BGH · III ZR 161/64 vom 20.04.1966
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Der Vater dor Parteien starb am 28» Oktober 1957« Die Mutter errichtete am 30„ Mai I960 ein Testament, in dem sie die Klägerin und den Sohn auf den Pflichtteil setzte und die übrigen drei Töchter zu Erben einsotzte. Dio Klägerin hat mit der Klage Erhöhung dos ihr von der Mutter als Ausgleich für die [zuerkannten Betrages von 10 000 DM verlangt, ferner einen Pflichttcils-orgänzungsanspruch wegon der Schenkungen der Muttor geltend gemacht und Ermittlung des Wertes des Anteils an der 00^-& COo Gesellschaft verlangt mit dem Ziel der Geltendmachung eines Hostpflichtteilsanspruchs. Der nach dem Testament des Vaters von der Mutter zu gewährende Ausgleich habe sich nur auf den restlichen O0B-Antoil von 40 800 DM beziehen sollen, nicht auf die schon im Jahre 4948 verschenkten Anteile0 Mit der Zuwendung von 40 000 DM habe die Muttor sich im Rahmen billigen Ermessens gehalten» Hierfür sei nach dem Willen des Vaters der Nennwert der Anteile, nicht deren Kurswert maßgebend» Zu berücksichtigen sei überdies, daß das familiäre Verhältnis der Klägerin zu ihren Eltern nicht gut gewesen soi» 1.) Der Ausgangspunkt des Berufungsurteils, die Mutter der Parteien soi auf Grund des väterlichen Testamentes gehalten gewesen, den an die Klägerin für die Zuwendung der 0|Hfe-Anteile zu leistenden Ausgleich gemäß § 24 56 BGB nach billigem Ermessen zu bestimmen, ist richtig, wird auch von den Parteien nicht angegriffen. 2259 230)o Indessen kann die Bestimmung, die Mutter der Parteien solle die ihr vermachten 0®Mfc-Anteilc mit Je einem Drittel auf die Kinder Alkea, Swaantje und TJalda vererben, auch als Anordnung eines - angesichts der Befugnis der Mutter über die Anteile unter Lobenden zu verfügen, bedingten -Nach-Vermächtnissos gedeutet werden, das von einem bestimmten Ereignisse, nämlich dem Tode der Mutter an, den Lotztbedachten zugewondot ist (§ 2494 Abs0 4 BGB)„ Dieser Auslegung ist dor Vorzug zu geben, da sie dem Willen des Erblassers zu dem Erfolge vcrhilft (§ 2084 BGB; Staudinger aaO § 4940 An. 15; BayObLG aa0)o Der Anspruch auf Gewährung eines Ausgleichs für die OPRIBA-Antoile stellt sich dann als ein Untorvermächtnis dor, mit dom die Nachvermächtnisnehmerinnen beschwert sind. Die Anordnung des Ausgleichs im väterlichen Testament ist vielmehr nur dann wirksam, wenn sie als Untorvermächtnis zu Lasten der durch das Nachvermächtnis Begünstigten angesehen wird. Das hätte sie auch anders als durch letztwilligo Verfügung tun können; gegen die Wirksamkeit dor Anordnung des väterlichen Testaments, daß sie den Ausgleichs-betrag bestimmen solle, ergeben sich daher aus § 2302 BGB keine Bedenken. Obwohl sie also den Ausgleichsbetrag nur festzusetzen» aber nicht selbst zu erbringen hatto, ist das Berufungsgericht bei der in § 2156 vorgesehenen entsprechenden Anwendung der §§ 315 - 319 BGB von § 34 5 ausgegangen» also von der Vorschrift» die die Bestimmung der Leistung durch einen der Vertragschließenden zu dem Gegenstand hat„ Dem Vertragschließenden im Sinne dos § 315 BGB entspricht aber regelmäßig bei der entsprechenden Anwendung der §§ 315 - 349 auf Grund des § 2156 BGB der "Be schwof to11 im Sinne der orbrechtlichen Bestimmungen (Kipp-Coing Erbrecht IO« Aufl. Die Klägerin ist durch die Anwendung des § 3“!5 nicht beschwert und auf das Ergebnis bleibt die Nichtanwendung dos § 349? 2.) Entgegen der Ansicht der Revision ist nicht zu beanstanden» daß das Berufungsgericht bei der Beurteilung dor Frage, ob die Zuwendung eines Betrages von nur 10 000 DM dor Billigkeit entspricht, in erster Linie geprüft hat, was der Erblasser mit der Anordnung gewollt hat. Da dor Erblasser in der lotztwilligen Verfügung über sein Vermögen grundsätzlich froi i3t, kann er auch den Rahmen festlegen, innerhalb dessen der Erbe oder ein Dritter eine Leistung nach § 2456 BGB zu bestimmen hato Er kann daher der Ausübung des Ermessens willkürliche Grenzen setzen; er darf lediglich, wenn nicht die Anordnung unwirksam sein soll, die Leistung nicht dor willkürlichen Bestimmung eines anderen überlassen« Der Erblasser hätte daher z.B. rochtowirksam anordnen können, daß beim Ausgleich der Nennwert dor 0®Hfc-Antoilc zugrundezu-legon soi« Nach Möglichkeit soll dem Willen des Erblassers Rechnung getragen werden (§ 2084 BGB)« Es war deshalb richtig zu prüfen, was er mit dor Anordnung gewollt hat« Ebensowenig zeigt es einen Rechtsfehler, daß das Berufungsgericht, soweit es den wirklichen Willen dos Erblassers nicht festzustellen vermochto, dessen mutmaßlichen Willen erforscht und zu diesem Zwecke Anhaltspunkte, die das Testament, sonstige, außerhalb des Testaments liegende Umstände und die allgemeine Lebenserfahrung bieten, herangezogen hat« Denn auch aus dem mutmaßlichen Willen des Erblassers konnten sich Hinweise dafür ergeben, in welchem Rahmen sich die Ausübung des Ermessens halten sollte« Allerdings kann, wie dor Revision einzuräumen ist, die Feststellung d03 Erblasserwillens, ausgenommen die Sondorfällo, in denen Willensmängel im Testamentsrecht beachtlich sind, nicht dazu führen, rechtsgültig getroffene letzt-willige Verfügungen zu entkräften« Ein nicht im Testament selbst zu dem Ausdruck gekommener Wille des Erblassers, dor dahin ginge, der Klägerin nur einen in Wirklichkeit unter dom Angemessenen liegenden Ausgleich zu gewähren, wäre angesichts dor eindeutigen Bestimmung der Ziffer 5 dos väterlichen Testamentos unbeachtlich gewesen. Violmehr war die Mutter der Parteien, wio die Revision zutreffend geltend macht, auf Grund dieser Bestimmung gehalten, den der Klägerin zu gewährenden Ausgleich nach ihrem billigen Ermessen zu bestimmen. Es bedarf jedoch keiner Vertiefung dor Präge, inwieweit der Wille des Erblassers zu beachten v/ar, und die Revision kann nichts daraus herleiten, daß das Berufungsgericht auf den mutmaßlichen Y/illen der Erblasser abgestellt hat. so lange sie damit nicht gegen das im Testament ausgesprochene Gebot verstieß, nach billigem Ermessen zu entscheiden » Das ist nicht der Falle Die Erwägungen* die nach den Feststellungen des Berufungsgerichts dem mutmaßlichen Willen des Erblassers entsprachen, sind keine anderen, als sie die Mutter bei der Ausübung ihres Ermessens anstellen mußte odor mindestens konnte» Zu berücksichtigen hatte sie die in Betracht kommenden Worte, sic durfte aber auch entgegen der Ansicht der Revision, wie noch darzulogen sein wird, die Gestaltung der familiären Beziehungen dor Klägerin zu ihr und den Geschwistern und die sonstigen wirtschaftlichen Verhältnisse der Kinder berücksichtigen» Davon - und damit jedenfalls im Ergebnis von zutreffenden Erwägungen - geht das Berufungsgericht aus» 3«) Das Ergebnis des Berufungsurteils, bei dor Bestimmung dor Ausgleichsloistung soi lediglich die Zuwendung dos Restantoils von 40 800 DM, nicht aber die bereits vom Erblasser vorgenommeno Zuteilung von OdBfc-Anteilen zu berücksichtigen gewesen, boruht nicht auf Rechtsfehlern, Dor Erblasser, der es bei der Anordnung eines Vermächtnisses oder einer Auflage einem anderen überläßt, die Leistung zu bestimmen, muß wenigstens den Zweck der Leistung bestimmen, wenn anders die Anordnung nicht unwirksam sein soll (Staudinger BGB 9» Aufl, RdZ 2, BGB RGRK 44. Denn letztwilligo Verfügungen können nur vom Erblasser selbst getroffen werden, und nur in beschränktem Umfang sind ergänzende Bestimmungen anderer Personen zulässig, wie im Falle des ,§ 2048 Satz 2 BGB, der auch im Falle der Testamentsvollstreckung anwendbar ist (RG WarnRspr 4934, 24), und des § 2156 BGB, Deshalb war es richtig, daß das BerufungS' gericht in erster Linie geprüft hat, welche Zuwendung an die Schwestern dor Klägerin ausgeglichen werden sollte„ Die Rügen dor Revision gegen das Ergebnis des Berufungsgerichts bloibon ohne Erfolg. Das Berufungsgericht hat diese Auslegung eingehend begründet, sie iBt denkgesetzlich möglich, beruht auch nicht, wie die Revision meint, auf einem inneren Y/idersprach und läßt keinen Anhaltspunkt dafür erkennen, daß das Berufungsgericht einen wesentlichen Umstand übersehen habe. Einen solchen Umstand mußte das Berufungsgericht insbesondere nicht darin erblicken, daß den Kindern Alkea und Heiko nach Ziffer 4 des väterlichen Testamentes in der ursprünglichen Passung je 30 000 DM Vorempfängo "wegen der O^Bt-Anteile" im Nennwert von je 30 000 DM angerechnet werden sollten, während die spätere Passung diese Bestimmung durch das Nachtragstestament vom 19* Mai 1957 ohne Erwähnung der 0®BÄ-Antoile umgekehrt bestimmt, daß einzelne Kinder mit gewissen Beträgen vorweg zu begünstigen sind. Danach ist davon auszugehen, daß die bereits durch den Erblasser erfolgte Zuteilung von 0®BÄ-Anteilen bei der Bestimmung des der Klägerin zu gewährenden Ausgleichs nicht zu berücksichtigen war, und es bleibt lediglich zu prüfen, ob die Zuwendung eines Ausgleichs von nur 10 000 DM für die Zuteilung des restlichen O^B^-Anteils von 40 800 DM an die drei Schwestern der Klägerin der Billigkeit entspricht. das gilt entsprechend auch für denjenigen, der auf Grund einer Anordnung des Erblassers gemäß §§ 2156, 315 - 519 BGB das einem Kinde zufallendo Vermächtnis nach billigem Ermessen zu bestimmen hat» Dies kann als allgemeine Ansicht gelten. Leichtere Fälle der Störung der persönlichen Beziehungen zwischen dem Erblasser und dem Erben zu dem Gegenstand gesetzlicher Regelung zu machen, bestand aber angesichts der Verfügungsfroiheit des Erblassers kein Anlaß» Es kann daher nicht als Verstoß gegen die Billigkeit angesehen werden, wenn ein Erblasser ein Kind deshalb benachteiligt, weil es die persönlichen Beziehungen zu ihm abgebrochen hat» Der Revision kann nicht eingoräumt werden, der Erblasser habe seiner Ehefrau eine solche Maßnahme durch die Fassung der Ziffer 5 seines Testaments verwehrt; bei der Ausübung des Ermessens durfte sic vielmehr mangels einer ausdrücklichen entgegenstehenden Bestimmung all« Umstände berücksichtigen, die boi letzt-willigen Zuwendungen normalerweise eine Rolle spielen. Bei der Berechnung des Pflichtteils der Klägerin vom Nachlaß der Mutter wurde er mit 64 2 # des Nennwertes angenommen« Das hat das Berufungsgericht entgegen dom Vortrag dor Revision indessen nicht übersehen, sondern ausdrücklich gewürdigt« Das Ergebnis seiner Würdigung ist auo Rechtsgründen nicht zu beanstanden« Der Betrag von 10 000 DM, den die Klägerin als Ausgleich für die Zuteilung des 0®H^-Anteils von nominell 40 800 DM an ihre Schwestern erhalten hat, entspricht allerdings knapp dem auf sie entfallenden Anteil am Nennwert, wenn von vier beteiligten Kindern ausgegangen wird, und überschreitet ihn unwesentlich, wenn berücksichtigt v/ird, daß fünf Kinder vorhanden sind« Pür sich allein betrachtet wäre der Betrag von 10 000 DM daher, wie dor Revision zuzugeben ist, auch bei Berücksichtigung der kühlen persönlichen Beziehungen, die zwischen der Klägerin und ihrer Mutter bestanden, möglicherweise nicht als billiger Ausgleich zu werten« Indessen ist folgendes in Betracht zu ziehen: Die Parteien gehen davon aus, daß der Klägerin durch das Testament der Mutter der Pflichtteil und zusätzlich der Ausgleich für den OHl^-Anteil zugev/endet worden ist« Solche Verfügungen sind nebeneinander möglich (RGZ 429, 239; Staudinger-Ferid BGB 40./41. § 2304 Anm« 1; Forid NJW 4960, 424, 22)« Die Klägerin hat mit ihrem Pflichtteil, wie unstreitig ist, 4/40 des wirtschaftlichen Wertes des 0|BÄ-Anteiles von nominell 40 800 DM, nämlich 24 969,90 DM erhalten« Denn dor Anteil ist bei der Berechnung des Pflichtteils mit dom auf 249 296 DM angenommenen wirtschaftlichen Werte als Aktivum des mütterlichen Nachlasses eingesetzt worden. ihren Schwestern zugewendet worden ist» Die Festsetzung des Ausgleichsbotrags auf 10 000 DM kann nicht für sich alloin betrachtet, sie muß vielmehr im Zusammenhang mit den ande*-» ron Bestimmungen des Testamentes der Mutter gesehen werden» Es ist daher nicht lediglich zu prüfen, ob der Betrag von 10 000 DM für sich allein einen angemessenen Ausgleich darstellt, sondern die Frage lautet dahin, ob dies unter Berücksichtigung des Umstandes der Fall ist, daß die Klägerin in Auswirkung des mütterlichen Testqmcntes auf Grund der Zuwendung des Od^-Antcils an ihre Schwestern annähernd 35 000 DM erhalten hat» Unter dieser Voraussetzung kann die Zuwendung eines Ausgleichs von nur 10 000 DM noch als billig angesehen worden» Würde der Wort des O^P^-Anteils auf alle fünf Kinder verteilt, dann würde auf jedes ein Betrag von knapp 50 000 KI fallen» Daß der Klägerin statt dessen nur knapp 35 000 DM zugeflosscn sind, mußte vom Berufungsgericht nicht als Verstoß gegen die Billigkeit angesehen werden, schon weil die Mutter der Parteien nicht den wirtschaftlichen Wert des Anteils zur Zeit ihres Todes zugrundelegen mußte - den sie im Zeitpunkt der Testaraentserrichtung schwerlich zuverlässig foststellen konnte -, und weil sie auch die kühlen persönlichen Beziehungen berücksichtigen durfte, die zwischen ihr und der Klägerin bestanden» 315 - 319 BGB hei der Bestimmung einer Leistung auf Grund dos § 2156 BGB kann allerdings zu der Notwendigkeit führen, die Mittel und Verbindlichkeiten des Nachlasses und die wirtschaftliche Lago der Erben und sonstiger Bedachten in Betracht zu ziehen» Indessen haben diese Überlegungen bei einer letztwilligen Zuwendung nicht die Bedeutung, die ihr bei der Bestimmung der Gegenleistung für die Erfüllung eines entgeltlichen Vortrages zukommen können« Die Mutter der Parteien war nicht verpflichtet, bei ihrer Regelung zu berücksichtigen, daß die Parteien aus dem Vermögen der Eltern, auch abgesehen von dom hier in Hede stehenden O^H^-Anteil, sehr unterschiedliche Worte, die Klägerin sehr viel weniger als die Beklagte, bezogen haben«, Es ist noch kein Anzeichen unbilligen Verhaltens, wenn Eltern ihren Kindern aus ihrem Vermögen nicht gleich hoho oder annähernd gleich hohe Werte zukommen lassen» Die Eltern können gute Gründe für eine andere Regelung haben, die in den Verhältnissen der Kinder selbst liegen können»