BGH · III ZR 133/57 vom 24.04.1957
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Für den ihm infolge der Beschädigung seines Wagens angeblich entstandenen Verdienstausfall nimmt der Kläger das beklagte Land aus dem Gesichtspunkt der Amtspflichtverletzung mit folgender Begründung in Anspruchs Der Unfall sei darauf zurUckzufUhren» daß das beklagte Land auf der Landstraße in Sichtung Bitburg vor der Einmündung der Zufahrtstraße kein Warnschild aufgestellt habe» Ein solches habe aber unbedingt aufgestellt werden müssen» da ein Fichten wald jede Sicht auf die Abzweigung nehme und sich zur Unfallzeit ständig ein starker Verkehr von der.Baustelle ”Bed-hardn auf die Zufahxtstraße in Sichtung auf die Landstraße Oberweis-Bitburg bewegt habe» Der Kläger hat weiter vorgetragen» daß sein Verdienstausfall insgesamt 2 320 DM betrage und daß ihm der Haftpfliohtversicherer des Zeugen im Vergleichswege 1 100 DM bezahlt habe» Von d em danach verbleibenden Betrag von 1 420 TM macht der Kläger mit der vorliegenden Klage einen Teilbetrag geltend und hat vor dem Landgericht beantragt» das beklagte Land zur Zahlung von 1 100 DM nebst Zinsen zu verurteilen« Das beklagte Land bat um Abweisung der Klage gebeten» . Bas Berufungsgericht hat seine die Klage abweisende Entscheidung im wesentlichen mit folgenden tatsächlichen und rechtlichen Erwägungen begründets Bie Pflicht zur Aufstellung von Verkehrsr-, insbesondere von Warnzeichen obliege den Straßenverkehrsbehörden des beklagten Landes (staatliche Verkehrspolizei), wie sich aus § 5 Abs»4 StrVO in Verbindung mit § 75 PVG für Bheinland-Pfalz (und der in der Anlage zu dieser Bestimmung unter B Hr«6 getroffenen Regelung) und § 5 a StrVO ergebe» Jedoch sei die Verkehrspolizei entgegen der Auffassung des Landgerichts nicht verpflichtet gewesen, auf der Landstraße Oberweis-Bitburg vor der Einmündung der hier interessierenden Zufahrtstraße ein Warnschild anzubringen, da diese Einmündung nicht als eine wirklich gefährliche Stelle, die die Anbringung eines Warnschilder erfordert habe, zu erachten sei» Aber selbst wenn man.'mit dem Landgericht in der Unfallsteile eine wirkliche Gefah- Verletzung des 'beklagten Landes nicht ursächlich für den Unfall geworden sei» Za dem Unfall sei es nioht deshalb gekommen, weil der Sohn des Klägers die Einmündung der Zu- In dem Vortrag der Parteien wird hingegen auch von Schildern und "Warnschildern" nach Bild 30 und 52 der.Anlage zur StzVO gesprochen (u.a, In .dieser Sichtung liegt hier jedoch eine die Schadensersatzpflicht des beklagten Landes nach § 839 in Verbindung mit Art.34 GG auslösende Pflichtverletzung nicht vor. 3o) Nach § 5 a StrVG sind «gefährliche Stellen an Wegstrecken, die dem Durchgangsverkehr dienen, von den Landesbehörden durch Warnungstafeln zu kennzeichnen«• .Ob eine die Kennzeichnung durch eine Warnungstafel erheischende «Gefahrenstelle« gegeben ist, ist nicht eine Frage.des Ermessens der zuständigen*Behörde, sondern ebenso wie. Hach den in diesem Zusammenhang von dem Berufungsgericht getroffenen und insoweit von der Bevision nicht angegriffenen Feststellungen war hier «bereits auf weite Entfernung.•.•♦*. Jedoch war nach den weiteren Feststellungen die Sicht von der Straße Ober-weis-Bitbixrg in die Zufahrtstr.aßc schlecht, da sie durch einen.hohen, dichten Fichtenwald, mit dem der Winkel zwi- acton beiden Straßen bestanden ist* behindert war« trenn .aber die Einmündung der Zufahrtstraße schon auf weite Entfernung deutlich zu erkennen war, dann bedurfte es insoweit keiner besonderen Warnung der Verkehrsteilnehmer« Der Fichtenbestand, der die Sicht in die Zufahrtstraße behinderte, atand ebenfalls jedem Verkehrsteilnehmer vor Augen« Die durch die Sichtbehindetung bedingten Gefahren ergaben sich mithin bereits ohne weiteres aus der Örtlichkeit, ohne daß es noch der Aufstellung eines besonderen Warnzeichens {Warnungstafel im Sinne des § 5 a StrVG), wobei lediglich ein solches nach Bild 1 der Anlage zur StrVO in Betracht kommen konnte, bedurfte» Für jeden Verkehrsteilnehmer, der eich auf der Straße von Oberweis-Bitburg der Einmündung näherte, ergab sich nach alledem bereits aus der ohne weiteres erkennbaren verkehrsmäßigen Situation die Pflicht, sich angesichts der Sichtbehinderung in die Zufahrtstraße der Einmündung in einer Weise zu nähern, die es ihm ermöglichte, gegebenenfalls dem zunächst nicht erkennbaren Herannahen anderer Verkehrsteilnehmer auf der Zufahrtstraße rechtzeitig und sachgerecht Bechnung tragen zu können« ' Lediglich zur Klarstellung sei noch darauf hingewiesen, daß entgegen der Annahme der Bevision auch später kein »Warnschild» vor der Einmündung der Zufahrtstraße aufgestellt worden ist« Vielmehr ergibt sich aus dem eigenen sachvor-trag des Klägers, der sich auf die Aussage der Zeugen W^PRft und gründet, daß es sich dabei tun die die Vorfahrt regelnden Schilder nach Bild 30 oder 30 a (auf der Zufahrtstraße, vor der Einmündung^) und nach Bild 32 (auf der Landstraße Oberweis-Bitburg) handelt» satz "rechts vox linke11 • Dez Sohn des Klägers wax mithin wartepflichtig* Davon» daß es sich bei dex ZufahrtStraße um eine verkehr st echnisch völlig untergeordnete und von Kraftfahrzeugen kaum benutzte Straße gehandelt habe; aus dex der Sohn des Klägers einen Verkehr mit Kraftfahrzeugen nicht habe zu erwarten brauchen (vgl. 4») äfach dem Sachvoxtxag dex Parteien stellt sich nunmehr weiter die vom Berufungsgericht nicht behandelte Präge» ob die zuständige Straßenverkehrebehörde» wenn auch nicht ein Warnschild im Sinne des § 5 a StrVGund der Anlage zur StrVO unter A I a, so doch die Vorfahrt regelnde Verkehrszeichen hätte aufstellen müssen« Es liegt deshalb auch grundsätzlich im Ermessen der Stra-ßenverkehrsbehörden» ob es an Kreuzungen oder Einmündungen von Straßen bei dem in § 13 Abs.l StrVO aufgestellten Grundsatz "rechts vor links” sein Bewenden haben oder ob eine davon abweichende Regelung der Vorfahrt durch entsprechende Beschilderung nach Abs.2 und 3 aaO erfolgen soll« Daß hier die Einmündung der in Hede stehenden Zufahrt-straße nicht einen Gefahrenzustand schuf» der bereits unter dem Gesichtspunkt der polizeilichen Gefahrenabwehr ein Abweichen von dem das Vozfahrtrecht beherrschenden Grundsatz "rechts vor links” als geboten erscheinen lassen müßte» ergibt sich in gewissem Umfang schon aus den Ausführungen» die oben im Zusammenhang mit der Präge dex Aufstellung von Warnzeichen gemacht worden sind« Im übrigen war nicht zu befürchten» daß ohne eine besondere Begelung der Vorfahrt bei den die in Betracht kommenden Straßen benutzenden Ver- kehisteilnehmein eine eie gefährdende Verwirrung entstehen und begründete Zweifel über die Voxfahxtfxage auftxeten könnten« Auch ist selbst dann, wenn man vom Sachvortrag des Klägers ausgeht, ein ausreichender Anhaltspunkt dafür nicht gegeben, daß die Besonderheiten der an der Straßeneinmündung gegebenen Vexkehrsverhältnisse eine Begelung der Vorfahrt ohne weiteres geboten hätten und (oder) daß es der zuständigen Straßenverkehrsbehörde als Bxmessensmißbrauch zur Last gelegt werden könnte, daß sie eine von der Begel des § 13 Abs»l StrVO abweichende Vorfahrtregelung an der Unfallstelle unterlassen hat.