BGH · III ZR 123/57
Originalentscheidung als PDF
PDF öffnen ↗Leitsatz / Zusammenfassung
- Prozöi3bevollmächtigters Rechtsanwalt hat der III« Zivilsenat des Bundesgerichtshofs auf die mündliche Verhandlung vom 17» November 1958 unter Mitwirkung des Senatspräsidenten Prof« Br« Geiger sowie derBundesrichter Br, ICreft, Br« Arndt, Br« Wo1any und Br« Beyer für Recht erkannt s Dor Kläger verlangt von der Gemeinde aus dem Gesichtspunkt der AmtspflichtVerletzung Ersatz des Schadens, der ihm durch die unrichtige Bescheinigung des Bürgermeisters entstanden sei. Die Gemeinde hält sich aus Rechtsgründen zu dem Ersatz nicht für verpflichtet * Sie hat auch die Entstehung eines Schadens "bestritten und Abweisung der Klage beantragt« —tmmmm»m» V»—• m» mm tmm Das Berufungsgericht hat zur ’Begründung der Klagabv/ci-sung folgendes ausgeführts Klagogrund sei nur § 859 EGB« Bor Bürgermeister habe in Ausübung öffentlicher Gewalt seine Amtspflichten verletzt, soweit er auf dem Formblatt beurkundete, habe seinen rechtmäßigen Wohnsitz oder gewöhnlichen Aufenthalt in gehabt und sei dort seit Juli 1945 ansässig gewesen; denn das sei unrichtig« Da aber der Anspruch auf Haft ent Schädigung zur Zeit der Amtshandlung nicht übertragbar gewesen sei, habe der Bürgermeister keine dem Kläger gegenüber obliegende.Amtspflicht verletzt« Dem Berufungsgericht ist dorin beizutreten, daß der Bt'r germeister bei Erteilung der Aufenthaltsbcschoinigungen hl Ausübung öffentlicher Gewalt handelte« Die Gcmeindo haftet dÄ für Amtspflichtverletzungen nur nach Maßgabe von Art« 54 GO und § 839 BGB« Unrichtig ist die Auffassung der Revision, ui destens bestehe eine Haftung auch nach "allgemeinen Vorschri* ten"; denn bei Verfehlungen von Beamten in Ausübung öffentlicher Gewalt richtet sich die Haftung nur nach § 839 BGB, der die Anwendung"allgcmciner Vorschriften?ausschließt Bic Frage, ob eine Amtspflicht lediglich im Interesse der Allgemeinheit oder im innerdienstlichen Interesse oder ob sie auch im Interesse einzelner Personen, und gegebenenfalls welchen Personen gegenüber sie besteht, richtet sich nach dem Zweck der Vorschriften, die die Amtspflichten'begründen« Zwar sind Britto nicht nur die unmittelbar am Amtsgeschäft Beteiligten, sondern u« U» auch andere Personen, deren Belange durch das Amtsgeschiift unmittelbar oder mittel-bar berührt werden« Ist aber eine Amtspflicht nach Art und Zweck auf einen bestimmten Kreis von Personen beschränkt, dann liegt dem Beamten die Amtspflicht nicht auch anderen Personen gegenüber ob, selbst wenn ihre Interessen durch die Amtshandlung odor deren Nachwirkungen betroffen werden (BGHZ 18, 1.10/H3; 20, 53/56; 26, 232) , Im vorliegenden Palle hatte der Bürgermeister gegen die Amtspflicht verstoßen, Auskünfte, Bescheinigungen und Urkunden wahrheitsgemäß auszustellen« Biese Amtspflicht, Bescheinigungen über die Verhältnisse oder Beziehungen bestimmter Personen richtig zu erteilen, besteht zunächst den betroffenen Bürgern gegenüber, Uber die die Auskunft erteilt wird oder dio die Erklärung oder Bescheinigung betrifft» Bie Amtspflicht besteht auch gegenüber dem Antragsteller, auf dessen Ersuchen die Behörde im Einzelfall tätig wird« Möglicherweise hatte die Gemeinde Amtspflichten auch dem Staat gegenüber, weil-die Erklärungen der Gemeinde für die Verpflichtungen des Staates von wesentlicher Bedeutung waren« Bamit erschöpft sich aber nach Sinn und Zweck der Amtspflichten hier der Kreis*derjenigen, denen gegenüber die Pflicht zur wahrheitsgemäßen Bescheinigung bestand» Hat del' Beamte Amtspflichten gegenüber bestimmten Einzelpersonen, denn bestehen diese Amtspflichten nicht auch gegenüber dessen Gläubiger, Bürgen, Zessionären oder Vertragspartnern, denen gegenüber sich etv/a der Betroffene auf die Amtshandlung berufen hat* Das gilt insbesondre, wenn diese weiteren Personen erst durch besondere Rechts-geschäfbe nach Abschluß der Amtshandlung in Beziehungen zu dem Betroffenen treten* Im vorliegenden Pull kommt hinzu, daß zur Zeit der Amtshandlung der Anspruch auf HaftentSchädigung noch, nicht förmlich festgesetzt und, wie das Berufungsgericht richtig ausführt, damals unübertragbar \var6 Der Bürgermeister hat also "im vorliegenden Pall keine Amtspflicht verletzt, die ihm dein Kläger gegenüber oblag (so auch BayObDGZ 1956, 40/44) o Die Klage ist deshalb mit Recht abgewiesen, ohne diß es eines Eingehens auf das weitere Klagvorbringen bedarf, so daß die Revision mit der Kostenfolge des § 97 ZPO zurtickzuweisen ist.