BGH · III ZR 129/52
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WeimVerf - ist kein Anspruch, der einem Verfolgten, nach den "Vorschriften des bürgerlichen Rechtes" im Sinne des § 9 Abs 2 S 1 BEG zusteht; er kann, soweit er eine "Entschädigung für Schäden, die auf nationalsozialistischen Gewaltmaßnahmen. Ii,für Recht erkannt Auf die Rechtsmittel der beklagten Stadt v^erden das Urteil des 3» Zivilsenats des Cb er lande sge rieht s in Celle vom 20. Die beklagte Stadt behauptet, Judenwohnungen seien durch eine aufgebrachte Volksmenge geplündert worden; ein Teil der Möbel der Mutter des Klägers sei wahrscheinlich vom. Sie, die Beklagte,- habe keine Verfügengsbefugnis über die Wohnung und die daring befindlichen Gegenstände gehabt; diese Befugnis habe vielmehr der Gauleiter ür sich in Anspruch genommen, indem er geltend gemacht abe. Der Kläger hat behauptet, daß die.von ihm näher zeichneten Gegenstände einen Wert von 11 085 DM ge hätten» Mit der vorliegenden Klage verlangt er nunme als Gesamtersatz für den entstandenen Schaden 8 500 nebst 4 i° Zinsen seit Kl age Zustellung» Si streitet nicht nur ihre Haftungsverpflichtung überh sondern auch die Höhe des geltend gemachten Ansprüche Das Landgericht hat dem Kläger 8 000 DM nebst 4 Zinsen seit dem 3 = November 1949 zugesprochen und im gen die Klage abgewiesen» Gegen dieses Urteil hat klagte Stadt Berufung eingelegt» Das Oberlandesgeri hat durch Zwischenurteil den Klageanspruch dem G nach für gerechtfertigt erklärt. Mit der Revision verfolgt die beklagte Stadt Antrag auf volle Klageabweisung weiter» Im Hinbli das Bundesergänzungsgesetz zur Entschädigung für der nationalsozialistischen Verfolgung hat sie in mündlichen Verhandlung in erster Linie beantragt, Hauptsache für erledigt zu erklären, und ganz hilf se, den Rechtsstreit an das Landgericht HHHB ab benc- Der Kläger vertritt den Standpunkt, daß sein Ar spruch durch das BundesentSchädigungsgesetz nicht be Ent s che i dungsgründe Die Revision der beklagten Stadt ist begründet» Nach-||: dem die Revisionsklägerin beantragt hat, in erster Linie finden Rechtsstreit in der Hauptsache für erledigt' zu erklären p; bedarf es keines Eingehens ••darauf, ob das Berufungsgericht fr mit Recht dem Kläger den Schadensersa.tzanspruch gegen die Bpr gurteilung durch das Revisionsgericht stehende Rechtsver-l^hältnis' miterfassen wollen, sind aber auch vom Revisionsfeericht zu berücksichtigen, wie der Senat bereits in einer yfrüheren Entscheidung näher dargelegt hat (vgl BGHZ 9, 101) l|pas Bundesentschädigungsgesetz will alle noch, nicht erle-pdigten Entschädigungsansprüche erfassen, wie sich deutlich p&UB § 108 Abs 1 a ergibt (ein nach dem neuen Recht zustän-K|iges Gericht hat ,?auf Grund der Vorschriften dieses Ge-Ksetzes1' zu entscheiden). aber für die Entscheidung des Rechtsstreits-i heblich; auch von der beklagten Stadt wird der von ill hauptete Entschädigungsanspruch des Klägers nicht ausj sondern aus § 18 BEG hergeleitet„ Die 'Vorschrift deal BEG greift in der lat hier ein5 denn die Sachen der 2 serin des Klägers waren der ’'-Plünderung preisgegebenl dem diese gezwungen worden war? Hat aber der Kläger einen Entschädigungsanspruch hach §§ 18, 1 BEG, dann haftet ihm insoweit nur das Dana (§ 77 BEG), gegen das allein er auch im Klage-|iiege nur vergehen kann (§ 99 EEG) 5 denn nach § 9 Abs 1 iBEG können ffAnsprache auf Entschädigung für Schäden, die %uf nationalsozialistischen: Gewaltmaßnahmen beruhen, «*/ [gegen die in § 1 Abs 3' aufgef ührtjhz Personen des öff entliehen Rechtes nur nach den. Fach § 9 Abs 2 BEG- werden nur ’’Ansprüche, die dem rfolgten nach den Vorschriften des bürgerlichen Rechts gen Körperschaften, Anstalten oder Stiftungen des öf~ nt liehen Rechts «oc .züstehen”, -durch die Vorschriften eses Gesetzes nicht berührt« Daß dem Kläger nach den Urschriften des bürgerlichen Rechts" ein. a) Daß der Kläger einen Schadensersatzanspruch gegen e beklagte Stadt pur nach Maßgabe des § 839 BGB, Art 131 imVerf haben könnte, nicht aber auch unter anderen Ge-chtspunkten, etwa auf der Grundlage der Vorschriften der |89, 31 , 823, 831 BGB, ist nicht zu bezweifeln $ der gel-||d gemachte Schaden kann offensichtlich nur durch eine Zeitliche Betätigung der Organe der beklagten Stadt her- liehrechtlichen Verwahrungs-verhältnis sich ergebend':-:: pflicht in/'Betracht; daß die beklagte Stadt die in ?e!| geratenen Gegenstände; für die der Kläger Ersatzverlf in ihren.-Besitz genommen hätte , ist .nicht behauptet m sondern es wird Im Gegenteil; der beklagten’ Stadt vom'*| vorgeworfen, daß' ihre Bediensteten "verabsäumt hätten,.-, eine Sicherstellung der Gegenstände zu sorgen-und däffi insoweit ihre Amtspflichten , verletzt hätten,: Die in J Visionserwiderung aufgeworfene Frage, ob der Stadtrat] nicht als ein "verfassungsmäßig berufenes Organ Beklagter, anzusehen sei, ist rechtlich unerheblich; di entspricht einer feststehenden Rechtsprechung, daß ei] Haftung nach §§ 89, 31 BGB nur dann in Betracht kommfj wenn ein ’’privates Handeln” der Körperschaft vorliegfj aber bei einer hoheitsrechtlichen Betätigung Schadens! (Forsthoff„ Lehrbuch des Verwaltungsrechts I, ,2.Aufl mmafl 24-6): daß sie eingreift, ergibt sich aber nicht aus Vorschriften d^es bürgerlichen Rechts, sondern aus dem 'VejN&j fassungsrecht oder besonderen, dem öffentlichen Recht zuzählenden Gesetzen Zwischen der "Zugehörigkeit" einer Vorschrift zucesi^^^ bestimmten Teil der geltenden Rechtsordnung und ihrer -kungen" auf die einzelnen Rechtsverhältnisse ist zu unfi scheiden. 170 aussprach, Art 131 WeimVerf^ gelte als "Rechtsnorm" des bürgerlichen Rechts weiter^^^H sei nicht durch die nationalsozialistische Verfassün^gwH rung außer Kraft-gesetzt» Die 'Vorschrift des § 9 Abs stellt es nicht darauf ab,:ob die dort genannten Anspr&fljaB einen bürgerliehrechtli'chen'^COaarakter" haben, -also 'nic^Hl auf die von der Revisionserwiderung hervorgehobenen lier&sjmH male, sondern .erklärt den Umstand für maßgebend, daß ■anspruchsbegründenden Bestimmungen dem bürgerlichen "angehören", eruheny "nur" nach Maßgabe des Bundesentschädigungsgesetzes eltend gemacht werden können, so folgt daraus, daß das Gebt z andere Ansprüche - im Rahmen gewisser Grenzen (§ 9 Abs 1 albsatz 2, Abs 2} - ausschließen wollte» Dieser Ausschluß ann sich nicht etwa .auf Wiedergutmachungsansprache nach der. ndergesetzen beziehen; denn die günstigeren landesrecht-ichen Regelungen werden ausdrücklich aufrecht erhalten (§§ Abs 1, Halbsatz 2, 104 Abs 1 Satz 2 BEG)» Der Sinn kann nur er sein, daß Wiedergutmachungsansprliche "auf Grund sonstiger esetzlicher Bestimmungen", die neben einem "besonderen" Ent-chädigungsrecht oder neben dem Rückerstattungsrecht (§ 7 BEG), eben dem in den Ländern geltenden günstigeren Entschädigungs-echt (§ 104) und nebe'n dem bürgerlichen Recht •(§ 9 Abs 2) in etracht kommen könnten, ausgeschlossen sein sollen (vgl die „entsprechenden Bestimmungen in § 4 der in der amerikanischen 195 - oder in § 6 des Berliner Entschädigungsge-tzes vom 10» Januar 1951 -TV OBI für Berlin I, 85 -)» Der gfail- der Ansprüche "auf Grund sonstiger gesetzlicher Bestimmungen" '.’ird nicht nur zu Gunsten des Bundes und der Län-;der» sondern allgemein zu Gunsten aller öffentlich-rechtlicher ersonen, die unter § 1 Abs 5 BEG fallen, verfügt» Es geht omit dem Gesetz nicht darum, allein für die Träger der Ent-chädigungslast (§ 77 BEG) eine einheitliche Regelung der «ntsehädigung herbeizuführen, sondern es will erkennbar alle ’ach Maßgabe von Vorschriften, die es nicht selbst ausdrücklich für weiterhin beachtlich erklärt» begründeten Ansorüche Ilf gen die öffentliche Hand ausschließen (so auch Wilden, 2JJW ®53, 1570; "Die Entschädigungspflicht der öffentlichen Hand feilte § 9 auf die Vorschriften des BEG beschränken")» , dÜS eine Vers chlechterung gegenüber dem in der ämeri'käh'i^^HHBj Besatzungszone geltenden Entschädigungsrecht vermiedö^fflSH müsse (vgl das Protokoll Nr 259 des genannten Ausschussq^aBjM Dieses Recht hat aber auch nur die Ansprüche "nach den 3fo|3i Schriften des bürgerlichen Rechts1’ unberührt gelasi CjBH| 5) i alle Ansprüche "auf Grund sonstiger gesetzlicher mungen" jedoch ausgeschlossen (vgl § 4 der US-Zone-Br.EscBä&ji gungsgesetze). Körperschaften unter daBH in § 9 Abs 1 BEG verfügte Freistellungvon Entschädi/dtBfl bindlichkeiten diesen praktisch zugute kommen sollte, allgemeine Amtshaftung als fortbestehend anzusehen wäBMH einer Ersatzpflicht "nach den Vorschriften des bürger^glM Rechts" ist auch, wie schon erwähnt, in den Entschädi^^H ge setzen der amerikanischen Besatzungszone di e Rede ser Gesetze); die Amtshaftungsvorschriften werden cor besonders hervorgehoben als Teil der "allgemeinen Vorpfl£a ten" (vgl § 7 Abs 5 Satz 3). is läir Gicb gegen dieses Ergebnis nicht eii nverden, daß fcmi"- dem f; h Abs 2 Sara 1 BEG, soweit er die An spräche gegen lie öffentui ehe Hard betrifft« seine prakü loche Bedeutung ge_ ßrainen würde; denn es fcioiben euch beim Ausschluß der Amts-paftung genügend bürgerlichrechtliche Ansprüche übrig, sowohl iblche aus Vertrag (z.B. bei einer unberechtigten Auflösung Sines Vertrsgsverhältnisses), als auch aus ungerechtfertigter Brei che rung, als auch au{s unerlaubter Handlung (nämlich ir. ph Bällen., iß denen sich das schädigende Verhalten, nicht auf Kheitllchem Gebiet bewegt hat)c Es kann sein, daß im Sinne Kes Entschädigungsrechts das "hoheitliche Handeln" nicht auf ij.flche Akte erstreckt werden kann, die auch nach dem national-Sozialistischen Recht nicht mehr als Betätigung der Staatsgewalt or s;;-Ae inen konnten., sondern, als offensichtliches Unrecht Au ge !.'..en ratter u JA, Abhandlungen bei einer Vernehmung), Es will, wie die Präambel zeigt, jg'rden Verfolgten geschehene Unrecht wieder gutmachen, aber nur für den Pall, daß eine andere Ersatzmöglichkeit pit vorhanden ist (z.B. wenn der Täter unbekannt ist), Pffilern ohne Rücksicht hierauf.Auf dieser Grundlage würde ■fcaber wenig gerechtfertigt erscheinen, wenn die von der rötlichen Hand zu leistende Entschädigung sich verschie- -*fgllll sung der Präge, ob ein Verschulden einer bestimmten PefsbrJl vorliegt .oder nicht; herbeif'ihren,, So muß ihm im Erg ons^M Bedeutung einer Sonderregelung der Staatshaftung für nationalsozialistischen Gewaltmaßnahmen beruhenden S beigelegt werden, durch die das diesbezügliche allgemej^fflB Recht für die hier in Betracht kommenden Schädigungen -il schaltet v;ird„ -wOM Welche Folgen sich aus dieser Würdigung des Gesetzes jJ ergeben, braucht hier nicht erschöpfend behandelt zu Daß der Ausschluß der allgemeinen Amtshaftung zu "untrazbaBj unbilligen” Ergebnissen führen müßte, wie die Revisi cmm wide rung meint, trifft jedenfalls nicht zu. Es kann s singfej daß für Schädigungen, die nicht mehr "in Ausübung öffeMBW lieber Gewalt", sondern nur gelegentlich einer hoheitii^fl Betätigung zugefügt worden sind, der Verfolgte nach §J||8M 831 BGB Ersatz verlangen kann; es kann sein, daß im Äfiii fall der Verfolgte auch den Schädiger persönlich nach Doch bestdhl^M Anlaß, diese Frage im vorliegenden Falle weiter zu prii^^H Der Kläger hat nicht dargelegt, daß er auf Grund des"|||^M ent Schädigungsgesetzes nicht zu dem vollen Ersatz, mit der vorliegenden Klage begehrt, kommen könnte, Fällen aber, in denen auch nach dem Bunde sent Schädigung^® setz eine volle Wiedergutmachung eintritt, muß die Au^^Uj tung der. das Maß des Verschuldens der ausführenden Körperschaften von dem der die Täglichen Maßnahmen anordnenden Stellen des Reiches oder der ja tiona 1 so2ia 1 istischen Organisationen in gerechter -Weise a'b-itigrenzen; Ein nach allgemeinem Recht statthafter Ausgleich fischen der Gemeinde und den anderen mitbeteiligten Körperschaften ist nach dem Wegfall der Letzteren night mehr mögliche So muß die Übernahme der Entschädigungslast auf die (ander und den Bund als sachgerecht angesehen werden,, hach alledem muß daran festgehalten werden■, daß die auf lifers ehr if ten des öffentlichen Rechts zurlickgehenden Amtshaf-ßtingsansprüche durch § 9 Abs 2 BSG nicht erfaßt rweröen; soweit Sie eine ’’’Entschädigung für Schäden? daß'dem Kläger der Spiltend gemachte Anspruch nach dem durch' §§ 9 Abs 1 Halbsat Bßi V BEG auf recht erhaltenen Rücker stattiingsrecht zust eilen''! So scheidet K Anspruch auf der Grundlage des Art 11 aus,, Aber auch Art |f: Abs 2 gibt dem Kläger keinen Anspruch gegen die beklagte. Godin, Rückerstatt: feststellbarer Vermögensgegenstände, 2 a Aufl 1950, £: Art 26 Abs 2) f.Auch andere Vorschriften des hier ihg kommenden Rückerstattungsrechtes geben dem Kläger ke' besonderen Anspruch gegen die Beklagte; in. Rach alledem muß erkannt werden, daß mit dem Ink treten des Bundesentschädigungsgesetzes der vom Klage tend gemachte Entschädigungsanspruch, selbst wenn erj her gegen die Beklagte zugestanden haben sollte, hiji gegen sie geltend gemacht werden kann (§ 9 Abs 1 Hali BEG)o Durch den Eintritt der Entschädigungshaftung d| des ist ein etwaiger bis dahiß bestehender Anspruch d gers gegen die Beklagte in Wegfall gekommen. Da eine Abgabe des eine| haftungsanspruch betreffenden Rechtsstreites an das digungsgericht nicht in Betracht kommen kann, muß gel Hauptantrag der Beklagten die Hauptsache für erledij| klärt werden.