BGH · III ZR 166/60
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
visionsverfahrens durch Erbgang der nunmehrige Kläger getreten ist, hat von der Beklagten Schadensersatz wegen schuldhaft amtspflichtwidriger Versagung oder Verzögerung der Genehmigung zu dem Einzelhandel mit Wein und verlangt» Im einzelnen handelte es sich um Ansprüche • Dic3G Klageansprüche sind dem Grunde nach für gerechtfertigt erklärt, und zwar gemäß den Urteilen des Berufungsgerichts vom 3* Januar 1957 - 1 U 236/51 -und dos jetzt erkennenden Senats vom 24» Juni 1958 - Ill ZR 50/57 -, auf die insov/eit hier Bezug genommen v/irdo Die Klagepartei hat zuletzt beantragt, die Beklagte zu verurteilen, eine vom Gericht festzusetzende Entschädigung, mindestens aber 7»500 DM nebst 10$ Zinsen zu zahlen, und ZYfar an bestimmte Gläubiger der früheren Klägerin, die in einzelnen im Klageantrag angegeben worden sind» Mit ihrer Revision verfolgt die Beklagte ihren Antrag auf Klageabweisung weiter, soweit sie zur Zahlung von 6.130,— DM nebst Zinsen verurteilt worden ist. Die Revision wendet sich gegen das Berufungsurteil nur insoweit, als das Oberlandesgerieht einen Schadens-ersatzanopruch in Höhe von 6.130,— DM Verdienstausfall (nebst Zinsen) wegen der Verzögerung der Genehmigung zu dem Einzelhandel mit Spirituosen zugebilligt hat. Allerdings habe die frühere Klägerin, da sie die Beiziehung ihrer Einkommens- und Umsatzsteuerakten für die Zeit ab Io Juli 1949 nicht ermöglicht habe, einen bestimmten Schaden "nicht nachgewiesen" <, Dennoch sei die frühere Klägerin nicht "beweisfällig" geblieben, da für eine hier vorzunehmende Schätzung nach § 287 ZPO das im jetzigen Betragsverfahren eingeholte Gutachten des Sachverständigen eine genügende Grundlage für eine solche Schätzung gebe» Zwar fehlten für die Zeit vor der eigenen, selbständigen Geschäftstätigkeit der früheren Klägerin, die den Spirituosenhande.1 tuosengeschüft die frühere Klägerin zunächst nur als stille Gesellschafterin beteiligt gewesen war, Unterlagen für eine Umsatzschätzung„ Gleichwohl sei es gerechtfertigt, die vom gerichtlichen Sachverständigen PflHHb in seinem Gutachten angegebenen "Vergleichsumsätze"V* die auf der eigenen späteren geschäftlichen Tätigkeit der früheren Klägerin beruhten, zur Grundlage der Schadens Schätzung zu macheno Insoweit schließt sich das Oberlandesgericht dem Gutachten des Sachverständigen an., der für die maßgebliche Zeit vom Io Dezember 1949 Bis 15» Februar 1950 von einem Umsatzausfall im Spirituosehhandel in Höhe von 21o282,— DM ausgegangen ist« Im Gegensatz zu dem Gutachter, der als Reingewinn 10# des Umsatzes angenommen hat und höchstens einen Satz von 15# als möglich ansieht, hält das Berufungsgericht es für richtiger, den Yerdicnstausfall gemäß § 287 ZPO über einen (auch von der früheren Klägerin in ihrem Schriftsatz vom 29. Das Oberlandesgericht führt hierzu aus: Da der Einzelhandel mit Spirituosen lediglich zusätzlich neben den (schon früher begonnenen) Weinhandel betrieben worden sei, seien der früheren Klägerin insoweit - abgesehen von den bereits beim Weinhandel vom Tat-richtcr berücksichtigten allgemeinen Geschäftsunkosten -weitere zusätzliche Geschäftsunkosten nicht entstanden, zu demal die frühere Klägerin in ihrem kleinen Laden allein ohne fremde Hilfe tätig gewesen sei» Demgemäß kommt das Berufungsgericht zu einem ausgleichspflichtigen Schaden wegen des Verdienstausfalls im Spirituosenhandel im Wege der Schätzung nach § 287 ZPO zu einem Betrag von 6» 130 DM« Ausgehend von diesen Grundsätzen kann entgegen der Ansicht der Revision nicht gesagt werden, daß das Berufungsgericht bei seiner Schätzung die ihm nach § 287 ZPO gesetzten Grenzen, insbesondere sein freies Ermessen, unter Rcchtsverstoß überschritten habe. Wenn das Oberlandesgericht - insoweit dem gerichtlichen Sachverständigen folgend - zur Schätzung des Umsatzes der früheren Klägerin und des ihr entgangenen Gewinns in dem maßgeblichen Zeitraum auf die späteren nach ihrer Behaup- daß der Tatrichter insoweit dem Vortrag der früheren Klägerin trotz Bestreitens der Umsatzzahlen durch die Beklagte ohne weitere Beweisaufnahme gefolgt ist« Aus dem Zusammenhalt der Urteilsgründe ist jedenfalls zu entnehmen, daß das Berufungsgericht die ,,Vergleichsumsätze,, auf Grund der Angaben der früheren Klägerin und mit Rücksicht darauf, daß auch der Sachverständige sie übernommen und demgemäß für möglich gehalten hat, als Grundlage der Schätzung für geeignet hält« Wenn das Oberlandesgericht in diesem Zusammenhang den eigenen Angaben der früheren Klägerin gegenüber dem Finanzamt über die Höhe des Umsatzes, wie sie sich insbesondere aus dem von der Klägerin vorgelegten sogenannten Armutszeugnis vom 20. Juli 1950 ergeben, eine entscheidende Bedeutung offensichtlich nicht beigemessen hat, so kann dies re-visionsrechtlich nicht beanstandet werden, zu demal diese Umsatzangabcn das erste Halbjahr 1950 betreffen, also wenigstens teilweise auch den Zeitraum, in dem die Klägerin infolge der Pflichtwidrigkeiten der Beklagten den Spirituosenhandel nicht betreiben konnte« Auch daß die frühere Klägerin ihre Geschäftsunterlagen dem Sachverständigen nicht vorgelegt hat, hinderte entgegen der Ansicht der Revision das Berufungsgericht hier rechtlich nicht, eine Schätzung nach § 287 ZPO vorzu-nehmen; es hat diesen Umstand bei seiner Würdigung jedenfalls nicht übersehen. Es stand ferner im freien Ermessen des Oberlandesgerichts, ob es bei der Ermittlung des Gewinns aus den angenommenen Umsatzzahlen dem Sachverständigen folgen wollte, der einen Nettogewinn von 10# (oder höchstens 15#) des Umsatzes für gerechtfertigt und angemessen angesehen hat oder ob es - insoweit der von der früheren Klägerin behaupteten Übung folgend - zunächst einen Roh- oder Bruttogewinn in Höhe von 50# des Umsatzes schätzte, ein Verfahren, das jedenfalls nicht als grundsätzlich falsch angesehen werden kann. Insbesondere verletzt entgegen der Meinung der Revision die Schätzung des Roh- oder Bruttogewinns der früheren Klägerin als Spiritüoseneinzelhänd-lcrin in einer Höhe von 30# des Umsatzes nicht«einen Erfahrungssatz; vor allem nicht im Hinblick auf den fest-gcstclltcn Sachverhalt, nach dem die frühere Klägerin in ihrem kleinen Laden allein ohne fremde Hilfe tätig gewesen ist. Das gleiche gilt für die vom Oberlandesgericht vorgenommene Berücksichtigung der Unkosten, Diese Unkosten sind nämlich lediglich ein die Schätzung entgangenen Gewinns mitbestimmender Paktor, den das Berufungsgericht nach den dargelegten Grundsätzen ebenfalls gemäß.§ 287 ZPO frei schätzen konnte. non Spirituosenhandel nicht entstanden und demgemäß nicht zu berücksichtigen seien, so läßt dies jedenfalls einen Rechtsfehler bei der Ausübung des Ermessens des Tatrichters nicht erkennen» Es v/ar zwar durchaus möglich und vielleicht auch angebracht, worauf die Revision verweist, wenigstens einen Anteil dieser fixen Geschäftsunkosten auf den Handel mit Spirituosen für die Zeit bis 15» Februar I960 in Anrechnung zu bringen» Da der Tatrichter diese Kosten jedoch offensichtlich als feststehende laufende Geschäftsunkosten angesehen hat, gleichgültig in welchem Umfang die frühere Klägerin ihren Einzelhandel betrieb, stand es im nicht nachprüfbaren tatrichterlichen Ermessen, diese "fixen" Unkosten lediglich auf den schon früher eröffneten Y/einhandel zu beziehen und sie ausschließlich bei diesem zu berücksichtigen, v/ie es durch das Oberlandesgericht geschehen ist» Daß das Berufungsgericht, v/ie die Revision meint, wesentliche Unkosten nicht beachtet habe, kann nicht anerkannt werden» Entgegen den Ausführungen der Revision hat das Berufungsgericht bei den Geschäftsunkosten ausdrücklich die Kosten für Heizung und Strom berücksichtigt; es ist bei der Schätzung der Unkosten geringfügig über die Angaben der Klägerin in der Klageschrift hinausgegangen und hat ferner zu dem Ausdruck gebracht, daß es insoweit eine Pauschalierung vorgenommen hat, indem es der Aufzählung der eingölnen Unkostenteile das Wort "etei* hin-zugofügt hat; das ist nicht/^zulässig.