassungsgerichts vom 11 o Juni 1958 (BVerfGE 7,377 = NJW 1958, 1035) ergangen war, dem Kläger die erbetene Betriebserlaubnis erteilt hätten. Das Bundesverfassungsgericht habe zwar, so heißt 03 in dem angefochtenen Urteil, ausgesprochen, der Gesetzgeber dürfe die Betriebserlaubnis an einen Apotheker nicht von objektiven, dem Einfluß des Wettbewerbers entzogenen Zulassungsvoraussetzungen: abhängig machen, auf dem Gebiet des Apothekenrechts entspreche gegenwärtig allein die Niederlassungsfreiheit der Verf aas ungs läge; es habe aber unter ausdrücklicher Hervorhebung dieses Umstandes in den Urteilsgründen nur darüber befunden, ob das Bayerische Apothekengesetz vom 16. Dezember «1955 mit dem Grundgesetz vereinbar sei, ein Apothekengesetz, das die Niederlassüngsfrei-heit in weit stärkerem Maße als das vorläufige ■■■■D Apothekengesetz eingeengt habe, und es habe in seiner Entscheidung auch auf das Urteil des Bundesverwaltungsgerichts vom 22. und auf dio Zulässigkeit gewisser staatlicher Lenkungsmaßnahinen hätten schließen dürfen« Auf derselben Linie liegt es, wenn das Landgericht angenommen hatP die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts habe die Verfassungswidrigkeit von § 3 Abs« 1 Nr« 2 vApGr nicht so klargestellt, daß die Beamten eine unvertretbare Rechtsansicht gehabt hatten, die Entscheidung spreche ausdrücklich aus, daß eine geordnete Arzneimittelversorgung zu dem Schutze der Volksgesundheit notwendig sei und daß der Schutz eines derart wichtigen Gemein-schaftsgutes Einschränkungen der Freiheit des Einzelnen zu rechtfertigen vermöge» Das angefochtene Urteil führt weiter aus3 die Beamten hätten zunächst, da mit der streitigen Frage bereits das Oberverwaltungsgericht Münster auf die vom Klägor anhängig gemachte Klago befaßt war, abwarten können, wio sich dieses Gericht zu der Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts stellen werde; es verweist auch darauf, daß das Oberverv;altungs-ge rieht noch am 24» September 1958 es als mit dem öffentlichen Interesso unverträglich abgelehnt hatte, dasmürteil des Landes-verwüiftungsgerichts für vorläufig vollstreckbar zu erklären, und hierbei erwogen hatte, eine im Falle einer vorläufigen Vollstreckbarkeitserklärung immerhin mögliche demnächstigo Schließung einer erst jetzt zu eröffnenden Apotheke werde das Vertrauen der Öffentlichkeit in die Arbeit der Gesund-heitsbehörde schwer erschüttern. Was die Revision demgegenüber verbringt, kann nicht über-zeugen« Sie weist als vom Berufungsgericht unter Verstoß gegen § 286 ZPO übergangen auf den Vortrag des beklagten hflHIB hin, es habe in anderen Fällen die Erlaubnis zu dem Betrieb einer Apotheke schon unmittelbar nach der Entscheidung de3 Bundesverfassungsgerichte erteilt, der Behörde müsse es aber gestattet sein, in einem besonders gelagerten Fall wie dem des Klägers die Erlaubnis zunächst nicht zu erteilen, sondern eine obergerichtliche Klärung der Rechtslage herbeizuführen« Wenn die Revision daraus auf die Unrichtigkeit der Auffassung schließt, die Beklagte habe die Verfassungswidrig- zu entnehmen der Ent-: -; Scheidung des bereits mit der Streitsache befaßten= oberenv-Verwaltungsgerichts überlassen«, Daß die Rechtslage für .das. Rückgängigmachung nicht oder doch nicht 'auch im Blick auf eino Verfassungsiaäßigk^itit: des § 3 Abs- 1 V Nr.2 vAp& befürchtet haben sollte; Jedenfalls hatten hoido Vorfahr onsb et eiligtö damals erklärt, der Streit ginge nur um die AQwendbarkeit dieser Bestimmung, und diese'hätte' der Kläger unter bös onderem Hinweis aüf i das Urteil des :Bundesverfa !«>3k- :*U