BGH · III ZR 140/54
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Nach dem Zusammenbruch nahm der Kläger am 8o Februar 1946 seinen Dienst bei dem Kassenverband wieder auf» Am 21o Oktober 1946 verfügte die Militärregierung die Entfernung des Klägers aus:seiner Stellung mit der Maßgabe, daß er keine Stelle einnehmen dürfe, die in irgend einem Zusammenhang mit der bisherigen Stellung stehe« Diese Verfügung ist an den Kassenverband gerichtet, der den Kläger am 22« Oktober 1946 davon benachrichtigte« Auf Antrag des Klägers fand eine Überprüfung im Entnazifizieiungsverfahren statt« Durch Beschluß vom 26« Juni 1947 wurde er in Kategorie III eingestufto In dem Beschluß heißt es weiters Februar 1948 hat der Kläger hiergegen Beschwerde an das Oberversicherungsamt (OVA) Hildesheim eingereicht mit dem Antrag, die Entscheidung vom 15<° August 194-8 aufzuheben und den Kassenverband zu verpflichten« ihn als OberSekretär einzustellenB Durch einen formlosen Bescheid vom 20» April 1948 hat das OVA dem Kläger mitgeteilt, daß seine Angelegenheit einer eingehenden Prüfung unterzogen worden sei und daß eine rechtliche Handhabe zu einem Eingriff im Aufsichtswege gegen den Kassenverband nicht gegeben sei* die Auffassung des Versicherungsamtes, daß der Kläger keinen Rechtsanspruch auf Wiedereinstellung habe, werde geteilt und seine Beschwerde deshalb als unbegründet zurückgewieseno In dem Bescheid heißt es weiters es das pflichtwidrig unterlassen habe, sei er gehindert gewesen* seine Ansprüche im Klageweg zu verfolgen Im Jahre 1948 hätte er mit einer Klage auch noch Erfolg gehabt* da damals die Klagesperre des Art 131 GrundG und der Anspruchsausschluß nach § 77 G 131 noch nicht bestanden hätten^ Der Kläger macht als Teilbetrag seines,Schadens entgangenes Gehalt für die Monate November 1947 bis März 1948 in Höhe von 203«77 DM und für den Monat April 1949 (abzüglich erhaltenen Wartegeldes) in Höhe von 243,78 DM geltend« Dazu rechnet er noch einen Zuschlag von 20 $ in Höhe von 89o51 DM im Hinblick auf die Wertminderung durch die inzwischen eingetretene Teuerung« Das beklagte land hat die Abweisung der Klage beantragt« Es hält eine Amtspflichtsverletzung des OVA nicht für gegeben« Der Kläger habe es auch unterlassen, gegen den Bescheid des OVA Dienstaufsichtsbeschwerde bei dem Niedersächsischen Minister für Arbeit, Aufbau.und Gesundheit einzulegen« Der Kläger habe ferner keinen Anspruch auf \7ie-dereinstellung gehabt, wäre also mit einer Klage nicht durehgedrungen« Im übrigen sei der Kläger nicht gehindert gewesen, Klage-zu erheben, weil für diese Klage eine förmliche Vorentscheidung nach § 358 BVO nicht erforderlich gewesen wäre« daß das Dienstverhältnis des Klägers durch seine Entlassung aus dem Dienste beendet und nicht nur suspendiert; gewesen sei und daß deshalb für eine Entscheidung nach § 35g Abs 3 RVO kein Baum gewesen sei«. Hilfsweise führt das Berufungsgericht weiter aus, daß eine etwaige Amtspflichtsverletzung des QVlf für den Schaden des Klägers nicht ursächlich gewesen sei,, weil der Kläger mit einer Klage auf Wiedereinstellung und%Gehaltszahlung auch im Jahre 1948 nicht durchgedrüngen wäre«. Es bestehen aber auch Bedenken gegen die Annahme des Klägers, daß eine etwaige Amtspflichtsverletzung des OVA für seinen Schaden ursächlich gewesen wäre. Es ist ^chon fraglich, oh ein im Sommer 1948 anhängig gewordener Rechtsstreit, der mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit in die Berufungsinstanz gelangt wäre, bis zu dem Erlaß des Grundgesetzes überhaupt seine Erledigung gefunden hätte® Wäre das nicht der Fall gewesen, dann hätte die Klage auf Grund der in Art 131, Abs 3 GrundG ausgesprochenen Klagesperre als zur Zeit unzulässig abgewiesen werden müssen. ob der Kläger, wenn über eine von ihm erhobene Klage noch vor Erlaß des Grundgesetzes entschieden worden wäre, mit seiner Klage Erfolg gehabt hätte« Eie Entscheidung dieser Präge hängt entgegen der Auffassung des Klägers nicht, davon a,b, wie das zuständige Gericht seinerzeit möglicherweise entschieden hätte, sondern wie es hätte entscheiden müssen, doho davon, ob dem Kläger damals in der Tat ein Anspruch auf Y/iedereinstellung und Gehaltszahlung zugestanden hat* Auch das ist in hohem Maße zweifelhaft» bf Eoch kann dies alles auf sich beruhen» Auf jeden Pell würde einem etwaigen Schadensersatzanspruch des Klägers die Vorschrift des § 839 Abs 3 BGB entgegenstehen, weil er es schuldhaft unterlassen hat, gegen die Bescheide des OVA vom 20o April 1948 und 3» Juni 1948 ein Hechtsmittel einzulegen» Eer Kläger mußte, wie das Berufungsgericht zutreffend ausführt, wissen, daß das OVA der Eienstaufsicht des Hegierungsprasidenten und des Niedersächsischen Ministers für Arbeit unterstand und daß er deshalb die Möglichkeit hatte, sigh im Wege der Eienstaufsicht gegen den Bescheid des OVA zu beschweren« Eer Kläger hat auch nichts dafür vorgetragen, daß er die Entscheidung des OVA damals für richtig gehalten habe« Er kann sich deshalb auch nicht darauf berufen, daß er auf die Nichtigkeit dieser Entscheidung vertraut und deshalb ohne Verschulden es unterlassen habe, dagegen Beschwerde einzulegen« Seine schuldhafte Unterlassung ist auch ursächlich für einen etwaigen Schaden des Klägers; Auszugehen ist davon, daß die Aufsichtsbehörde . richtig entschieden hätte« Mußte sie danach den Bechts-standpunkt des Klägers teilen, daß die Voraussetzungen für einen Vorbescheid nach § 358 BVO gegeben seien, so hätte sie seiner Beschwerde stattgegeben und das OVA angewiesen, einen formellen Vorbescheid nach § 358 Ahs 3 BVO zu erlassen« Eine andere Entscheidung hätte sie nur dann tref- Die Hingabe des Klägers an den Niedersächsischen Ministerpräsidenten vom 5o Juni 1948 kann entgegen der Auffassung der Revision nicht als Dienstaufsichtsbeschwerde gegen die Bescheide des OVA angesehen werden« Diese Eingabe ist nach den Feststellungen des Berufungsgerichts vom Kläger verfaßt und abgesandt worden?