BGH · III ZR 142/61
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Dem Kläger kann die Rechtswohltat des § 261 b Abs» 3 3F0 nicht zugute kommen, wenn er selbst durch nachlässiges Verhalten zu einer - nicht nur ganz geringfügigen - Verlängerung der Zeitspanne zwischen Einreichung und Zustellung der Klageschrift beigetragen hat«, Daboi hat er nicht nur vorsätzliches und grob fahrlässiges, sondern auch leicht fahrlässiges Verhalten zu vertreten«, N Kläger und Revisionsbeklagton, - Prozeßbevollmächtigter: Rechtsanwalt Prof« Br hat der III« Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 31° Januar 1963 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Dr. Pagendarm sowie der Bundesrichter Br« Kreftp Br« Arndt, Br« Beyer und Keßler für Rocht erkannt: Die Beklagte hat um Abv/eisung der Klage gebeten und u.a. geltend gemacht, daß etwa begründet gewesene Ansprüche des Klägers nach Maßgabe der Bestimmungen des Allgemeinen Kriegsfolgengesetzes erloschen seien. Der Bescheid von 6„ Juni 1959s durch den die Ob®-®BHHHB.die vom Kläger gemäß dem Allgemeinen Kriegsfolgengesetz (AKG) angemeldeten Ansprüche abgolehnt hat, ist dem Bevollmächtigten des Klägers ausweislich der von der Beklagten vorgelegten Zustellungsurkunde am 10o Juni 1959 zugestellt worden (so auch Sachvortrag dos Klägers SP 3 der Klageschrift)«, Die in § 29 AKG für die Klageerhebung bestimmte Frist von sechs Monaten lief mit- . hin am 10„ Dezember 1959 ab» Die Klageschrift wurde zwei Tage vor Fristablauf am 8» Dezember 1959 bei Gericht ein-gereicht, die Zustellung an die Beklagte erfolgte jedoch erst am 9» Februar I960«, Angesichts dessen, daß der Prozeßkostenvorschuß in Höhe von 173 DM vom Kläger bereits mit einer am 18» Dezember 1959 abgegangenen Verfügung eingefordert, aber erst am 3» Februar I960 eingezahlt worden ist kann die am 9» Februar I960 erfolgte Zustellung der Klageschrift an die Beklagte im Gegensatz zur Auffassung der Vorinstanzen nicht mehr als im Sinne des § 261 b Abs«, 3 ZPO ‘'demnächst1' erfolgt angesehen werden«, Dazu kann zur Vci“-meidung von Wiederholungen im wesentlichen auf die Entscheidung des erkennenden Senats in seinem Urteil vom 5 . Juni 1961 - III ZR 73/60 - (NJW 1961 , 1627 = VorcR 1961, 713 = MDR 1961, 836) verwiesen werden, in der der Senat zu den hier interessierenden Rechtsfragen bereits eingehend Stellung genommen hat«, In diesem Urteil hat der Senat hervorgehoben, daß der Zweck der - zusammen mit der Einführung der Amtszustellung der Klage auch in Anwaltoprozessen erlassenen - Vorschrift des § 261 b Abs«, 3 ZPO allein darin liegt, dem Kläger die Verantwortung für Vor- Zögerungen der Zustellung abzunehmon, die in dem Geschäftsablauf des zustellenden Gerichts begründet sind und auf die er keinen Einfluß hat» Danach bleibt es Sache des Klägers als des grundsätzlich-für die Fristwahrung Verantwortlichen, alles ihm Zumutbare zu tun« um die Voraussetzungen für eine alsbaldige Klagezustellung zu schaffen» Deshalb kann auch - von Geringfügigkeiten abgesehen - nur insoweit, als die Verspätung der Klagezustcl-lung nicht auf ein nachlässiges Verhalten auf seiner Seite zurückzuführen ist, die Zustellung als "demnächstu erfolgt im Sinne der in Rede stehenden Vorschrift erachtet werden» Schon die gebotene Rücksichtnahme auf das berechtigte Interesse des Beklagten, der bei einer zwar erst nach Fristablauf, aber doch "demnächst" erfolgten Zustellung der Klage die Frist als gewahrt gegen sich gelten lassen muß, verbietet es,dem Kläger die Rechtswohltat (der Gesetzes-vorschrift auch dann zugute kommen zu lassen, wenn er selbst durch nachlässiges Verhalten zu einer - nicht nur ganz geringfügigen - Verlängerung der Zeitspanne zwischen Einreichung und Zustellung der Klageschrift beigetragen hat» Dabei muß ihm - wie in der genannten Entscheidung des Senats ebenfalls bereits ausgeführt worden ist - nicht nur vorsätzliches und grob fahrlässiges, sondern bereits leicht fahrlässiges Verhalten zugerechnet werden0 Auch muß der Kläger sich das schuldhafte Verhalten seines Prozeßbevollmächtigten zurechnen lassen0 die Entscheidung des Senats vom 29c Januar 1962 III ZR 184/60 = VersR 1962, 448, in der eine Frist von wenig mehr als drei Wochen zwischen Anforderung und Einzahlung des Prozeßkostenvorschusses bereits als nicht genügend erachtet worden ist), Wenn dem Kläger die alsbaldige Zahlung der Gebühr mit Rücksicht auf seine Vermögenslage oder aus sonstigen Gründen Schwierigkeiten machte, dann hätte er gemäß § 111 Abs.4 GKG Vorgehen und bei Gericht den Antrag stellen können und im Interesse der Fristwahrung auch stellen müssen, die Zustellung der'Klageschrift vor Einzahlung der Proseßgebühr zu veranlassen.