BGH · III ZR 155/68 vom 26.05.1970
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
BRAGebO § 32 Auch für das Gebührenrecht gilt der Grundsatz, daß in den Rechtsmittelinstanzen förmliche Sachanträge nicht unbedingt nötig sind, so daß ein Schriftsatz mit einem Sachantrag im Sinne des § 32 BRAGebO dann in der Rechtsmittelbeantwortung liegen kann, wenn sich aus ihr das Begehren des Rechtsmittelbeklagten auf Zurückweisung des Rechtsmittels oder Aufrechterhaltung eines früher förmlich gestellten Zurückweisungsantrags eindeutig und zweifelsfrei erkennen läßt (Ergänzung zu BGHZ 52, 385). Mehrwertsteuer) nur zur Hälfte anerkannt und dementsprechend hier auf 149,22 DM festgesetzt mit der Begründung: Der von Rechtsanwalt PflHB vor der Bewilligung des Armenrechts und seiner Beiordnung bei dem Bundesgerichtshof eingereichte Schriftsatz vom 30, Juli 1969, mit dem er den Antrag auf Zurückweisung der Revision angekündigt hat, sei für die Armenanwalt skos ten ohne Bedeutung und die später - also nach seiner Beiordnung - eingereichte sachliche Revisionsbeantwortung vom 17. Die auf Festsetzung einer vollen Prozeßgebühr gerichtete Erinnerung des Rechtsanwalts FflBHV (§ 128 Abs. 2 BRAGebO) hat Erfolg, so daß die ihm zu erstattenden Gebühren einschließlich Mehrwertsteuer und Auslagen anderweit auf insgesamt 317,36 DM festzusetzen waren. In jenem Beschluß hat der Senat jedoch bereits bemerkt, daß eine sachliche Revisionsbeantwortung, aus der ersichtlich ist, daß der früher förmlich gestellte Antrag auf Zurückweisung der Revision aufrecht erhalten werde, geeignet sei, einem einen Sachantrag enthaltenden Schriftsatz gebührenrechtlich gleichgestellt zu werden« Hier ergibt der Inhalt der ausführlichen Revisionsbeantwortung vom 17. Es ist nun seit langem feststehende höchstrichterliche Rechtsprechung, daß der Rechtsmittelkläger dem gesetzlichen Erfordernis, bestimmte "Sachanträge" für das Rechtsmittelverfahren zu stellen (§ 519 Abs.3 Ziff.1 und § 554 Abs.3 Ziff.1 ZPO), genügt, wenn sich aus der Rechtsmittelschrift und -begründung sein Begehren,insbesondere der Umfang des Rechtsmittelangriffs, eindeutig und klar erkennen läßt,daß mithin förmliche Anträge nicht unbedingt notwendig sind (vgl. Denn insoweit kommt unterstützend hinzu, daß - wie der Senat in seinem in BGHZ 52, 385 ff veröffentlichten Beschluß näher ausgeführt hat - die Vorschrift des § 32 BRAGebO auf den Rechtsmittelbeklagten überhaupt nicht unmittelbar anzuwenden ist, mit der Folge, daß diese nur "entsprechende" Anwendung im Blick auf die gegenüber der prozessualen Stellung des Rechtsmittelklägers anders geartete verfahrensrechtliche Stellung des Rechtsmittelbe-klagten auch die in prozeßrechtlicher und gebührenrechtlicher Beziehung zu stellenden Anforderungen an die Schriftsätze des Rechtsmittelbeklagten beeinflußt, und zwar im Sinne einer weniger strengen Form. Es würde auf eine leere Förmelei hinauslaufen, in prozeß- und gebührenrechtlicher Beziehung vom Rechtsmittelbeklagten zu verlangen, seinen bereits früher gestellten Antrag auf Zurückweisung des Rechtsmittels ausdrücklich und wortgetreu in der schriftsätzlichen Rechtsmittelbe-antwortuhg zu wiederholen, wenn aus ihrem Inhalt sich - wie hier - klar und eindeutig ergibt, daß er den früher, auch förmlich gestellten Zurückweisungsantrag (Sachantrag) aufrecht erhält.