BGH · III ZR 133/58
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
Biesen berechnet der Kläger nach der Höhe des Liegegeldes in BrflBÜHI siit einem handelsüblichen Zuschlag von 50 Demgemäß hat er beantragt, die Beklagte zu verurteilen, an ihn 1 404 DM nebst 4 Zinsen seit dem 1. Sie ist der Ansicht, eine Amtspflicht, die Binnenschiffer von der beabsichtigten Sperre des Schiffshebewerkes zu verständigen, habe dem Bundeaverkehrsminister nicht obgelegen; jedenfalls fehle e3 an einem Verschulden der beteiligten Beamten. Deshalb sei eine Verantwortlichkeit der Beklagten für die behaupteten Schäden des Klägers allenfalls dann gegeben, wenn ihre Beamten schuldhaft versäumt hätten, dem Kläger so zeitig - also noch am 19* Mai 1956 - Nachricht von der beabsichtigten Sperre zu geben, daß er noch die Möglichkeit gehabt hätte, von einem Abschluß des Frachtvertrages mit der TOTAG (wie er im Verlaufe des 19* Mai 1956 erfolgt ist) Abstand zu nehmen* Insoweit verneint das Oberland e3gericht aber ein Verschulden des mit der Bearbeitung de3 Schreibens vom 16* Mai 1956 befaßten Beamten des Bundes-Verkehrsministeriums, wenn dieser mit Rücksicht auf die besonderen politischen Verhältnisse zwischen der Bundesrepublik und der sowjetisch besetzten Zone die Mitteilung nicht sofort weitergegeben, sondern eine Entscheidung der politisch verantwortlichen Stelle des Ministeriums, wie in dieser Sache zu verfahren sei, abgewartet habe* Jedenfalls könnte den Beamten des Bundesverkehrsministeriums bei der Lage des Falles nicht zu dem Vorwurf gemacht werden, daß sie die Angelegenheit aus sachfremden Erwägungen und schuldhaft über den 19« Mai 1956 hinaus verzögert hätten. Bas Landgericht hat die Klage abgewiesen, weil der Kläger nicht dargetan habe, daß sein Schaden auf dem Verhalten der Beamten des Bundesverkehrsministeriums beruhe® Bas Oberlandesgericht. Juni 1895 (RGBl S» 501 und die dazu ergangenen späteren Änderungen und Neufassungen des Gesetzes - BinnSchG) bei einer - wie näher ausgeführt wird - nur zeitweiligen, von keiner Seite zu vertretenden Verhinderung der Schiffsreise an den einmal abgeschlossenen Frachtvertrag gebunden, und ihm als Frachtführer sei nach dem Gesetz das Risiko auferlegt worden, die 1«) Soweit der Kläger seinen Schadensersatzanspruch daraus herleitet, daß die Beklagte ihn nicht schon am 19* Mai 1356 _ wobei, für die Revisionsinstanz zu unterstellen ist* vor Abschluß des Frachtvertrages am selben Tage - von der beabsichtigten Sperre des Schiffshebewerkes unterrichtet oder die Mitteilung hierüber nicht sofort noch an diesem Tage öffentlich bekanntgemacht habe, gilt folgendess Es kann offen bleiben, ob dem Bundesverkehrsministe-riun die Amtspflicht oblag, die gewerblichen Binnenschiffer auf bekannt gewordene Schwierigkeiten und Hindernisse de3 Binnenschiffahrtsverkehrs nach rechtzeitig und unverzüglich hinzuweisen, und ob diese Amtspflicht auch dem Kläger als gewerblichem Binnenschiffer gegenüber bestand* Denn jedenfalls können darin, daß vom Bundesverkehrsmini-sterivm nicht noch am 19» Mai 1956 eine Entscheidung ge-■croffcn wurde und eine Mitteilung über die bevorstehende Sperre des Mittellandkanals erfolgte, schuldhafte Amts-pfli-chtverle tzungen nicht gesehen werden« Da das Schreiben vom 16» Mai 1556 beim BundesVerkehrsministerium am 19* Mai .«.9:6 einging, die Sperre des Mittellandkanals aber erst ab 1« Juni 1956, also erst nach Ablauf von weiteren zwölf Tagen erfolgen sollte, war die Situation so, daß vom Bundes-verkehrsministerium eine sofortige Entscheidung und deren Bekanntmachung noch vcr Ablauf von 24 Stunden nach dem Zeitpunkt des Briefeingangs nicht verlangt oder erwartet werden k^nnve« Hinzu kommt die Tatsache, daß es sich wegen des unstreitig erstmaligen direkten Anschreibens des Bundesverkehr oministers durch eine Zentralstelle der sowjetisch besetzten Zone um eine Angelegenheit mit zweifellos politischem Einschlag handelte, die eine Prüfung durch die pell- Aus der Tatsache, daß eine Mitteilung über die beab-3ichtigte Sperre des Mittellandkanals durch das Bundesverkehr sministerium am 19o Mai 1956 unterblieb, kann also der Klüger mangels eines vorwerfbaren Verhaltens des Bundesver-kehrsministeriums für sich nichts herleiten. 2.) Soweit der Kläger seinen Klageanspruch darauf gründet, daß das Bundesverkehrsministerium die beabsichtigte Sperre des Schiffshebewerkes RVHHMnicht wenigstens in den darauf folgenden Tagen, »sondern - angeblich schuldhaft verspätet - erst am 25. Mai 1956 bekanntgegeben nat, ist die Feststellung des Berufungsgerichts, etwaige Amts-pf-ichtverietzungen des Bundesverkehrsministeriums durch schuldhaft säumiges Verhalten in dieser Zeit seien für den Schaden nicht kausal, revisionsraäßig nicht zu beanstanden. Der Senat hat in seinem zur Veröffentlichung bestimm-Urteil vom heutigen Tage in der insoweit gieichliegenden Sache MedÜVgegen Bundesrepublik - III ZR 152/58 - mit neuerer Begründung, auf die hier verwiesen werden kann, av.s-gefüfcrfc, daß e3 sich bei der Sperrung des Schiffshebewerkes Hmi im Mittellandkanal im Juni 1956 um eine nur "zeit-weise Verhinderung" im Sinne des § Tl'BinnSchG gehandelt hat# und Umstände, die eine andere Beurteilung der Sachlage zu«» la.esen könnten - besonders im Sinne der Möglichkeit einer Lösung des Klägers von dem abgeschlossenen und ihn bindenden Frachtvertrag nicht gegeben oder nicht dargetan sind. Hiernach war der Kläger als Frachtführer nach Abschluß des Frachtvertrages vom 19* Mai. 1956 nicht mehr befugt, wegen der Behinderung der Fahrt infolge der vorübergehenden Sperre des Mittellandkanals ab 1, Juni 1956 einseitig die Beladung aufzuschieben oder von dem geschlossenen Vertrag zurückzutreten (§§ 36, 71 BinnSchG)« Die gegen die tatrichterliche Feststellung, die WETAG hätte (oder habe) den Kläger an dem Frachtvertrag auch fest-gehalten, von der Hevision erhobene Verfahrensrüge nach § 139 ZPO ist schon aus folgenden Erwägungen unbegründet* da3 Bundesverkehrsministerium, die Reise angetreten, und er hat im Beruf ungs'verfahren in seinem Schriftsatz vom 28® Mai j.355 S o 5 selbst vorgetragen & Die Beladung seines Schleppkahns sei erst am 26« Mai 1956 beendet worden (sie begann r.aeh der Behauptung des Klägers am 22« Mai, nach dem vom Kläger gleichfalls vorgeiegten und inhaltlich vorgetragenen Ladeschein Jedoch erst am 24« Mai 1956); er - der Kläger *• habe aber von sich aus nach bereits erfolgtem Vertrag33chlu3 Hauptfrachtf»ihrer gegenüber dem Kläger als Unterfrachtführer die rechtliche Stellung des Absenders hat, noch vor Antritt der Reise ausdrücklich die Erfüllung des Frachtvertrages verlangt -nd ein Umdispenieren durch den Kläger hin-s—üblich der aufgenommenen oder noch aufzunehmenden Ladung n—ht zugelassen habe« Dann kann der Kläger auch nicht rü-das Tatsachengericht habe verfahrenswidrig die Frage oder die weitere Aufklärung unterlassen, ob der Kläger bei einer Y/arnung ror dem 25® Mai 1956 die Beladung hätte verhindern oder die bereits begonnene Beladung hätte rückgängig machen können« Denn dies wäre nur mit Zustimmung der WETAG möglich gewesen, und die Tatsache., daß die WETAG nicht zugestimmt hätte oder hat, konnte das Berufungsgericht schon aus dem eigenen Vorbringen des Klägers im Rahmen de3 ihn freier stellenden § 287 ZP0 entnehmen®*