BGH · III ZR 129/63
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Nach einer im Juni 1961 in Kraft getretenen, vom Rat der Beklagten am 23o Februar 1961 verabschiedeten "Verordnung zur Ausweisung von Baugebieten und über die Abstufung der Bebauung für das Gebiet der Stadt Wuppertal" ist nunmehr eine fünfgeschossige Bebauung in jenem Gebiet vorgesehene Im Jahre 1951 hatte die Beklagte für das dem Grundstück des Klägers gegenüber an der Westecke der Hügelstraße gelegene Grundstück eine sechsgeschossige Bebauung genehmigt; die Erteilung eines förmlichen Dispenses war unterbliebene 1955/56 beantragte der Kläger im Wege der Bauanfrage durch seine Architekten Garenfeld und Theissen die Genehmigung' zur Errichtung eines fünfgeschossigen Wohn- und Geschäftshauses «> Zu dieser Zeit waren die an das Grundstück des Klägers angrenzenden Nachbargrundstücke auf der Berliner Straße noch nicht neu bebaut* Am 29o Januar 1957 kam es zu einer Besprechung des Vorhabens zwischen den Architekten des Klägers und Baurat Bühnen sowie Bauassessor Koepels als Vertreter der Beklagten* Dabei wurde den Architekten erklärt, daß nur viergeschossig gebaut werden dürfe mit einem zurückgesetzten fünften Geschoß, das nicht zu Wohnzwecken benutzt werden dürfe* die Genehmigung zu dem Bau eines viergeschossigen Hauses mit einem zurückgesetzten fünften Wohngeschoß» Später wurden auch die Grundstücke Nr0 209 und 211 in dieser Weise bebaut» Inzwischen hat die Beklagte dem Kläger auf Antrag diese Bebauungsweise ebenfalls genehmigt» Durch das Bauordnungen der Beklagten wurde schon zwei Tage vor dem Richtfest (Dezember 1957) bei dem Architekt des Klägers, TflHIB, angefragt, ob das fünfte Geschoß des Hauses des Klägers auf ein Vollgeschoß umgestellt und zurückgesetzt mit Balkon ausgeführt werden könnte. Januar 1957 unrichtigerweise erklärt, die viergeschossige Bauweise sei endgültig und rechtskräftig festgelegt, sowie mit Nachdruck darauf hingewiesen, jede Beschwerde gegen diese Beschränkung auf vier Vollgeschosse sei sinn- und aussichtslos» Seine Architekten hätten nur deshalb kein Rechtsmittel eingelegt, weil sie nach diesen Erklärungen der Beamten davon hätten ausgehen müssen, daß ein etwaiges Rechtsmittel mit Sicherheit sowohl von der Beklagten als auch vom Regierungspräsidenten abschlägig entschieden worden wäre und den Baubeginn, auf den sowohl die Beklagte als auch der Kläger Wert gelegt hätten, nur verzögert hätte» Er:- der Kläger - sei in seiner Überzeugung, daß die viergeschossige Bauweise endgültig.entschieden sei, noch durch einen Besuch des Verwaltungsrats SflBBi der Beklagten am 4« März 1958 bestärkt wordene Schmidt habe ihm - was unstreitig ist - um sein schriftliches Einverständnis mit einer fünfgeschossigen Bebauung durch den Nachbarn gebeten und ihm für den Pall, daß er auf alle Ansprüche, die sich aus der Genehmigung dieser Bauweise für den Nachbarn ergeben wurden, verzichte, die nachträgliche Genehmigung eines fünften Vollgeschosses zugccagt» Er habe dies abgelehnt, da sein Haus nahezu fertiggestellt gewesen sei, und aus der Unterredung geschlossen, daß die Beklagte an die viergeschossige Bauweise gebunden sei und davon ohne Genehmigung des Nachbarn nicht abweichen könne» Der Kläger ist der Ansicht, ein Rechtsmittel gegen die Verweigerung seiner fünfgeschossigen Bebauung, von dessen Einlegung man ihn pflichtwidrig abgehalten habe, hätte Erfolg gehabte Er folgert das aus der späteren Entwicklung: Die Beklagte habe nämlich noch vor Inkrafttreten der Verordnung vom 24» Februar 1961 in der Berliner Straße bei 26 Gebäuden westlich der Hügelstraße und bei zwei Gebäuden östlich davon, nämlich den Nummern * Die Sonderbaupolizeiverordnung für die Stadt Y/uppertal vom Io April 1939 sei 1957 noch in Kraft und wirksam gewesen und von der Beklagten auch beachtet worden» Die Voraussetzungen für eine Dispenserteilung im Sinne der damals vom Kläger beantragten fünfgeschossigen Bauweise hätten 1957 nicht Vorgelegen0 Schon die Dispenserteilung für vier V/ohngeschosse sei ein Entgegenkommen gegenüber dem Kläger gewesen, Es sei nämlich ursprünglich geplant gewesen, die nach Westen abfallende Berliner Straße nur westlich der Hügelstraße mehr als dreigeschossig bebauen zu lassen» Dementsprechend sei in den vom Kläger genannten Fällen jeweils ein entsprechender Dispens erteilt worden» Indem östlich der Hügelstraße gelegenen Abschnitt der Berliner Straße, in dem das Grundstück dos Klägers liegt, seien anfänglich jedoch nur dreigeschossige Häuser geplant gewesen» Für die abgestufte Bebauung der Berliner Straße als einer Hauptcinfahrtostraße nach Y/uppertal seien städtebauliche Gründe maßgebend, gewesen» Anläßlich der Bauanfrage des Klägers sei die Planung so geändert worden, daß die Straße im Osten mit drei Geschossen beginnen, im Abschnitt des Klägers vier Geschosse aufweisen und sich westlich der Hügelstraße mit fünf Geschossen fortsetzen.sollte» Auf Grund dieser Planungen sei im Jahre 1957 für den östlichen Straßenabschnitt eine Bebauung mit fünf Vollgeschossen nicht genehmigt worden» Der Vorschlag der Beamten an die Architekten des Klägers hinsichtlich des zurückgesetzten fünften Geschosses Rechtsmittels abzuwenden (§ 839 Abs» 3 BGB)» Ein solches Rechtsmittel hatte allerdings nur auf Grund der erst später eingetretenen Planungsanderungen Erfolg haben können» Per Kläger sei durch Beamte der Beklagten nicht davon abgehälten worden, Beschwerde gegen die Entscheidungen der Beklagten einzulegen« Bei der Besprechung mit den Architekten des Klägers am 29 * Januar 1957 hätten Baurat BüflBfc und Bauassessor KdHBl auf eine angeblich endgültige und rechtskräftige Feststellung der viergeschossigen Bauweise für den Abschnitt der Berliner Straße, in dem das Grundstück des Klägers liegt, nicht hingewiesen» Soweit sie erklärt haben sollten, eine Beschwerde sei ausgeschlossen, hätten 3ie offensichtlich nur eine solche bei ihren Vorgesetzten im Planungsamt gemeint, da ihnen deren Standpunkt, den sie dem Kläger gegenüber nur vertreten hätte, bekannt gewesen sei» 1» Das Berufungsgericht vertritt die Ansicht, daß im Jahre 1957 die Sonderbaupolizeiverordnung für die Stadt Wuppertal von 1» April 1939 (noch) maßgebend und hiernach für das Grundstück des Klägers Berliner Straße 3$r» 205 nur eine Bauv/eise mit lediglich drei Vollgeschossen ohne selbständige Y/ohnung im Dachgeschoß zulässig gewesen sei» Der Kläger habe einen Anspruch auf Genehmigung seines Bauantrages mit fünf Vollgeschossen und Erteilung eines entsprechenden Dispenses nicht gehabt» Das Ober-landeogericht führt dazu im einzelnen weiter aus, daß die Verweigerung der fünfgeschossigen Bauweise auch nicht gegen § 5 der Baupolizeiverordhung für den Regierungsbezirk Düsseldorf vom 1» April 1939» in dom die Voraussetzungen für die Erteilung eines Dispenses geregelt sind, verstoßen habe» Selbst wenn man im Hinblick auf die vom Kläger nicht bestrittene damalige, aus "Gründen des allgemeinen Wohls" erfolgte Stadtplanung der Beklagten im Zuge des vollständigen Wiederaufbaues dos zerstörten Straßcnzugos der Berliner Straße ein Abweichen von den Bo- Stimmungen der Bauordnung für erforderlich halte und damit die Voraussetzungen für eine Dispenserteilung bejahe, liege in der Verweigerung des Dispenses für ein fünftes Vollgeschoß dennoch keine Amtspflichtverletzung der Beamten der Beklagten« Denn bei der Erteilung des Dispenses handele es sich um eine Ermessens-entscheidungo Daß aber die Beamten der Beklagten bei ihrer Entscheidung einen so schwerwiegenden Ermessensfehler begangen hätten, wie ihn die höchstrichterliche Rechtsprechung für die Annahme einer Amtspflichtverletzung fordere, sei nicht erkennbar« Die Entscheidung, dem Kläger unter Befreiung von der vorgeschriebenen dreigeschossigen Bauweise vier Vollgeschosse zu genehmigen, sei nämlich auf Grund sachlicher Abwägung von Gründen und Gegengründen (Interesse des Klägers an weitgehender Ausnutzung seines Grundstücks gegenüber den städtebaulichen Gesichtspunkten) getroffen worden, und Prägen der Zweckmäßigkeit unterstünden nicht der Nachprüfung durch die Zivilgerichte im Amts-haftungsproseßo Auf Grund der Beweisaufnahme stehe fest, daß selbst der Architekt des Klägers als Fachmann den damaligen PIanungsvorschlag der Beamten der Beklagten für vernünftig gehalten habe; auch daraus ergebe sich, daß diese nicht willkürlich gehandelt hätten« Die Tatsache, daß später (1939) dem Grundstücksnachbarn des Klägers, fünf Vollgeschosse genehmigt worden seien und die 1957 erfolgte Genehmigung von (nur) vier Vollgeschossen für den Kläger sich nachträglich als unzweckmäßig erwiesen habe, könne bei der Wertung des Verhaltens der Beamten der Beklagten von Anfang 1957 nicht berücksichtigt werden« Auch die dem Kläger gestellten Bedingungen für den Ausbau des fünften Geschosses sei nicht eine solch fchlsame Ermessenentscheidung, wie sie für die Bejahung einer Amtspflichtverletzung erforderlich sei« Denn die damals noch geltende Sonderbaupolizeiverordnung der Stadt Wuppertal von 1« April 1939 habe in ihrem § 4 bei der Zulässig- * keit von drei Vollgoschosson nur ein Dachgeschoß ohne Raum zu dem dauernden Aufenthalt von Menschen vorgesehen* Es sei deshalb nicht öaehv/idrig gewesen, vielmehr habe es den Bauvorschriften entsprochen, wenn die Beamten dem Kläger (mit den vier Vollge-schosoen) zugleich ein Dachgeschoß genehmigten, das zwar nicht zü Wohnzwecken, aber als Abstellraum oder zu ähnlichen Zwecken durchaus brauchbar gewesen sei* Im übrigen habe der Kläger selbst nicht behauptet, daß die mit der Bearbeitung seiner Bau-anfrago betrauten Beamten Anfang 1957 Kenntnis davon gehabt hätten, daß mit einer Änderung der Planung im Sinne einer fünfgeschossigen Bauweise für das Grundstück des Klägers mit einiger Wahrscheinlichkeit demnächst zu rechnen gewesen wäre* Die Revision irrt, wenn sie meint, daß eine viergeschossige Bauweise nur dann hätte genehmigt werden können und dürfen, wenn diese Bauweise damals bereits "endgültig festgelegt" oder "geplant" gewesen sei» Eine städtische Planung, wie sie hier unstreitig Grundlage für die Bearbeitung und Genehmigung des Bauantrages oder der Bauanfrage des Klägers war, und lediglich in Rahnen einer Dispenserteilung Berücksichtigung fand, ist nämlich grundsätzlich zu unterscheiden von der "endgültigen Feststellung" der Bauplanung und insbesondere einer bestimmten Bauweise, die grundsätzlich durch eine gemeindliche Bauordnung, die ein Ortsgesetz darstellt, erfolgt» Die kommunalen Beamten Ira übrigen hat das Berufungsgericht als Kollegialgericht in einer eingehenden und nicht grundsätzlich fehlsamen rechtlichen Würdigung die Meinung vertreten, daß in der Verweigerung der Genehmigung des vom Kläger seinerzeit beantragten fünften Voll-geschosses schon objektiv Amtspflichtverletzungen der Beamten nicht zu sehen oder zu finden seien» Deshalb könnte auch - ohne daß es insoweit eines weiteren Eingehens auf die in diesem Zusammenhang erhobenen übrigen Rügen der Revision bedarf - jedenfalls ein Verschulden der Beamten nicht angenommen werden (vgl» hierzu: BGB-RGRK aaO Aim. 48)» Io Hinsichtlich des weiteren Vorwurfs des Klägers, die Beamten der Beklagten hätten in der Besprechung mit seinen Architekten am 29o Januar 1957 Amtspflichten dadurch verletzt, daß sie durch unrichtige Angaben und unangemessene Beeinflussung den Kläger von der Einlegung eines Rechtsmittels gegen die Versagung des Dispenses für fünf Vollgeschosse abgehalten hätten, führt das Berufungsgericht aus: stellt * Vielmehr sei lediglich der Nachweis für die Erklärung der Beamten erbracht, auf dem Grundstück des Klägers werde nur eine viergeschossige Bauweise genehmigt und jede Beschwerde dagegen sei aussichtslos» Biese Erklärung oder Auskunft sei aber nicht unrichtig, sondern richtig gewesen, da - so stellt das Oberlandesgericht weiterhin fest - die Beklagte seinerzeit weder die Genehmigung für eine fünfgeschossige Bebauung erteilt noch einer dagegen gerichteten Beschwerde des Klägers abgeholfon hätte» Auch seien die Erfolgsaussichten einer (etwaigen) Beschwerde an den Regierungspräsidenten von den Beamten der Beklagten nicht falsch eingeschätzt worden» Benn nach dem damaligen Stand der Planung und den sonstigen ihnen bekannten Umständen hätten die Beamten davon ausgehen können und dürfen, daß der Regierungspräsident sich der (damaligen) Stadtplanung als dem einzigen Grund, der eine Bispenserteilung überhaupt gerechtfertigt habe, anschließen würde» Baß diese (damalige) Planung während eines eventuellen BeschwerdeVerfahrens hätte geändert werden können, sei für die Beamten mangels konkreter Anhaltspunkte nicht vorhersehbar gewesen» (V förmlichen Beschwerde gegen die Versagung des fünften Vollgeschosses durch den Kläger verneint hat» Bas Oberlandesgericht hat bei seinen Erwägungen insoweit nicht, wie die Revision meint, übersehen, daß die vom Kläger unternommenen oder versuchten Gegenvorstellungen bei der Beklagten selbst nicht einer förmlichen Beschwerde gleichzusetzen sind0 Es hat vielmehr gerade aus diesem Gesichtspunkt den tatsächlichen Schluß gezogen, daß - wenn die behaupteten Erklärungen der Beamten über die angebliche völlige Aussichtslosigkeit einer Beschv/erde den Kläger nicht davon abgehalten hätten, bei der Beklagten selbst Gegenvorstellungen zu erheben - diese dann noch viel weniger geeignet gewesen seien, den Kläger an der Erhebung der förmlichen Beschwerde als des wirksameren Rechtsbehelfs zu hindern und ihn zu veranlassen, auf die Nachprüfung durch eine mit der eigenen Vorentscheidung nicht "belasteten" Behörde (doh„ den Regierungspräsidenten) zu verzichteno Biese Erwägung liegt auf dem der Revisionoinotanz verschlossenen Gebiet der tratrichterlichen Würdigung, ohne daß insoweit ein Verstoß gegen Erfahrungssätze oder Benkgeootzc erkennbar wäre:*.