BGH · III ZR 138/65 vom 18.01.1968
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Dieser vermietete es der Klägerin am 30o Mai 1958 mit den Recht, auf dem Grundstück die Mischanlage nebst Büro, Wächterhaus und Geräteschuppen zu erstellen. Nach mündlichen Verhandlungen mit der Klägerin erließ das Gewerbeaufsichtsamt der Beklagten durch Ordnungsverfügung vom 10, September 1962 auf Grund §§ 4 und 6 des nordrheh-westfälischen Immissionsschutzgesetzes vom 30, April 1962 (GVB1 8, 225) sowie §§ 12 und 14 des nor drhein-iwe s t f äli schen ördnungsbehördengesetzes - DBG - vom 14, Oktober 1956 (GVB1 3, 289) eine Reihe von Anordnungen, die sicherstellen sollten, daß die Geräusche der Anlage - gerneseen an den Grenzen der Nachbargrundstücke - über eine Lautstärke von 65 DIN Phon ab sofort und von 50 DIN Phon ab 1, Januar 1963 nicht hinausgingen. Unter dem Eindruck der entstandenen Schwierigkeiten stellte die Klägerin den Betrieb an der Rudolf-Straße Ende Juni 1963 ein und verlegte die Anlage auf ein anderes Grundstück, das ihr die Beklagte in Wuppertal-langerfeld vermieteteo Bie Klägerin verlangt nunmehr für die Schäden, die ihr durch eine vorzeitige Beendigung des Mietverhält-nisses mit ihren Vermieter SHHH^Hund des Betriebes der Anlage auf dessen Grundstück sowie durch die Verlegung der Anlage entstanden seien, von der Beklagten Schadensersatz oder doch eine Entschädigung« Sie hat geltend gemacht, die Bediensteten des Bauordnungsamts hätten ihr die Baugenehmigung nicht erteilen dürfen, sie hätten auch darauf hinweisen müssen, daß das Grundstück in einem Wohngebiet liege, mit der Bebauung der Grundstücke Rudolf-Straße 68/70 und Einsprüchen der Nachbarn zu rechnen sei« Angesichts des Pehlens dieser Hinweise und im Vertrauen auf die Rechtmäßigkeit der Baugenehmigung habe sio die Mischanlage auf den Grundstück cfHIB und nicht, was ihr möglich gewesen sei, auf einen anderen Grundstück erstellt und nur angesichts der drohenden Zwangsmaßnahmen seitens des Regierungspräsidenten habe sie den Betrieb verlegt« Ihr Begehren hat sie zuletzt vor dem Oberlandesgericht mit dem Antrag verfolgt, der feil des Grundstücks Stichtmann, auf den die nach der Gewerbeordnung nicht genehmigungspflichtige Anlage erstellt worden sei, habe sum Außengebiet der Stadt gehört, die Baugenehmigung sei zu Recht erteilt worden, ein Hinweis auf mögliche Unterlassungsansprüehe der Rachbarn gegenüber Lärmbelästigungen sei nicht veranlaßt gewesen, würde auch die Klägerin nicht von ihren Bauvoifhaben abgehalten habend Landgericht und Oberlandesgericht haben zu Ungunsten der Klägerin entschieden«, Biese verfolgt mit der Revision ihren zuletzt gestellten Antrag weitero Die Beklagte bittet um Zurückweisung der Revision«, zu dem andern darauf zurück, daß die zuständigen Bachbearbeiter der Beklagten nicht wie geboten die Klägerin über die ihr aus einem Eingreifen des § 14 OBG drohenden Nachteile, auch nicht über die läge eines Teiles des gemieteten Grundstücks in einem Wohngebiet und über die Bauabsichten der Bau- und Siedlungsgenossenschaft aufgeklärt hätten» Nach keiner dieser Richtungen kann indessen die Revision durchdringen, wobei es nicht nötig ist, alle in diesem Zusammenhang auftretenden Rechtsfragen zu entscheiden« Zunächst ist zu bemerken: Die Annahme des Berufungsgerichts, daß mit Rücksicht hierauf die Bestimmung des § 1 Abs.3 der Sonderbaupolizeiverordnung für die Stadt Wuppertal als vorrangige Norm anzuwenden sei, hat viel für sich« Jedenfalls verbietet diese vom Berufungsgericht nach Abwägung des für und Wider angostellte Überlegung, zu demal deren Ergebnis auch vom Erstgericht vertreten wurde und eine Stütze darin finden mag, daß die Sonderbaupolizei-Verordnung für die Stadt Wuppertal mit Zustimmung .des Regierungspräsidenten in Düsseldorf erlas en worden war, es den Bediensteten der Beklagten als eine Außerachtlassung der ihnen abzuvorlangenden Sorgfalt anzulasten, wenn entgegen der Auffassung des Berufungsgerichts die Ausweisung des Wohngebiets sich auf ein Grundstück in seiner ganzen liefe erstreckt hätte und die Sachbearbeitei’ der Beklagten dies nicht erkannt hätten. Das angefochtene Urteil führt weiter aus, es lasse sich auch nicht feststellen, daß es aus besonderen Gründen geboten gewesen sei, das in Rede stehende Grundstück abweichend von der Regel des § 1 Abs« 3 der Sonderbaupolizeiverordnung der Stadt Wuppertal in seiner ganzen liefe zu dem Wohngebiet zu rechnen; bei der beträchtlichen rückwärtigen Ausdehnung des Grundstücks und der gegebenen Entfernung von der Straße sei die Anwendung der Regel jedenfalls nicht unvertretbar gewesen; daß die Zufahrt zu der Mischanlage über den als Wohngebiet ausgewiesenen Teil des Grundstücks habe führen sollen, habe nicht gegen das Verbot der Errichtung gewerblicher baulicher Anlagen im Wohngebiet verstoßen, da ein fahrweg zu dem rückwärtigen Teil des Grundstücks keine bauliche Anlage darstelle und dem an der Straße liegenden Grundstücksteil nicht schon einen gewerblichen Charakter verleihe. portfahrzeuge die hauptsächliche Geräuschquelle gebildet habe9 meint, das Gewerbegebiet werde nicht durch den Bereich der baulichen Anlage, sondern durch den unmittelbaren Aktionsbereich der Gewerbeausübung bestimmt und schließe daher die Zufahrtsstrecken bis zu den öffentlichen Verkehr a wegen ein, so hat sie gegen sich: Ihre Ansicht ist gceig-net, das Gewerbegebiet in einer Weise auszuweiten und in seiner Abgrenzung zu verflüssigen, die mit der Regelung des § 1 Abs » 3 der Sonderbaupolizeiverordnung, die grundsätzlich für die Ausweisung als Wohngebiet auf die Aufnahme einer Straße in das der Verordnung anliegende Verzeichnis und die Größe der Entfernung des Grundstücks zu einer solchen Straße abhub, schwerlich vereinbar erscheint» Bas ierufungsgericht, dem sich bereits das Problem gestellt hatte, ist nicht zu der Meinung der Revision gelangtf unter diesen Umstünden kann es den Sachbearbeitern der Beklagten nicht als Verschulden zugerechnet werden, wenn sie nicht eine der Revision entsprechende Meinung vertreten haben« Bei dieser Sachlage kann es dahingestellt bleiben, ob sich die Bediensteten der Beklagten auch damit zu entschuldigen vermöchten, daß sie, wie die Beklagte geltend gemacht hatte nach dem von der Aufsichtsbehörde genehmigten Leitplan der Stadt Wuppertal an der hier interessierenden Stelle der Rudolf-Straße einen Streifen von 50 m als Baugebiet, den rückwärtig davou goXogenen I'eil als Auöengebiet ansehen durften» Zuzugeben ist der Revision andererseits soviel, daß die Baugenehmigung den Ausspruch der zuständigen Stelle dahin enthält, zur Zeit der Erteilung der Genehmigung bestünden gegen das Bauvorhaben aus dem öffentlichen Recht keine Bedenken» Ob und inwieweit die zuständigen Sachbearbeiter der Beklagten im Hinblick auf § 14 OBG bei der 3c- Scheidung des Baugesuchs auch darauf zu achten hatten, daß die bestimmungsgemäße Benutzung der fertiggestellten Anlage keine Gefahr für die öffentliche Ordnung und Sicherheit bedeute, und beim Vorliegen einer solchen Gefahr die Baugenehmigung zu versagen hatten, kann jedoch offentleiben» Dasselbe gilt für die Frage, ob dann, wenn eine entsprechende Verpflichtung der Beamten zu bejahen wäre, ihnen diese ihre Amtspflicht gegenüber der Klägerin unter dem hier allein interessierenden Blickwinkel obgelegen hätte, die Klägerin vor nutzlosen finanziellen Aufwendungen in Gestalt der Errichtung einer Anlage zu bewahren, die wegen der bei ihrem Betrieb auftretenden Gefahren nicht (voll) ausnutzbar war. Es war in ora ter Linie ihre Sache, für eine eijawandf reie Durchführbarkeit des Betriebes der geplanten Anlage besorgt und darauf bedacht zu sein, daß sie nicht die Anlage» für die eine gewerberechtliche Genehmigung nicht erforderlich war, nach ihrer Errichtung in einer Weise in Betrieb hält, die durch Lärmbelästigung andere an ihrer Gesundheit gefährdet» Die Klägerin von dieser Verantwortung freizustellen, war nicht der eigentliche Sinn des Genehmigungsverfahrens. 4 behauptet, vor der von der Klägerin gemieteten Parzelle, zur Rudolf-Straße 2 und unmittelbar an ihr gelegen, befänden sich die beiden Grundstücke .Rudolf-Straße 68 und 70, die der Wuppertaler Bau- und Siedlungsgenoss enschaft gehörten; bis zu dem Jahre I960 hätten sich dort nur einige Ruinen befunden, im übrigen seien sie und das übrige Gelände unbebaut gewesen» daraufhin hatte die Beklagte in ihrer Berufungsbeantwortung vom 18, Februar 1965 3, 7 erwidert, entgegen dem Vortrag der Klägerin sei die Rudolf-Straße in dem Teil, in welchem die Anlage der Klägerin errichtet worden sei, keinesfalls völlig unbebaut gewesen; im Gegenteil hätten dort schon in dem Zeitpunkt, als die Klägerin um Baugenehmigung eingegeben habe, die Häuser Rudolf-Straße 74, 76 und 73, wie sie auf dem Lageplan Bl, 44 der Bauakten als vorhanden eingeseichnct seien, gestanden, auch die Grundstücke Rudolf-Straße 64 70 seien keineswegs unbebaut gewesen, dort hätten sich die Ruinen kriegszerstörter Häuser befunden, die auf dem lageplan Bl, 41 der Baü'akten, der zur Baugenehmigung gehöre, als vorhanden und eihgemessen verzeichnet seien. Das angefochtene Urteil verweist hinsichtlich der Lage des von der Klägerin gemieteten Grundstücks in seiner Umgebung auf den bei den Akten befindlichen Lageplan, Nach dem alleiä hst das Revisionsgericht davon auszugehen, daßzu der Seit, als die Klägerin um die Brteilung dor Baugenehmigung eingab, die Grundstücke Rudolf-Straße 74, 76 und 73 mit Wohnbauten besetzt v/aren, Dfe Klägerin mußte also damit Die Klägerin konnte somit die ihr aus dem Betrieb der Anlage möglicherweise erwachsenden Schwierigkeiten und die Risiken selbst erkennen und überschauen« Bas fiel auch von vornherein in ihre eigene Verantwortung« Die Sachbearbeiter der Beklagten durften unter den gegebenen Umständen weitgehend darauf vertrauen, die Klägerin werde den Grad der von der Mischanlage ausgehenden Lärmentwicklung richtig beurteilen und werde nicht um die Genehmigung einer Anlage nachsuchen, deren Betrieb eine Gefährdung für die Bewohner umliegender Häuser mit sich bringe; sie werde auch in Betracht ziehen, daß in dem Zeitraum, für den sie das Betriebs-grundstüek angemietet hatte, die Umgebung möglicherweise mit weiteren Wohnhäusern bebaut würde, Wenn gleichwohl die Sachbearbeiter der Beklagten verpflichtet gewesen wären, sei es im Hinblick auf § 14 OBG oder die vom Oberlandesgericht herangezogene Bestimmung in § 7 Abs. 1 A Br. 2 der Baupolizeiverordnung für den Regierungsbezirk Düsseldorf vom 1« April 1939 mit späteren Änderungen Ermittlungen anzu-steilen, vielleicht auch die Nachbarn zu hören, und bei entsprechendem Ergebnis der Klägerin die beantragte Baugenehmigung nicht zu erteilen oder doch die Klägerin in der von der Revision aufgezeigten Richtung zu belehren, so kann ihr Verschulden nur als gering veranschlagt werden. An dieser Betrachtung würde es auch nichts ändern, wenn, was nicht geklärt ist, der verantwortliche Beamte, der das Baugcsuch der Klägerin bearbeitete und genehmigte, damals von dem Vorliegen eines Baugesuchs der Bau- und Siedlungsgenossenschaft eine positive Kenntnis hatte. Die Klägerin hat auch, wenn sie eine Anlage unterhielt, von deren Betrieb, wie sich herausstellte. Das alles führt zu dem Ergebnis, daß eine Schadensersatzpflicht der Beklagten, wenn sie nicht bereits aus anderen Gründen zu verneinen wäre, so jedenfalls im Hinblick auf die Bin auf die Erteilung der Baugenehmigung gegründeter Entschädigungsanspruch ist der Klägerin jedenfalls im Hinblick auf das sie treffende Mitverschulden zu versagen, das ihr für die Entstehung des Schadens anzulasten ist (§ 43 Abs.3 OBG). Die Revision will zu Unrecht eine Entschädigungspflicht der Beklagten mit der Begründung bejaht sehen, die Baugenehmigung sei grundsätzlich eine Bestandsgarantie im Hinblick auf das Fehlen öffentlich-rechtlicher Hindernisse und behalte nur solche öffentlich-rechtlichen Hindernisse vor, die bei ihrer Erteilung noch nicht vorhanden, auch nicht bei Anwendung Die Genehmigung ist auch durch die in der ordnungs« behördlichen Verfügung angeordnoten Maßnahmen, die sich vor allem mit einer Dämpfung des von den die Anlage anfahrenden Fahrzeugen ausgehenden Barns befaßten, dann mit dem Zu- und Abfahrtsweg zu der Anlage, überhaupt nicht berührt worden.