BGH · III ZR 134/63
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PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
- Prozeßbevollmächtigter; Rechtsanwalt Br hat der III, Zivilsenat dos Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 21« Dezember 1964 unter Mitwirkung des Senatspräsidenton Br, Pagendarm sov/io der Bund rrri cht er Br, Kreft, Br, Arndt, Keßler und Br, Reinhardt für Recht erkannt: Sie berufen sich insoweit auf zwei an dio Beklagte Frau WflHMgerichtete Briefe des Erblassers vom 10» Februar 1943 und 18» Februar 1943, die diesor als Soldat geschrieben hat. In dem ersten dieser Briefo heißt es u»a»s "Worm mir etwas zustoßon sollte, o«.»« habe ich mein ganzes Gold u Sachen u Erbteil Dir, Leni, Hanna ^“das ist eine vor dem Erblasser am 5« August 1956 verstorbene Schwester_7 und 7~das ist eine Bezeichnung für den Beklagten Wilhelm ScHHHB_7 VormachtIn dem zweiten Brief vom 18» Februar 1943 ist u»a» gesagti “Sollte mir was zustoßen, so ist von mir aus alles geregelt u behalt die Schreiben damit Du Henna u über moino Sachen Bar Geld u mein Erbteil verfügen könntuo Demgegenüber hat dio Klägerin dio Auffassung vertreten: Der Erblasser habe dio Erbeinsetzung nur für don Fall gemeint, daß er aus dem Kriege nicht zurückkehre» Es habe sich um ein Militartestament gehandelt, das nach gesetzlicher Vorschrift seine Gültigkeit mit Ablauf eines Jahres nach dem Togo verloren habe, mit dem für den Erblasser das mobile Verhältnis aufgehört habe» Mag die Ausdrucksweioc in dem Brief auch ungewöhnlich sein, so steht sio doch keineswegs zwingend der Auffassung de3 Berufungsgerichts, das sich mit der Verwendung des Perfekte ausdrücklich auseinandergesotzt hat, entgegen. 2. Bern Berufungsgericht ist darin beizupflichten, daß die lotztwillige Verfügung, als die das Berufungsgericht don Brief von 10o Februar 1943 wertet, nicht ein Hilitärtesta-ment in Sinne von Art* 1 § 3 des Gesetzes Uber die freiwillige Gerichtsbarkeit und andere Rechtaangelegenheiton in der Wehrmacht von 24* April 1934 (RGBl I, 335) derstellt» Dazu ist in dem angofochtencn Urteil ausgeführt: Als jenes Gesotz ergangen sei, habe es geringere Anforderungen an die Form de3 Testierons für Soldaten im mobilen Verhältnis als das Bürgerliche Gesetzbuch gestellt» Bios habe auch für die hier maßgebende Bestimmung in Art» 1 § 3 Abs. 1 a des Gesetzes gegenüber der damals noch geltenden Vorschrift in § 2231 Ziffer 2 BGB gegolten. In diesen Ausführungen tritt ein Rechts irrt um nicht zutage, so daß mit dem Berufungsgericht davon auszugehen ist, daß der Erblasser als Soldat eine letztwillige Verfügung nach dem Testamentsgesotz, aber nicht durch Militärtestament errichtet hato Was die Revision demgegenüber vorbringt, greift nicht durcho Mo Revision meint einmal, das Berufungsgericht habo übersehen, daß beide Briefe nicht den Formen oinos ordnungsmäßigen privatschriftliehen Testamentes entsprächen« Bonn beide seien nicht mit dem vollen Vornamen und Familiennamen des Erblassers untorschriebon, wie § 21 Abs. 3 des Tosta-mentogesotzos 03 verlange. Demgegenüber ist darauf hinzu-weioen, daß dio Unterzeichnung mit Vor- und Familiennamen in der genannten Gesetzesbestimmung nur als Soll-Vorschrift enthalten ist und daß eine Unterschrift in anderer Y/ei30, dio zur Feststellung der Urheberschaft dos Erblassers und der Ernstlichkoit soinor Erklärung ausreicht, dor Gültigkeit des Testaments nicht entgegonsteht. Infolgedessen sprecho dio Vermutung dafür, daß der Erblasser als Wehrmacht o angehör iger auch oin Sold at ent est ament habe errichten v/ollen« Eine ümdeutung in ein ordentlichoo, bürgerlichrecht-lichco Testament komxno nur in Betracht, wenn sich aus der Urkunde der Wille dos Testators ergebe, daß das Testamont in jedom Pall auch über dio Jahresfrist dos Art, 1 § 3 Abo, 5 des Gesetzes vom 24« April 1934 in Geltung bloibon solle» Insoweit verkennt dio Revision folgendes: Ein Militärtestament im Sinne des genannten Gesetzes liegt nur vor, wenn es in den besonderen in diesem Gesotz vorgesehenen und für zulässig erachteten Formen errichtet ist» Ist das Testament in einer der - früher im Tostamentsgesotz, jetzt wieder in Bürgerlichen Gesetzbuch bestimmten - allgenein zulässigen Fornon von einem auch nach allgemeinen Grundsätzen Testier-fähigen errichtet, dann ist es kein ,,Llilitärteotamont,, oder uSoldatentestaIRont,,, mag der Erblasser das Testament auch als Soldat errichtet haben und zu der Errichtung durch dio besondere Lago, in der er sich als Soldat befand, veranlagt worden sein« Eine ganz andero Frage ist die, ob das Testamont gegebenenfalls nur unter einer Bedingung - otwa dor, daß der Erblasser nicht aus dem Krieg oder einer besonderen Gofahrenlago zurückkehro - errichtet ist» Jedenfalls macht dio Tatsacho, daß ein in allgemein-gültiger Form verfaßtes Testament von einem Soldaten und in oinor kriegsbedingten besonderen Gofahronsituation errichtet ist, das Testament nicht zu oinem Militärtestament im Sinne des Gesetzes vom 24o April 1934» Es ist bereits oben unter 1) ausgoführt worden, daß dio Auffassung dos Berufungsgerichts, der Brief vom 10« Februar 1943 sei für sich allein - und nicht erst im Zusammenhang mit dem späteren Brief - ^ls lotztwilligc fügung zu werten, aus Rechtsgründon nicht zu beanstanden ist« Ebensowenig aber sind durchgroifendo Bedenken gegen die - auf tatrichterlieber Würdigung des Sachverhalts be-ruher.do Februar 1943 eine neuo Erbeinsetzung nicht enthalte« Das Berufungsgericht hat mithin - ohne daß die Revision insoweit einen Rechtsfehler aufzuzeigen vermöchte - in dem zweiten Brief oino lotzt-willige Verfügung überhaupt nicht gesehen, so daß auch von einem testamentarischen Widerruf der in dem ersten Brief enthaltenen letztwilligen Verfügung durch den zweiten Brief nicht in Betracht kommen kann.