BGH · III ZR 123/62
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
daß diesor Schachtkörper auf der rechten Seite mindestens 6?5 cm auo der Fahrbahn herausgeragt habo und die Straße nach rechts abgo-fallen aoio Die Klägerin hat von der Beklagten aus dem Gesichtspunkt schuldhafter Verletzung der Verkehrssicherungspflicht hinsichtlich der HiflHUB^atraßo als Ersatz für den durch den Aufprall ihres Wagens auf den Schachtkörper angeblich entstandenen Schaden (einschließlich Abschleppkoston und Kosten für die Anmietung oines Eroatzwagens) 2 379?2o DM verlangt. Bio Revision bittet demgegenüber einmal um Überprüfung der bisher vom Bundesgerichtshof vertretenen Auffassung, daß Ansprüche aus Verletzung der Verkehrssicherungspflicht für öffentliche Straßen grundsätzlich nach § 825 BGB und nicht nach § 839 EGB in Verbindung mit Art«, 34 GrundG zu beurteilen 3eieno Weiter macht die Revision geltend«, daß jedenfalls in U *.:■ Württemberg ganz allgemein die Vorkehrssicherungspflicht für öffentliche Straßen als öffentlichrechtlicho Pflicht normiert worden und dem©ntsprechend eino Verletzung derselben nach Amt shaft ungerecht zu beurteilen soi0 Abgesehen davon habe die Beklagte im Gegensatz zur Auffassung des Berufungsgerichts in einer den in BGHZ 9? so daß auch aus diesem Grunde bei einer Verletzung der Vorkehrssichorungspflicht die Verletzung von Amtspflichten im Sinne von § 839 BGB in Verbindung mit Art«, 34 GG in Mitte stehec Dieses Vorbringen der Revision kann nicht als von vornherein abwegig und völlig unhaltbar bezeichnet werden«, so daß nach den zuvor aufgezeigten Grundsätzen die Revision als zulässig erachtet worden muß« Berufungsgericht hat sich nicht ausdrücklich mit den in IVürttenberg geltenden Sondervorschriften auseinandorgesetzt0 Bo kann offen bleiben, ob trotz dieser Nichterwähnung des Landesrechtes dem Berufungsurteil mit hinreichender Deutlichkeit zu entnehmen ist, daß ea die Präge, ob auf Grund irrevisiblen württembergischen Landesrechte die Verletzung der den Gemeinden für ihre Straßen obliegenden Verkehrssicherungr’-pflicht als Verletzung einer öffentlich-rechtlichen Pflicht zu beurteilen sei, in den Kreis seiner Erwägungen gezogen und sie - mit bindender Wirkung für den erkennenden Senat - verneint hat» Nämlich selbst dann, wenn der Senat die Rechtslage insoweit ohne Bindung an das Berufungsgericht zu beurteilen hätte, würde sich am Ergebnis nichts ändern® Soweit die Verkehr esicherungspflicht durch unterbliebenes oder ungenügendes Reinigen oder Bestreuen der Straßen verletzt worden ist und die Reinigungs- und; Streupflicht ihre gesetzliche Grundlage im württembergischen Gesetz vom 6» Juni 1923 (RegBl 1923, 73) findet - ein Pall, der hier nicht vor liegt -, hat das 0berlande9gericht Stuttgart schon wiederholt ausgesprochen, daß es sich dabei um einen nach § 823 BGB zu beurteilenden Sachverhalt handelt (vgl® OLG Stuttgart in VRS 11, 1.7 und dazu die Entscheidung des erkennenden Senats vom 5«/7® August 1961 III ZR 86/60 = VersR 1961, 887)® in den Pällen, in denen die Verletzung der Verkehrssicherungspflicht, wie hier, in der Nichtbeseitigung eines mangelhaften baulichen Zustandes der Straße zu sehen und die gesetzliche Grundlage für die Instandhaltungspflioht in der von der Revision in der mündlichen Verhandlung vor dem Senat angezogenen Württembergischen Wegoordnung vom 23/Oktober 18o8 (RegBl 18o9, 19) -in der Passung der Verordnung vom 6® Juli 1873 (RegBl 1873, 295) - su suchen ist, gilt nichts anderes® Denn dafür, daß der aus der hier in Rede stehenden Art der Verletzung der Verkehrssicherungspflicht sich ergebende Schadensersatzanspruch nicht nach privatrechtlichen Grundsätzen (§ 823 BGB), Schließlich kann auch aus dem Entwurf eines Straßengesetzeo für Baden-Württemberg (Beilage 3283 der Drucksachen des 3« lan-tagos von Baden-Württemberg) nichts Entscheidendes für die Beklagte gewonnen werden« Entgegen der Meinung der Revision sprechen weder der Wortlaut noch die Begründung der §§ Io und 67 des Entwurfs dafür? Gewalt sei, als dienstliche Aufgabe übertragen und die Errichtung des Stadtbauamtes sowie seine dienstlichen Aufgaben durch Veröffentlichung in der Zeitung der Allgemeinheit kundgegeben0 Dieses Vorbringen der Beklagten ist jedoch nicht geeignet«, die Einordnung des Klageanspruchs als eines Amtshaftungsanspruchs zu rechtfertigeno Selbst wenn man von der Richtigkeit des Tatsachenvortrages der Beklagten ausgeht, sind die Voraus« Setzungen für eine hoheitsrechtliche Wahrnehmung der Verkehrs« sicherungspflicht hinsichtlich der öffentlichen Straßen durch die Gemeinde nicht gegeben« Es bedarf dazu einer der Allgemeinheit gegenüber kundgegebenen ausdrücklichen Erklärung und eines entsprechenden Organisationsaktes im Rahmen der Organisations« gewalt der zuständigen Organe (BGHZ 9, 373* 388)« Diese Voraussetzungen sind damit:, daß die Beklagte dem Stadtbauamt die Sorge für den verkehrssicheren Zustand der öffentlichen Straßen übertragen und die Errichtung des Stadtbauamtes und seine dienstlichen Aufgaben durch Veröffentlichung in der Zeitung bekannt gemacht hatnoch keinesfalls gegeben» Wenn das Stadt« bauamt auch als. Baupolizeibehörde Träger öffentlicher Gewalt sein mag9 so ist damit keinesfalls gesagt , daß alle Aufgaben des Bauamtes hoheitsrechtlicher Art seien» Zu den allgemeinen Aufgaben der Stadtbauämter gehören in der Regel ebenfalls Aufgaben, die ohne Zweifel nicht dem hoheitlichen Bereich zugerechnet werden können, wie etwa Bau und Unterhaltung stadt-eigener Häuser u. dergl» Es kann daher schon aus diesem Grunde keinesfalls allein wegen der Übertragung der Sorge für den verkehrssicheren Zustand der Straßen auf das Stadtbauamt die Wahrnehmung der Verkehrssicherungspflicht als eine hoheitliche Aufgabe angenommen werden, zu demal die Beklagte nichts in der Richtung vörgetragen hat, daß etwa ihrem Stadtbauamt - von der Wahrnehmung der Verkehrssicherungspflicht für die öffentlichen Straßen abgesehen - aller Regel zuwider ausschließlich hoheitliche Aufgaben oblägen oder daß sie dem Stadt'bauamt die Wenn die Beklagte meint, das Erfordernis der Kundgebung an die Allgemeinheit sei in der Entscheidung in BGHZ 27, 278, 282 nicht mehr aufrecht erhalten worden, so trifft das nicht zu« Für eine solche Annahme gibt die genannte Entscheidung keinen Anhalt, ganz abgesehen davon, daß es bei ihr nicht um die Verletzung der allgemeinen Verkehrssicherungspflicht, sondern um die - auf öffentlichem Hecht beruhende - Pflicht zur po-lizeimäßigen IVegoreinigung auf Grund des Preußischen Wege-roinigungsgesetzes ging. Wenn es weiter ausgeführt hat, daß auch bei Anwendung der Vorschriften Uber dio Amtshaftung dio Beklagte für den Schaden der Klägerin einzustohen hätte, so ist das in dem vorliegenden Zusammenhang nicht entscheidend, da es sioh. insoweit lediglich um eine Hilfserwägung handelt* dio die Entscheidung des Berufungsgerichts nicht trägt und nichts daran ändert, daß ausschließlich die Bestimmung des § 823 BGB die Rechtsgrundlage für dio Verurteilung der Beklagten durch das Berufungsgericht bildet« Durch das Rechtsmittel der Beklagten ist die Revisionsinstanz - wie ebenfalls in der bereits erwähnten Entscheidung des Senats in 3GHZ 4o, 76 ausgefUhrt ist - nicht zur Nachprüfung dos Borufungsurteilo schlechthin, sondern nur insoweit eröffnet worden, als es um die - vorstehend abgeschlossene - Prüfung dos Klageanspruchs als eines gemäß § 547 Abs. 2 Nr0 2 ZPO rovisionarechtlich privilegierten Anspruchs geht, während darüber hinaus dio Entscheidung des Berufungsgerichts der tiberprüfung durch das Revisionsgericht nicht unterstellt worden ist und nicht unterstellt werden kann» Mithin ist dem erkennenden Senat eine Nachprüfung des BerufungsUrteils dahin verschlossen, ob das Berufungsgericht mit Recht die Voraussetzungen für eine Haftung der Beklagten wegen Verletzung der Verkehrssicherungopflicht gemäß § 823 BGB bejaht hat:oder nicht *